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DON`T KILL YOUR LOVE...BUY LEGAL CDs AND SUPPORT THE BANDS LIVE!!! STAY HEAVY!

Dienstag, 21. Mai 2019

UNENDLICH / "Thanatophobia" / Label: Horror Pain Gore Death Productions / 11 Tracks / 50:09 Min

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, / Er mäht das Korn, wenn's Gott gebot; / Schon wetzt er die Sense, / Dass schneidend sie glänze, / Bald wird er dich schneiden, / Du musst es nur leiden; / Musst in den Erntekranz hinein, / Hüte dich schönes Blümelein! (Clemens Brentano)

Baltimore/Maryland ist ein geschichtsträchtiges Fleckchen Erde an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika. Unter anderem ist es der Geburtsort der amerikanischen Nationalhymne, die Stadt, in der die erste Eisenbahnlinie der USA ihren Ursprung hat und mit Edgar Allan Poe einer der größten Poeten und Geschichtenerzähler des 19. Jahrhunderts seine letzte Ruhe gefunden hat.
Ebenfalls aus Baltimore/Maryland kommt Michael Connors, seines Zeichens Gründer und einziges Mitglied von UNENDLICH.
Unendlich scheint auch die Quelle der Inspiration von Michael Connors zu sprudeln, ist "Thanatophobia" doch bereits die vierte Veröffentlichung (3 Longplayer, eine EP) seit der Bandgründung im Jahre 2014. Kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, dass der Mann alles komplett in Eigenregie macht.
Doch wie so oft, muss auch hier angemerkt werden, dass Quantität nicht immer mit Qualität einhergeht. So auch bei "Thanatophobia".
Holzen sich UNENDLICH beim Opening-Track "Oblivion of Time" noch nach allen Regeln der (neuzeitlichen) Black Metal Kunst durch die rasante Nummer, geht das USBM Ein-Mann-Projekt danach in schöner Regelmäßigkeit dem Fluch der Moderne auf dem Leim.
Ein Fauxpas, der einem leider die Petersilie massiv verhagelt. Da helfen auch die atmosphärischen Gitarren und der überwiegend harsche Gesang nicht, um darüber hinwegsehen zu können, dass Breaks und Klargesang, wenn auch sparsam eingesetzt, das Album in Schieflage versetzen.
So hangelt sich "Thanatophobia" mit fortschreitender Spieldauer von einer belanglosen Nummer zur nächsten. Kurz bevor man gewillt ist, das Album ins 08/15 Nirvana zu schicken, erbarmen sich UNENDLICH und enden mit "My Own Misery" doch noch versöhnlich, und das trotz Klargesang-Part.

Fazit: Musikalisch (Gesang, Instrumente) durchaus gekonnt, kompositorisch aber viel zu unauffällig eingespielt. (JK)

5.5 von 10


https://www.facebook.com/Unendlich.us
https://unendlich1.bandcamp.com/


DARK EASTER METAL MEETING 2019 - 20./21.April 2019 München/Backstage

Winterschlaf ade - das Backstage zu München lockt zum achten Mal mit einem prall gefüllten (metallischem) Osternest: DARK EASTER METAL MEETING 2019


"Das Grab war leer", so steht es zumindest im Markus Evangelium, welches zu Ostern gerne zitiert wird. Doch wohin ist der Sohn der Zimmermanns verschwunden? Darüber streiten sich seit langem die Gelehrten. Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand. Zumindest wenn sich diese Geschichte heutzutage abspielen würde und die Kreuzigung in München ihren Ursprung gehabt hätte: Er wäre zum Dark Easter Metal Meeting gegangen!
Wo sonst, als im Backstage trifft man zu Ostern auf eine treue und eingeschworene Gemeinde, die nichts anderes im Sinn hat, als dem einzig wahren Gott, dem der metallischen Klänge, zu huldigen und ihn lobzupreisen?
Und so ist das Dark Easter Metal Meeting auch in diesem Jahr für die "Gläubigen" die einzig wahre Pflichtveranstaltung zu Ostern.
Umsomehr, wenn Hohepriester vom Kaliber TRIPTYKON, TSJUDER, TAAKE & Co der österlichen Liturgie der anderen Art, in den heiligen Hallen des Backstage dem Meeting vorstehen. Hallelujah!


TAG 1 - Samstag


DEAD ALONE

Wie es sich für ein Bayerisches Musikfestival gehört, wird auch das Dark Easter Metal Meeting (DEMM) zu München, mit heimatlichen Klängen eröffnet: Mit Death Metal aus Miesbach: DEAD ALONE.
Wobei man den vier Bajuwaren offentsichtlich keinen Gefallen tun würde, ihre Mucke als profanen Death Metal abzutun. Dazu ist das Dargebotene zu facettenreich. Melo Death Metal mit Doom Würze und einer Prise atmosphärischem Black Metal trifft den Nagel wesentlich besser auf den Kopf. Eine Mischung, die eigentlich wie gemacht ist, um ein Festival wie das DEMM zu eröffnen. Doch leider stehen sowohl der grenzwertige Sound, als auch die hüftsteife Darbietung der Truppe, dem ganzen hinderlich im Weg. Die meisten der Anwesenden im gesteckt vollen Club sehen dies wohl ähnlich und verbringen die halbe Stunde, die sich DEAD ALONE auf der Bühne mühen, relativ regungslos auf ihrem Platz. Deshalb schnell weiter zum nächsten Act.


GEHENNA

Im großen Werk kann man sich bereits zu früher Stunde (15.45 Uhr) von den Schminkkünsten norwegischer Black Metal Größen überzeugen. Die Truppe um Sanrabb hat selbstverständlich aber noch mehr drauf, als ihr nordisches Anlitz, mit Unmengen von farblich aufeinander abgestimmten (schwarz/weiß ist immer noch en vogue) Gesichtspflegecremes aufzuhübschen - nämlich harsche Riffs mit doomig anmutenden Tempowechseln zu verbinden.
GEHENNA (© by sabine thiele foto)
Doch irgendwie will der Funke heute nicht gänzlich überspringen. Ob es am frühen Slot lag, am, für Norweger eher ungewohnt mediteran-heißen Tag, oder doch, am ebenfalls nicht optimalen Sound, bleibt im Dunkeln. Fakt ist: GEHENNA wirken die ganzen 45 Minuten ihrer Show total angepisst. Passt doch, Black Metal eben, werdet ihr jetzt sagen. Attitude und lustlos am Mikro rumstehen sind zwei verschiedene Paar Stiefel, erwidere ich dann. Immerhin konnten GEHENNA mit ihrer Setlist überzeugen, auch wenn die Präsentation der Songs ein klein wenig mehr Dynamik der Protagonisten nicht geschadet hätte. So bleibt am Ende ein solider Auftritt der Norweger in Erinnerung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.


SEAR BLISS

Der nächste Programmpunkt genießt innerhalb der Szene immer noch Exotenstatus, was nicht zuletzt dem Einsatz einer Posaune geschuldet ist. Dabei ist es gerade der, für Black Metal Ohren, ungewohnte Klang eines Blechblasinstruments, der SAER BLISS aus dem oftmals relativ ähnlich strukturiertem Extrem Metal Sektor hervorhebt. Trotzdem, oder gerade deswegen präsentiert sich die mittlere Halle im Backstage sehr gut besucht, als SEAR BLISS um kurz nach 18 Uhr in ihr Set mit "Two Worlds Collide" einsteigen. In den folgenden 50 Minuten arbeiten sich SEAR BLISS durch ihre Setlist, die insgesamt 8 Tracks bereit hält. Relativ schnell kristallisiert sich allerdings heraus, dass die Ungarn anscheinend eine Kleinigkeit auf der heutigen Setlist "vergessen" haben: Songs der ersten drei Alben. Schade, aber verschmerzlich, da SEAR BLISS das Liedgut der neueren Alben leidenschaftlich rüberbringen und der letzte Song des Auftritts "1100 Years Ago" doch noch Oldschool-Feeling versprüht. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings dann doch noch: der Soundmann ist ausgerechnet der Posaune nicht besonders wohl gesonnen, zieht sie doch gegen die Übermacht der Saitenintrumente öfters den Kürzeren. Dennoch: Thumbs Up - guter Auftritt!


GOATH / ESSENZ / MORD 'A' STIGMATA

Die beste Musik gibt es im Club, so die allgemeine Tendenz. Hier passt wirklich alles. Geniale Newcomer-Bands und Szene Geheim-Tipps, (zumeist) guter Sound und eine Videoinstallation über der Bühne, die passend zur jeweiligen Band, den perfekten (visuellen) Rahmen bildet. Leider (für den Verfasser dieser Zeilen) sehen dies, nach relativ kurzer Zeit, etliche Festivalbesucher ebenso, so dass ein guter Platz während der Gigs nur äußerst selten zu ergattern ist. Und auch die Tatsache, dass meine Wenigkeit alleine auf dem Festival unterwegs ist und unmöglich alles abdecken kann, macht erfinderisch. So werden an dieser Stelle drei Konzerte kurz zusammengefasst.
GOATH ziehen sich im klassischen Black Metal Outfit (Corpsepaint, Nieten, Leder) mit ihren tiefschwarz gefärbten Death Metal, passabel aus der Affäre. Nicht die leichteste Aufgabe. Immerhin müssen sie gegen URN und ADVENT SORROW anspielen, die in den größeren Hallen den Besuchern einheizen.
Mein Kurzbesuch bei ESSENZ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen: verdammt wenig Stimmung beim Auftritt der Berliner. Und dass, obwohl hier eine der geilsten Riffmaschinen des deutschen Undergrounds auf der Bühne steht. Zum anderen: Sänger/Bassist G.ST. ist lädiert. Wie ein Häufchen Elend sitzt er auf einem Hocker und müht sich (vergeblich) ab, in dieser Position eine gute Figur zu machen.
MORD'A'STIGMATA  hingegen geben in jedem relevanten Punkt (Songmaterial, Bühnenpräsenz, Atmosphäre) eine gute Figur ab. Mit ihrem Post Black Metal ziehen sie nicht nur eine stattliche Anzahl von Zuhörern an, sondern sorgen auch dafür, dass selbige total fokusiert das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Reife Leistung der Polen.


TSJUDER

Das erste ganz große Highlight des ersten Festivaltages folgt auf den Fuss: TSJUDER. Es gibt wohl kaum eine Black Metal Band auf diesem unheiligen Planeten, die die hohe Kunst der (konstanten) Blastbeat-Attacke so beherrscht, wie die Truppe um Nag. Weil dies jedoch nicht jedermanns Sache ist, fliegen die Norweger, obwohl bereits seit 1993 aktiv, bei einigen immer noch unter dem Radar. Nicht aber heute Abend. Brechend voll ist die Halle, als Drummer AntiChristian leicht verspätet auf die Bühne hetzt und ohne lange Anlaufzeit die "Knüppel-aus-dem-Sack-Darbietung" mit "The Deamon Throne" eröffnet. Wie es sich für wilde, norwegische Pandas gehört, verziehen TSJUDER während der 50-minütigen Show (kaum) eine Miene. Stattdessen überbieten sich die Herren gegenseitig, im grimmig dreinschauen und fies rüberkommen. Einfach nur herrlich, diesem Oldschool-Spektakel beiwohnen zu dürfen. Der Höhepunkt des Auftritts war jedoch das BATHORY Cover "Sacrifice", welches für kollektives Gänsehaut-Feeling sorgte. 


TIAMAT

Zum Abschluß des ersten Festivaltages strömen die Massen ins große Werk, der größten der drei Hallen im Backstage, um die wohl am meisten polarisierende Band des gesamten Festivals zu begutachten. Für die einen sind TIAMAT eine der abwechslungsreichsten Bands der nördlichen Hemisphäre, die Dank ihrer frühen 1990er Jahre Alben perfekt zum Festival passen, für die anderen sind die Schweden nichts anderes, als eine weichgespülte Majorlabel Truppe. Die Wahrheit liegt, wie so oft, auch hier in der Mitte.
Tiamat (© by sabine thiele foto)
Wohlwissend um die, in dieser Frage, gespaltenen Fanlager, wurde von der Festivalleitung, vor Verpflichtung von TIAMAT für das DEMM, auf ein (zu großen Teilen) Oldschool-Set bestanden. Da die egozentrischen Flegeljahre eines Johan Edlund bereits einige Jährchen zurückliegen, wird zumindest diese Bookinggrundlage während der nun folgenden 75 Minuten strikt eingehalten ... nahezu. Bis auf "Vote for Love" vom "Judas Christ"-Album (2002) und "Divided" vom Prey"-Album (2003) kredenzen TIAMAT ansonsten nur Songs der beiden Alben "Clouds" (1992) und "Wildhoney" (1994). Passt also.
Was nicht ganz passen mag, ist hingegen der als misslungen zu wertende Versuch von Johan Edlund, der Bühnenshow durch sein Outfit ("Corpsepaint", Pepita Hut, Sonnenbrille) eine besonders grimmig wirkende Note zu verleihen. Hatte in Wahrheit aber eher etwas von "Freddy Krüger auf Kaffeefahrt".
Keine Angriffsfläche hingegen bot die Setlist, die gekonnt den Spagat zwischen Death Metal und Gothic-Metal hinbekam und für (nahezu) jeden Geschmack etwas in petto hatte.
Mit "Gaia" geht der erste Festivaltag ruhig zu Ende und gönnt dem Trommelfell etwas Erholung, bevor es morgen mit der vollen Dröhnung wieder weitergeht.


TAG 2 - Sonntag


WALDGEFLÜSTER

Der zweite Festival Tag beginnt (für uns) genauso wie der erste, mit heimatlichen Klängen. Welchen Stellenwert sich WALDGEFLÜSTER aus München in den letzten Jahren innerhalb der schwarzen Gemeinde erarbeitet hat, sieht man alleine schon an der Tatsache, dass die Halle heute aus allen Nähten platzen zu droht. Da bietet es sich doch an, den Massen den vor wenigen Tagen erschienenen fünften Longplayer ("Mondscheinsonaten") live vorzustellen - zumindest Teile davon. Da WALDGEFLÜSTER aber dafür bekannt sind, sich innerhalb der einzelnen Songs nicht gerade kurz zu fassen, passen gerade einmal 5 Lieder auf die Setlist: 3 vom neuen Album und jeweils eines vom "Ruinen"-Album ("Weltenwanderer") bzw. "Femundsmarka"-Album ("Fichtenhain"). Es ist durchaus verständlich, dass eine Band ihr neues Album vorstellen und promoten will, aber es muss auch die Frage erlaubt sein, ob dies bei einem Festival-Kurzauftritt in dieser Fülle sein muss. However.
Was es aksutisch auf die Ohren und visuell zu bestaunen gab, war aller Ehren wert. Und so gab es nach 50 schweißtreibenden Minuten (eine Luft zum Schneiden) großzügige Beifallsbekundungen seitens des Publikums.


INFESTUS

Zeitgleich zur Hitzeschlacht bei WALDGEFLÜSTER in der Halle fand im kleinen Club ein nahezu intimes Konzert statt. Währnd der Großteil der Festivalbesucher sich offensichtlich bei WALDGEFLÜSTER herumtreibt oder sich vor den Gigs der Headliner mit Speis und Trank versorgt, findet man bei INFESTUS ausreichend Platz, um sich in wohltemperierter Umgebung dem kreativen Black Metal der deutsch-österreichischen Truppe hingeben zu können.
INFESTUS (© by metal-is-forever-alive)
Wer nicht gekommen ist, dürfte sich hinterher in den Allerwertesten gebissen haben, gab es doch den (meiner Meinung nach) besten Auftritt im Club beim diesjährigen DEMM zu bewundern. INFESTUS können nämlich nicht nur auf perfekte Soundverhältnisse zurückgreifen, sondern haben auch den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Nicht wenige dürften bei INFESTUS nur vorbeigeschaut haben, weil nebenan in der Halle zeitweise kein Einlass mehr gewährt wurde und wurden dann vom dynamischen INFESTUS Gig förmlich umgeblasen. Nicht unwesentlich "schuld" daran war die beeindruckende Performance von Sänger Andreas, der einen absoluten Sahnetag erwischt hatte und mit seinen abwechslungsreichen Vocals der Show den perfekten Rahmen gab.


TAAKE

Nach diesem unerwartetem Highlight im Club folgt auf dem Fuße der von vielen sehnlichst erwartete Nachhol-Gig von TAAKE, die im letzten Jahr kurzfristig ihren Auftritt auf dem DEMM absagen mussten. Um die Vorfreude auf den heuteigen Auftritt noch zu steigern, wurde eine Oldschhool-Setlist angekündigt, ausschließlich mit Songs der ersten drei Alben. Doch Hoest wäre nicht Hoest, wenn er nicht für Überraschungen gut wäre - im positiven wie im negativen Sinne.
                                                                                       
TAAKE (© by sabine thiele foto)
Zuerst die positiven Eindrücke zusammengefasst. Selten durfte man einen so ausgelichen wirkenden und zu Kommunikation aufgelegten Hoest auf der Bühne erleben wie heute. Auch stimmlich ist Hoest voll auf der Höhe und seine Truppe liefert ebenfalls ordentlich ab - sehr zur Freude der Fanmassen.
Weniger erfreulich, bis sehr ärgerlich, die negativ belegten Eindrücke der 50-minütigen Show. Sound: durchwachsen. Lightshow: nicht zufriedenstellend (O-Ton Hoest). Setlist: nicht das versprochene/angekündigte Oldschool-Set. Nur drei der insgesamt sieben gespielten Songs haben ihren Ursprung vor dem Jahre 2005, so dass sich manch einer (zurecht) wie im falschen Film vorkam.
So bleibt am Ende ein Auftritt, der weder Fisch noch Fleisch war und die Fan-Gemüter noch einige Zeit beschäftigen dürfte.


UNLEASHED

Da kommt der Auftritt der kultigen Schweden von UNLEASH gerade recht, um sich den Frust über entgangene Oldschool-Freuden bei TAAKE, headbangend zu entledigen.
UNLEASHED (© by metal-is-forever-alive)
Nicht nur, dass die Mannen um Hauptwikinger Johnny Hedlund in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum begehen und dementsprechend bis in die Harrspitzen der langen Matten motiviert sind, machen die folgenden 50 Minuten zu einen Start Ziel Genuß.
Auch der Umstand, dass dort wo UNLEASHED drauf steht, auch Oldschool drin ist, spielt allen Beteiligten (Band und Publikum) in die Karten. Und so entwickelt sich in der Folge ein Death Metal Abriss, der jeden, der ihm beiwohnen darf, in seinen Bann zieht und nach dem unvermeidlichem Schlußpunkt "Into Glory Ride" schweißgebadet zurücklässt.


LIK

Der Übergang von UNLEASHED hin zu LIK geht fließend von statten - spielen doch beide feinsten Oldschool Death Metal, schwedischer Prägung. Eine Stilrichtung, die auf dem diesjährigen DEMM ansonsten unterrepräsentiert ist. Dementsprechend groß ist der Andrang.
LIK (© by metal-is-forever-alive)
Zu groß für den kleinen Club, der bereits wenige Minuten nach Showbeginn seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Rien ne va plus - nichts geht mehr. Dafür aber umso mehr auf der Bühne!
Gnadenlos trümmern sich LIK durch ihr energiegeladenes Set, welches von rohen und rasanten Riffs nur so strotzt, so dass nicht wenige LIK, als die einzig wahren Kronprinzen des schwedischen Todesstahl-Dreigestirns (BLOODBATH, DISMEMBER, UNLEASHED) ausrufen. Schaut man sich während des 40-Minuten-Gigs im Publikum um, kann man dem nur beipflichten. Fliegende Matten allenthalben und greckte Fäuste alle paar Meter - LIK rule!


TRIPTYKON

Nach der heftigen Death Metal Abreibung eben, kommen die Schweizer Hohepriester von TRIPTYKON mit ihrem tiefschwarzen Doom Metal gerade recht, um das Kräfteverhältnis zwischen aufstrebenden Newcomern und Ikonen des Metal wieder zurechtzurücken.
TRIPTYKON (© by metal-is-forever-alive)
Obwohl die Uhr gnadenlos Richtung Mitternacht tickt, füllt sich das Werk nochmals bis zum Anschlag, so dass Tom G. Warrior und sein TRIPTYKON den würdigen Rahmen, seinem Stauts entsprechend, geliefert bekommt. Ehre wem Ehre gebührt. Immerhin sprechen wir von keinem Geringeren, als dem "Erfinder" des Extrem-Metal.
Flankiert zwischen zwei riesigen Kreuzen auf der Bühne, lassen TRIPTYKON eine Setlist vom Stapel, die den Bogen zwischen Vergangenheit (CELTIC FROST) und Gegenwart (TRIPTYKON) ausgewogen spannt, und nicht wenige damit glücklich macht. "Synagoga Satanae" eröffnet die 75-minütige Reise durch den schwarzen Abgrund und lässt gleich zu Beginn erahnen, dass TRIPTYKON gewillt (und in der Lage) sind, das Publikum nochmals so richtig zu elektrisieren.
TRIPTYKON (© by metal-is-forever-alive)
Wenn auch die Glieder inzwischen schwer geworden sind und der Nacken anfängt zu schmerzen, nahezu jeder gibt sich den tonnenschweren Riffs hin. Und so entwickelt sich eine erinnerungswürdige Osterzeremonie, die alles ist, nur nicht stille Andacht. "Circle of Tyrants", "Tree of Suffocating Souls" und "Procreation (of the Wicked)" werden dementsprechend lautstark abgefeiert
Dass diese Art von Musik, zu vorgerückter Stunde, jedoch ihren Tribut fordert, liegt in der Sache der zähfließenden Doom-Natur. Und so leert sich noch vor den Finale grandioso ("Dethroned Emperor", "The Prolonging") das Werk sichtbar. Wer jedoch bis zum Ende aushält, kann in sein imaginieres Festival-Tagebuch notieren: TRIPTYKON: erhaben - mächtig - unvergleichlich.


DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT

Wer jetzt immer noch stehen kann, der gibt sich der kleinen Nachtmusik von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT hin. Wobei "Nachtmusik" nicht wirklich passend ist, wenn Onielar involviert ist. Mit ihren fiesen Vocals könnte sie (höchstwahrscheinlich) Tote aufwecken. Auch der Old-School-Black-Metal, norwegischer Prägung,  den DNS spielen, trägt sein übriges dazu bei, dass Hypnos bzw. Somnus noch keine Chance haben. Um den Reiz der Abschlußveranstaltung (im kleinen Club läuft zeitgleich der Gig von DAWN OD DISEASE) des diesjährigen Dark Easter Metal Meetings noch zu erhöhen, haben Onielar & Co angekündigt, auch Material vom brandneuen Album "Mardom" zu spielen. Gesagt, getan: mit "Mardom - Echo Zmory", "Exaudi Domine", A Beseechment Twofold" und "Imperishable Soulless Gown" finden sich dann auch vier Tracks von besagtem Album.
DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT (© by sabine thiele foto)
Die restliche Setlist setzt sich (logischerweise) aus älteren, aber nicht minder bluttriefenden Tracks der Schlachter-Innung zusammen. Höhe- und Schlußpunkt der Show von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT und des DEMM zugleich, ist das österliche Giveaway von Onielar, in Form von frischem Tierblut, welches sich spukender Weise über die ersten Reihen "ergießt". Mit dieser Herausforderung für jede Waschmaschine endet das DEMM und der schwarzgekleidete (Zuschauer-)Tross begibt sich Richtung Parkplatz oder zur S-Bahn, wo er zu später Stunde noch für den ein oder anderen ungläubigen Blick bei seinen nichtmetallischen Mitmenschen verantwortlich ist. Herrlich!

Acht Jahre gibt es das DARK EASTER METAL MEETING nun schon. Acht Jahre, in denen sich das Festival, bis weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus, einen vorzüglichen Ruf in der Extrem-Metal-Welt erarbeitet hat. Zum dritten Mal nacheinander war das Festival ausverkauft!
Ein Umstand, der nicht zuletzt der vorzüglichen Bandauswahl geschuldet ist. Lokale Bands. Newcomer. Top-Acts. Das DEMM hat ganz offentsichtlich die passende (Erfolgs-)Formel für den ereignis- und abwechslungsreichen Festivalgenuss gefunden. Weiter so!
Kein Genuss hingegen war das feilgebotene Essen auf dem Gelände. Hier lässt das Preis-Leistungs-Verhältnis noch arg zu Wünschen übrig.
Sieht man aber von diesem Problem ab und lässt auch den teilweise nicht zufriedenstellenden Sound außer Acht, ist Münchens österliche Kontraveranstaltung ansonsten über jeden Zweifel erhaben.
Wo sonst, als beim DEMM, bekommt man zu fairen Ticketpreisen (80 € + Gebühr), ein gut organisiertes 2-Tages-Festival dieser Größe (34 Bands) geboten. Noch dazu in einem der besten Metalclubs des Landes, mit eigenem Biergarten, mehreren Bars und kurzen Laufwegen zwischen den einzelnen Gigs.
So darf man schon jetzt auf die kommende Bandzusammenstellung gespannt sein und sich auf Ostern 2020 in der bayerischen Landeshauptstadt freuen! In diesem Sinne: Urbi et Orbi. (JK)


metal-is-forever-alive bedankt sich bei SABINE THIELE FOTO !


Freitag, 3. Mai 2019

DEVOUROR / "Slay for Satan" / Label: Metal Zone Records / 4 Tracks (EP) / 14:00 Min

Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier. (William Shakespeare)

DEVOUROR aus Singapur hauen aus dem Stand eine Debüt-EP raus, die unter Garantie, für mächtig Wirbel im Extrem-Metal-Sektor sorgen wird.
Nicht nur, dass "Slay for Satan" mit sämtlichen unchristlichem Zutaten der Hölle aufwarten kann, auch das Tempo, mit dem DEVOUROR durch die vier Tracks pflügen, ist nahezu unmenschlich.
Auf der druckvoll produzierten 4-Track-EP verschreibt sich die Truppe mit Haut und Haaren dem Blackened-Death-Metal, scheut aber auch nicht davor zurück, gelegentlich mit dem ein oder anderen Thrash-Metal Zitat zu spielen. So überrascht es dann auch nicht, dass sich DEVOUROR am besten in der Schnittmenge von SARCOFAGO, BLASPHEMY, AMPÜTATOR, MARDUK und SODOM verorten lassen.
So weit, so gut.
Was "Slay for Satan" jedoch so hörenswert/empfehlenswert macht, ist zum einen, die Eingängigkeit der einzelnen Songs (ein wahres Kunststück bei bei diesem Tempo) und zum anderen, die Fingerfertigkeit an den Instrumenten.
Ganz so überraschend kommt dies alles dann aber doch nicht: Hat sich mit Fronter Antichristo Xul, Klampfer Shyaithan und Drummer Dizazter doch ein illustrer Haufen zusammengefunden, der schon seit Jahren Erfahrung in diversen Bands (u.a. IMPIETY, INFERNAL EXECRATOR ) gesammelt hat und sich auch schon außerhalb der eigenen Landesgerenzen seine Sporen verdient hat.

Fazit: Wer zur Abwechslung mal Lust auf eine asiatische Schlachtplatte hat, kann sich ganz ohne Glutamat oder andere Allergene "Slay for Satan" munden lassen. DEVOUROR glückt eine Debüt-Veröffentlichung, die definitiv Appetit auf mehr macht. Unbedingt antesten! (JK)

9 von 10

https://www.facebook.com/Devouror666/
https://devouror.bandcamp.com/releases


Donnerstag, 11. April 2019

IMHA TARIKAT / "Tara Ihalas" / Label: Vendetta Records / 8 Tracks / 41:46 Min

Er fiel ... an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf einen Satz beschränkte: "Im Westen sei nichts Neues zu melden!" (Erich Maria Remarque)

Im Westen nichts Neues? Mitnichten!
Nachdem es vor kurzem mit ULTHA aus Köln eine vielversprechende Truppe geschafft hat, den Kopf aus den Niederungen der lokalen Black Metal Szene zu erheben, steht nun mit IMHA TARIKAT aus Mühlheim/Ruhr der nächste Kandidat in den Startlöchern.
Anders als die Kölner Emporkömmlinge, die etwas subtiler und abwechslungsreicher zu Werke gehen, kennen IMHA TARIKAT nahezu nur eine Devise: Attake!
Nicht nur, dass die Blast-Beat-Maschine wie geschmiert läuft, auch die Riffs strotzen nur so vor (schwarzmetallischer) Kraft. Am ehesten lässt sich das ganze im traditionellen Black Metal skandinavischer Prägung veroten, aber auch (akustische) Ausflüge nach Polen (MGLA) und Oregon/USA (UADA) haben ihre Spuren hinterlassen.
Um das schwarzmetallische Multi-Kulti-Konglomerat zu komplettieren sei auch noch erwähnt, dass es sich bei IMHA TARIKAT um ein türkisch-deutsches Duo handelt.
Ebenfalls interessant: Das textliche Konzept bezieht sich auf ein Gebet aus dem Koran. Wo andere Black Metal Bands versuchen, sich im Satanischen-Kontext zu übertreffen, gehen IMHA TARIKAT andere Wege und sorgen sich um das Seelenheil Verstorbener.
Das Debüt-Album von IMHA TARIKAT hat immer dann seine besten Momente, wenn Ruhsuz Cellat & Prowler ein klein wenig aus ihrem Standard-Songwritingprozess ausbrechen. Beste Beispiele hierfür sind "II-II: Katarsis Vaazı (Catharsis Sermon)" und "III-I: Şafaksız Rüya (Dawnless Dream)", die beide durch diverse Tempowechsel und abwechslungsreiche Soli herausstechen.
Überhaupt die Soli auf "Tara Ihalas": Selten hat man auf einem tradiotionell geschmiedetem Stück Black Metal solche Eingängigkeit und Melodiösität (bei aller Härte) an der Gitarre zu hören bekommen, wie hier. Fast ist man versucht zu behaupten, dass der Ursprung dieser Soli im Death Metal zu suchen ist. Aber eben nur fast. Letztendlich fügen sich die Soli sehr gut in die jeweilige Songstruktur ein. Und das ist es, worauf es ankommt.

Fazit:Innovativ oder gar revolutionär ist das, was IMHA TARIKAT abliefern, nicht. Dennoch lässt sich eine gewisse Faszination, die vom Debütalbum der Mühlheimer ausgeht, nicht absprechen. Unterm Strich bleibt ein über weite Phasen recht passabeles Album übrig, das für den Moment aber nicht für den großen Wurf reichen wird, aber als Versprechen für die Zukunft zu werten ist: Von IMHA TARIKAT wird noch zu hören sein! (JK)

7 von 10

https://imhatarikat.bandcamp.com/releases
https://www.facebook.com/imhatarikat/



KING KOBRA / "Sweden Rock Live" / Label: Metalville - Rogh Trade / 13 Tracks / 56:15 Min

Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler. (William Shakespeare)


Dass Livealben ihren Reiz haben können, wissen wir seit "Made in Japan (DEEP PURPLE), "...Exit...Stage Left (RUSH)" und "Live After Death" (IRON MAIDEN)".
Die seit fünf Jahren wieder aktiven KING KOBRA wollen sich da nicht hintenanstellen und hauen mit "Sweden Rock Live" ebenfalls einen Live-Silberling raus - den ersten der Karriere. Auch wenn es "Sweden Rock Live" nicht mit den zuvor genannten Premium-Live-Veröffentlichungen aufnehmen kann, darf man Carmine Appice und seiner Truppe dennoch zu diesem Live-Dokument (aufgenommen am 11. Juni 2016 beim legendären Sweden Rock Festival) gratulieren.
Nicht nur, dass KING KOBRA an besagtem Tag, bis in die toupierten Haarspitzen motiviert wirken, nein, auch die Songauswahl kann sich sehen lassen. Neben den unverzichtbaren Klassikern ("Ready to Strike", "Hunger", "Shadow Rider", "Raise Your Hands to Rock") und dem ein oder anderen Song der Neuzeit ("Tear Down the Walls", The Ballad of Johnny Rod, "Turn Up the Good Times") finden sich auf dem Album zudem eine musikalische Verneigung vor Ronnie James Dio ("Heaven and Hell"), ein Ausflug zum vorherigen Betätigungsfeld (W.A.S.P.) von Basser Johnny Rod in Form von "Wild Child" und ein progressiv interpretiertes Gitarrensolo, das seinen Ursprung im Jahr 1972 hatte - "Highway Star" (DEEP PURPLE).
Selbstverständlich darf auch ein (kurzgehaltenes) Drumsolo nicht fehlen - immerhin sprechen wir hier von Carmine Appice.
So weit, so gut!
Nicht optimal, wenn auch verschmerzbar ist die Tatsache, dass sich einige Songs z.B. "Monsters and Heroes" nicht auf dem Album wiederfinden, obwohl sie am Aufnahmetag gespielt wurden.
Etwas schade ist zudem, dass das Publikum an manchen Stellen etwas arg in den Hintergrund gemischt wurde, was dazu führt, dass die Authentizität etwas abhanden kommt.

Fazit: Hauptzielgruppe für "Sweden Rock Live" dürften jene Semester sein, die mit Carmine Appice bzw. KING KOBRA  groß geworden sind. Aber auch jüngere Anhänger von melodischem Hard Rock dürften sich hier heimisch fühlen. (JK)

7.5 von 10

https://www.facebook.com/KingKobraOfficial/

ACE FREHLEY / "Spaceman" / Label: eOne/SPV / 9 Tracks / 37:08 Min

Es schadet niemals, sich für alle Lebensabschnitte ein Stück Jugend zu bewahren, und es ist immer besser, im Alter jugendfrisch zu sein, als greisenhaft in jungen Jahren. (Wilhelm Heinrich Riehl)

Man mag über Paul Daniel Frehley, besser bekannt als ACE FREHLEY denken wie man will, aber es gibt nicht mehr viele von seinem Schlag: Ein (Rock-)Relikt, dass nahezu die gesamte Entwicklung der härteren Rockmusik, von Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts bis heute miterlebt und -geprägt hat.
Unvergessen natürlich seine aktive Zeit bei KISS, als er (mit Unterbrechungen) 25 Jahre lang den gitarrenverückten Spaceman auf der Bühne gab.
Aber auch sein Privatleben war stets immer eine Schlagzeile wert: Sex, Drugs & Rock'n'Roll - ACE FREHLEY hat alles davon exzessiv ausgelebt.
Inzwischen geht er einige Dinge entschieden zurückhaltender an, nur beim Thema Rock'n'Roll gibt er immer noch Vollgas.
Auf seinem nunmehr fünften Soloalbum (Live-Alben, Coveralben oder Compilationen nicht mit eingerechnet) bietet ACE FREHLEY seinen Fans genau das an, was sie von ihm hören wollen: Schmissigen Hard Rock mit der ein oder amderen Gitarrenfeinheit.
Das inoffizielle Motto des Albums könnte aber "Back to Roots" lauten. Denn, nie zuvor hat sich ACE FREHLEY musikalsich so nah an sein erstes Solo-Album von 1978 herangewagt, wie diesesmal. Logische Konsequenz: "Spacemann" hört sich fast durchgängig nach der 1973 in New York gegründeten Truppe mit dem Faible für Schminke und Plateausteifel an. Glaubt ihr nicht? Dann hört euch "Rockin' with the Boys", "Pursuit of Rock'n'Roll" oder "Bronx Boy" an.
Immer noch nicht überzeugt? Bei "Without You I'm Nothing" und "Your Wish is My Command" zupft ein gewisser Cahim Witz aka Gene Simmons die Saiten am Bass und auf dem kompletten Album ist Anton Fig am Schlagzeug zuhören.
Anton Fig? Der Mann hat u.a. die beiden Alben "Dynasty" und "Unmasked" für KISS im Studio eingespielt
Es kommt aber noch besser. Bei "Your Wish is My Command" tritt Gene Simmons sogar als Co-Autor in Erscheinung!
Einziger Unterschied zum ehemaligen Betätigungsfeld, ist der Umstand, dass nicht Paul am Mikro steht, sonder Ace selbst singt.

Fazit: Mit "Spaceman" lässt ACE FREHLEY eine musikalische Retroperspektive vom Stapel, die so nicht zu erwarten war. Auch wenn sich nicht alle Songs auf dem selben Niveau bewegen, ist es dennoch aller Ehren wert, was der Rockveteran mit 67 Jahren noch auf der Pfanne hat. (JK)

7 von 10

http://www.acefrehley.com/



Mittwoch, 3. April 2019

Konzertbericht KILLFEST 2019 / OVERKILL + DESTRUCTION + FLOTSAM & JETSAM + CHRONOSPHERE - 10.3.2019 München/Backstage

Wähernd halb Deutschland insgeheim darauf hofft, ohne Abschläge in Frührente gehen zu können, haben die Thrash-Initatoren der 1980er Jahre alles Mögliche im Sinn, nur nicht den Ruhestand.
Würde im Fall von OVERKILL, DESTRUCTION und FLOTSAM AND JETSAM auch kein Mensch verstehen. Erleben doch alle drei Bands momentan ihren zweiten, wenn nicht gar dritten Frühling.
Da der Frühling aber auch immer Neues zum Vorschein bringt, komplettieren CHRONOSPHERE den kultigen Dreierpack auf der Killfest-Tour 2019.


CHRONOSPHERE

Unverhofft kommt oft. Weil die Australier MESHIAAK ihr Tour-Engagement kurzfristig canceln mussten und schnellstmöglich ein adäquater Ersatz her musste, schlägt nun die (halbe) Stunde von CHRONOSPHERE. Eine Chance, die die vier jungen Griechen am Schopf packen wollen. Ein Vorhaben, dass jedoch von Anfang an zum Scheitern verurteilt war - zumindest heute Abend.
Vor Beginn des Auftritts gab es schon Probleme beim Soundcheck, so dass CHRONOSPHERE verspätet auf die Bühne kamen. Doch damit nicht genug: Von Anfang an wollte die zweite Gitarre nicht so wie sie sollte, was letztendlich dazu führte, dass Spyros Lafias den Stecker zog und ab dem dritten Song nur noch als Sänger fungierte - worunter wiederum der Sound von CHRONOSPHERE massiv an Durchlagskraft verlor.                           
CHRONOSPHERE (© by metal-is-forever-alive)
Die Griechen versuchten noch zu retten, was eigenlich in der Kürze der Zeit nicht mehr großartig zu retten war und schüttelten von nun an ihr Haupthaar um so heftiger zum abgespeckten Sound. Nett anzusehen, mehr aber auch nicht. Nur zum letzten Song des kurzen Auftritts, dem MOTÖRHEAD Cover "Ace of Spades", kam für einen kurzen Moment richtig Stimmung in der Hütte auf. Zu wenig, um ein positves Resümee ziehen zu können. Am Ende dürften CHRONOSPHERE deshalb ihren Auftritt in München unter Rubrik "Außer Spesen nichts bzw nicht viel gewesen" abbuchen.


FLOTSAM AND JETSAM

Was heute Abend beim einem nach Thrash Metal gierenden Publikum möglich gewesen wäre und ist, zeigen FLOTSAM UND JETSAM eindrucksvoll vom Start weg. Obwohl der Phoenix-Fünfer, im Vergleich zu den noch folgenden OVERKILL und DESTRUCTION, seit jeher die Thrashkeule moderater schwingt, bringt die Truppe um Michael Gilbert und Eric A.K. das Publikum innerhalb kürzester Zeit auf Betriebstemperatur.
FLOTSAM AND JETSAM (© by metal-is-forever-alive)
Gute Soundverhältnisse, eine auf den Punkt genau arbeitende Instrumentalfraktion und ein Eric A.K., der mit zunehmenden Alter gesanglich immer besser zu werden scheint, tragen zu gleichen Teilen dazu bei, dass München heute Abend in den Genuss einer kurzweiligen (knappen) Dreiviertelstunde kommt. Auch die Setlist kann sich sehen lassen, beinhaltet sie doch eine bunte Zusammenstellung der FLOTSAM AND JETSAM Historie. Einziges Manko, wenn überhaupt: die mittlere Schaffensphase wurde komplett unter den Teppich gekehrt. Dafür wurde den Frühwerken mit "Desecrator", "Hammerhead", "I Live You Die", "No Place for Disgrace" und der Neuzeit mit "Prisoner of Time", "Iron Maiden", "Demolition Man" und "Recover" ausgiebig Gehör verschafft.


DESTRUCTION

Was Gelsenkirchen kann, kann Weil am Rhein auch. Genauso wie SODOM, die ihr Lineup vor kurzem um einen vierten Mann erweitert haben, laufen DESTRUCTION neuerdings auch als Quartett auf. Mit Damir Eskic hat man nicht nur einen Mann mit ins Boot geholt, der den Altersdurchschnitt bei DESTRUCTION nach unten drückt, sondern dem Badischen Thrash-Schlachtschiff deutlich mehr Virtuosität verleiht.
DESTRUCTION (© by metal-is-forever-alive)
Ein weiterer positiver Nebenaspekt der "Vom Trio zum Quartett Metarmophose": der DESTRUCTION Sound wummert nun noch druckvoller als ohnehin schon aus den Boxen. Und so entwickelt sich der 60-minütige Auftritt der Badener Formation nicht nur musikalisch, sondern eben auch soundtechnisch zu einer Machtdemonstration in Sachen Teutonen-Thrash.
Eine gut durchgemischte Setlist trägt ihr übriges zur Thrash-Till-Death-Sause bei. Dabei fehlen darf natürlich nicht der "Mad Butcher", der wie üblich der Meute die Rübe abschraubt. Aber auch Thrash-Anthems wie "Curse the Gods", "Release from Agony", "Nailed to the Cross", "Life without Sense", "Total Desaster", "The Butcher Strikes Back" und "Bestial Invasion" verfehlen ihre Wirkung heute Abend nicht. Und auch an die Schandtaten der Neuzeit wurde in Form von "Dethroned" gedacht - was will man mehr?


OVERKILL

Genauso wie DESTRUCTION haben auch OVERKILL 1985 ihr Debütalbum auf dem Markt gebracht und gehören seitdem zum unverzichtbaren Kulturgut eines jeden Thrashers. War bei Schmier, Mike & Co schon ordentlich Bewegung im Publikum, steppt bei OVERKILL der Bär nun richtig derbe - und zwar in neongrün.
OVERKILL (© by metal-is-forever-alive)
Wie es sich für ein Konzert der New Jersey Thrash Institution gehört, ist nicht nur die Bühne in diesen Farbton getaucht, auch die Leibchen der Fanmassen leuchten in giftgrünen Lettern. Und die sind heute Abend schneller nassgeschwitzt, als das Hemd eines Klaustrophoben, in einer bis auf den letzten Platz gefüllten U-Bahn zur Wiesnzeit. Schuld daran ist eine Setlist, die es in knapp 90 Minuten schafft, 16 Tracks unterzubringen, die nahezu alle Kultcharakter haben. Von "Electric Rattlesnake" und "Hello from the Gutter", über "Elimination" und "Deny the Cross", bis hin zu "Bastard Nation" und "Mean, Green, Killing Machine" fahren OVERKILL alles auf, was Rang und Namen im Backkatalog des New Jersey Fünfers hat. Nur am Mittelteil der Show scheiden sich die Geister.
OVERKILL (© by metal-is-forever-alive)
Die einen erfreuen sich an den eher selten gespielten bzw. neuen Perlen ("Distortion", "Necroshine" und "Under One"), die anderen gönnen sich hier eine Auszeit, da ihrer Meinung nach tendenziell mittelmäßiges Material durch den Äther gejagt wird. Zum Endspurt ("Feel the Fire", "Rotten to the Core") stehen aber wieder alle geschlossen hinter OVERKILL - in Union We Stand sozusagen. Und auch der Zugabenteil, mit dem schon traditionell aus hunderten Kehlen mitgegröltem "FUCK YOU", sowie "Ironbound" und "Welcome to the Garden State", dem besten Song vom aktuellen Album, lässt keine Wünsche offen - außer vielleicht einem: mögen OVERKILL uns noch lange erhalten bleiben.

Kaum zu glauben: in ein paar Tagen wird Bobby "Blitz" Ellsworth 60 Jahre alt. Während der Großteil seiner Altersgenossen, sich langsam aber sicher, auf der heimischen Couch festsaugt, fegt das New Jersey Thrash Urgestein, wie eh und jeh, über die Konzertbühnen der Welt. OVERKILL sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass Metal im Allgemeinen und Thrash im Speziellen jung hält. Da können Detox, Intervallfasten, Yoga und Co nicht mithalten - Killfest rules!  (JK)


Freitag, 29. März 2019

THORONDIR "Berserkerwut"


INTERNAL CHRONICLES / "Crimson Storm" / Label: Guts'n'Blood Records / 7 Tracks / 40:56 Min

Man nippt am Leben, jeder kostet einen Tropfen Ewigkeit, auch der Unsterbliche nur einen - und der ist oft bitter. (Emanuel Wertheimer)

Kroatien ist nicht nur ein Land, in dem man wunderbar Urlaub machen kann und aus dem momentan der Weltfussballer (Luka Modrić) des Jahres 2018 herkommt, sondern auch ein Staat, in dem man auf das ein oder andere lohnende Black Metal Project stoßen kann.
Eine dieser Bands, die es zumindest einmal verdient hat, Gehör geschenkt zu bekommen ist INTERNAL CHRONICLES.
Mit ihrem Mix aus harschem Black Metal, hymnischem Doom und ruhigen Momenten hat das Einmannprojekt, welches gelegentlich auch als Duo in Erscheinung tritt, genug eigenständige Merkmale, um sich dem internationalen Wettbewerb stellen zu können. Bereits der Opener "A Beautiful Day to Die" des 2017 gegründeten Projekts zeigt auf, dass NoOne, das Mastermind hinter INTERNAL CHRONICLES, sein Handwerk versteht: Mit einem heiseren Röcheln führt der Song den Hörer langsam an die Atmosphäre des Albums heran, bevor Gitarren-Akkorde, die nicht unwesentlich an UADA erinnern, wenn auch um einiges langsamer, doomiger gespielt, die Szenerie ergänzen. Eine feine Melodiösität und Synthklänge, die dezent im Hintergrund ihr Werk verrichten, sowie eine typische Black Metal Grundstimmung, runden das ganze ab.
Nahezu alle Tracks auf dem Album toben sich jenseits der 5 Minuten Grenze aus. Einer dieser überlangen Songs und zugleich der beste der gesamten Veröffentlichung ist "Crimson Maiden". Nach einer kurzer sakralen Einleitung (Chor) setzen treibende Drums und harsches Black-Metal-Gekeife ein, die in Verbindung, ein in sich stimminges Bild von Vergänglichkeit von Gefühlen zeichnen. Um nichts anderes geht es nämlich in diesem Konzeptalbum, das das Thema "Liebe" in all seinen (möglichen) Facetten (Schönheit, Unbeschwertheit, Schmerz usw.) zum Thema hat. Der zerbrechlich wirkende Mittelteil des Songs gibt dem ganzen den nötigen Raum, um sich dessen bewusst zu werden, bevor zum Ende der Nummer hin, wieder Gitarren und Gekeife Oberhand gewinnen.

Fazit: Das Album kann neben seiner feinen Atmosphäre vor allem mit seiner Vielfältigkeit (im selbst gesteckten Rahmem) und seiner Homogenität punkten.
Obwohl INTERNAL CHRONICLES nur äußerst selten auf das Gaspedal treten, kann man trotzdem bei jeder gespielten Note, die Zugehörigkeit zum Black Metal hören und spüren.
Somit ist "Crimson Storm" für jeden, der mit einer gemäßigten Interpretation der schwarzen Künste etwas anfangen kann und zudem keine Aversion gegen Doom-Klänge hegt, zumindest einen Testdurchlauf wert. (JK)

7.5 von 10


https://internalchronicles.bandcamp.com/
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Vorankündigung: ALICE COOPER 1.10.2019 München/Olympiahalle

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