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Montag, 29. August 2016

Konzertbericht KING DUDE + FOIE GRAS 15.8.2016 München - Backstage (Club)

Die partielle Abwesendheit der Magie. Der kleine Club im Backstage zu München ist an diesem sommerlichen Montag fest in der Hand von Menschen, für die die Farbe Schwarz nicht nur mehr Aussagekraft hat, als alle Farben des Regenbogens zusammen, sondern schlichtweg ein Lebensgefühl ist. Da ist es dann auch egal, welcher Subkultur man angehört - Neo-Folk, Dark-Ambient, Metal - Musik verbindet.
"Schuld" an diesem Familientreffen der schwarzen Szenen ist Thomas Jefferson Cowgill, der seit 2010 im düster-musikalischen Untergrund sein Unwesen treibt und unter seinem Küstlernamen KING DUDE es vermag, die geneigte Hörerschaft zu verzaubern.
Doch bevor der Meister die Gitarre schwingt, darf FOIE GRAS auf die Bühne, um als Opener zu fungieren.
FOIE GRAS Live (© by metal-is-forever)
Die Dame, die sich in der deutschen Übersetzung "Stopfleber" nennt (warum auch immer), muss wohl dem Spruch "In der Kürze liegt die Würze" eine Menge abgewinnen können. Wie sonst soll man es deuten, dass FOIE GRAS  es kaum mehr als 15 Minuten auf der Bühne ausgehalten hat, um das andächtig lauschenden Publikum mit ihrem Liedgut zu unterhalten. Zwei mega-kurze Akustik-Titel zum warm werden, danach kurz die E-Gitarre eingestöpselt, um 4 weitere, sehr kurz gehaltene Titel, mit viel Hall und Echo zum besten zu geben - that's it. Die "Stopfleber" entschwindet tatsächlich, sang- und klanglos nach etwas mehr als einer Viertelstunde und wart nicht mehr gesehen. Sachen gibt's.
Zum Glück war niemand extra wegen dieser Dame angereist, oder doch? Wie dem auch sei, widmen wir uns nachhaltigeren Dingen - dem Auftritt von KING DUDE.
Inszeniert in blau-weißen Licht betritt TJ Cowgill samt Begleitband die Bühne, grüßt kurz und lässt gleich zu Beginn einen seiner rockigsten Titel ("Black Butterfly") vom Stapel, der nach dem kurzen Stopfleber-Intermezzo und der langen Umbaupause gerade richtig kommt, um müde Geister im Publikum wieder munter zu machen.
KING DUDE Live (© by metal-is-forever)
Allerdings bewiesen die Amerikaner in der Folge kein gutes Fingerspitzengefühl, was die Auswahl der Songs betrifft, die es auf die Setlist geschafft hatten. So finden sich im knapp bemessenen Hauptteil des Sets fast nur Titel vom aktuellen Album.
Es ist verständlich, dass man sein neuestes Werk der Öffentlichkeit live vorstellen möchte, doch ein bisschen mehr Ausgewogenheit hätte es schon sein dürfen. Ältere Titel wie "Miss September" oder "Jesus in the Courtyard" brachten immerhin etwas Abwechslung und wurden andächtig und fast schon paralysiert vom Münchner Publikum aufgesogen.
Als nach kurzen 45 Minuten (Nettospielzeit) KING DUDE von der Bühne gingen, hatte man schon schlimmste Befürchtungen, dass der heutige Abend, als der kürzeste Konzertabend, in die Geschichte des Backstage eingehen könnte.
Erfreulicherweise wurde dies nicht bestätigt und TJ Cowill kehrte nach einer kurzen Verschnaufpause für drei weitere Lieder (zunächst alleine) auf die Bühne zurück. Nach "River of Gold" gesellte sich dann auch der Rest der dunklen Trupppe wieder dazu und gemeinsam ließen KING DUDE dann noch drei neue Songs (allesamt bisher unveröffentlicht) folgen.
KING DUDE Live (© by metal-is-forever)
Obwohl es am Ende fett Applaus für die Performance von KING DUDE gab, bleibt ein fader Beigeschmack zurück, da weder KING DUDE und erst recht nicht FOIE GRAS heute es geschafft haben, durchgängig die Magie zu erzeugen, die normalerweise von der düster schönen Musik ausgeht. (JK)

Montag, 22. August 2016

REVOCATION / "Great Is Our Sin" / Metal Blade Records / 10 Tracks / 45:14 Min

Anspruchsvoll auf die Zwölf.
Die Verbindung von technischem Death-, groovendem Thrash- und feinem Progressive Metal - das ist seit einigen Jahren das Erkennungsmerkmal von REVOCATION.
Seit 2006 hauen die Mannen um David Davidson ein hochklassiges Album nach dem anderen raus - scheinbar mühelos. Mit "Great Is Our Sin" erblickte vor kurzem das 6. Studioalbum der Band aus Boston / Massachusetts das Licht der (Metal-)Welt.
Wo andere, ähnlich gestrickte Bands, versuchen, die Tags "Anspruch" und "Härte" mit ermüdendem Gefrickel und profanem Gekloppe zu bedienen, machen REVOCATION ihr eigenes, für sie typisches Ding daraus. So gibt es für David Davidson & Co scheinbar keine musikalischen Grenzen - REVOCATION springen ohne Scheu und Qualitätsverlust zwischen Death, Thrash und Prog hin und her und mischen zudem noch etwas Jazz unter ihr Ursüppchen.
Das ganze wird mittels Neutronenbeschleuniger Ash Pearson (geiles Drumming) und der Zentrifugalkraft von Saitenhexer David Davidson kraftvoll in die Umlaufbahn geschossen, dass die Funken nur so fliegen.
Somit muss man, langsam aber sicher, darüber nachdenken, David Davidson in die Nähe von Gitarrenheroen wie Chuck Schuldiner und Jeff Loomis zu rücken und seinen REVOCATION einen ähnlichen Stellenwert einzuräumen, wie den Bands der beiden genannten Herren. 

Fazit: "Great Is Our Sin" ist gespickt mit feinem Songwriting, Soli der Extraklasse, Virtuosität und technischer Finesse. REVOCATION sind mit "Great Is Our Sin" nun endgültig in der Beletage des Technical-Death-Metal angekommen.
Doch wo Licht ist, gibt es bekanntlich auch Schatten.
Wohlgemerkt, wir meckern hier auf hohem Niveau, trotzdem darf nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass zum einen beim Gesang noch Luft nach oben zu vermelden ist und zum anderen, dass dem Album, zumindest ein Song, der sich sofort in die Gehirnrinde frisst, sehr gut zu Gesicht gestanden hätte. (JK)

8 von 10 

David Davidson – Gitarre / Vocals
Dan Gargiulo – Gitarre / Vocals
Brett Bamberger – Bass / Vocals
Ash Pearson – Drums

http://www.revocationband.com
http://www.facebook.com/revocation
http://www.twitter.com/revocation

Mittwoch, 17. August 2016

Vorankündigung: GHOST BATH + THRÄNENKIND + KALTE TAGE / 24.8. Müchen - Feierwerk Beginn: 20.30 Uhr


DEADLOCK / "Hybris" / Napalm Records / 10 Tracks / 48:17 Min

Mittelmaß auf hohem Niveau.
Tief saß der Schock bei DEADLOCK, als Schlagwerker und Gründungsmitglied Tobias Graf im September 2014 nach schwerer Krankheit verstarb und eine große Lücke (menschlich und musikalisch) hinterließ. Als man sich gerade von diesem Schicksalsschlag erholt hatte, verkündete Sabine Scherer ihren Ausstieg, weil sie mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen möchte.
Mit Werner Riedl und Margie Gerlitz fand man zwar adäquaten Ersatz, doch die Magie der ersten Alben ist erstmal dahin.
Zu berechenbar klingt "Hybris" (Ausnahmen: "Ein deutsches Requiem" und "Vergebung"). Viel zu selten lassen sich DEADLOCK aus der Reserve locken, um den Songs Leben und Abwechslung einzuhauchen. Sattdessen findet viel zu oft die berühmte Schema F Schablone verwendung.
Hinzu kommt, dass die Refrains längst nicht mehr so prägnat sind, wie sie dies beispielsweise noch auf "Wolves" oder "Bizzaro World" waren.
Wer jetzt meint, anmerken zu müssen, dass DEADLOCK heutzutage aber zumindest mehr Biss als IN FLAMES haben, dem sei gesagt, dass dies zwar den Tatsachen entspricht, die Schweden den Deutschen, trotz einer gewissen Zahnlosigkeit beim Thema Songwriting, aber immer noch um Lichtjahre voraus sind.

Fazit: "Hybis" ist ein sehr persönliches Album geworden, das mehr oder weniger, posthum, als tiefe Verbeugung vor Tobias Graf zu verstehen ist, dem es aber häufig  an "Seele" fehlt.

Anspiel-Tipps: "Backstory Wound", "Ein deutsches Requiem", "Hybris" (JK)

6 von 10

www.facebook.com/deadlockofficial
www.deadlock-official.com

Montag, 15. August 2016

VALIENT THORR / "Old Salt" / Napalm Records / 11 Tracks / 44:05 Min

Gibt es Leben auf der Venus? 
Geht man nach VALIENT THORR, lautet die Antwort: "Aber klar doch!"
Der bandeigenen Legende nach, sind VALIENT THORR nämlich im Jahre 2000, an einem Montag glaube ich, auf der Erde angekommen - und zwar ohne Umwege direkt vom Planeten Venus. Selbstverständlich wurde die Reise nicht ohne wichtige Mission angetreten - VALIENT THORR sollen unsere Städte mit Krawallo-Rock 'n' Roll in Schutt und Asche legen.
Ihr irdisches Headquarter haben die Venusianer am astronomisch wichtigsten Punkt des ganzen Universums eingerichtet - in North Carolina. Nicht umsonst gibt es hier sehr viele Ufo-Sichtungen. DER Hotspot sozusagen - haben sich nicht auch Alf, Mork vom Ork und die Crew von "Schweine im Weltall", hier nach ihrer Fernsehkarriere zur Ruhe gesetzt?
Wie dem auch sei - lauschen wir der Botschaft von VALIENT THORR, welche für uns Erdlinge diesmal "Old Salt" lautet.
Wie schon auf den Vorgängeralben, ziehen VALIENT THORR auch diesmal "ihr Ding" durch - soll heißen - die Tonleiter ist nur dafür da, um mit ihr zu experimentieren. Berechenbare Elemente, sich wiederholende Passagen oder gar einen roten Faden sucht man vergebens - hier regiert nur der pure Rock 'n' Roll Wahnsinn.
Wer die Botschaft von VALIENT THORR verstehen möchte, oder sich zumindest daran versuchen möchte, sollte musikalisch sehr breit aufgestellt sein.
Das Spektrum reicht von DEAD LORD über FRANK ZAPPA und KID ROCK bis hin zu MASTODON
Auch sollte man dem Psychadelic Rock der späten 60er was abgewinnen können und keine Berührungsängste zum experimentelen Rock der 70er haben.
Und zu guter Letzt - berauschende Substanzen können ebenfalls hilfreich sein, um sich in diesem Klangkosmos zurechtzufinden.
Wer jetzt immer noch nicht aus der Nummer ausgestiegen ist, sollte sich zum warm werden, als erstes die eingängisten Tracks dieses Albums ("Looking Glass", "Lil Knife" und "Jealous Gods") reinziehen.

Fazit: An VALIENT THORRs neuestem Output werden sich die Geister scheiden. Vielen dürfte "Old Salt" zu abstrakt, zu kompliziert, zu abgespaced sein.
Wer jedoch nichts erwartet, außer einem abgefahrenen Rock-Trip, der wird reichlich beschenkt.
In diesem Sinne: "Turn on, tune in, drop out"  (Timothy Leary, LSD-Papst der Hippies).

7.5 von 10

www.facebook.com/valientthorr
www.valientthorr.com

Mittwoch, 10. August 2016

AFSKY / "Afsky" / Self-Released / 3 Tracks (EP) / 17:58 Min

AFSKY ist das Soloprojekt von Ole Luk, den einige von euch als Mitglied von SOLBRUD kennen dürften. Auf der selbstbetitelten Debüt-EP "Afsky" schmieden  AFSKY einen rauen, depressiven Black Metal, der seinen Ursprung tief in den Skandinavischen Wäldern hat. Alle drei Tracks leben von der frostigen Atmosphäre, die einem allenthalben entgegenschlägt - AFSKY scheuen aber auch nicht davor zurück, Melodie (wohl dosiert), Post Rock, Doom und nordische Folk-Elemente (selten) zu integrieren, was den Songs insgesamt zu einer beklemmend schönen Stimmung verhilft.
Das Tempo auf "Afsky" variiert - von langsamen, sphärischen Akustik-Parts, über doomiges Mid -Tempo, bis hin zu Blastbeats, ist alles dabei was das schwarze Herz begehrt.
Die Vocals sind schwarzmetalisch gehalten. Klargesang? Nicht mal ansatzweise. Ole Luk keift sich durch alle drei Songs, dass es eine wahre Freude ist.

Fazit: AFSKY sind ein ganz heißer Tipp für alle Black Metal-Jünger, die nicht nur auf reine Prügelkapellen stehen und zudem noch, tief in ihrem Inneren, eine Ecke für deppressive Momente reserviert haben. Antesten - es lohnt! (JK)

8 von 10

https://afskyafsky.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/afskymusic/

Sonntag, 7. August 2016

DER ROTE MILAN / "Aus der Asche" / Self-Release / 8 Tracks / 39:01 Min

Biologisch - Der rote Milan (Milvus Milvus) ist eine etwa mäusebussardgroße Greifvogelart aus der Familie der Habichte.
Musikalisch - DER ROTE MILAN (Musicum Nigrum Metallicum) ist eine etwa 5-köpfige Black Metal Band aus Trier und gehört zur Familie von Markus Stock (EMPYRIUM, THE VISION BLEAK), der das Album produziert hat.
Während der vom Aussterben bedrohte Vogel, akustisch gesehen, ein eher ruhiger Geselle ist, sieht man einmal von seinem typischen Laut (ein hohes schrilles, langgezogenes Wiiieeh) ab, verhält es sich mit seinem schwarzmetallischen Namensgenossen konträr.
Die Band, deren Mitglieder sich Namen gegeben haben, die an die erste Ziehung der Lottozahlen anno 50 v. Chr. in Rom angelehnt sein müssen - I, II, III, IV, V, und überraschenderweiße VI - bevorzugt nämlich eine Geräuschkulisse, die sich am besten mit rasend, frostig und brutal beschreiben lässt.
Die Gitarren (man gönnt sich den Luxus zweier Gitarren) schneiden mit kalter Klinge tief ins Fleisch des Hörers, die Vocals (von III) sind Trve as fuck und angeblich auf deutsch (man versteht eh kein Wort) und der Mann (IV) hinter den Kesseln jagt einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen - kurz gesagt: "Aus der Asche" ist ein Festmahl für jeden Oldschool-Schwarzkittel und ein niederstreckener Schlag in die Fresse für jeden zartbesaiteden Freund avantgardistischer Klänge.
Trotz alledem ist das Album abwechslungsreich - sparsam gesetzte Tempowechsel und Akustikpassagen, geschickt integrierte Melodien (jene der erhabenen Art), ein bisschen Atmosphäre hier, ein bisschen Melancholie dort und zu guter Letzt noch ein paar, vereinzelt gestreute Überraschungsmomente machen aus dem Debütalbum von DER ROTE MILAN ein hörenswertes Album. 

Fazit: Der rote Milan war der Vogel des Jahres 2000 - DER ROTE MILAN hat das Potenzial Black Metal Newcomer des Jahres 2016 zu werden. (JK)

8 von 10

LINE-UP
I : Git
II: Git
III: Voc
IV: Dr
V: B
VI: Geist

https://www.facebook.com/derrotemilan
http://unholyconspiracydeathwork.bigcartel.com

Freitag, 5. August 2016

J.B.O. / "11" / AFM Records / 17 Tracks / 45:06 Min

Ällabätsch, die Elfte.
Weihnachtsmänner aus Schokolade gibt es mittlerweile schon ab Ende September, das österliche Pendant liegt schon ab Mitte Februar überall aus - passend zu diesem Irrsinn eröffnen J.B.O. heuer bereits im Juli die Karnevalssession - Helau, Ahoi und Awaaf (wie der Franke sagt).
Wie die Einleitung schon erahnen lässt, haben J.B.O. inzwischen nicht mehr viel mit Metal zu tun - aber war das nicht schon immer so?
Also, liebe Metal-Feiergemeinde - setzt die rosa Pappnase auf, kippt euch ein paar Tröpfchen Alkohol hinter die Binde und los geht's.
Das J.AMES B.LAST O.RCHESTER legt wie üblich viel Wert auf Coverversionen älterer Songs. Dass es sich dabei häufig um Songs handelt, bei denen man froh war, sie von den original Interpreten nicht mehr hören zu müssen, passt voll ins Konzept der Erlangener.
Wer erinnert sich nicht mit Grausen an LUCILECTRICs "Mädchen", DJ ÖTZIs "Burger Dance", HELLOs "New York Groove" und an "Those Were the Days" von der HERMES HOUSE BAND?
Eben - und deshalb gibt es jetzt die überarbeiten J.B.O. Versionen ("Metaller", "Panzer Dance", "Nürnberg Groove" und "Jetzt ist halt heut"), die zwar nicht zwingend besser sein müssen, aber zumindest anders sind - und das ist gut so!
Nicht gut hingegen sind die Comedy-Sequenzen ("Autowerkstatt", "Marilyn Manson", "Rapper") - wer hier trotzdem die Mundwinkel hoch bekommt, sollte sich schleunigst für den Posten, als Jungfrau im Kölner Karnevals-Dreigestirn bewerben.
Zudem hinterlässt die Tatsache, dass sich ein Rap- ("Söderla!") und ein Crossovertrack ("M.F.N. for J.B.O.) auf dem Album befindet, ebenso Ratlosigkeit, wie der Umstand, dass mit "Fünf Minuten" auch noch ein Rohrkrepierer, als Kamelle getarnt, unters Volk gestreut wird.
Als gelungen darf man hingegen die Eigenkompositionen ("Wir lassen uns das Blödeln nicht verbieten", "Wacken ist nur einmal im Jahr" und "Verliebt") bezeichen.
So ist es am Ende, wie so oft bei J.B.O. in letzter Zeit - gesprochene Comedy: verzichtbar, Coversongs: Geschmacksache, Eigenkompositionen: brauchbar.

Fazit: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. (JK)

6 von 10

Mittwoch, 3. August 2016

Konzertbericht SACRED REICH + BLIKSEM 26.7.2016 München / Backstage (Werk)

Sommer in München bedeutet, dass sich am Flaucher (Badestelle an der Isar) die Müllberge häufen, dass es am Gärtnerplatz (Party-Hotspot) des nächtens teilweise lauter zugeht, als auf der Startbahn am Münchner Flughafen und zu guter Letzt natürlich, dass Horden von Touristen in die Stadt einfallen und dem Schuhbeck das ganze Speiseeis wegfressen.
Gottseidank gibt es seit nunmehr 21 Jahren eine Alternative zu dem ganzen Schicki-Micki-Wahnsinn - das Free & Easy Festival im Backstage.
An 18 Tagen werden dem (Non-Mainstream) Konsumenten zahlreiche, wie der Name schon sagt, kostenlose Konzerte, Parties und Filme angeboten.
Eines dieser Konzerte ist der Auftritt von SACRED REICH, die im Rahmen ihrer Europa-Tour dieses Festival bereichern und die Belgier BLIKSEM im Schlepptau mit dabei haben.
BLIKSEM Live
Letztere beginnen Punkt 20 Uhr mit ihrem Set. Wer die Band vorher noch nicht kannte, der konnte dem Irrglauben aufsitzen, als eine korpulente Dame, barfuß und in ein kurzes Sommerkleidchen gehüllt die Bühne betrat, es handle sich hierbei um ein verirrtes Geschöpf vom Gärtnerplatz - doch weit gefehlt - die Dame hört auf den Namen Peggy Meeussen und ist die Sängerin von BLIKSEM.
Es dauert trotzdem einige Momente, um die Optik mit der Akustik im Gehirn zu verknüpfen und bis der Denkapparat sein "ok" gibt und meldet "bitte Nackenmuskulatur in Schwingung versetzen, es handelt sich hierbei um Thrash-Metal!".
Wobei die Belgier ihre eigene Interpretation von Thrash haben - so haben BLIKSEM, wie es scheint, jeden Einfluss der letzten 25 Jahre aufgesogen, der nur irgendetwas mit Metal im allgemeinen und Thrash im speziellen zu tun hatte.
So mischen BLIKSEM neben typischen Thrash-Einflüssen (u.a. DESTRUCTION, METALLICA) auch noch Rock und Blues mit in ihren Sound.
Ganz überzeugen können die Belgier damit aber nicht wirklich - viel zu selten springt der Funke auf das Publikum über, das, wenn überhaupt, sich nur zu den härteren Sequenzen einen Moment aus der Reserve locken lässt.
SACRED REICH Live
So gibt es am Ende nicht mehr, als müden Applaus für die Belgier.
Eine halbe Stunde später hört sich das aber schon wieder ganz anders an, als SACRED REICH die Bühne zu den Klängen von "Also sprach Zarathustra" betreten und von Münchener Publikum lautstark begrüßt werden.
Die Jungs aus Phoenix/Arizona haben, obwohl sie seit 20 Jahren kein neues Album mehr veröffentlicht haben, kein bisschen von ihrer Beliebtheit verloren. Nicht ganz unschuldig an dieser Tatsache sind die Göttergaben "Ignorance" (1987), "Surf Nicaragua" (1988) und "The American Way" (1990), die bis heute in jede gut sortierte Thrash-Metal-Sammlung gehören.
"Überraschenderweise" legen SACRED REICH dann auch ihr Hauptaugenmerk auf eben diese Alben - "Death Squad", "Ignorance", "One Nation", Crimes Against Humanity", "Who's to Blame" - hier steppt der Bär.
SACRED REICH Live
Zwischendurch gibt es die unkaputtbare "War Pigs"-Coverversion, etwas Polit-Talk mit Phil, den ein oder anderen Crowdsurfer und vereinzelt auch einen Song ("Free", "Heal", "Blue Suit, Brown Shirt") von den "Spätwerken" SACRED REICHs, die Phil mit "The New Shit" ankündigt. Humor hat er, der Mann.
Nach "Independent" ist dann aber erstmal Schluß mit lustig - SACRED REICH gehen danach von der Bühne - legen aber, nach kurzer Verschnaufpause mit "Surf Nicaragua" noch einen Song nach. (JK)

Mittwoch, 27. Juli 2016

SOLANUM / "I.T.S.C." / Horror Pain Gore Death Productions / 7 Tracks / 37:14 Min

"Punk's not Dead", sagen die Kanada-Thrasher SOLANUM - es lebe der Crossover!
Nachdem der Thrash-Metal in den letzten Jahren ein mächtiges Revival erlebt hat, wäre die logische Schlußfolgerung daraus, dass der Crossover (alter Schule) ebenfalls wieder neues Leben eingehaucht bekommt.
Wer erinnert sich nicht mit Wehmut an kultige Bands wie z.B. ENGLISH DOGS, S.O.D. oder CRUMBSUCKERS, die in der guten alten Zeit für Alarm in jeder versifften Hütte gesorgt hatten, bis die Chucks qualmten.
SOLANUM versuchen mit ihrem Debütalbum "I.T.S.C." (Into the Sinner Circle) an jene Zeit anzuknüpfen.
Auf den sieben Tracks, die die vier Kanadier einegtrümmert haben, gibt es nur eine Devise - mit Highspeed voll in die Fresse. Doch anders, als man es oftmals vom Crossover her gewohnt ist, legen SOLANUM nicht wirklich viel Wert auf kurze Tracks. Kommt doch selbst der kürzeste Titel des Albums "Narcotic Collapse" auf stolze viereinhalb Minuten.
Also von wegen: "in der Kürze liegt die Würze" - die Würze bekommt  "I.T.S.C" von seinen derben Thrash -Einflüssen. An allen Ecken und Kanten schimmert das früh-musikalische Schaffen von NUCLEAR ASSAULT, VIO-LENCE und meinetwegen auch KREATOR durch.
Einzele Songs hervorzuheben ist nahezu nicht möglich - welcher Hund in einem Zwinger bellt, hört man auch nicht heraus.

Fazit: SOLANUM spekulieren ganz sicher nicht auf hohe Verkaufszahlen oder gar Chartplazierungen - wäre ja auch Punk/Crossover untypisch - auch kommen sie nicht für einen Sturm auf den Crossover-Olymp in Frage - dazu fehlt es dem Album schlichtweg an "Hits". Spaß macht "I.T.S.C." aber trotzdem. (DE)

6 von 10

www.facebook.com/solanum.crossover