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Sonntag, 15. Dezember 2019

Konzertbericht SWALLOW THE SUN + OCTOBER TIDE + OCEANWAKE - 13.11.2019 München/Backstage

Kaum dass es draußen wieder kühler wird, besteigen die finnischen Death Doomer von SWALLOW THE SUN den Nightliner und fahren zusammen mit OCTOBER TIDE und OCEANWAKE eine Tour, die sich genau zwischen Helloween, dem Buß- und Bettag, sowie dem Totensonntag bestens aufgehoben fühlt: "When a Shadow is Forced Into the Light Tour 2019 - Pt. II"


OCEANWAKE

Wer dieses Tourpackage zusammengestellt hat, hat sich definitiv was dabei gedacht. Nicht nur, dass alle drei Bands stilistisch harmonieren, auch die Tatsache, dass sich der Abend von der Intensität langsam steigert, hat was von (gewollter) Inszenierung.
OCEANWAKE (© by metal-is-forever-alive)
Um entspannt in den Abend reinzukommen, hat der Tour-Regisseur (nennen wir diese(n) Unbekannte(n) mal so) die finnischen Slow-Motion Strategen von OCEANWAKE auserkoren, mit ihrem Death/Doom/Post Metal Mix das melancholische Fundament für den weiteren Verlauf des Abends zu zementieren.
Mit "Radiant Nightbreak", dem Opener, gelingt dies aber nur bedingt, da viele Zuschauer dem Treiben auf der Bühne zwar interessiert, aber wenig enthusiastisch Beachtung schenken. Und so löst sich der anspruchsvolle Gedanke, was Dramaturgie und Bandbesetzunge betrifft, innerhalb von Minuten auf. OCEANWAKE bekommen in den nächsten 25 Minuten zwar noch einigermaßen die Kurve (vor allem dann, wenn es mal etwas härter wird), verlassen aber letztendlich die Bühne, ohne auf der selbigen, bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.


OCTOBER TIDE

Ein komplett anderes Bild bietet sich dem Konzertgänger nach einer angenehm kurz gehaltenen Umbaupause. Wo eben noch (weitesgehend) Anspruch und Realität nicht zusammen passen wollten, greift nun ein Rädchen ins andere.
OCTOBER TIDE (© by metal-is-forever-alive)
Nicht nur dass die Schweden um ex-KATATONIA Gitarrist Frederik Norrman um einiges heftiger als ihre finnischen Tourgenossen von OCEANWAKE unterwegs sind, auch die einzelnen Komponenten im Death/Doom Gebälk von OCTOBER TIDE versprechen (und halten) wesentlich mehr Abwechslung und Intensität. Nicht ganz schuldlos daran ist sicherlich die Tatsache, dass OCTOBER TIDE mit "In Splender Below" ein neues, starkes Album im Gepäck haben. Mit "I, the Polluter" und "Ögoblick Av Nåd" von besagtem Album lassen die Schweden dann nicht nur die Halle erbeben, sondern zeigen dabei auch noch eindrucksvoll, dass Midtempo durchaus kraftstrotzend und spannend sein kann. Überhaupt hat man den Eindruck, dass OCTOBER TIDE seit ihrem Comeback vor zehn Jahren nicht nur menschlich sondern auch musikalisch gereift sind. Eine in sich stimmige Performance, sowie eine ausgewogene Setlist mit einem Potpourri des bisherigen Schaffens unterstreichen dies. Nach "Adoring Ashes", dem letzten Song des Auftritts, gibt es dann auch die verdiente Anerkennung vom Publikum dafür, in Form von lautstarken Beifallsbekundungen.


SWALLOW THE SUN

Wer sich im Vorfeld mit der Thematik der aktuellen SWALLOW THE SUN Veröffentlichung auseinandergesetzt hat, der dürfte, nachdem das erlöschende Hallenlicht das baldige Erscheinen der Finnen ankündigt, schnell noch einen Drops gelutscht haben, um den (Trauer-)Kloß im Hals in den Griff zu bekommen. Eine spärlich ausgeleuchtete und in Nebelschwaden gehüllte Bühnenkulisse, sowie die Klänge "Lumina Aurea" (vom Band) bilden die perfekte Szenerie für die kommende anderthalbsündige Lehrstunde in Sachen atmospärischen Death/Doom.
SWALLOW THE SUN (© by metal-is-forever-alive)
Mit "When a Shadow is Forced Into the Light" haben SWALLOW THE SUN einen Titel auserkoren, das Set zu eröffnen, der nicht nur Titeltrack des aktuellen Albums ist, sondern auch gleich unverblümt, wenn auch sehr poetisch, auf den Punkt kommt, und vom großen Schmerz (...it rips through your chest, and burns like a fire...) Juha Raivios nach dem Abbleben seiner großen Liebe erzählt. Seufz. Schluck. Schnief. Passend zur Stimmung sind die Protagonisten auf der Bühne in schwarze Umhänge mit (tief ins Gesicht gezogenen) Kapuzen gehüllt, was einer Prozession gleichkommt, es aber auch (nahezu) unmöglich macht, Mimik auf den Anlitzen der Musiker deuten zu können. Da auch Ansagen oder Konversation mit dem Pubilkum auf ein Minimum reduziert wurden, passiert genau das, was SWALLOW THE SUN wohl damit bezwecken wollen: man (oder Frau) leidet förmlich mit.
Was wiederum Annerkenung und Respekt verdient, denn  selten hatte ein Konzert eine passendere Atmosphäre, als heute Abend.
Um diesen besonderen Moment nicht außerfahrplanmäßig zu "gefährden" bringen SWALLOW THE SUN nahezu das komplette "When a Shadow is Forced Into the Light"-Album auf die Bühne. Nur "The Crimson Crown" und "Never Left" kommen nicht zu Live-Ehren. Dass letztgenannter Song nicht geboten wird, empfindet man fast als Erleichterung, liefe man doch ansonsten Gefahr, den Heimweg in Depri-Stimmung antreten zu müssen. Und so entlassen SWALLOW THE SUN  die textlich mitleidende und musikalisch euphorisierte Gefolgschaft mit  "Emerald Forest and the Blackbird" (ohne Anette Olzon) und "Swallow, Horror Part 1"" in die herbstliche Nacht. (JK)


Montag, 21. März 2016

Pics vom OMIUM GATHERUM / DRACONIAN / YEAR OF THE GOAT / OCEANWAKE Gig in München (3.3.2016)


OMNIUM GATHERUM Live (© by The Discovered Land)

OMNIUM GATHERUM Live (© by The Discovered Land)

OMNIUM GATHERUM Live (© by The Discovered Land)

DRACONIAN Live (© by The Discovered Land)

DRACONIAN Live (© by The Discovered Land)

YEAR OF THE GOAT Live (© by The Discovered Land)

YEAR OF THE GOAT Live (© by The Discovered Land)

OCEANWAKE Live (© by The Discovered Land)

OCEANWAKE Live (© by The Discovered Land)

Konzertbericht OMNIUM GATHERUM + DRACONIAN + YEAR OF THE GOAT + OCEANWAKE - 3.3.2016 München/Backstage (Werk)

Pünktlich zum Start ins Wochenende luden OMNIUM GATHERUM zu ihrer "Towards the Unknown"-Tour am 3.3.2016 in die den Münchnern ach so vertrauten Hallen des Backstage.
Mit OCEANWAKE, YEAR OF THE GOAT und DRACONIAN im Rücken wurde den Besuchern ein sehr abwechslungsreiches Bandpotpourri geliefert.

Mit einer ärgerlichen Verspätung, von einer geschlagenen halben Stunde, startete die erste Band OCEANWAKE relativ unspektakulär in den Abend.
Nach dem bereits verzögerten Ablauf war man als Gast etwas überrascht, als die fünf Jungs plötzlich, wie aus dem Nichts mit ihrem Set loslegten.
Wer auf der Bühne die übliche Aufstellung einer Band erwartet hatte, tat sich wohl zunächst schwer den Gesang zu zuordnen. Der Sänger Eero Haula hielt sich nämlich entgegen der gängigen Vorgehensweise im Hintergrund und positionierte sich direkt neben dem Drummer.
Der Sound, mit dem OCEANWAKE auftrumpften konnten, war allerdings für einen Opening-Act nicht zu verachten. Trotz schleppendem Start und zurückhaltendem Publikum, gelang es der Band mit ihrem Progressive Doom mit Death Einflüssen im Laufe ihres Auftritts den Saal mit guter Stimmung und vielen Erwartungen an das folgende Programm zu füllen.
YEAR OF THE GOAT setzten dann unter "erschwerten" Voraussetzungen, das Publikum für sich zu begeistern, den Abend fort. Der Stil des sechsköpfigen Gespanns ist wohl alles andere als vergleichbar, mit dem der restlichen Bands. Beim Blick in die Menge verwunderte es also nicht, in das ein oder andere unentschlossene Gesicht, was denn damit anzufangen wäre, zu blicken.
Mindestens genauso unerwartet wie die musikalische Ausrichtung, war wohl auch die ungewöhnliche Stimmfarbe von Vocalist Thomas Sabbathi, die man ihm auf den ersten Blick wohl kaum zugetraut hätte. Gesanglich begleitet von Bandkollege Pope kreierte das zweistimmige Duo eine düstere Atmosphäre, in die man sich als Zuhörer begleitet von harten und treibenden Gitarrenklängen entführen ließ. Traumhaft schön, aber für die meisten, eben doch etwas gewöhnungsbedürftig. So verblieb das Publikum am Ende geteilter Meinung über den Auftritt der Schweden.
Mit großen Erwartungen fieberten die Fans nun dem Auftritt von DRACONIAN entgegen, die allerdings mit einem relativ laschen Beginn und wenig enthusiastisch in ihren ersten Song starteten. Mit einem wilden Stilmix aus Gothic und Doom hätte man wohl durchaus einen aufregenderen und vor allem abwechslungsreicheren Auftritt gestalten können. Vor allem die harten, wuchtigen Klänge, mit denen DRACONIAN meistens am Beginn ihrer Songs auftrumpften, machten eigentlich Lust auf mehr! Die Erwartung der Zuhörer wurde jedoch immer wieder schnell von zu vielen, ruhigen Gesangparts ausgebremst. Schade. Urteilt man allerdings nach dem Stimmungsbarometer des Publikums, konnte man den Auftritt von DRACONIAN dann aber doch als Erfolg verbuchen.
Viele der Zuschauer schienen sogar an diesem Abend nur wegen den Schweden  DRACONIAN gekommen zu sein, denn der Saal hatte sich sichtlich gelehrt, als die Headliner OMNIUM GATHERUM ihren Auftritt mit anfänglichen Technikproblemen begannen. Leider verlor sich der Gesang während den ersten zwei bis drei Songs gänzlich im restlichen Sound der Band. Die anfänglichen Probleme wurden jedoch professionell übergangen und es sich trotzdem auf gekonnte Art und Weise im Melodic Death gemütlich gemacht. Auf große Ansprachen vor und zwischen den Songs wurde verzichtet, was der Stimmung in der Halle zugute kam. Ein Song jagte den anderen und heizte das Publikum immer weiter auf, dass sich haarewehend und mitgröhlend der Band verschrieb.
Und so endete ein wirklich ereignisreicher Abend im Backstage, der im Gegensatz zu vielen anderen Konzerten keinen einheitlichen musikalischen Leitfaden hatte. Selten hat man wohl eine so unterschiedliche Aufstellung von Metalgenres in einem Tour Gespann auf einer Bühne vereint. Was einerseits für willkommene Abwechslung sorgte, es andererseits allerdings schwer machte, als Zuhörer "anzukommen“.  (SM)