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Dienstag, 21. Mai 2019

DARK EASTER METAL MEETING 2019 - 20./21.April 2019 München/Backstage

Winterschlaf ade - das Backstage zu München lockt zum achten Mal mit einem prall gefüllten (metallischem) Osternest: DARK EASTER METAL MEETING 2019


"Das Grab war leer", so steht es zumindest im Markus Evangelium, welches zu Ostern gerne zitiert wird. Doch wohin ist der Sohn der Zimmermanns verschwunden? Darüber streiten sich seit langem die Gelehrten. Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand. Zumindest wenn sich diese Geschichte heutzutage abspielen würde und die Kreuzigung in München ihren Ursprung gehabt hätte: Er wäre zum Dark Easter Metal Meeting gegangen!
Wo sonst, als im Backstage trifft man zu Ostern auf eine treue und eingeschworene Gemeinde, die nichts anderes im Sinn hat, als dem einzig wahren Gott, dem der metallischen Klänge, zu huldigen und ihn lobzupreisen?
Und so ist das Dark Easter Metal Meeting auch in diesem Jahr für die "Gläubigen" die einzig wahre Pflichtveranstaltung zu Ostern.
Umsomehr, wenn Hohepriester vom Kaliber TRIPTYKON, TSJUDER, TAAKE & Co der österlichen Liturgie der anderen Art, in den heiligen Hallen des Backstage dem Meeting vorstehen. Hallelujah!


TAG 1 - Samstag


DEAD ALONE

Wie es sich für ein Bayerisches Musikfestival gehört, wird auch das Dark Easter Metal Meeting (DEMM) zu München, mit heimatlichen Klängen eröffnet: Mit Death Metal aus Miesbach: DEAD ALONE.
Wobei man den vier Bajuwaren offentsichtlich keinen Gefallen tun würde, ihre Mucke als profanen Death Metal abzutun. Dazu ist das Dargebotene zu facettenreich. Melo Death Metal mit Doom Würze und einer Prise atmosphärischem Black Metal trifft den Nagel wesentlich besser auf den Kopf. Eine Mischung, die eigentlich wie gemacht ist, um ein Festival wie das DEMM zu eröffnen. Doch leider stehen sowohl der grenzwertige Sound, als auch die hüftsteife Darbietung der Truppe, dem ganzen hinderlich im Weg. Die meisten der Anwesenden im gesteckt vollen Club sehen dies wohl ähnlich und verbringen die halbe Stunde, die sich DEAD ALONE auf der Bühne mühen, relativ regungslos auf ihrem Platz. Deshalb schnell weiter zum nächsten Act.


GEHENNA

Im großen Werk kann man sich bereits zu früher Stunde (15.45 Uhr) von den Schminkkünsten norwegischer Black Metal Größen überzeugen. Die Truppe um Sanrabb hat selbstverständlich aber noch mehr drauf, als ihr nordisches Anlitz, mit Unmengen von farblich aufeinander abgestimmten (schwarz/weiß ist immer noch en vogue) Gesichtspflegecremes aufzuhübschen - nämlich harsche Riffs mit doomig anmutenden Tempowechseln zu verbinden.
GEHENNA (© by sabine thiele foto)
Doch irgendwie will der Funke heute nicht gänzlich überspringen. Ob es am frühen Slot lag, am, für Norweger eher ungewohnt mediteran-heißen Tag, oder doch, am ebenfalls nicht optimalen Sound, bleibt im Dunkeln. Fakt ist: GEHENNA wirken die ganzen 45 Minuten ihrer Show total angepisst. Passt doch, Black Metal eben, werdet ihr jetzt sagen. Attitude und lustlos am Mikro rumstehen sind zwei verschiedene Paar Stiefel, erwidere ich dann. Immerhin konnten GEHENNA mit ihrer Setlist überzeugen, auch wenn die Präsentation der Songs ein klein wenig mehr Dynamik der Protagonisten nicht geschadet hätte. So bleibt am Ende ein solider Auftritt der Norweger in Erinnerung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.


SEAR BLISS

Der nächste Programmpunkt genießt innerhalb der Szene immer noch Exotenstatus, was nicht zuletzt dem Einsatz einer Posaune geschuldet ist. Dabei ist es gerade der, für Black Metal Ohren, ungewohnte Klang eines Blechblasinstruments, der SAER BLISS aus dem oftmals relativ ähnlich strukturiertem Extrem Metal Sektor hervorhebt. Trotzdem, oder gerade deswegen präsentiert sich die mittlere Halle im Backstage sehr gut besucht, als SEAR BLISS um kurz nach 18 Uhr in ihr Set mit "Two Worlds Collide" einsteigen. In den folgenden 50 Minuten arbeiten sich SEAR BLISS durch ihre Setlist, die insgesamt 8 Tracks bereit hält. Relativ schnell kristallisiert sich allerdings heraus, dass die Ungarn anscheinend eine Kleinigkeit auf der heutigen Setlist "vergessen" haben: Songs der ersten drei Alben. Schade, aber verschmerzlich, da SEAR BLISS das Liedgut der neueren Alben leidenschaftlich rüberbringen und der letzte Song des Auftritts "1100 Years Ago" doch noch Oldschool-Feeling versprüht. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings dann doch noch: der Soundmann ist ausgerechnet der Posaune nicht besonders wohl gesonnen, zieht sie doch gegen die Übermacht der Saitenintrumente öfters den Kürzeren. Dennoch: Thumbs Up - guter Auftritt!


GOATH / ESSENZ / MORD 'A' STIGMATA

Die beste Musik gibt es im Club, so die allgemeine Tendenz. Hier passt wirklich alles. Geniale Newcomer-Bands und Szene Geheim-Tipps, (zumeist) guter Sound und eine Videoinstallation über der Bühne, die passend zur jeweiligen Band, den perfekten (visuellen) Rahmen bildet. Leider (für den Verfasser dieser Zeilen) sehen dies, nach relativ kurzer Zeit, etliche Festivalbesucher ebenso, so dass ein guter Platz während der Gigs nur äußerst selten zu ergattern ist. Und auch die Tatsache, dass meine Wenigkeit alleine auf dem Festival unterwegs ist und unmöglich alles abdecken kann, macht erfinderisch. So werden an dieser Stelle drei Konzerte kurz zusammengefasst.
GOATH ziehen sich im klassischen Black Metal Outfit (Corpsepaint, Nieten, Leder) mit ihren tiefschwarz gefärbten Death Metal, passabel aus der Affäre. Nicht die leichteste Aufgabe. Immerhin müssen sie gegen URN und ADVENT SORROW anspielen, die in den größeren Hallen den Besuchern einheizen.
Mein Kurzbesuch bei ESSENZ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen: verdammt wenig Stimmung beim Auftritt der Berliner. Und dass, obwohl hier eine der geilsten Riffmaschinen des deutschen Undergrounds auf der Bühne steht. Zum anderen: Sänger/Bassist G.ST. ist lädiert. Wie ein Häufchen Elend sitzt er auf einem Hocker und müht sich (vergeblich) ab, in dieser Position eine gute Figur zu machen.
MORD'A'STIGMATA  hingegen geben in jedem relevanten Punkt (Songmaterial, Bühnenpräsenz, Atmosphäre) eine gute Figur ab. Mit ihrem Post Black Metal ziehen sie nicht nur eine stattliche Anzahl von Zuhörern an, sondern sorgen auch dafür, dass selbige total fokusiert das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Reife Leistung der Polen.


TSJUDER

Das erste ganz große Highlight des ersten Festivaltages folgt auf den Fuss: TSJUDER. Es gibt wohl kaum eine Black Metal Band auf diesem unheiligen Planeten, die die hohe Kunst der (konstanten) Blastbeat-Attacke so beherrscht, wie die Truppe um Nag. Weil dies jedoch nicht jedermanns Sache ist, fliegen die Norweger, obwohl bereits seit 1993 aktiv, bei einigen immer noch unter dem Radar. Nicht aber heute Abend. Brechend voll ist die Halle, als Drummer AntiChristian leicht verspätet auf die Bühne hetzt und ohne lange Anlaufzeit die "Knüppel-aus-dem-Sack-Darbietung" mit "The Deamon Throne" eröffnet. Wie es sich für wilde, norwegische Pandas gehört, verziehen TSJUDER während der 50-minütigen Show (kaum) eine Miene. Stattdessen überbieten sich die Herren gegenseitig, im grimmig dreinschauen und fies rüberkommen. Einfach nur herrlich, diesem Oldschool-Spektakel beiwohnen zu dürfen. Der Höhepunkt des Auftritts war jedoch das BATHORY Cover "Sacrifice", welches für kollektives Gänsehaut-Feeling sorgte. 


TIAMAT

Zum Abschluß des ersten Festivaltages strömen die Massen ins große Werk, der größten der drei Hallen im Backstage, um die wohl am meisten polarisierende Band des gesamten Festivals zu begutachten. Für die einen sind TIAMAT eine der abwechslungsreichsten Bands der nördlichen Hemisphäre, die Dank ihrer frühen 1990er Jahre Alben perfekt zum Festival passen, für die anderen sind die Schweden nichts anderes, als eine weichgespülte Majorlabel Truppe. Die Wahrheit liegt, wie so oft, auch hier in der Mitte.
Tiamat (© by sabine thiele foto)
Wohlwissend um die, in dieser Frage, gespaltenen Fanlager, wurde von der Festivalleitung, vor Verpflichtung von TIAMAT für das DEMM, auf ein (zu großen Teilen) Oldschool-Set bestanden. Da die egozentrischen Flegeljahre eines Johan Edlund bereits einige Jährchen zurückliegen, wird zumindest diese Bookinggrundlage während der nun folgenden 75 Minuten strikt eingehalten ... nahezu. Bis auf "Vote for Love" vom "Judas Christ"-Album (2002) und "Divided" vom Prey"-Album (2003) kredenzen TIAMAT ansonsten nur Songs der beiden Alben "Clouds" (1992) und "Wildhoney" (1994). Passt also.
Was nicht ganz passen mag, ist hingegen der als misslungen zu wertende Versuch von Johan Edlund, der Bühnenshow durch sein Outfit ("Corpsepaint", Pepita Hut, Sonnenbrille) eine besonders grimmig wirkende Note zu verleihen. Hatte in Wahrheit aber eher etwas von "Freddy Krüger auf Kaffeefahrt".
Keine Angriffsfläche hingegen bot die Setlist, die gekonnt den Spagat zwischen Death Metal und Gothic-Metal hinbekam und für (nahezu) jeden Geschmack etwas in petto hatte.
Mit "Gaia" geht der erste Festivaltag ruhig zu Ende und gönnt dem Trommelfell etwas Erholung, bevor es morgen mit der vollen Dröhnung wieder weitergeht.


TAG 2 - Sonntag


WALDGEFLÜSTER

Der zweite Festival Tag beginnt (für uns) genauso wie der erste, mit heimatlichen Klängen. Welchen Stellenwert sich WALDGEFLÜSTER aus München in den letzten Jahren innerhalb der schwarzen Gemeinde erarbeitet hat, sieht man alleine schon an der Tatsache, dass die Halle heute aus allen Nähten platzen zu droht. Da bietet es sich doch an, den Massen den vor wenigen Tagen erschienenen fünften Longplayer ("Mondscheinsonaten") live vorzustellen - zumindest Teile davon. Da WALDGEFLÜSTER aber dafür bekannt sind, sich innerhalb der einzelnen Songs nicht gerade kurz zu fassen, passen gerade einmal 5 Lieder auf die Setlist: 3 vom neuen Album und jeweils eines vom "Ruinen"-Album ("Weltenwanderer") bzw. "Femundsmarka"-Album ("Fichtenhain"). Es ist durchaus verständlich, dass eine Band ihr neues Album vorstellen und promoten will, aber es muss auch die Frage erlaubt sein, ob dies bei einem Festival-Kurzauftritt in dieser Fülle sein muss. However.
Was es aksutisch auf die Ohren und visuell zu bestaunen gab, war aller Ehren wert. Und so gab es nach 50 schweißtreibenden Minuten (eine Luft zum Schneiden) großzügige Beifallsbekundungen seitens des Publikums.


INFESTUS

Zeitgleich zur Hitzeschlacht bei WALDGEFLÜSTER in der Halle fand im kleinen Club ein nahezu intimes Konzert statt. Währnd der Großteil der Festivalbesucher sich offensichtlich bei WALDGEFLÜSTER herumtreibt oder sich vor den Gigs der Headliner mit Speis und Trank versorgt, findet man bei INFESTUS ausreichend Platz, um sich in wohltemperierter Umgebung dem kreativen Black Metal der deutsch-österreichischen Truppe hingeben zu können.
INFESTUS (© by metal-is-forever-alive)
Wer nicht gekommen ist, dürfte sich hinterher in den Allerwertesten gebissen haben, gab es doch den (meiner Meinung nach) besten Auftritt im Club beim diesjährigen DEMM zu bewundern. INFESTUS können nämlich nicht nur auf perfekte Soundverhältnisse zurückgreifen, sondern haben auch den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Nicht wenige dürften bei INFESTUS nur vorbeigeschaut haben, weil nebenan in der Halle zeitweise kein Einlass mehr gewährt wurde und wurden dann vom dynamischen INFESTUS Gig förmlich umgeblasen. Nicht unwesentlich "schuld" daran war die beeindruckende Performance von Sänger Andreas, der einen absoluten Sahnetag erwischt hatte und mit seinen abwechslungsreichen Vocals der Show den perfekten Rahmen gab.


TAAKE

Nach diesem unerwartetem Highlight im Club folgt auf dem Fuße der von vielen sehnlichst erwartete Nachhol-Gig von TAAKE, die im letzten Jahr kurzfristig ihren Auftritt auf dem DEMM absagen mussten. Um die Vorfreude auf den heuteigen Auftritt noch zu steigern, wurde eine Oldschhool-Setlist angekündigt, ausschließlich mit Songs der ersten drei Alben. Doch Hoest wäre nicht Hoest, wenn er nicht für Überraschungen gut wäre - im positiven wie im negativen Sinne.
                                                                                       
TAAKE (© by sabine thiele foto)
Zuerst die positiven Eindrücke zusammengefasst. Selten durfte man einen so ausgelichen wirkenden und zu Kommunikation aufgelegten Hoest auf der Bühne erleben wie heute. Auch stimmlich ist Hoest voll auf der Höhe und seine Truppe liefert ebenfalls ordentlich ab - sehr zur Freude der Fanmassen.
Weniger erfreulich, bis sehr ärgerlich, die negativ belegten Eindrücke der 50-minütigen Show. Sound: durchwachsen. Lightshow: nicht zufriedenstellend (O-Ton Hoest). Setlist: nicht das versprochene/angekündigte Oldschool-Set. Nur drei der insgesamt sieben gespielten Songs haben ihren Ursprung vor dem Jahre 2005, so dass sich manch einer (zurecht) wie im falschen Film vorkam.
So bleibt am Ende ein Auftritt, der weder Fisch noch Fleisch war und die Fan-Gemüter noch einige Zeit beschäftigen dürfte.


UNLEASHED

Da kommt der Auftritt der kultigen Schweden von UNLEASH gerade recht, um sich den Frust über entgangene Oldschool-Freuden bei TAAKE, headbangend zu entledigen.
UNLEASHED (© by metal-is-forever-alive)
Nicht nur, dass die Mannen um Hauptwikinger Johnny Hedlund in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum begehen und dementsprechend bis in die Harrspitzen der langen Matten motiviert sind, machen die folgenden 50 Minuten zu einen Start Ziel Genuß.
Auch der Umstand, dass dort wo UNLEASHED drauf steht, auch Oldschool drin ist, spielt allen Beteiligten (Band und Publikum) in die Karten. Und so entwickelt sich in der Folge ein Death Metal Abriss, der jeden, der ihm beiwohnen darf, in seinen Bann zieht und nach dem unvermeidlichem Schlußpunkt "Into Glory Ride" schweißgebadet zurücklässt.


LIK

Der Übergang von UNLEASHED hin zu LIK geht fließend von statten - spielen doch beide feinsten Oldschool Death Metal, schwedischer Prägung. Eine Stilrichtung, die auf dem diesjährigen DEMM ansonsten unterrepräsentiert ist. Dementsprechend groß ist der Andrang.
LIK (© by metal-is-forever-alive)
Zu groß für den kleinen Club, der bereits wenige Minuten nach Showbeginn seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Rien ne va plus - nichts geht mehr. Dafür aber umso mehr auf der Bühne!
Gnadenlos trümmern sich LIK durch ihr energiegeladenes Set, welches von rohen und rasanten Riffs nur so strotzt, so dass nicht wenige LIK, als die einzig wahren Kronprinzen des schwedischen Todesstahl-Dreigestirns (BLOODBATH, DISMEMBER, UNLEASHED) ausrufen. Schaut man sich während des 40-Minuten-Gigs im Publikum um, kann man dem nur beipflichten. Fliegende Matten allenthalben und greckte Fäuste alle paar Meter - LIK rule!


TRIPTYKON

Nach der heftigen Death Metal Abreibung eben, kommen die Schweizer Hohepriester von TRIPTYKON mit ihrem tiefschwarzen Doom Metal gerade recht, um das Kräfteverhältnis zwischen aufstrebenden Newcomern und Ikonen des Metal wieder zurechtzurücken.
TRIPTYKON (© by metal-is-forever-alive)
Obwohl die Uhr gnadenlos Richtung Mitternacht tickt, füllt sich das Werk nochmals bis zum Anschlag, so dass Tom G. Warrior und sein TRIPTYKON den würdigen Rahmen, seinem Stauts entsprechend, geliefert bekommt. Ehre wem Ehre gebührt. Immerhin sprechen wir von keinem Geringeren, als dem "Erfinder" des Extrem-Metal.
Flankiert zwischen zwei riesigen Kreuzen auf der Bühne, lassen TRIPTYKON eine Setlist vom Stapel, die den Bogen zwischen Vergangenheit (CELTIC FROST) und Gegenwart (TRIPTYKON) ausgewogen spannt, und nicht wenige damit glücklich macht. "Synagoga Satanae" eröffnet die 75-minütige Reise durch den schwarzen Abgrund und lässt gleich zu Beginn erahnen, dass TRIPTYKON gewillt (und in der Lage) sind, das Publikum nochmals so richtig zu elektrisieren.
TRIPTYKON (© by metal-is-forever-alive)
Wenn auch die Glieder inzwischen schwer geworden sind und der Nacken anfängt zu schmerzen, nahezu jeder gibt sich den tonnenschweren Riffs hin. Und so entwickelt sich eine erinnerungswürdige Osterzeremonie, die alles ist, nur nicht stille Andacht. "Circle of Tyrants", "Tree of Suffocating Souls" und "Procreation (of the Wicked)" werden dementsprechend lautstark abgefeiert
Dass diese Art von Musik, zu vorgerückter Stunde, jedoch ihren Tribut fordert, liegt in der Sache der zähfließenden Doom-Natur. Und so leert sich noch vor den Finale grandioso ("Dethroned Emperor", "The Prolonging") das Werk sichtbar. Wer jedoch bis zum Ende aushält, kann in sein imaginieres Festival-Tagebuch notieren: TRIPTYKON: erhaben - mächtig - unvergleichlich.


DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT

Wer jetzt immer noch stehen kann, der gibt sich der kleinen Nachtmusik von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT hin. Wobei "Nachtmusik" nicht wirklich passend ist, wenn Onielar involviert ist. Mit ihren fiesen Vocals könnte sie (höchstwahrscheinlich) Tote aufwecken. Auch der Old-School-Black-Metal, norwegischer Prägung,  den DNS spielen, trägt sein übriges dazu bei, dass Hypnos bzw. Somnus noch keine Chance haben. Um den Reiz der Abschlußveranstaltung (im kleinen Club läuft zeitgleich der Gig von DAWN OD DISEASE) des diesjährigen Dark Easter Metal Meetings noch zu erhöhen, haben Onielar & Co angekündigt, auch Material vom brandneuen Album "Mardom" zu spielen. Gesagt, getan: mit "Mardom - Echo Zmory", "Exaudi Domine", A Beseechment Twofold" und "Imperishable Soulless Gown" finden sich dann auch vier Tracks von besagtem Album.
DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT (© by sabine thiele foto)
Die restliche Setlist setzt sich (logischerweise) aus älteren, aber nicht minder bluttriefenden Tracks der Schlachter-Innung zusammen. Höhe- und Schlußpunkt der Show von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT und des DEMM zugleich, ist das österliche Giveaway von Onielar, in Form von frischem Tierblut, welches sich spukender Weise über die ersten Reihen "ergießt". Mit dieser Herausforderung für jede Waschmaschine endet das DEMM und der schwarzgekleidete (Zuschauer-)Tross begibt sich Richtung Parkplatz oder zur S-Bahn, wo er zu später Stunde noch für den ein oder anderen ungläubigen Blick bei seinen nichtmetallischen Mitmenschen verantwortlich ist. Herrlich!

Acht Jahre gibt es das DARK EASTER METAL MEETING nun schon. Acht Jahre, in denen sich das Festival, bis weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus, einen vorzüglichen Ruf in der Extrem-Metal-Welt erarbeitet hat. Zum dritten Mal nacheinander war das Festival ausverkauft!
Ein Umstand, der nicht zuletzt der vorzüglichen Bandauswahl geschuldet ist. Lokale Bands. Newcomer. Top-Acts. Das DEMM hat ganz offentsichtlich die passende (Erfolgs-)Formel für den ereignis- und abwechslungsreichen Festivalgenuss gefunden. Weiter so!
Kein Genuss hingegen war das feilgebotene Essen auf dem Gelände. Hier lässt das Preis-Leistungs-Verhältnis noch arg zu Wünschen übrig.
Sieht man aber von diesem Problem ab und lässt auch den teilweise nicht zufriedenstellenden Sound außer Acht, ist Münchens österliche Kontraveranstaltung ansonsten über jeden Zweifel erhaben.
Wo sonst, als beim DEMM, bekommt man zu fairen Ticketpreisen (80 € + Gebühr), ein gut organisiertes 2-Tages-Festival dieser Größe (34 Bands) geboten. Noch dazu in einem der besten Metalclubs des Landes, mit eigenem Biergarten, mehreren Bars und kurzen Laufwegen zwischen den einzelnen Gigs.
So darf man schon jetzt auf die kommende Bandzusammenstellung gespannt sein und sich auf Ostern 2020 in der bayerischen Landeshauptstadt freuen! In diesem Sinne: Urbi et Orbi. (JK)


metal-is-forever-alive bedankt sich bei SABINE THIELE FOTO !


Sonntag, 15. April 2018

DARK EASTER METAL MEETING 2018 - 31.3. + 1.4.2018 München/Backstage



Corpsepaint, Menschenmassen und brennende Vorhänge: DARK EASTER METAL MEETING 2018


Ostern. Über die Herkunft des deutschen Wortes gibt es verschiedene Theorien: Im 8. Jahrhundert hat Beda Venerabilis die Herkunft auf die angelsächsische Morgengöttin Eostra zurückgeführt. Eine weitere Theorie verdächtigt die phönizische Fruchtbarkeitsgöttin Astarte, die der babylonischen Göttin Ischtar entsprach. Andere wiederum behaupten, dass nur der Eier hat, der am Wochenende nach Karfreitag ins Backstage pilgert, um, wie es seit Jahren Tradition ist, seine schwarzmetallischen Götter zu huldigen.
Wie dem auch sei, die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz, oder in diesem Fall auf der Bühne. Erstmals werden auf dem Dark Easter Metal Meeting (DEMM) drei Bühnen an beiden Tagen bespielt. Dieser Umstand und ein Billing der Extraklasse haben wohl (mit) dazugeführt, dass das Festival schon Wochen vor Beginn restlos ausverkauft war.



TAG 1 - Samstag


EWIGEIS

Mit dem halbstündigen Auftritt von EWIGEIS eröffnet das Dark Easter Metal Meeting 2018.
Was für das Festival der Startschuß ist, bedeutet für das Duo aus Schwabhausen das Ende - ist es heute doch der letzte Auftritt von EWIGEIS, die sich im Anschluß daran auflösen. Zehn Jahre haben sich Saat und Angsul durch den schwarzmetallischen Untergrund gerumpelt - ohne dabei für Furore zu sorgen. Ähnlich verhält es sich heute: Es wird geknüppelt, es wird gekrächzt und die Riffs sind nordisch angehaucht - doch Stimmung will nicht so richtig im Club aufkommen. Zu belanglos wirkt das Ganze, sodass höchstwahrscheinlich nur Die-Hard-Fans dem Duo eine Träne nachweinen werden. (JK)


UNLIGHT

Ganz anders als noch zuvor bei EWIGEIS verhält sich nun die Sachlage bei UNLIGHT. Mit ihrem feinem Mix aus Black Metal und Thrash treffen die Schwarzwälder bei den meisten der Anwesenden, wie es scheint, voll ins Schwarze. War zu Beginn des Sets noch eine leicht abwartende Haltung des Pulikums auszumachen, steigt die Zustimmung nun minütlich.
UNLIGHT (© by metal-is-forever-alive)
Zum ersten Mal am heutigen Tag gibt es lautstarke Beifallsbekundungen zwischen den Liedern, auch sieht man vereinzelt fliegende Matten, sodass nun auch von Festivalstimmung gesprochen werden kann. Leider kann der Sound mit der Performance auf der Bühne nicht ganz Schritt halten - zu leise (vor allem die Gitarren) und insgesamt zu verwaschen. Der Tontechniker hatte definiv nicht seinen besten Tag erwischt. Dennoch gestalten sich die 40 Minuten, nicht zuletzt wegen dem Abwechslungsreichtum der Songs, zu einer kurzweiligen Angelegenheit. (JK)


LEBENSSUCHT

Als nächstes folgt im Club eine kleine Premiere: LEBENSSUCHT spielen zum allerersten Mal in München. Dementsprechend voll ist es - brechend voll genauer gesagt! Geboten wird Depressive Black Metal und ganz viel Blut.
LEBENSSUCHT (© by metal-is-forever-alive)
Echtes (Rinder)Blut wohlgemerkt, das sich Frontfrau S Caedes in rauen Mengen beim Schlachthof ihres Vertrauens online bestellt, und in welchem sie vor Showbeginn zu baden scheint. Und so hinterlassen ihre nackten Füsse, unzählige rote Tapser auf der Bühne während dem halbstündigen Gig. Passend zum Outfit und zum Titel der Debüt-EP ("Fucking My Knife") fuchtelt die Dame fortdauernd theatralisch mit einem großem Messer auf der Bühne herum. Allerdings kann der musikalische Inhalt der Show, mit dem optischen Spektakel nicht ganz Schritt halten, da die Lieder meistens kaum voneinander zu unterscheiden sind - hier sollte (muss) in Zukunft noch nachgearbeitet werden. Trotzdem kann man dem Ganzen einen gewissen Reiz nicht absprechen. (JK)


DARK FORTRESS

Mit DARK FORTESS folgt nun das erste schwarzmetallische Highlight des noch jungen Tages. Die Truppe aus Landshut hat nicht nur wegen ihres Gitarristen V. Santura, der auch bei TRIPTYKON sechs Saiten bespielt, bei den meisten Schwarzkitteln einen Stein im Brett.

DARK FORTRESS (© by metal-is-forever-alive)
Schon der Opener "I Am the Jigsaw of a Mad God" brachte die Fans voll auf Betriebstemperatur.  Eindrucksvoll.  
In der Folge gibt es einen repräsentativen Querschnitt aus zwei Dekaden DARK FORTRESS auf die Lauscher. Als besonderes Festival-Schmankerl gibt es mit "Misanthropic Invocation" und "Blood of the Templars" sogar zwei ältere Perlen zu hören, die in letzter Zeit eher selten bis gar nicht mehr auf einer Setlist zu finden waren. Und so gestalten sich die insgesamt 40 Minuten zu einem kleinen Siegeszug von DARK FORTESS in München, bei dem es nur zu bemängeln gab, dass der Sound nicht über Mittelmaß hinaus kam. (JK)


SUN OF THE SLEEPLEES

Vor zwei Jahren war Schwadorf (Markus Stock) noch mit THE VISION BLEAK auf dem DEMM, heuer beehrt er mit SUN OF THE SLEEPLESS die bayerische Landeshauptstadt. Als vor einigen Monaten endlich der erste Longplayer dieses Projekts veröffentlicht wurde, war die Begeisterung, ob des starken Materials, bei Fans und Presse groß. Und so ist es kein Wunder, dass die Halle schon Minuten vor Beginn der Show aus allen Nähten platzt. Als besonderen Blickfang haben SUN OF THE SLEEPLESS mehrere Fakeln auf der Bühne und einen am Bühnerand platzierten Kerzenleuchter samt Räucherschale ausgewählt.
SUN OF THE SLEEPLESS (© by metal-is-forever-alive)
Besonders letztgenannte Utensilien sollten gegen Ende der Show noch eine bedeutende Rolle spielen.
Das Hauptaugenmerk der insgesamt beeindrukenden Show legen SUN OF THE SLEEPLESS auf "To the Elements", was fast komplett dargeboten wurde. Der Höhepunkt des Auftritts (positiv wie negativ) waren allerdings die letzten Minuten der Show, in denen zum einen SUN OF THE SLEEPLESS "Phoenix Rise" gänsehautmäßig zockten und zum anderen, ein nicht mehr ganz so nüchternes weibliches (!) Wesen Aufmerksamkeit bekam. Zuerst ging von ihr in der ersten Reihe eine Keilerei aus, und im Anschluß daran wollte sie seelenruhig zuvor erwähnte Bühnedeko als Souvenir einkassieren. Das Ende vom Lied: Bühnenvorhang in Flammen, hektisches Hantieren mit Feuerlöschern auf der Bühne und ein Gig der definitiv in Erinnerung bleiben wird. (JK)


BETHLEHEM

Ohne kokelnde Vorhänge geht es nun im Werk mit den ungekrönten Königen der deutschen Depressive Black Metal Szene weiter: BETHLEHEM.

BETHLEHEM (© by metal-is-forever-alive)
Seitdem sich Onielar zu Jürgen Bartsch hinzugesellt hat, läuft der Laden wieder. Vegessen sind die ein oder andere diskussionswürdige Veröffentlichung und die kurzzeitige Ankündigung, sich auflösen zu wollen. Mit ihrem letzten Album ("Bethlehem") hat sich die neuformierte Truppe um Mastermind Jürgen Bartsch eindrucksvoll zurückgemeldet. Da ist es fast schon selbstverständlich, dass sich BETHLEHEM heute Abend ausgiebig mit diesem Album beschäftigen. Von den acht Tracks, die es auf die Setlist geschafft haben, stammen immerhin vier Titel ("Fickselbomber Panzerplauze", "Kalt' Ritt in leicht faltiger Leere", "Die Dunkelheit darbt", "Wahn schmiedet Sarg") vom aktuellen Longplayer. Selbstverständlich hatten BETHLEHEM aber auch einige Klassiker im Angebot:"Aphel - Die schwarze Schlange", "Gestern starb ich schon heute" und "Tagebuch einer Totgeburt". 
Am Ende steht das Backstage zwar nicht Kopf, ist aber immerhin zu großen Teilen aus dem Häuschen, was letztendlich an der beeindruckenden stimmlichen Darbietung von Onielar lag und an der edel zusammengestellten Setlist. (JK)


SHINING

Im selben Takt geht es weiter, nun aber auf schwedisch und mit noch viel mehr selbstzerstörerischer Lyrik, als noch zuvor bei BETHLEHEM. Niklas Kvarforth, der mit seiner Truppe für TAAKE, die im Vorfeld abgesagt hatten, eingesprungen ist, weiß definitiv die Klaviatur des fleischgewordenen Wahnsinns eindrucksvoll zu spielen - eigentlich. Keine Ahnung was Kvarforth im Vorfeld des Festivals getrieben hat (Töpfern? - Schwimmen mit Delphinen? - Kreuzworträtsel?), Fakt ist, so handzahm (für seine Verhältnisse) wie heute, hat man ihn selten erlebt.
SHINING (© by Sabine Thiele Foto)
Bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Whiskey über einen Fotografen kippen), konnte man meinen, einen Doppelgänger vor sich zu haben. Keine Spuckattacken, kein Schlagen nach Fotografen, kein Aschen auf Fans in der ersten Reihe -  nichts, absolut nichts. Erfreulicher Nebenaspekt dieser "Ich-kann-auch-mal-anders" Haltung, die Musik rückte in den Vordergrund. Und mit der überzeugen SHINING schon seit geraumer Zeit. Auch der letzte Output ("X - Varg utan flock") gehört zweifelsohne in die Belle Etage des Genres. Mit dem zu gleichen Teilen knüpplhartem, wie eingängigem "Han som lurar inom " von besagtem Album, legen SHINING heute Abend den Grundstein, für eine in allen Belangen überzeugende Performance. Bei besten Soundverhältnissen dringt Kvarforth dabei, den ganzen Auftritt über, intensiv und glaubhaft in die Abgründe seiner Seele vor, und lässt die Zuschauer dabei an einer weiteren sehr persönlichen Therapiesitzung teilhaben und seinen Schmerz mitfühlen - für die einen zu viel des Guten, für die anderen das Non-Plus-Ultra. (JK)


ENISUM

Während sich ein paar Meter weiter bei AGRYPNIE die Zuschauermassen stapeln, ist es bei ENISUM im kleinen Club noch halbwegs erträglich, zumindest was das Thema Bewegungsfreiheit betrifft. Musikalisch dagegen bieten die Italiener Black Metal der schwer verdaulicheren Art an. Mal atmsophärisch, mal episch, dann wieder vertrackt und beinhart - ENISUM verbinden verschiedenste Puzzelteile zu einem Gesamtbild, was den Zugang dazu aber nicht unbedingt einfacher macht. Auch die Vocals sind alles andere als Konfektionsware. Passend zum textlichen Kontext der Songs haben ENISUM das Thema Natur auch bei der Bühnendeko aufgegriffen, was das ein oder andere Ast eines ehemals stolzen Baumes auf der Bühne bezeugen kann. (JK)



BLOODBATH

Als Headliner des ersten Tages sind BLOODBATH gesetzt. Da sich die Supergroup des Death Metal, die sich aus Musikern von KATATONIA, OPETH und PARADISE LOST zusammensetzt, in der Regel realtiv rar macht, was Live-Auftritte betrifft, ist der Publikumsandrang groß.
                                                               
BLOODBATH (© by metal-is-forever-alive)
Dass oftmals trotzdem nicht so richtig Stimmung aufkommen will, mag der Tatsache geschuldet sein, dass sich viele Schwarzkittel im Werk befinden, die sich zwar die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, BLOODBATH einmal live zu sehen, aber mehrheitlich mit Death Metal nicht wirklich was anfangen können. Auch Nick Holmes Zeitlupen-Stageacting ist alles andere als hifreich dabei, wenn es darum geht, als Vorturner, die Massen zum Mitmachen zu animieren. Und trotzdem ist das, was BLOODBATH hier abliefern à la bonne heure! Wann hat man schon die Gelegenheit, sich von  Krachern wie "So You Die", "Bathe in Blood" oder "Eaten" live die Rübe abschrauben zu lassen. (JK)


AURA NOIR

Was hatten wir heute noch nicht? Thrash! Also schnell rüber in die mittlere Halle, um gemeinsam mit AURA NOIR diese Bildungslücke zu schließen. Wobei die Norweger selbstverständlich keinen lupenreinen Thrash-Metal zocken.
AURA NOIR (© by metal-is-forever-alive)
Das Trio um ex IMMORTAL Mitglied Apollyon benutzt vielmehr die Thrashkeule, um ihren Black'n'Roll (DARKTHRONE und VENOM lassen grüßen) das besondere Etwas zu verleihen. Allerdings können sie heute das zahlreich erschienene Publikum zu vorgerückter Stunde nicht mehr aus der Reserve locken. Zu erschöpft sind die meisten nach diesem 10-stündigem Konzertmarathon, nur in den ersten beiden Reihen ist noch High Life angesagt. Ob es bei den ürsprünglich für diesen Slot eingeplanten HELHEIM anders ausgesehen hätte, sei mal dahingestellt. Und trotzdem sind AURA NOIR wie gemacht, um den ersten Festivaltag in geordneten Bahnen zu Ende zu bringen und die Spannung auf den morgigen Tag aufrecht zu erhalten. Als Gute Nacht Gruß geben AURA NOIR der schwarzen Gemeinde sogar noch einen musikalischen Ausblick auf ihr in Kürze erscheinendes sechstes Studioalbum mit auf den Heimweg. (JK)


TAG 2 - Sonntag


IMPURE WILHELMINA

Für uns von metal-is-forever-alive beginnt der zweite Festivaltag mit der wohl ungewöhnlichsten Band im diesjährigen Lineup: IMPURE WILHELMINA
Die Schweizer, obwohl schon seit 1996 aktiv, dürften sich bei den meisten der Anwesenden bis vor kurzem unter dem Radar bewegt haben, was hauptsächlich an der musikalischen Ausrichtung der Truppe liegen dürfte. Anfänglich spielten die Schweizer nämlich "nur" einen Mix aus Sludge und (Post-)Hardcore. Inzwischen haben IMPURE WILHELMINA ihren Stilmix aber noch um die Zutaten Doom, Alternative Rock und Black Metal (in homöopatischen Dosen) erweitert.
IMPURE WILHELMINA (© by metal-is-forever-alive)
Der Lohn: Ein Plattenvertrag bei Season of Mist (was einen Ritterschlag gleich kommt) und ein gut besuchter Gig heute Nachmittag. Nach einem kurzen Intro, eröffnen die vier Eidgenossen mit "Great Falls Beyond Death" vom aktuellen Album und lassen dann mit "Torn" den eingängisten Track vom selben Album folgen. Wer darauf gehofft hatte, einen repräsentativen Querschnitt aus allen Alben von IMPURE WILHELMINA geboten zu bekommen, wurde allerdings enttäuscht. Denn, bis auf "The Enemy" gab es ausschließlich Material vom 2017er Album ("Radiation") zu hören. Trotzdem dürften die Schweizer am Ende den ein oder anderen Fan hinzugewonnen haben, was nicht zuletzt an einer überzeugenden Bühnenperformance gelegen haben dürfte. (JK)


NOVEMBRE

Als nächstes steht das erste Doomerlebnis des Festivals an. Die Italiener von NOVEMBRE kann man ohne zu übertreiben, als Dinosaurier der europäischen Szene bezeichnen. Immerhin existieren sie schon seit 1993, bzw. seit 1990, damals allerdings noch unter anderem Namen (CATACOMB). Ob es am aus der Zeit gefallenen Bühneoutfit von Carmelo Orlando (kleidungstechnisch irgendwo in der Mitte von Guildo Horn und Ronnie James Dio) lag, dass kaum Stimmung im Publikum aufkommen wollte, ist spekulativ. Musikalisch hätte die 45-minütige Darbietung auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit und Hingabe seitens der Festivalbesucher verdient gehabt. So aber bleiben NOVEMBRE am Ende für alle, die den Weg ins Werk gefunden hatten (nicht allzu viele), ein Erlebnis außer Konkurrenz. (JK)


ANOMALIE

Hatte man eben im Werk noch so viel Platz, wie man wollte, stehen hier in der Halle die Massen nun wieder dicht an dicht. Die Österreicher genießen (überregional) einen vorzüglichen Ruf, auch als Live-Band.
ANOMALIE (© by metal-is-forever-alive)
Zu den Klängen eines atmosphärischen Intros betreten ANOMALIE, pünktlich wie vorgesehen (an dieser Stelle mal ein großes Kompliment für die Organisatoren des Festivals), geschlossen die Bühne. Selbige spiegelt ähnlich, wie zuvor auch schon bei ENISUM, das Thema Natur wieder. Blickfang dabei ist das riesige Backdrop, welches einen Birkenwald zeigt. Zudem lodern an allen möglichen Stellen auf der Bühne Kerzen und Fakeln und auch frisch verglühter Weihrauch darf nicht fehlen. Alleine schon für die in sich stimmige Optik haben ANOMALIE die Höchstnote verdient. Was den 40-minütigen Auftritt der Österreicher aber in die Top 3 des diesjährigen Festivals katapultiert, ist die Musik und deren Umsetzung. Leidenschaftlich präsentiert, technisch anspruchsvoll umgesetzt und dabei immer auf der Höhe der Zeit. Diesen Auftritt kann man mur mit einem Wort beschreiben: Gänsehaut. (JK)


SECRETS OF THE MOON

Als zweiter Act am heutigen Sonntag dürfen SECRETS OF THE MOON im großen Werk auf die Bühne. Wie wandlungsfähig man als Band sein kann und dabei dennoch seine schwarzen Wurzeln nicht verleugnen muss, beweisen die Osnabrücker nicht erst seit ihrem letzten Output "Sun". Mit ihrem atmosphärisch angehauchtem Black Metal, der auch immer wieder die entspannten Randgebiete der Zunft mit einbezieht, hat sich die Truppe um sG in den letzten Jahren eine breite Fanbasis erspielt. Auch heute präsentiert sich das Werk sehr gut gefüllt, als SECRETS OF THE MOON um 17.20 Uhr beginnen.
Die Stimmung bleibt allerdings (zumeist) hinter den Erwartungen zurück, was daran gelegen haben mag, dass SECRETS OF THE MOON größtenteils auf neueres, anspruchsvolleres Material gesetzt hatten. Ein Umstand, der dazu führte, dass weniger die Mähnen geschüttelt wurden, sondern die Zuhörerschaft dazu "gezwungen" wurde, sich mehr auf die Musik zu konzentrieren. Meiner Meinung nach eine etwas gewagte Aktion, bei einer Nettospielzeit von gerade einmal 50 Minuten, auf einem Festival, bei dem sich das Publikum überwiegend den Ohrenschmalz aus den Lauschern pusten lassen möchte. Kurz vor Ende der Show hauen SECRETS OF THE MOON dann allerdings noch "Lucifer Speaks" raus und versöhnen damit, den ein oder anderen Fan der Frühwerke. (JK)


NAGLFAR

Anschließend wird es am zweiten Festivaltag zum ersten Mal richtig kultig: NAGLFAR geben sich die Ehre. Wie es scheint, sind die Schweden für viele der Anwesenden der heimliche Headliner des Tages. Bis auf den letzten Platz (und darüber hinaus) ist das Werk gefüllt, und sämtliche Zuschauer bis in die Haarspitzen motiviert.
NAGLFAR (© by metal-is-forever-alive)
Zu jedem Moment der folgenden 50 Minuten kann man spüren (und sehen), dass die Meute unendlich viel Bock auf NAGLFAR hat. Ganze 12 Jahre haben sich die Schweden nicht mehr in München blicken lassen. Los geht's mit "Feeding Moloch". Es dauert nur wenige Momente, und der Schuppen kocht. In der Folge verschmelzen Band und Publikum zu einer Einheit, die sich, bei besten Soundverhältnissen auf der Bühne, gegenseitig pushen. "The Mirrors of My Soul", "And the World Shall Be Your Grave", "The Darkest Road", "Bring Out Your Dead", "Black God Aftermath", "Odium Generis Humani", "Blades", "A Swarm of Plagues" - NAGLFAR hauen einen Hit nach dem anderen raus. Am Ende bleibt unterm Strich nicht weniger, als der (bisher) beste Auftritt des gesamten Festivals übrig. (JK)


THAW

Im kleineren Rahmen, dafür nicht weniger intensiv, geht es nun im Club weiter. Bereits Minuten vor Beginn der Show von THAW strömen die Zuschauer in die kleine Location. Ein Umstand, der etwas überrascht. Immerhin spielen zeitgleich DOOL nebenan. Wie es scheint, haben die Polen ein Standing in der Szene, was so nicht zu erwarten war. Verspricht ihr sperrig anmutender Noise/Sludge/ Black Metal Mix doch keineswegs einfach zu konsumierende Kost. Wer gekommen ist, hat sich, wie es scheint, die Polen mit voller Absicht ausgesucht und weiß dementsprechend auch, was ihn erwartet. So stören sich auch die wenigsten daran, dass black-metal-unüblich, Synthesizer und andere technische Spielereien auf der Bühne die Hauptrolle spielen. Mit ihren mächtigen Riffs und den teils hypnotisch wirkenden Soundelemten schaffen es THAW vielmehr, den knapp 40-minütigen Auftritt so zu gestallten, dass im Club eine elektrisiernde Stimmung aufkommt, die mal beschwörend, mal vernichtend, Geist und Körper alles abverlangt. Kurz bevor es für die Zuschauer zu anstrengend werden droht, ziehen THAW den Stecker und gönnen dem Publikum einige Momente zum durchatmen, bevor es im Werk mit dem nächsten Highlight weitergeht. (JK)


BELPHEGOR

Mit dem Auftritt der diabolsichen Österreicher bekommt das DEMM nun einen Auftritt verpasst, der zum Festival passt, wie die berühnte Faust auf's Auge - nihilistisch, durchweg satansich und dabei keine Scheu, die Death Metal Sau rauszulassen, oder anders ausgedrückt - pure fuckin' BELPHEGOR.
Weil sich die Truppe um Zeremonienmeister Helmuth auf deuschen Bühnen in letzter Zeit realtiv rar gemacht hat, ist der Fanandrang nun gewaltig. Gefühlt jeder Ticketinhaber strömt nun ins Werk, um sich von BELPHEGOR eine akustische und visuelle Abreibung abzuholen. Als Startschuß für das ketzerische Osterritual jagen BELPHEGOR "Totenritual" durch die Boxen und lassen damit von Beginn an keinen Zweifel daran, wer nun Herr im Haus ist. Die Botschaft von Helmuth: "...God is not here tonight" unterstreicht dies zudem noch. In den folgenden 50 Minuten knüppeln sich BELPHEGOR durch 25 Jahre Bandgeschichte und lassen dabei das Herz eines jeden Extrem Metal Fans aufgehen. Kurz vor Ende der Show kommt dann auf einmal Unruhe im Publikum auf und viele verlassen fluchtartig das Werk. Dieses despektierliche Verhalten hatte aber in keinster Weise etwas mit dem erstklassigen Auftritt von BELPHEGOR zu tun, sondern war einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass nebenan UADA in den Startlöchern standen. Also schnell den alten Helden applaudiert und sich der Massenwanderung, hin zur Halle, angeschlossen. (JK)


UADA

Mit tief über den Kopf und das Gesicht gezogenen Kapuzen betreten UADA um kurz vor 22 Uhr die Bühne in der brechend vollen Halle, der mittleren Location im Backstage.
UADA (© by Sabine Thiele Foto)
                                                           
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist vor einigen Monaten die Debüt-EP ("Devoid of Light") der Amerikaner in die schwarze Gemeinde eingeschlagen. Dass der Hype um die Kapuzenmänner aus Oregon/USA keine Eintagsfliege zu werden droht, kann man schon jetzt vorhersagen. Denn selten hat man eine Newcomer-Band so souverän auftreten sehen: Neben einem perfekt aufeinander abgestimmten Stageacting (selbstverständlich konform zur Black Metal Attitüde) und einer minimalistischen Lightshow, verstanden es UADA, mit einer an Perfektion grenzender Leichtigkeit, die teils überlangen Tracks ihrer beiden Veröffentlichungen (die Setlist zierten auch Tracks vom kommenden Longplayer "Cult of a Dying Sun") genauso druckvoll und detailverliebt umzusetzen, dass einem, im von der Bühne ausgehenden Dauerfeuer, vor Begeisterung oftmals die Spucke wegblieb. (JK)


PARADISE LOST

Wer jetzt noch stehen konnte, den zog es zum zweiten Treffen mit Nick Holmes innerhalb von zwei Tagen ins große Werk. Überraschenderweise waren dies aber bei weitem nicht soviel Metalheads, wie man im Vorfeld annehmen konnte. Größere Lücken waren im Auditorium zwar nicht auszumachen, dennoch hatten alle Zuschauer während des Auftritts der Briten soviel Bewegungsfreiheit, wie selten zuvor an diesem Wochenende.
PARADISE LOST (© by Sabine Thiele Foto)
Ob es daran lag, dass PARADISE LOST sich erst vor einem halben Jahr in München haben blicken lassen, oder daran, dass Doom, wenn auch der etwas härteren Gangart, nicht unbedingt dazu geeignet ist, zu vorgerückter Stunde, müden Geistern einen Energieschub zu verpassen, sei mal dahingetsellt. Fakt ist, dass der Gig von PARADISE LOST alles andere als einschläfernd war. Das lag vor allem daran, dass Holmes, Mackintosh & Co die Setlist bunt durchgemischt hatten, also auch älteres Material (u.a. "Eternal" und "Hallowed Land") gespielt wurde, aber auch daran, dass die Briten diesmal nicht ganz so statisch aufgetreten sind, wie noch in jüngerer Vergangenheit zuvor. (JK)

Wie dem auch sein, nach dem Gig von PARADISE LOST fällt im Werk der finale Vorhang für das DEMM 2018. Nur im Club und in der Halle gibt es anschließend noch die Möglichkeit, ein letztes Mal für dieses Jahr, die österliche Sau rauszulassen.
Während in der Halle DESASTER ihrem Ruf als exzellente Live-Abrissbirne gerecht wurden, setzten im Club WOLVES DEN mit Lokalmatador Helge Stang am Mikro, den Schlusspunkt hinter einem ereignisreichem, hochklassigem Festival, dass einmal mehr bewiesen hat, dass München eine Weltstadt mit schwarzmetallischem Herzen ist.

Bleibt nur noch anzumerken, dass sich das DARK EASTER METAL MEETING (was sich im letzten Jahr schon angedeutet hat), still und (un)heimlich, zu einem Indoor-Spektakel entwickelt hat, welches sich nicht nur in Deutschland zur Top-Adresse für Black/Death/Doom Liebhaber entwickelt hat, sondern inzwischen auch den internationalen Vergleich mit ähnlich gelagerten Festivals nicht mehr zu scheuen braucht.
Unzählige Fans aus dem näherem Ausland, aber auch vermeintlich exotische Gäste (u.a. aus Brasilien, Russland und der Ukraine) bestätigen diese Aussage und lassen das DEMM in eine glorreiche Zukunft blicken.
Schon jetzt dürfte sich abzeichen, dass auch das DARK EASTER METAL MEETING 2019 lange vor Beginn ausverkauft sein wird. Wer sich also auch im kommenden Jahr dem österlichen Segen des Vatikans ("Urbi et orbi") entziehen möchte, tut gut daran, sich schön in Bälde um Karten zu bemühen. Auch deshalb, weil dann, die für dieses Jahr angekündigten TAAKE und HELHEIM, ihre Gigs nachholen werden.
See You Next Year - Hail DARK EASTER METAL MEETING ! (JK)


Vom diesjährigen Dark Easter Metal Meeting berichtet Jürgen (JK) als Einzelkämpfer für metal-is-forever-alive.

Abschließend auch noch ein großes Dankschön an die Veranstalter des DEMM und an Sabine Thiele Foto !



Samstag, 6. Mai 2017

Konzertbericht vom DARK EASTER METAL MEETING - 15. / 16. April 2017 - München / Backstage

Alle Jahre wieder kommt der schwarzmetallische Osterhase nach München, um dem Nazarener das Fell über die Ohren zu ziehen - DARK EASTER METAL MEETING


Wir befinden uns im April des Jahres 2017 n.Chr. Ganz Deutschland feiert Ostern auf die traditionelle Art und Weise ... ganz Deutschland? Nein!
Ein von unbeugsamen Metalheads besuchter Club im Münchner Westen hört nicht auf den österlichen Bräuchen Widerstand zu leisten und pilgert auch in diesem Jahr, zur sechsten Auflage des Black- und Death-Metal Festivals, hin zu den heiligen Hallen des Backstage-Clubs.

Und während anderswo in der Stadt sich die gestressten Bewohner noch dem Konsumterror hingeben und dabei dem schnöden Mammon huldigen, schiebt sich an diesem Samstag zu früher Stunde (16 Uhr), eine total entspannte Schar mehr oder minder auffällig gekleideter Gestalten vor die Location, um die Feiertage ihrem Naturell entsprechend zu feiern.

Zum ersten Mal in der Geschichte des DARK EASTER METAL MEETINGs findet das Festival an zwei Tagen (15./16. April) statt. Was zum einen mehr Bands für den Konsumenten bedeutet, zum anderen aber auch mehr Arbeit für Veranstalter und Organisatoren.
Ob sich die Erweiterung des Festivals letztendlich für alle Seiten gelohnt hat, dazu später mehr.


TAG 1 - Samstag

AVSLUT (© by metal-is-forever)
AVSLUT

Festivalauftakt um 16.30 Uhr im Club des Backstage zu München. Die Schweden von AVSLUT schaffen es auf Anhieb, das sonst eher skeptische Münchner Publikum in seinen Bann zu ziehen. Die Bühne getaucht in düsteres, überwiegend rotes Licht, schmettern AVSLUT einen Song nach dem anderen runter, mächtig und zerstörerisch.      
In ihren für Black Metal nicht ganz typischen, eher an ein Endzeitszenario erinnernden Bühnenoutfits, fordern die vier Jungs schon zu früher Stunde, fleißig zum Abfeiern und Trinken auf. Das Publikum lässt sich nur allzugerne darauf ein und macht so aus dem ersten Auftritt des diesjährigen DARK EASTER Festivals, gleich einen besonderen. (SM)

IMPERIUM DEKADENZ

Ein gerne, wenn auch selten gesehener Gast in München sind IMPERIUM DEKADENZ. Das liegt aber nicht nur daran, dass sich die Truppe für ihre Live-Auftritte bayerische Unterstützung, genauer gesagt von VARGSHEIM aus Würzburg holt, sondern hauptsächlich daran, dass sich IMPERIUM DEKADENZ im Lauf der letzten Jahre prächtig entwickelt haben.
IMPERIUM DEKADENZ (© by metal-is-forever)
So steht dem Siegeszug der Schwarzwälder auch heute nur sehr wenig im Weg. Allein der überraschend früh angesetzte Slot (Opener in der Halle) im heutigen Billing sorgt für etwas Verwunderung, kann aber auch nichts daran ändern, dass IMPERIUM DEKADENZ während ihrer 50-minütigen Show fett abräumen.
Bei Songs wie dem eröffnenden "Striga" oder "Pure Nocturnal Rome" und "A Million Moons" spielen IMPERIUM DEKADENZ ihre ganze Klasse aus und decken damit von episch bis düster mehrere Facetten des schwarzen Spektrums ab.
So gestallten sich die 50 Minuten zu einer sehr kurzweiligen Geschichte, an deren Ende es verdientermaßen lautstarken Applaus für Horanz, Vespasian & Co gibt. (JK)


GILGAMESH

Ohne lange Wartezeiten geht es nun wieder im Club weiter, mit GILGAMESH. Der zeitliche Ablauf des Festivals ist perfekt organisiert, sodass es zwischen zwei Shows kaum Wartezeiten gibt. So bleibt gerade soviel Zeit, um sich kurz von den Abbauprodukten des Gerstensafts zu befreien und sich im Anschluß daran durch die Massen wieder Richtung Bühne vorzuarbeiten.                                            

GILGAMESH (© by metal-is-forever)
Kaum dort angekommen holen GILGAMESH auch schon zum morbiden Rundumschlag aus, der nicht nur einmal an KEEP OF KALESSIN erinnert. Genauso wie ihre norwegischen Kollegen, haben GILGAMESH ein Händchen für feine Melodien, die im Blackened Death Metal Gerüst der Truppe, für den besonderen Kick sorgen.
Die Show der Münchner ist mit besten Soundverhältnissen gesegnet, was den hohen technischen Fähigkeiten der fünf Nachwuchsmsiker sehr entgegenkommt und den atmosphärisch angehauchten Songs sehr gut zu Gesicht steht.
Im Handumdrehen verwandelt sich der kleine Club in einen Hexenkessel und die 40-minütige Show entwickelt sich zum ersten Highlight des noch jungen Festivals. (JK)

DESERTED FEAR

Konzertbeginn der eher ungewöhnlichen Art. Anders als üblich, begannen DESERTED FEAR ihren Auftritt in der Halle, mit einer kleinen Story über die Herfahrt, bei der die Thüringer von der Polizei aufgehalten wurden. Die amüsante Geschichte lockerte die Stimmung (Lacher inklusive) im Publikum prächtig auf und steigerte die Vorfreude auf den Auftritt noch mehr, als ohnehin schon.
Direkt danach begannen DESERTED FEAR mit mächtig Karacho und fast schon ohrenbetäubenem Sound, ihre Setlist runter zu spielen.
DESERTED FEAR (© by metal-is-forever)
Ein Rundumblick in der bis zum bersten gefüllten Halle, die zu einem Großteil nur aus wedelnden Haaren zu bestehen schien, verdeutlichte schnell, dass viele am heutigen Samstag hauptsächlich wegen den derben Death Metal Packungen den Weg ins Backstage gefunden haben.
Mitten im Gig wurde es plötzlich dunkel und ein atmosphärisches Zwischenintro steigerte die Spannung nochmals, die sich kurz darauf in einem wildem Moshpit entlud. Großes Kino, auch Dank Manuel Glatter, der aufspielte wie ein Großer. (SM)

OUTRE

Die Black Metal Truppe aus Polen betrat mit einem mehr oder weniger "verstörendem" Intro die kleine Bühne des Clubs, welches ansatzlos in den energiegeladenen ersten Song überging und die Anwesenden eigentlich dazu animieren sollte hier steil zu gehen.
OUTRE (© by metal-is-forever)

Doch leider ist der Sound (das große Thema beim Festival) unterirdisch, so dass man die Gitarren nur mit Mühe heraushören kann.
Dieser Soundbrei ist natürlich alles andere als hilfreich dabei, um OUTRE in bleibender Erinnerung zu behalten.
Trotz diesem Umstand, versuchen die Polen noch zu retten was noch zu retten ist, und können zumindest mit ihrer ausgekügelten Lichtshow punkten und auch Sänger Tymek kann dank seiner Performance Akzente setzen. (SM)

RAVENCULT

Ursprünglich waren für diesen Slot GEHENNA vorgesehen. Leider mussten die Norweger kurzfristig (aus persönlichen Gründen, was auch immer man sich darunter vorstellen darf) absagen. So kommen die griechischen Black-/Thrash-Metal Rabauken von RAVENCULT zu ihrer München-Premiere.
RAVENCULT (© by metal-is-forever)
Die gehen die Sache dann auch höchst motivert an und verwandeln die Halle mit ihrem Riffgewitter binnen kürzester Zeit in ein wildes Durcheinander. Ein Moshpit jagt den anderen, und fliegende Mähnen soweit das Auge reicht - RAVENCULT zerlegen nach allen Regeln der schwarzen (Thrash-)Kunst das Backstage.
Nur der Beleuchter fällt aus dem erstklassigen Rahmen. Der Herr hat offentsichtlich ein Faible für die Farben "Weiß" und "Rot". An die anderen Farben der Beleuchtungspalette traut er sich ansonsten kaum heran, was dazu führt, dass der Gig der Griechen, optisch weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt.
Nichtsdestotrotz gehen RAVENCULT am Ende ihres Auftritts, als einer der Gewinner des ersten Festivaltages, über die Ziellinie. (JK)

SARKOM

Als nächstes dürfen SARKOM zeigen, dass Norwegen bis heute zurecht als das Mutterland des Black Metal geführt wird.                     
SARKOM (© by metal-is-forever)
Neben Corpsepaints, Nieten- und Nageloutfit und einer an Arroganz kaum zu überbietenden Bühnenshow lassen SARKOM vor allem musikalische Tatsachen sprechen. So finden neben der typischen Schwarzwurzelkost immer wieder Rock-Fragmente den Weg in die hasserfüllten Vollgas-Tracks.
Auffälig dabei vorallem der Mann hinter den Kesseln, der sein Arbeitsgerät nach allen Regeln der Kunst verdrischt und eine Blastbeatsalve nach der anderen abfeuert.
Dennoch springt der Funke nicht vollends auf das Publikum über, dass zuvor den ähnlich veranlagten AVSLUT deutlich mehr Anerkennung und Zuspruch geschenkt hatte.
So bleibt am Ende ein interessanter Auftritt der Norweger in Erinnerung, dem aber der letzte Kick gefehlt hat, um als Highlight gewertet zu werden. (JK)

MEMORIAM

Danach wurde es kultig. Die Band, die sich aus Musikern der legendären BOLT THROWER und der momentan inaktiven BENEDICTION zusammensetzt, sollte der krönende Abschluß des ersten Festivaltages sein. Eigentlich. Doch als gänzlich gelungen dürfte der Auftritt der Briten nicht in Erinnerung bleiben.
MEMORIAM (© by metal-is-forever)
Dazu war der Sound (mal wieder) einfach zu unterirdisch, ja teilweise sogar grauenhaft, und auch die Performance der Band wirkte irgendwie aufgesetzt und insgesamt eher belanglos.
Der Stimmung der Fans tat dies jedoch kaum einen Abbruch und so wurden MEMORIAM trotz aller Unzulänglichkeiten heftig abgefeiert. Es wurden fleißig die Haare geschüttelt und ein Crowdsurfer nach dem anderen nach vorne getragen. Selbstredend, dass auch (vor allem?) die BOLT THROWER Cover abgefeiert wurden.
Am Ende bleibt, zumindest beim kritischen Publikum, ein durchwachsener Auftritt in Erinnerung, der weder Fisch noch Fleisch war, und nicht wirklich hilfreich gewesen ist, um einordnen zu können, wohin die Reise von MEMORIAM gehen wird. (JK + SM)


TAG 2 - Sonntag

Von Ermüdungserscheinungen keine Spur. Mindestens genauso motiviert und feierwütig, wie am Tag zuvor, präsentieren sich die Besucher des zweiten Tages auf dem DARK EASTER METAL MEETINGs und geben dem Festival einen Rahmen, der metallischer nicht sein könnte und ignorieren dabei die österliche Botschaft des Papstes ("Urbi et orbi") komplett.
Während auf dem Petersplatz also noch der chrsitlichen Litanei gelauscht wird, strömen zum ersten Auftritt des Tages bereits wieder die schwarzgekleideten Massen und lassen dabei den kleinen Club ziemlich schnell an die Kapazitätsgrenze kommen. (JK)

VALBORG

Los geht's mit VALBORG. Die Band überrascht dann auch gleich vom Start weg mit dezent ruhigem Tempo und deutschen Texten.
Die Mischung aus Progressive Doom und Death Metal, getragen von der eindringlichen Stimme des Sängers, zaubert in sekundenschnelle eine feine Atmosphäre in den Club, die mal depressiv, mal aggressiv aus den Boxen schallt und das Publikum perfekt auf die Dinge, die da kommen vorbereitet. (SM)

DECEMBRE NOIR

Obwohl DECEMBRE NOIR  alles andere als den idealen Slot für ihren doomlastigen Death Metal erwischt haben, können sich die Erfurter nicht über mangelndes Interesse beklagen.
Wie schon am Tag zuvor entwickelt sich das DARK EASTER METAL MEETING auch heute, bereits zu früher Stunde (15 Uhr), zum Publikumsmagneten.
Während anderswo noch genüsslich der Eierlikör aus Konfekteiern gelutscht wird und Schoko-Osterhasen geschlachtet werden, ist hier Backstage schon wieder die Hölle los.
Leider ist der Sound zu Beginn etwas schwammig, sodass es einige Minuten dauert, bis DECEMBRE NOIR kraftvoll aus den Boxen zu vernehmen sind und die Kompositionen den würdigen Rahmen bekommen.
Das Hauptaugenmerk bei der heutigen Show legen DECEMBRE NOIR klar auf das aktuelle Album, welches allenthalben positiv aufgenommen wurde.
Auch wenn bei der Liveumsetzung der Songs ein paar kleinere Wackler auszumachen sind, kann am Ende von einem insgesamt erfolgreichen Auftritt von DECEMBRE NOIR gesprochen werden, bei dem die Band sicherlich den ein oder anderen neuen Hörer hinzugewonnen hat. (JK)

MOURNING BELOVETH

Musikalisch sind MOURNING BELOVETH zwar die selbe Baustelle wie die zuvor gehörten DECEMBRE NOIR, doch erfolgstechnisch gesehen spielen die Iren in einer komplett anderen Liga.
MOURNING BELOVETH (© by metal-is-forever)
Auf sechs Longplayer und diverse Split können die Mannen um Darren Moore bereits zurückblicken.
Und so kommt es nicht von ungefähr, dass MOURNING BELOVETH in der größten Halle, dem Werk, spielen und dort ihre tonnenschweren Riffs der österlichen Metal-Gemeinde präsentieren dürfen.
Die Mischung aus Death/Doom, die sich zwischen elegisch erhaben und kraftvoll einpendelt, kommt bestens an und vereinzelt kreisen auch schon wieder die Matten.
Neben den tiefen Growls von Darren Moore, die markerschütternder kaum sein könnten, sorgen der Klargesang von Frank Brennan und die melodischen Leads für den nötigen Tiefgang.
Eine Mischung die sehr gut ankommt und gleich als erstes Highlight des noch jungen Tages lautstark abgefeiert wird. (JK)


HAILSTONE

Als nächster Programmpunkt stehen die sympathischen Death Metaller von HAILSTONE in den Startlöchern.
Vom ersten Ton dreht die Fanbase der Münchner Lokalmadatoren durch und wirbelt wild ihre Locken- und Haarpracht zu den klassischen Kompositionen, sodass bis in die hintere Ecke des Clubs jederzeit der Enthusiasmus aller Anwesenden zu spüren ist.
Auf der Bühne spielt sich, bewegungstechnisch und optisch gesehen, allerdings nicht sonderlich viel ab. Weder auffallende Lichteffekte, noch großartige Bühnendeko bieten dem Auge was an. Für letzteres wäre auf der kleinen Bühne aber auch kaum Platz gewesen.
Einzig und allein Sänger Daniel Zhu gibt konstant Gas, heizt damit die Stimmung noch mehr an, was dazu führt, dass am Ende nicht nur die Jungs von HAILSTONE ein tropfnasses Shirt am Oberkörper kleben haben. (JK + SM)

FÄULNIS

Mit FÄULNIS steht nun der ungewöhnlichste, aber auch spannendste Act des Festivals auf dem Programm.    
FÄULNIS (© by metal-is-forever)
Im Laufe der letzten Jahre haben sich die Hamburger Black Metal Punkrocker eine mehr als beachtliche Fanbase erspielt, die quer durch alle Altersgruppen geht. Und so kommt es wie es kommen muss. Die Security kann den Ansturm der Massen nicht unter Kontrolle bringen, sodass das Festival zu seiner diesjährigen Premiere kommt - Einlass-Stopp. Es sollte nicht der letzte des Festivals sein!
Wer es in die Halle geschafft hat, darf einem Auftritt beiwohnen, der an Dynamik, Spielfreude und Präsentation nur schwer zu toppen sein dürfte.
Angefangen vom Backdrop, mit der in großen Lettern geschriebenen Botschaft: "Fuck Off", über das Outfit (Feinripp-Unterhemd, Jeans mit Hosenträgern und bordeauxrote Slipper mit Absatz) von Fronter Seuche, bis hin zu den düsteren Texten und einer perfekt aufeinander abgestimmten Truppe - selten war der Ausdruck "Wahnsinn" treffender als hier. So gehen die 40 Minuten, inkl. einem Gastauftritt von Marrok (HARAKIRI FOR THE SKY) wie im Flug vorbei und nähren das Verlangen nach einer FÄULNIS Headliner-Tour. (JK)

AHAB

Anders als eben noch bei MOURNING BELOVETH, die eine hinreißende Show abgeliefert haben, passt bei AHAB heute nahezu nichts zusammen. 
AHAB (© by metal-is-forever)
Die vier Mitglieder von AHAB versuchen zwar von Anfang an das große Werk mit ihrem Funeral Doom einzunehmen, doch das Unterfangen scheitert an unterschiedlichsten Punkten.
So wurden zum einen durch die Kälte draußen, viele "desinteressierte" Besucher dazu verleitet, ihre Gespräche drinnen fortzusetzen. Störende Nebengeräusche und ständiges Getuschel machten im Handumdrehen, vor allem die ruhigeren Passagen, die für die Atmosphäre der Band so wichtig sind, zu einem einzigen Desaster. Auch der Sound (ja, leider auch hier schon wieder) ließ zu Wünschen übrig und last but not least hatte die Band heute selbst einen sehr gebrauchten Tag erwischt.
Und wäre das alles noch nicht genug, muss leider auch vermeldet werden, dass selbst bei der Gesangsleistung von Daniel Droste der Schlendrian Einzug gehalten hatte. (JK + SM)

ASPHAGOR

Krasses Kontrastprogramm zum zuvor gehörten langsam walzenden Doom, gibt es im Club von ASPHAGOR auf die Lauscher. Ob es allerdings Sinn macht einen Jubiläums-Gig (10 Jahre ASPHGAOR) anzukündigen, wenn man es dieser Zeit gerademal auf zwei Longplayer gebracht hat, ist zumindest diskusionswürdig. Glücklicherweise haben ASPHAGOR aber den ein oder anderen neuen Song im Angebot, sodass letztendlich doch für Abwechslung gesorgt ist.
Wie dem auch sei, über mangelndes Interesse können sich die Österreicher jedenfalls nicht beklagen. Wie bei den meisten Shows des Festivals stapeln sich auch hier mal wieder die Leute, sodass einem nichts anderes übrig bleibt, als auf dem Platz, den man ergattert hat, regungslos vor sich hin zu vegetieren. Nicht gerade optimal, die meisten scheinen sich aber nicht daran zu stören.
Auch der kurzeitige Ausfall des Mikros tut der Stimmung im heimeligen Club keinen Abruch. Uns so trümmern sich ASPHAGOR durch ihren Show und lassen dabei nicht nur die Tierschädel auf der erbeben. (JK)

HARAKIRI FOR THE SKY

Einlass-Stopp. Wie schon einige Male zuvor, lautet auch beim Auftritt von HARAKIR FOR THE SKY  die Devise: Wer zu spät kommt, den bestraft die Security.
Wer es in die Halle geschafft hat, steht dicht an dicht gepresst und hat nahezu keine Möglichkeit sich zu bewegen, kann sich dafür aber am Post Black Metal der Österreicher erlaben.
Wer bereits mal einen Gig von HARAKIRI FOR THE SKY bestaunen durfte, der weiß, dass die beiden Protagonisten ein Gespür für Melodie und Atmosphäre haben, was sie auch gekonnt live transportieren können.
Da macht der heutige Auftritt auch keine Ausnahme. In den 50 Minuten ihres Bühnendaseins lassen HARAKIRI FOR THE SKY ein bunt durchgemischtes Set vom Stapel, legen dabei aber eindeutig den Fokus auf den aktuellen Longplayer.
Stimmungstechnisch gesehen ist der Auftritt der beiden Österreicher einer der besten die das diesjährige DEMM bisher gesehen hat. Langanhaltender Applaus am Ende der Show unterstreicht diese Aussage. (JK)

ASPHYX

Der nächste Act ist das erste richtige Großkaliber des Festivals - ASPHYX.  Die Truppe aus Holland ist für ihre schweißtreibenden Shows bekannt und hat im Laufe ihrer Karriere schon mehr als nur ein paar Tulpenzwiebeln plattgewalzt.
ASPHYX (© by metal-is-forever)
Da sollte der heutige Abend auch keine Ausnahme machen.
Vom Start weg greift bei ASPHYX ein Rädchen ins andere, sodass es eine wahre Freude ist, dem Death Metal Schwergewicht heute bei der "Arbeit" zuschauen zu dürfen. Druckvoll und hochmotiviert jagen die Mannen um Sympathikus Martin van Drunen bei ihrem allerersten (man mag es kaum glauben) Auftritt in München insgesamt 10 Songs durch die Boxen und bringen dabei das Blut des Publikums konstant zum kochen.
Da ist es dann auch egal, ob die Jungs aus Oldenzaal Klassiker wie "The Rack", "Wasteland of Terror" und "Last One on Earth" spielen, oder auf Songs neueren Datums, wie beispielsweise "Deathhammer" und "Division Brandenburg" zurückgreifen. ASPHYX legen einen Start-Ziel-Sieg hin, wie er im Lehrbuch steht. München dankt es mit Moshpits, die den Namen verdient haben und orkanartigem Applaus am Ende der Show. (JK)

ELLENDE

Als dritte österreichische Band des Abends gehen ELLENDE ins Rennen. Dem Genre "Atmospheric-Black-Metal" machen die 5 Jungs aus Graz, bei ihrem ersten Besuch in München, alle
   
ELLENDE (© by metal-is-forever)
Ehre und bringen binnen Minuten, den ohnehin schon bis zum Anschlag gefüllten Club mit ihrer Show vollends zum Bersten.
Ohne viel ablenkendes Beiwerk auf der Bühne, nehmen ELLENDE, allen voran Mastermind Lukas, den Zuschauer an die Hand und führen selbige in den folgenden 40 Minuten in beklemmnde (Musik-)Welten. Die Mischung aus ruhigen Passagen, harschen Riffs und den verstörend wirkenden Schreien von Lukas, machen aus der knappen Dreiviertelstunde eine sehr schön inszenierte Reise in die Abgründe menschlicher Machart. Nur der Sound (das leidige Thema) kann da, leider, nicht ganz Schritt halten. Dennoch ist der Auftritt von ELLENDE aller Ehren wert. (JK + SM)

PILLORIAN

Fast genau auf den Tag, vor einem Jahr, gab John Haughm bekannt, dass AGALLOCH in die ewigen Jagdgründe eingegangen wären und die Bandmitglieder von nun an getrennte Wege gehen würden. Während Don Anderson, Jason Walton und Aesop Dekker zusammen blieben und KHÔRADA gründeten, hob John Haughm, zusammen mit Stephen Parker und Trevor Matthews, PILLORIAN aus der Taufe.
PILLORIAN (© by metal-is-forever)
Der heutige Auftritt im Rahmen des DEMM ist einer der ersten auf europäischem Boden, entsprechend groß ist der Andrang. Zu groß für die mittlere, der insgesamt 3 Hallen.
Schon wenige Momente, nachdem PILLORIAN mit "By the Light of a Black Sun" in ihren Gig eingestiegen sind, versucht die Security Herr der Lage zu werden und verhängt als logische Konsequenz einen Einlassstopp. Wer es in die Halle geschafft hat darf John Haughm & Co 50 Minuten lang lauschen und bekommt bis auf "Sentient Arcanum" das komplette Debütalbum ("Obsidian Arc") von PILLORIAN kredenzt. Leider lässt der Sound teilweise zu wünschen übrig, sodass die wenigen, und eher im Hintergrund gehaltenen AGALLOCH Referenzen im überwiegend harsch gehaltenem Soundkonstrukt von PILLORIAN etwas untergehen und sich keine richtige Atmosphäre aufbauen will.
Letztendlich dürfte der Antrittsbesuch von PILLORIAN in München deshalb als mittelmäßig in die Analen eingehen und dem Hype, um John Haughm's neuem Betätigungsfeld erstmal etwas Wind aus den Segeln nehmen. (JK)

MARDUK

Eines der ganz großen Highlights des DARK EASTER METAL MEETINGs dürften wohl MARDUK sein. Den Schweden eilt nicht umsonst der Ruf voraus, eine der heftigsten
MARDUK (© by metal-is-forever)
Live-Abrissbirnen des Genres zu sein. Jeder, der sich im Black Metal Genre ein wenig auskennt, wurde bestimmt schon mindestens einmal mit den Schweden und ihrer Panzerdivision konfrontiert.
Der heutige Auftritt stand ganz im Zeichen des "Heaven Shall Burn" Albums, welches inzwischen auch schon auf stolze 20 Jahre seiner Existenz zurückblicken kann.
Aber auch ohne die angekündigte Anniversary Show, in welcher das komplette Album wiedergegeben wurde, zieht der Name MARDUK immer noch enorm. Ein proppenvolles Werk legt davon eindrucksvoll Zeugnis ab. Gefühlt waren sogar sämtliche Besucher des Festivals vor Ort, um sich von MARDUK das Trommelfell abschießen zu lassen.
Knapp vierzig Minuten nehmen sich die Schweden dafür Zeit, um zum einen das komplette Album zum besten zu geben, und zum anderen das Werk in ein Tollhaus zu verwandeln.
Als alle mehr oder weniger schon nach Luft japsend am Boden liegen, legt die Panzertruppe nochmals mit scharfen Geschützen nach, von denen in der Folge "Frontschwein" und "Panzerdivision Marduk" die nackenbrechendste Wirkung haben. (JK + SM)

CARONTE

Danach ist es mal wieder Zeit für ein bisschen Doom. Ob es allerdings sinnvoll ist, kurz vor Ende eines 2-Tages Festivals, zu vorgerückter Stunde, dem erschöpften Konsumenten, langsame und monotone Kost zu servieren, mag jeder für sich bewerten. 
CARONTE (© by metal-is-forever)
Der Club ist zwar realtiv gut besucht, doch so richtig Stimmung mag nicht aufkommen. Nur ein paar Unermüdliche in den ersten beiden Reihen lassen die Matten fliegen und haben sichtlich Spaß am psychadelisch angehauchtem Stoner-/Doom-Rock der Italiener.
40 Minuten lang huldigen CARONTE der Shamanic Church, jagen dabei 6 Songs durch den Äther und können sich als eine der wenigen Bands des Festivals daran erfreuen, beste Sound und Lichtverhältnisse bereitgestellt bekommen zu haben (JK)

MAYHEM

Wie oft wurde schon der Abgesang auf MAYHEM angestimmt, weil man der Truppe um Necrobutcher und Hellhammer keine diabolischen Schandtaten mehr zutraute? Doch todgesagte leben länger. Nach mehreren Besetzungswechseln und der ein oder anderen diskussionswürdigen Veröffentlichung, sind MAYHEM spätestens seit "Esoteric Warfare" wieder zurück in der schwarzen Spur.
MAYHEM (© by metal-is-forever)
Live-Auftritte der Norweger kommen jedoch immer noch einem Überraschungsei (passt ja prima zu Ostern) gleich. Man weiß vorher nie, was einen erwartet. Von "Kindergeburtstag" bis "Open Hell" ist alles möglich.
Der heutige Auftritt dürfte sich da irgendwo in der Mitte platzieren. Angekündigt war eine 75- minütige Headliner-Show, mit dem Hauptaugenmerk auf das Überalbum "De Mysteriis Dom Sathanas", welches in voller Länge gespielt werden sollte. Zumindest letzte Ankündigung traf zu.
Kurz vor 23 Uhr erlischt das Hallenlicht. Es ist stockdunkel im Werk, sodass man kaum wahrnehmen kann, dass sich ein paar in Kutten gehüllte Gestalten auf die Bühne schleichen. Dichter Bodennebel wabert zudem über den Hallenboden und türmt sich innerhalb kürzester Zeit zu einer undurchdringbaren Wand auf. In Satans Gedärmen dürfte es heller sein!     
MAYHEM (© by metal-is-forever)
Die Licht- und Sichtverhältnisse bessern sich auch nicht, als die ersten Töne von "Funeral Fog" angestimmt werden. What the Fuck? Der (Kunst-)Nebel mag ja thematisch wunderbar zum Albumkontext passen, aber ein klein wenig Licht wäre doch nicht zuviel verlangt, oder? Scheinbar doch, denn bis zum Ende der Show ändert sich, bis auf ein gelegentlich scheues Aufflackern der Scheinwerfer, nicht wirklich viel. Wer auf eine Show für Augen und Ohren gehofft hatte, erhielt nun schonmal den ersten Dämpfer.
Zumindest aber der Sound, der sich zu Beginn noch suboptimal präsentierte, bessert sich im Verlauf der Show, sodass der akustische Teil, auch Dank der absolut überzeugenden Live-Performance an Instrumenten und Mikro, begeistern kann.
So kann am Ende, ohne dabei unter dem Corpsepaint rot zu werden, behauptet werden, dass MAYHEM heute, musikalsich gesehen (auch wenn man eigentlich nichts gesehen hat), nicht nur ein gutes, sondern ein sehr gutes Set abgeliefert haben.
Hier hätte die Berichterstattung eigentlich enden können, doch wir sprechen ja bekanntlich über MAYHEM. Nachdem "De Mysteriis Dom Sathanas" in leicht gestreckter Version in seiner gesamten Schönheit zu Live-Ehren kam, blieben nach dem letzten Ton vom angekündigten 75-minuten Gig noch roundabout 15 Minuten übrig. Also noch genügend Zeit, um den ein oder anderen Bonussong der schwarzen Gemeinde präsentieren zu können. Doch Pustekuchen. MAYHEM nehmen eine akademische Viertelstunde in Anspruch und ziehen, so wie sie gekommen sind, von dannen - auf leisen Sohlen durch den Nebel. (JK)

BATUSHKA

Zum Abschluß des Festivals haben sich die Organisatoren noch ein ganz besonderes Schmankerl aufgehoben - BATUSHKA.
BATUSHKA (© by metal-is-forever)
Die Polen sind, seitdem sie vor Jahresfrist wie aus dem Nichts erschienen sind, in aller Munde und ziehen die Black Metaller allenthalben in Scharen vor die Konzertbühnen. Was dabei sofort ins Auge sticht ist die Tatsache, dass BATUSHKA sehr viel junge Fans haben. Auch heute belagern schon eine halbe Stunde vor dem angesetzten Beginn der Show um die 50 mehr oder weniger sehr jugendlich erscheinende Zuschauer die Halle, um sich die besten Plätze zu reservieren. Eine weise Entscheidung, wie sich schon bald zeigen sollte.
Denn wenige Minuten nachdem MAYHEM im Werk ihren Gig überpünktlich beendet hatten, setzt die Völkerwanderung Richtung Halle ein, sodass innerhalb weniger Augenblicke, der Security mal wieder nichts anderes übrig bleibt, als den nächsten Einlass-Stopp zu verhängen. Sehr zum Ärgernis mancher Fans, die teilweise eine weite Anreise auf sich genommen haben, um speziell dem Gig der Polen beiwohnen zu können.
Wer es in die Halle geschafft hat, dem bieten BATUSHKA in den folgenden 50 Minuten eine sowohl optisch als auch akustisch erstklassige Darbietung, die nicht nur einmal an eine schwarze Messe, gepaart mit orthodoxer Kirchenromantik, erinnert.
                                                         
BATUSHKA (© by metal-is-forever)
Angefangen vom in sich stimmigen Bühnenaufbau, der an das Innenleben einer osteuropäischen Kirche angelehnt ist: Altar, Ikonenbild, Teppiche, unzählige Kerzenständer und selbstverständlich darf auch ein Weihrauchschwenker nicht fehlen.
In letzterem wurden gefühlt mindestens 666 Familienpackungen Weihrauch verglüht, womit BATUSHKA höchstwahrscheinlich (noch vor URFAUST und GHOST) die größten Weihrauchfetischisten des Universums sein dürften,
über das Erscheinungsbild der Musiker auf der Bühne, die allesamt barfuß erschienen sind, ihr Anlitz verhüllt hatten und in schwarze Mönchs-Kutten (mit magischen Symbolen darauf) gekleidet waren, 
bis hin zur perfekten Liveumsetzung ihres Debütalbums ("Litourgiya"), welches bei glockenklarem Sound (inklusive einem Mini-Chor am linken Bühnenrand) und einer feinen Lightshow präsentiert wurde. Beeindruckend!
Pünktlich um 1.00 Uhr ist die Messe dann sprichwörtlich gelesen und nachdem BATUSHKA lautstark verabschiedet wurden findet das DARK EASTER METAL MEETING 2017 sein Ende. (JK)

Fazit: Zum ersten Mal in seiner Geschichte präsentierte sich das DARK EASTER METAL MEETING als Zweitages-Event.
Wie in den zurückliegenden Jahren, darf man den Organisatoren auch heuer ein großes Kopliment für die Bandauswahl ausprechen. Vom regionalen Act, über einige schwer angesagte Newcomer, bis hin zu den absoluten Szenegrößen - das DEMM hat sie alle!
Still und heimlich hat sich das erste ernstzunehmende (Hallen-)Festival des Jahres auf deutschem Boden, so zu einem Mega-Event entwickelt, welches inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist und sich zudem zum absolutem Pflichttermin für Anhänger heftiger Kost gemausert hat.

Dass sich das Festival aber immer noch im Lernprozess befindet, konnte man auch in diesem Jahr wieder feststellen.

Nachdem man im letzten Jahr, ohne das leidige Thema "Einlass-Stopp" über die Runden gekommen ist, traf das Thema den Besucher in diesem Jahr leider wieder mit voller Härte. Vor allem die Halle, aber auch der Club waren teilweise schon wenige Minuten nach Konzertbeginn restlos überfüllt, was dazu führte, dass viele, die sich die dort spielenden Bands anschauen wollten, vor, von der Security, versperten Türen standen und wieder weggeschickt wurden.

Auch die Versorgung mit Essen war alles andere als zufriedenstellend. Bei einem Festival dieser Größenordung nur zwei Imbissbuden, zudem mit sehr begrenztem Angebot (man munkelt, dass der ein oder andere Vegetarier eingegangen wäre) anzubieten, ist schlichtweg zu wenig!

Lässt man diese Punkte jedoch außen vor, kann unterm Strich behauptet werden, dass das DARK EASTER METAL MEETING auch in diesem Jahr wieder ein voller Erfolg gewesen ist und bereits schon jetzt die Vorfreude auf das nächste Jahr entflammt. (JK)

Bei der österlichen Heimsuchung der schwarzmetallischen Art, waren für euch Jürgen (JK) und Sandrina (SM) vor Ort.