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Montag, 19. Dezember 2016

KING DUDE / "Sex" / Van Records / 11 Tracks / 40:11 Min

Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, noch nicht einmal existieren muss (Charles Baudelaire).
Thomas Jefferson Cowgill - seines Zeichens KING DUDE - kommt zum sechsten mal mit einer Offenbarung aus seinem Kosmos hernieder, um seine Jünger um sich zu scharen, mit ihnen den Rock 'n' Roll Spirit zu beschwören und um mit ihnen bizzare Geschichten abseits des Mainstream zu teilen. Tenor der neuen Botschaft: SEX
Wie nicht anders zu erwarten war, kommt auch diese neuerliche Heimsuchung einem dunklem, betörendem Trip gleich, der seinem Ursprung sowohl in David Lynch's "Twin Peaks" genommen haben könnte, als auch bei einer Teufelsaustreibung.
So umarmen KING DUDE nahezu auf dem kompletten Album, eine Ausnahme bildet nur das punkrotzig aufspielende "Sex Dungeon USA", gewohnt leidenschaftlich die Melancholie und kokettieren mit dem, für ihre Veröffentlichungen typischen Mix, aus fragiler Schönheit und Morbitität.
Da KING DUDE aber schon immer eine Aversion gegen Konventionen jeglicher Art hatte, kann man auch auf "Sex" eine gewisse, wenn auch dezente, Weiterentwicklung feststellen.
So hört man z.B. bei "Holy Christos" eine musikalische Verneigung vor TYPE O NEGATIVE heraus. Bei "Swedish Boys Drum" fühlt man sich an die Anfangstage von THE RAVEONETTES erinnert und bei "The Girls" zieht es TJ Cowgill gar hin zum Indie Rock.
Und trotz all dieser Neuerungen ist "Sex" beileibe kein untypisches KING DUDE Album, auch wenn dem ein oder andern von euch, vor Schreck die Akustik Gitarre aus der Hand gefallen sein dürfte.
Immer noch schafft es der Hohepriester des Neo Folk, jedem Song seinen Stempel aufzudrücken, mit seiner Stimme Emotionen zu transportieren und den Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.
Am besten funktioniert dies bei "Who Taught You How to Love", "Shine Your Light" und "I Wana Die at 69".

Fazit: KING DUDE gewährt auf "Sex", ein paar bisher eher weniger beschworenen (musikalischen) Geistern Zutritt zu seinem inneren Zirkel, und fügt deren Essenz zu seiner magischen Neo-Folk-Welt hinzu. Dies geschieht (zumeist) allerdings nur marginal, sodass Sex am Ende die schönste Nebensache der Welt bleibt. (JK)

7.5 von 10

https://www.facebook.com/kingdudemusic

Montag, 29. August 2016

Konzertbericht KING DUDE + FOIE GRAS 15.8.2016 München - Backstage (Club)

Die partielle Abwesendheit der Magie. Der kleine Club im Backstage zu München ist an diesem sommerlichen Montag fest in der Hand von Menschen, für die die Farbe Schwarz nicht nur mehr Aussagekraft hat, als alle Farben des Regenbogens zusammen, sondern schlichtweg ein Lebensgefühl ist. Da ist es dann auch egal, welcher Subkultur man angehört - Neo-Folk, Dark-Ambient, Metal - Musik verbindet.
"Schuld" an diesem Familientreffen der schwarzen Szenen ist Thomas Jefferson Cowgill, der seit 2010 im düster-musikalischen Untergrund sein Unwesen treibt und unter seinem Küstlernamen KING DUDE es vermag, die geneigte Hörerschaft zu verzaubern.
Doch bevor der Meister die Gitarre schwingt, darf FOIE GRAS auf die Bühne, um als Opener zu fungieren.
FOIE GRAS Live (© by metal-is-forever)
Die Dame, die sich in der deutschen Übersetzung "Stopfleber" nennt (warum auch immer), muss wohl dem Spruch "In der Kürze liegt die Würze" eine Menge abgewinnen können. Wie sonst soll man es deuten, dass FOIE GRAS  es kaum mehr als 15 Minuten auf der Bühne ausgehalten hat, um das andächtig lauschenden Publikum mit ihrem Liedgut zu unterhalten. Zwei mega-kurze Akustik-Titel zum warm werden, danach kurz die E-Gitarre eingestöpselt, um 4 weitere, sehr kurz gehaltene Titel, mit viel Hall und Echo zum besten zu geben - that's it. Die "Stopfleber" entschwindet tatsächlich, sang- und klanglos nach etwas mehr als einer Viertelstunde und wart nicht mehr gesehen. Sachen gibt's.
Zum Glück war niemand extra wegen dieser Dame angereist, oder doch? Wie dem auch sei, widmen wir uns nachhaltigeren Dingen - dem Auftritt von KING DUDE.
Inszeniert in blau-weißen Licht betritt TJ Cowgill samt Begleitband die Bühne, grüßt kurz und lässt gleich zu Beginn einen seiner rockigsten Titel ("Black Butterfly") vom Stapel, der nach dem kurzen Stopfleber-Intermezzo und der langen Umbaupause gerade richtig kommt, um müde Geister im Publikum wieder munter zu machen.
KING DUDE Live (© by metal-is-forever)
Allerdings bewiesen die Amerikaner in der Folge kein gutes Fingerspitzengefühl, was die Auswahl der Songs betrifft, die es auf die Setlist geschafft hatten. So finden sich im knapp bemessenen Hauptteil des Sets fast nur Titel vom aktuellen Album.
Es ist verständlich, dass man sein neuestes Werk der Öffentlichkeit live vorstellen möchte, doch ein bisschen mehr Ausgewogenheit hätte es schon sein dürfen. Ältere Titel wie "Miss September" oder "Jesus in the Courtyard" brachten immerhin etwas Abwechslung und wurden andächtig und fast schon paralysiert vom Münchner Publikum aufgesogen.
Als nach kurzen 45 Minuten (Nettospielzeit) KING DUDE von der Bühne gingen, hatte man schon schlimmste Befürchtungen, dass der heutige Abend, als der kürzeste Konzertabend, in die Geschichte des Backstage eingehen könnte.
Erfreulicherweise wurde dies nicht bestätigt und TJ Cowill kehrte nach einer kurzen Verschnaufpause für drei weitere Lieder (zunächst alleine) auf die Bühne zurück. Nach "River of Gold" gesellte sich dann auch der Rest der dunklen Trupppe wieder dazu und gemeinsam ließen KING DUDE dann noch drei neue Songs (allesamt bisher unveröffentlicht) folgen.
KING DUDE Live (© by metal-is-forever)
Obwohl es am Ende fett Applaus für die Performance von KING DUDE gab, bleibt ein fader Beigeschmack zurück, da weder KING DUDE und erst recht nicht FOIE GRAS heute es geschafft haben, durchgängig die Magie zu erzeugen, die normalerweise von der düster schönen Musik ausgeht. (JK)