About me

Mein Bild
DON`T KILL YOUR LOVE...BUY LEGAL CDs AND SUPPORT THE BANDS LIVE!!! STAY HEAVY!

Montag, 22. Januar 2018

Vorankündigung: CANNIBAL CORPSE + THE BLACK DAHLIA MURDER + No Return - 23.2.2018 München/Backstage

http://backstage.info/

SEPTICFLESH / "Codex Omega" / Label: Season of Mist / 10 Tracks / 47:17 Min

Geh deinen Weg und lass die Leute reden. (Dante Alighieri)

Es wäre um einiges zu hoch gegriffen, zu behaupten, dass SEPTICFLESH für die heutige Metalszene genauso wichtig wären, wie Dante Alighieri seinerzeit für die Literaturwelt.
Doch es gibt zumindest eine kleine Parallele zwischen dem italienischen Philosophen/Dichter und der hellenischen Extrem-Metal Truppe: Beide haben, allen Unkenrufen zum Trotz, an ihrer Vision vom leichter zugänglichem Medium festgehalten und selbiges letzten Endes damit nicht nur massenkompartibel, sondern auch zukunftsorientiert gemacht.
Während der italienische Dichterfürst Anfang des 14. Jahrhunderts, das seinerzeit übliche Latein mit Missachtung strafte und stattdessen seine "Göttliche Komödie" auf italiensich, der Sprache des Volkes verfasste, haben SEPTICFLESH mit ihrem Faible für Symphonic-Metal, dem Death Metal, eine sanftere, verdaulichere Zutat hinzugefügt und das Genre damit für nahezu jeden Metaller greifbar gemacht. 
Zugeben der Vergleich hinkt etwas, vor allem, wenn man Anspruch und Nachhaltigkeit betrachtet. Und trotzdem, SEPTICFLESH sind eine stilprägende Band - nicht zuletzt, weil sie sich schon mehrfach neu erfunden haben.

Das zehnte Machwerk von SEPTICFLESH beginnt dann auch, wie sollte es anders sein, mit "Dantes Inferno".
Hier lotsen die Antoniou Brüder die Balance zwischen brachialen Auswüchsen und orchestralen Arrangements aufs Neue aus, um sich letztendlich doch in ähnlichen Gefilden wie zuvor auf "Titan", niederzulassen.
SEPTICFLESH haben im Laufe der letzten Jahre jede Menge Erfahrung gesammelt, was die Integration von Orchester und "Pomp" ins Death Metal Gerüst betrifft - und das hört man "Codex Omega" zu jedem Zeitpunkt an.
Niemals hat man das Gefühl, dass SEPTICFLESH den Death Metal Faden verlieren und die Ausfahrt zum nightwish-lastigen Operettenmetal nehmen könnten.
Eine Ausage, die umso mehr wert ist, wenn man bedenkt, dass die Griechen auch auf "Codex Omega" nicht nur auf Growls gesetzt haben.

Auch wenn SEPTICFLESH diesmal um das Thema "Weiterentwicklung" weitesgehend einen Bogen gemacht haben, sind die Griechen sämtlichen Nachahmern und Trittbrettfahrern immer noch um mindestens eine Nasenlänge voraus.
Wer sich davon überzeugen möchte, sollte nach Möglichkeit mit "Portrait of a Headless Man", "Martyr" und "The Gospels of Fear" beginnen -  kann man sich hier doch am besten von den Filmharmonic Arrangements bezirzen lassen und dabei, ach so schön, seine Halswirbel knacken lassen. (JK)

8 von 10

www.facebook.com/septicfleshband
www.septicflesh.com

Vorankündigung: ROTTING CHRIST + CARACH ANGREN + SVART CROWN - 14.2.2018 München/Backstage

http://backstage.info/

Vorankündigung: DOWNFALL OF GAIA + HAMFERD - 12.2.2018 München/Backstage

http://backstage.info/

Konzertbericht RAGE + FIREWIND + DARKER HALF - 9.1.2018 München / Backstage (Halle)

Von germanischer Heavy Metal Kunst, griechischen (Gitarren-) Göttern und vier Handlungsreisenden aus Down Under: SEASONS OF THE BLACK TOUR

Peavy Wagner erlebt momentan, zumindest musikalisch gesehen, seinen zweiten Frühling -  Live war die Truppe um den Hernener Sympathikus ja immer schon eine Wucht, nur im Studio schien es so, als habe man das Feuer etwas verloren, was letztendlich in vorhersehbaren Alben mündete. Mit dem Besetzungswechsel von 2015 hat man aber nochmals die Kurve bekommen, inzwischen sprühen die Veröffentlichungen von RAGE wieder vor Kreativität und Power.
Selbe Attribute sind auch FIREWIND kein Fremdwort, die ebenso wie die australischen Emporkömmlinge von DARKER HALF, nicht zweimal überlegen mussten, als die Anfrage kam, zusammen mit RAGE auf Tour zu gehen.

DARKER HALF

Los ging es um 19.45 Uhr mit dem Power-Metal-Quartett aus Sydney, das dem ein oder anderen von euch schon bekannt sein dürfte, waren DARKER HALF doch auch schon auf der letzten Tour von RAGE als Opening-Act gebucht.
Seitdem haben die Australier eine neue EP aufgenommen, und wie es scheint, an Performance und Stimmakrobatik gearbeitet, was sich im Vergleich zum letzten München Besuch (hier der Link zur Review von 2016) positiv bemerkbar macht.
DARKER HALF (© by metal-is-forever-alive)
So fällt nicht nur auf, dass Steven "Vo" Simpson inzwischen stimmlich wesentlich besser auf den Punkt kommt als noch zuvor, sondern hauptsächlich, dass DARKER HALF ihre Verehrung für die eisernen Jungfrauen, die bei der letzten Tour noch allgegenwärtig war, auf ein Minimum zusammengeschrumpft haben. So werden DARKER HALF heute wesentlich eigenständiger wahrgenommen als noch vor zwei Jahren, was nicht zuletzt auch daran liegt, das der Thrash Faktor der Anfangstage, im ansonsten vom Power-Metal dominierten Sound, etwas mehr Gewicht zugestanden wird.
So ist es dann auch keine Überraschung, dass gerade die flotteren Nummer, wie beispielsweise "Take the Plunge" oder "Aliens Exist", heute mit am besten ankommen. Aber auch "Heaven's Falling" kommt sehr gut an, was u.a. auch daran liegt, dass DARKER HALF hier den Aussie-Joker ("Back in Black" von AC/DC wird im Mittelteil integriert) ziehen.
Und so hinterlassen DARKER HALF heute Abend mit ihrem 35-minütigen Auftritt einen durchaus bleibenden Eindruck, was auch die Zuschauer in der gut gefüllten Halle finden, und dies durch Applaus bezeugen.  (JK)

FIREWIND

Schon Platon stellte fest, dass Musik und Rhythmus ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele finden.
Nach einer kurz gehaltenen Umbaupause kann dann jeder der Anwesenden sich selbst davon überzeugen, dass in der von Platon aufgestellten Behauptung viel Wahrheit liegt, zumindest wenn Gus G. und seine Mannen auf der Bühne stehen.
                                                                                 
FIREWIND (© by metal-is-forever-alive)
Wie kaum eine andere Combo im hart umkämpften Power-Metal Sektor, schaffen es FIREWIND, Melodie und Anspruch unter einen Hut zu bringen. Dieses Kunststück ist FIREWIND, wie schon siebenmal zuvor, auch auf dem aktuellen Album "Immortals" gelungen, was dazu führt, dass inzwischen viele bei den Griechen ihre musikalische Heimat bzw. ihren inneren Seelenfrieden gefunden haben.
Eine Begleiterscheinung dieser Entwicklung ist, dass es bei FIREWIND Konzerten in den ersten Reihen inzwischen genauso zugeht, wie bei den Münchner Verkehrsbetrieben: Es ist brechend voll, man hat wenig Bewegungsfreiheit und nahezu jeder brüllt so laut er kann. Einziger Unterschied zum MVV ist die Tatsache, dass sich FIREWIND pünktlich in Bewegung setzen.
Mit "Ode to Leonidas" und "We Defy" geht's dann los, zwei Songs vom letzten Longplayer, mit denen FIREWIND zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - zum einen kann man sich davon überzeugen, wie das Material vom immer noch aktuellen Lonplayer live ankommt, und zum anderen darf der neue (wieder mal) Sänger mit zwei Titeln in das Set reinkommen, bei deren Entstehungsprozess er selbst mit eingebunden war.
FIREWIND (© by metal-is-forever-alive)
Beide Punkte können im Anschluß daran als gelungen abgebucht werden. FIREWIND werden heute Abend sogar so dermaßen derbe abgefeiert, dass man meinen könnte, bereits den Headliner vor sich zu haben - egal welcher Song gespielt wird, vom aktuellen Album oder von Alben vergangener Jahre, die Massen singen und jubeln. Selbst bei der Ballade "Lady of 1000 Sorrows" gönnt sich kaum einer ein Auszeit.  Gus G. freut es, scheint mit solch einer Begeisterung aber nicht gerechnet zu haben.
Stichwort Gus G.: Meistens hält sich der Meister dezent im Hintergrund, explodiert aber immer dann, wenn es nötig ist. Sein Gitarrenspiel ist über jeden Zweifel erhaben, geprägt von Souveränität und einer Nonchalance, die aktuell ihresgleichen suchen dürfte - doch niemals ist die Übermacht der Soli zu groß, immer steht der Song im Vordergrund. Großartig, wie übrigens die gesamte Show von FIREWIND, die nach "Falling to Pieces" ihr Ende findet. (JK)

RAGE

Als RAGE mit dem neuen Song "Justify" ihre Show eröffnen, fällt sofort der sehr klare Instrumentalsound auf. Trotz der hohen Lautstärke sind alle Instrumente deutlich zu hören. Leider wird dieser Eindruck etwas getrübt, als "Peavy" Wagner zu singen beginnt - denn von seiner Stimme ist zunächst kaum was zu hören. Doch schon im Refrain bessert sich dies ein wenig, außerdem erhält er tatkräftige Unterstützung aus dem Publikum.
                                                                                 
RAGE (© by metal-is-forever-alive)
Im Anschluß daran wird das Backstage in düster rotes Licht getaucht, es ertönt Glockengeläut, und Peavy formt seine Hände zu Teufelshörnern, die er sich an den Kopf hält. Da liegt der Gedanke nahe, dass nun "Send by the Devil" folgen könnte. Genau so ist es dann auch. Hier kann besonders Gitarrist Marcos Rodríguez glänzen. Einziger Nachteil: Als dieser Song veröffentlicht wurde hatten RAGE noch zwei Gitarren im Angebot - also kommt beim zweistimmigen Soloteil eine Gitarre vom Band, was aber nur kurzzeitig stört. 
Das folgende "From the Cradle to the Grave" bietet mit seinem groovigen Hauptriff guten Stoff zum Headbangen, was von den Fans auch rege genutzt wird. Im Folgenden bieten RAGE eine gute Mischung aus älteren ("Nevermore") und neueren Songs ("My Way", "Seasons of the Black"), wobei auffällt, dass die Victor Smolski-Ära (mit Ausnahme von "Straight to Hell") komplett ausgeklammert wird.
Insgesamt hat sich heute aber trotzdem einiges an älterem Songmaterial auf die Setlist geschlichen, was Marcos Rodríguez zu Witzen über sein, im Vergleich zu Peavy, deutlich jüngeres Alter animiert.
So kündigt er "End of All Days" mit den Worten an: „The next song is from 1996, the year I was born.“. So jung ist er natürlich nicht, aber er vermittelt zumindest manchmal wegen seiner Agilität und seines ausgiebigen Headbangings diesen Eindruck. Dass er bereits vor seinem Einstieg bei RAGE Erfahrung in einer RAGE-Coverband sammeln konnte, und somit die Riffs bestens beherrscht, merkt man ihm besonders bei "The Price of War" an, dessen Riff live deutlich besser klingt, als im Studio.
RAGE (© by metal-is-forever-alive)
Nach einem weiteren Song ("Blackened Karma“) vom aktuellen Album, folgt schon der letzte Song des Abends: "Don‘t Fear the Winter". 
Obwohl das Lied bereits 30 Jahre auf dem Buckel hat, ist es immer noch einer der ganz großen Höhepunkte eines jeden RAGE Konzertes. Dass das Publikum die Musiker danach natürlich nicht ohne "Higher Than the Sky" von der Bühne gehen lassen will, ist klar - in dessen langezogenen Mitsingpart in der Mitte, bauen RAGE noch einen kleinen Tribut an Ronnie James Dio (R.I.P.), in Form der angespielten Coverversionen von "Heaven and Hell" und "Holy Diver" mit ein. Gesungen wird dieser Part wie üblich von Marcos. Danach ist Schluß. (RH)

Diese Review wurde von Raphael (RH) und Jürgen (JK) verfasst. 
Die Zeilen über DARKER HALF und FIREWIND stammen aus der Feder von Jürgen, die über RAGE von Raphael.

Samstag, 20. Januar 2018

NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++

KAMELOT haben den Titel ihres nächsten Albums bekanntgegeben: "The Shadow Theory" wird bereits im Frühjahr bei Napalm Records erscheinen. Für den Herbst ist zudem eine ausgedehnte Europa Headliner Tour in Planung +++ Auch PRIMORDIAL stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres nächsten Lonplayer. Am 30.3. wird "Exile Amongst the Ruins" via Metal Blade Records das Licht der Welt erblicken +++ SHIELDS aus London wurden von Long Branch Records unter Vertrag genommen. Das erste Lebenszeichen dieser Zusammenarbeit gibt es am 26.1. in Form der Single "It's Killing Me" auf die Ohren +++ ASPHYX wurden für das Way of Darkness Festival 2018 in der Stadthalle Lichtenfells bestätigt +++ Tour Dates ENSIFERUM with EX DEO: 3.4. Hamburg / Grünspan, 8.4. Rostock / Mau, 14.4. Leipzig / Hellraiser, 15.4. Ludwigsburg / Rockfabrik, 17.4. Dornbirn (A) / Conrad Sohm, 28.4. Geiselwind / Music Hall, 2.5. Köln / Essigfabrik, 3.5. Hannover / Musikzentrum, 4.5. München / Backstage, 5.5. Dresden / Loco Club, 6.5. Wien (A) / Szene, 11.5. Wörgl (A) / Komma +++

Dienstag, 16. Januar 2018

SPIRIT ADRIFT / "Curse of Conception" / Label: 20 Buck Spin / 8 Tracks / 46:44 Min

Wenn du aufhörst dich zu verändern, bist du am Ende. (Benjamin Franklin)

SPIRIT ADRIFT stehen noch ganz am Anfang ihrer Karriere - "Curse of Conception" ist erst der zweite Longplayer, der 2015 gegründeten Truppe aus Arizona/USA.
Um ein vorschnelles Ende abzuwenden, was in der heutigen Veröffentlichungsflut schneller geschehen kann, als einem lieb ist, setzen SPIRIT ADRIFT zum einen auf Qualität, zum anderen aber eben auch auf Abwechslung.

Kann man das grobe Klanggerüst, auf das die US-Amerikaner aufbauen, als Doom Metal bezeichnen, dreht Mastermind Nate Garrett bei jedem Song etwas an den Stellschrauben, was zur Folge hat, dass "Curse of Conception" mehr als nur einmal über den Genre-Tellerrand hinausschaut.
So kann man bei "To Fly on Broken Wings" zarte METALLICA Reminiszenzen vernehmen, beim Entstehungsprozess von "Starless Age (Enshrined)" dürften THIN LIZZY vorbeigeschaut haben, zudem trägt das ein oder andere Riff die Handschrift der NWoBHM und auch die Soli und explizit die Harmonien sind alles andere als Doom-Konfektionsware.
Zudem jagen SPIRIT ADRIFT gerne mal das ein oder andere Instrumental/Akustik-Signal durch den Äther, wie beispielsweise bei "Wakien" (komplett instrumental gehalten) oder bei "Earthbound" (hier optional).
Ansonsten treiben sich SPIRIT ADRIFT kreuz und quer im Doom-Obstgarten herum und naschen von altbekannten Früchten mit wohlklingenden Namen, wie z.B. CANDLEMASS, PALLBEARER oder PENTAGRAM.

Das Beste jedoch, ganz so wie es sich gehört, haben sich SPIRIT ADRIFT für den Schluss aufgehoben: "Onward, Inward".
Der Abschlußtrack glänzt nämlich nicht nur durch seine dynamischen, als auch epischen Momente, sondern hauptsächlich mit einer besitzergreifenden Atmosphäre. Großartig! (JK)

8 von 10

https://www.facebook.com/SpiritAdrift
https://www.20buckspin.com

Samstag, 13. Januar 2018

IGORRR / "Savage Sinusoid" / Label: Metal Blade Records / 11 Tracks / 39:26 Min

Der organisierte Wahnsinn ist die größte Macht der Welt. (Gerhart Hauptmann)

Zutatenliste:
Je 125g französische und russische Folklore, 250g Blastbeats, 175 g frischen Breakcore, 1 Packung Dubsteb, 2 Tropfen Hundegebell, 8 EL klassische Arrangements, 3 TL Atari Sound und eine große Prise Wahnsinn.

Zubereitung:
1. Französische und russische Folklore im Wasserbad vorsichtig auflösen, dann zur Seite stellen.
2. Fein gesiebten Dubsteb mit grob gemahlenen Blastbeats mischen.
3. Backblech einfetten und den Ofen auf 666 °C (Umluft) vorheizen.
4. Dubsteb-/Blastbeats-Mischung vorsichtig mit der Folklore vermengen, mit klassischen Arrangements abschmecken.
5. Den Teig gleichmäßig auf dem Backblech verteilen.
6. Danach Breakcore steif schlagen, mit Hundegebell, Atari Sound und reichlich (genialem) Wahnsinn verrühren.
7. Die Creme gleichmäßig auf dem Teig verteilen
8. Dann den "Savage Sinusoid" Kuchen sofort in einen baroken Polka-Ofen schieben und für genau 39.26 Minuten backen.
9. Nach dem Backen den Kuchen auf einem Avantgarde-Kuchengitter auskühlen lassen und vor dem Servieren mit Elektro-Zuckerguß verzieren.

Wir wünschen guten Appetit (JK)

7.5 von 10

http://igorrr.com/
https://www.facebook.com/IgorrrBarrroque

Mittwoch, 3. Januar 2018

MOONSPELL / "1755" / Label: Napalm Records / 11 Tracks / 47:46 Min

Es hilft nichts, die Vergangenheit zurückrufen zu wollen, außer sie wirkt noch in die Gegenwart hinein. (Gilbert Keith Chersterton)

Lissabon, 1. November 1755 - bis heute hat dieses Datum in Portugal nichts von seinem apokalyptischen Character verloren. Wurde an diesem Tag die portugiesische Hauptstadt doch innerhalb weniger Minuten durch ein Erdbeben nahezu vollständig zerstört, zehntausende Menschen starben.
Eine Katastrophe nie gekannten Ausmaßes, die im Nachhinein betrachtet jedoch nicht nur negativ bewertet sein will.
Notgedrungen waren die Einwohner nach dieser Katastrophe gezwungen, ihre Stadt neu aufzubauen bzw. zu erneuern, was zwangsläufig dazu führte, dass Lissabon modernisiert wurde. Innerhalb kürzester Zeit warf man so Mittelalter und Barok über Bord und machte sich auf zu neuen Ufern.
MOONSPELL nehmen sich diesem Thema auf ihrem 12. Longplayer nun an und machen sich dabei ebenfalls zu neuen Ufern auf - mal wieder.
War das Vorgängeralbum "Extinct" noch auf melodisch vertonte Schwermut gebettet, geben MOONSPELL auf  "1755" nun vermehrt bombastischen, als auch harscheren Tönen dem Vorzug - getreu dem Motto: Was gestern war, ist lange vorbei - kommt aber irgendwann mal wieder zurück.
Dabei herausgekommen ist ein Konzeptalbum, das nicht nur komplett in portugiesisch eingesungen wurde, sondern (leider) auch schwerer zugänglich ist, als der direkte Vorgänger.
Zum einen mag dies am bereits erwähnten (thematisch passenden) Schachzug liegen, das Album in der Muttersprache von Fernando Ribeiro & Co zu vertonen, hauptsächlich aber daran, dass MOONSPELL auf "1755" seltenst auf den (musikalischen) Punkt kommen.
So bleibt vom Album, bis auf wenige Ausnahmen ("Evento", "Ruinas", "Todos Os Santos"), nicht wirklich viel hängen, außer der Erkenntnis, dass nicht jede Sound-Veränderung, oder nennen wir es Weiterentwicklung, vorteilhaft sein muss.
Letztendlich stellen sich MOONSPELL mit ihrem diesmal gewählten Kurs mehrfach selbst ein Bein, sodass selbst die dunkle, bedrohliche Stimmung und die zarte Rückbesinnung auf schwarzmetallisches Stimmakrobatik nicht genügend Gewicht haben, um "1755" eine höhere Punktzahl als "Extinct" zukommen zu lassen.

So bleibt unterm Strich, ein in sich stimmiges Konzeptalbum - zumindest was den Kontext und die orchestralen Arrangements samt Chören betrifft - aber eben auch, eine Veröffentlichung, der es schlichtweg an Songs fehlt, die man auch in ein paar Jahren noch, gerne auf jeder Setlist sehen möchte. (JK)

7 von 10

https://www.facebook.com/moonspellband/
https://shop.napalmrecords.com/

Dienstag, 19. Dezember 2017

Vorankündigung: BATUSHKA - SCHAMMASCH - TREPANERINGSRITUALEN - 24.1.2018 München / Backstage

http://backstage.info/

TROLLECH / "Každý Strom Má Svůj Stín" / Label: Ketzer Records / 8 Tracks / 39:05 Min

Wohl bin ich ein Wald und eine Nacht dunkler Bäume: doch wer sich nicht vor meinem Dunkel scheut, der findet auch Rosenhänge unter meinen Zypressen. (Friedrich Nietzsche)


Als ob es nicht schon genügend Genres und Unterkategorien im Metal geben würde, fügen die Tschechen TROLLECH dem Ganzen noch eine weitere metallische Schublade hinzu: Pure Forest Back Metal.

Kreativ sind die vier Tschechen, das muss man ihnen lassen - leider aber (zumeist) nur was das (Er)Finden von neuen Klassifizierungen betrifft. Musikalisch gesehen dagegen scheint die Phantasie (kreativer Art) von TROLLECH eher darauf bedacht zu sein, sich möglichst oft auf Tauchstation zu begeben.
Nicht dass das "Každý Strom Má Svůj Stín" ohne Höhepunkte auskäme oder gar, nicht hörbar wäre - keineswegs.
Der raue Mix aus Black Metal (skandinavische Schule) und Pagan Metal (osteuropäische Prägung) ist zumindest von der Umsetzung alles andere als schlecht gemacht und weiß, wenn auch nicht durchgängig, durchaus zu gefallen.
Vor allem der Opener "Hladiny vod" mit seinen immer mal wieder kurz aufblitzenden AGALLOCH Reminiszenzen und seinen Tempowechseln, sowie das zu gleichen Teilen abwechslungsreiche und eingängige "Každý Strom Má Svůj Stín" haben genügend Potenzial, um länger in Erinnerung zu bleiben.

Und trotzdem erinnert das siebte Studioalbum von TROLLECH oftmals an einen Besuch auf einem Gebrauchtwagenmarkt: Die Autos glänzen in der Sonne, das Angebot ist abwechslungsreich und auf den ersten Blick ist alles in Ordnung.
Doch wenn man genauer hinschaut, sieht man die kleinen Dellen, findet man den ein oder anderen Kratzer und stößt dabei auch auf verbaute (Ersatz-)Teile, die schon durch viele Hände gegangen sein müssen. Eigentlich nichts verwerfliches - handelt es sich doch um gebrauchte Ware.
Dennoch liegt genau hier der Hund begraben, zumindest in Fall von TROLLECH. Beschleicht einen doch des Öfteren das Gefühl, dass die Tschechen ihr Album mit (Ersatz-)Teilen anderer Bands zusammengeschustert haben.
Das Resultat: Irgendwann (sehr schnell) hat man sich satt gehört, und die anfängliche (Teil-)Zustimmung schlägt um in Langeweile.

So bleibt am Ende ein Album mit zwei guten Tracks (s.o.) übrig, das es im internationalen Vergleich aber schwer haben dürfte, für Furore zu sorgen.

6 von 10

https://www.facebook.com/trollech
https://trollech.bandcamp.com/