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Donnerstag, 11. April 2019

IMHA TARIKAT / "Tara Ihalas" / Label: Vendetta Records / 8 Tracks / 41:46 Min

Er fiel ... an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf einen Satz beschränkte: "Im Westen sei nichts Neues zu melden!" (Erich Maria Remarque)

Im Westen nichts Neues? Mitnichten!
Nachdem es vor kurzem mit ULTHA aus Köln eine vielversprechende Truppe geschafft hat, den Kopf aus den Niederungen der lokalen Black Metal Szene zu erheben, steht nun mit IMHA TARIKAT aus Mühlheim/Ruhr der nächste Kandidat in den Startlöchern.
Anders als die Kölner Emporkömmlinge, die etwas subtiler und abwechslungsreicher zu Werke gehen, kennen IMHA TARIKAT nahezu nur eine Devise: Attake!
Nicht nur, dass die Blast-Beat-Maschine wie geschmiert läuft, auch die Riffs strotzen nur so vor (schwarzmetallischer) Kraft. Am ehesten lässt sich das ganze im traditionellen Black Metal skandinavischer Prägung veroten, aber auch (akustische) Ausflüge nach Polen (MGLA) und Oregon/USA (UADA) haben ihre Spuren hinterlassen.
Um das schwarzmetallische Multi-Kulti-Konglomerat zu komplettieren sei auch noch erwähnt, dass es sich bei IMHA TARIKAT um ein türkisch-deutsches Duo handelt.
Ebenfalls interessant: Das textliche Konzept bezieht sich auf ein Gebet aus dem Koran. Wo andere Black Metal Bands versuchen, sich im Satanischen-Kontext zu übertreffen, gehen IMHA TARIKAT andere Wege und sorgen sich um das Seelenheil Verstorbener.
Das Debüt-Album von IMHA TARIKAT hat immer dann seine besten Momente, wenn Ruhsuz Cellat & Prowler ein klein wenig aus ihrem Standard-Songwritingprozess ausbrechen. Beste Beispiele hierfür sind "II-II: Katarsis Vaazı (Catharsis Sermon)" und "III-I: Şafaksız Rüya (Dawnless Dream)", die beide durch diverse Tempowechsel und abwechslungsreiche Soli herausstechen.
Überhaupt die Soli auf "Tara Ihalas": Selten hat man auf einem tradiotionell geschmiedetem Stück Black Metal solche Eingängigkeit und Melodiösität (bei aller Härte) an der Gitarre zu hören bekommen, wie hier. Fast ist man versucht zu behaupten, dass der Ursprung dieser Soli im Death Metal zu suchen ist. Aber eben nur fast. Letztendlich fügen sich die Soli sehr gut in die jeweilige Songstruktur ein. Und das ist es, worauf es ankommt.

Fazit:Innovativ oder gar revolutionär ist das, was IMHA TARIKAT abliefern, nicht. Dennoch lässt sich eine gewisse Faszination, die vom Debütalbum der Mühlheimer ausgeht, nicht absprechen. Unterm Strich bleibt ein über weite Phasen recht passabeles Album übrig, das für den Moment aber nicht für den großen Wurf reichen wird, aber als Versprechen für die Zukunft zu werten ist: Von IMHA TARIKAT wird noch zu hören sein! (JK)

7 von 10

https://imhatarikat.bandcamp.com/releases
https://www.facebook.com/imhatarikat/



KING KOBRA / "Sweden Rock Live" / Label: Metalville - Rogh Trade / 13 Tracks / 56:15 Min

Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler. (William Shakespeare)


Dass Livealben ihren Reiz haben können, wissen wir seit "Made in Japan (DEEP PURPLE), "...Exit...Stage Left (RUSH)" und "Live After Death" (IRON MAIDEN)".
Die seit fünf Jahren wieder aktiven KING KOBRA wollen sich da nicht hintenanstellen und hauen mit "Sweden Rock Live" ebenfalls einen Live-Silberling raus - den ersten der Karriere. Auch wenn es "Sweden Rock Live" nicht mit den zuvor genannten Premium-Live-Veröffentlichungen aufnehmen kann, darf man Carmine Appice und seiner Truppe dennoch zu diesem Live-Dokument (aufgenommen am 11. Juni 2016 beim legendären Sweden Rock Festival) gratulieren.
Nicht nur, dass KING KOBRA an besagtem Tag, bis in die toupierten Haarspitzen motiviert wirken, nein, auch die Songauswahl kann sich sehen lassen. Neben den unverzichtbaren Klassikern ("Ready to Strike", "Hunger", "Shadow Rider", "Raise Your Hands to Rock") und dem ein oder anderen Song der Neuzeit ("Tear Down the Walls", The Ballad of Johnny Rod, "Turn Up the Good Times") finden sich auf dem Album zudem eine musikalische Verneigung vor Ronnie James Dio ("Heaven and Hell"), ein Ausflug zum vorherigen Betätigungsfeld (W.A.S.P.) von Basser Johnny Rod in Form von "Wild Child" und ein progressiv interpretiertes Gitarrensolo, das seinen Ursprung im Jahr 1972 hatte - "Highway Star" (DEEP PURPLE).
Selbstverständlich darf auch ein (kurzgehaltenes) Drumsolo nicht fehlen - immerhin sprechen wir hier von Carmine Appice.
So weit, so gut!
Nicht optimal, wenn auch verschmerzbar ist die Tatsache, dass sich einige Songs z.B. "Monsters and Heroes" nicht auf dem Album wiederfinden, obwohl sie am Aufnahmetag gespielt wurden.
Etwas schade ist zudem, dass das Publikum an manchen Stellen etwas arg in den Hintergrund gemischt wurde, was dazu führt, dass die Authentizität etwas abhanden kommt.

Fazit: Hauptzielgruppe für "Sweden Rock Live" dürften jene Semester sein, die mit Carmine Appice bzw. KING KOBRA  groß geworden sind. Aber auch jüngere Anhänger von melodischem Hard Rock dürften sich hier heimisch fühlen. (JK)

7.5 von 10

https://www.facebook.com/KingKobraOfficial/

ACE FREHLEY / "Spaceman" / Label: eOne/SPV / 9 Tracks / 37:08 Min

Es schadet niemals, sich für alle Lebensabschnitte ein Stück Jugend zu bewahren, und es ist immer besser, im Alter jugendfrisch zu sein, als greisenhaft in jungen Jahren. (Wilhelm Heinrich Riehl)

Man mag über Paul Daniel Frehley, besser bekannt als ACE FREHLEY denken wie man will, aber es gibt nicht mehr viele von seinem Schlag: Ein (Rock-)Relikt, dass nahezu die gesamte Entwicklung der härteren Rockmusik, von Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts bis heute miterlebt und -geprägt hat.
Unvergessen natürlich seine aktive Zeit bei KISS, als er (mit Unterbrechungen) 25 Jahre lang den gitarrenverückten Spaceman auf der Bühne gab.
Aber auch sein Privatleben war stets immer eine Schlagzeile wert: Sex, Drugs & Rock'n'Roll - ACE FREHLEY hat alles davon exzessiv ausgelebt.
Inzwischen geht er einige Dinge entschieden zurückhaltender an, nur beim Thema Rock'n'Roll gibt er immer noch Vollgas.
Auf seinem nunmehr fünften Soloalbum (Live-Alben, Coveralben oder Compilationen nicht mit eingerechnet) bietet ACE FREHLEY seinen Fans genau das an, was sie von ihm hören wollen: Schmissigen Hard Rock mit der ein oder amderen Gitarrenfeinheit.
Das inoffizielle Motto des Albums könnte aber "Back to Roots" lauten. Denn, nie zuvor hat sich ACE FREHLEY musikalsich so nah an sein erstes Solo-Album von 1978 herangewagt, wie diesesmal. Logische Konsequenz: "Spacemann" hört sich fast durchgängig nach der 1973 in New York gegründeten Truppe mit dem Faible für Schminke und Plateausteifel an. Glaubt ihr nicht? Dann hört euch "Rockin' with the Boys", "Pursuit of Rock'n'Roll" oder "Bronx Boy" an.
Immer noch nicht überzeugt? Bei "Without You I'm Nothing" und "Your Wish is My Command" zupft ein gewisser Cahim Witz aka Gene Simmons die Saiten am Bass und auf dem kompletten Album ist Anton Fig am Schlagzeug zuhören.
Anton Fig? Der Mann hat u.a. die beiden Alben "Dynasty" und "Unmasked" für KISS im Studio eingespielt
Es kommt aber noch besser. Bei "Your Wish is My Command" tritt Gene Simmons sogar als Co-Autor in Erscheinung!
Einziger Unterschied zum ehemaligen Betätigungsfeld, ist der Umstand, dass nicht Paul am Mikro steht, sonder Ace selbst singt.

Fazit: Mit "Spaceman" lässt ACE FREHLEY eine musikalische Retroperspektive vom Stapel, die so nicht zu erwarten war. Auch wenn sich nicht alle Songs auf dem selben Niveau bewegen, ist es dennoch aller Ehren wert, was der Rockveteran mit 67 Jahren noch auf der Pfanne hat. (JK)

7 von 10

http://www.acefrehley.com/



Mittwoch, 3. April 2019

Konzertbericht KILLFEST 2019 / OVERKILL + DESTRUCTION + FLOTSAM & JETSAM + CHRONOSPHERE - 10.3.2019 München/Backstage

Wähernd halb Deutschland insgeheim darauf hofft, ohne Abschläge in Frührente gehen zu können, haben die Thrash-Initatoren der 1980er Jahre alles Mögliche im Sinn, nur nicht den Ruhestand.
Würde im Fall von OVERKILL, DESTRUCTION und FLOTSAM AND JETSAM auch kein Mensch verstehen. Erleben doch alle drei Bands momentan ihren zweiten, wenn nicht gar dritten Frühling.
Da der Frühling aber auch immer Neues zum Vorschein bringt, komplettieren CHRONOSPHERE den kultigen Dreierpack auf der Killfest-Tour 2019.


CHRONOSPHERE

Unverhofft kommt oft. Weil die Australier MESHIAAK ihr Tour-Engagement kurzfristig canceln mussten und schnellstmöglich ein adäquater Ersatz her musste, schlägt nun die (halbe) Stunde von CHRONOSPHERE. Eine Chance, die die vier jungen Griechen am Schopf packen wollen. Ein Vorhaben, dass jedoch von Anfang an zum Scheitern verurteilt war - zumindest heute Abend.
Vor Beginn des Auftritts gab es schon Probleme beim Soundcheck, so dass CHRONOSPHERE verspätet auf die Bühne kamen. Doch damit nicht genug: Von Anfang an wollte die zweite Gitarre nicht so wie sie sollte, was letztendlich dazu führte, dass Spyros Lafias den Stecker zog und ab dem dritten Song nur noch als Sänger fungierte - worunter wiederum der Sound von CHRONOSPHERE massiv an Durchlagskraft verlor.                           
CHRONOSPHERE (© by metal-is-forever-alive)
Die Griechen versuchten noch zu retten, was eigenlich in der Kürze der Zeit nicht mehr großartig zu retten war und schüttelten von nun an ihr Haupthaar um so heftiger zum abgespeckten Sound. Nett anzusehen, mehr aber auch nicht. Nur zum letzten Song des kurzen Auftritts, dem MOTÖRHEAD Cover "Ace of Spades", kam für einen kurzen Moment richtig Stimmung in der Hütte auf. Zu wenig, um ein positves Resümee ziehen zu können. Am Ende dürften CHRONOSPHERE deshalb ihren Auftritt in München unter Rubrik "Außer Spesen nichts bzw nicht viel gewesen" abbuchen.


FLOTSAM AND JETSAM

Was heute Abend beim einem nach Thrash Metal gierenden Publikum möglich gewesen wäre und ist, zeigen FLOTSAM UND JETSAM eindrucksvoll vom Start weg. Obwohl der Phoenix-Fünfer, im Vergleich zu den noch folgenden OVERKILL und DESTRUCTION, seit jeher die Thrashkeule moderater schwingt, bringt die Truppe um Michael Gilbert und Eric A.K. das Publikum innerhalb kürzester Zeit auf Betriebstemperatur.
FLOTSAM AND JETSAM (© by metal-is-forever-alive)
Gute Soundverhältnisse, eine auf den Punkt genau arbeitende Instrumentalfraktion und ein Eric A.K., der mit zunehmenden Alter gesanglich immer besser zu werden scheint, tragen zu gleichen Teilen dazu bei, dass München heute Abend in den Genuss einer kurzweiligen (knappen) Dreiviertelstunde kommt. Auch die Setlist kann sich sehen lassen, beinhaltet sie doch eine bunte Zusammenstellung der FLOTSAM AND JETSAM Historie. Einziges Manko, wenn überhaupt: die mittlere Schaffensphase wurde komplett unter den Teppich gekehrt. Dafür wurde den Frühwerken mit "Desecrator", "Hammerhead", "I Live You Die", "No Place for Disgrace" und der Neuzeit mit "Prisoner of Time", "Iron Maiden", "Demolition Man" und "Recover" ausgiebig Gehör verschafft.


DESTRUCTION

Was Gelsenkirchen kann, kann Weil am Rhein auch. Genauso wie SODOM, die ihr Lineup vor kurzem um einen vierten Mann erweitert haben, laufen DESTRUCTION neuerdings auch als Quartett auf. Mit Damir Eskic hat man nicht nur einen Mann mit ins Boot geholt, der den Altersdurchschnitt bei DESTRUCTION nach unten drückt, sondern dem Badischen Thrash-Schlachtschiff deutlich mehr Virtuosität verleiht.
DESTRUCTION (© by metal-is-forever-alive)
Ein weiterer positiver Nebenaspekt der "Vom Trio zum Quartett Metarmophose": der DESTRUCTION Sound wummert nun noch druckvoller als ohnehin schon aus den Boxen. Und so entwickelt sich der 60-minütige Auftritt der Badener Formation nicht nur musikalisch, sondern eben auch soundtechnisch zu einer Machtdemonstration in Sachen Teutonen-Thrash.
Eine gut durchgemischte Setlist trägt ihr übriges zur Thrash-Till-Death-Sause bei. Dabei fehlen darf natürlich nicht der "Mad Butcher", der wie üblich der Meute die Rübe abschraubt. Aber auch Thrash-Anthems wie "Curse the Gods", "Release from Agony", "Nailed to the Cross", "Life without Sense", "Total Desaster", "The Butcher Strikes Back" und "Bestial Invasion" verfehlen ihre Wirkung heute Abend nicht. Und auch an die Schandtaten der Neuzeit wurde in Form von "Dethroned" gedacht - was will man mehr?


OVERKILL

Genauso wie DESTRUCTION haben auch OVERKILL 1985 ihr Debütalbum auf dem Markt gebracht und gehören seitdem zum unverzichtbaren Kulturgut eines jeden Thrashers. War bei Schmier, Mike & Co schon ordentlich Bewegung im Publikum, steppt bei OVERKILL der Bär nun richtig derbe - und zwar in neongrün.
OVERKILL (© by metal-is-forever-alive)
Wie es sich für ein Konzert der New Jersey Thrash Institution gehört, ist nicht nur die Bühne in diesen Farbton getaucht, auch die Leibchen der Fanmassen leuchten in giftgrünen Lettern. Und die sind heute Abend schneller nassgeschwitzt, als das Hemd eines Klaustrophoben, in einer bis auf den letzten Platz gefüllten U-Bahn zur Wiesnzeit. Schuld daran ist eine Setlist, die es in knapp 90 Minuten schafft, 16 Tracks unterzubringen, die nahezu alle Kultcharakter haben. Von "Electric Rattlesnake" und "Hello from the Gutter", über "Elimination" und "Deny the Cross", bis hin zu "Bastard Nation" und "Mean, Green, Killing Machine" fahren OVERKILL alles auf, was Rang und Namen im Backkatalog des New Jersey Fünfers hat. Nur am Mittelteil der Show scheiden sich die Geister.
OVERKILL (© by metal-is-forever-alive)
Die einen erfreuen sich an den eher selten gespielten bzw. neuen Perlen ("Distortion", "Necroshine" und "Under One"), die anderen gönnen sich hier eine Auszeit, da ihrer Meinung nach tendenziell mittelmäßiges Material durch den Äther gejagt wird. Zum Endspurt ("Feel the Fire", "Rotten to the Core") stehen aber wieder alle geschlossen hinter OVERKILL - in Union We Stand sozusagen. Und auch der Zugabenteil, mit dem schon traditionell aus hunderten Kehlen mitgegröltem "FUCK YOU", sowie "Ironbound" und "Welcome to the Garden State", dem besten Song vom aktuellen Album, lässt keine Wünsche offen - außer vielleicht einem: mögen OVERKILL uns noch lange erhalten bleiben.

Kaum zu glauben: in ein paar Tagen wird Bobby "Blitz" Ellsworth 60 Jahre alt. Während der Großteil seiner Altersgenossen, sich langsam aber sicher, auf der heimischen Couch festsaugt, fegt das New Jersey Thrash Urgestein, wie eh und jeh, über die Konzertbühnen der Welt. OVERKILL sind sozusagen der lebende Beweis dafür, dass Metal im Allgemeinen und Thrash im Speziellen jung hält. Da können Detox, Intervallfasten, Yoga und Co nicht mithalten - Killfest rules!  (JK)


Freitag, 29. März 2019

THORONDIR "Berserkerwut"


INTERNAL CHRONICLES / "Crimson Storm" / Label: Guts'n'Blood Records / 7 Tracks / 40:56 Min

Man nippt am Leben, jeder kostet einen Tropfen Ewigkeit, auch der Unsterbliche nur einen - und der ist oft bitter. (Emanuel Wertheimer)

Kroatien ist nicht nur ein Land, in dem man wunderbar Urlaub machen kann und aus dem momentan der Weltfussballer (Luka Modrić) des Jahres 2018 herkommt, sondern auch ein Staat, in dem man auf das ein oder andere lohnende Black Metal Project stoßen kann.
Eine dieser Bands, die es zumindest einmal verdient hat, Gehör geschenkt zu bekommen ist INTERNAL CHRONICLES.
Mit ihrem Mix aus harschem Black Metal, hymnischem Doom und ruhigen Momenten hat das Einmannprojekt, welches gelegentlich auch als Duo in Erscheinung tritt, genug eigenständige Merkmale, um sich dem internationalen Wettbewerb stellen zu können. Bereits der Opener "A Beautiful Day to Die" des 2017 gegründeten Projekts zeigt auf, dass NoOne, das Mastermind hinter INTERNAL CHRONICLES, sein Handwerk versteht: Mit einem heiseren Röcheln führt der Song den Hörer langsam an die Atmosphäre des Albums heran, bevor Gitarren-Akkorde, die nicht unwesentlich an UADA erinnern, wenn auch um einiges langsamer, doomiger gespielt, die Szenerie ergänzen. Eine feine Melodiösität und Synthklänge, die dezent im Hintergrund ihr Werk verrichten, sowie eine typische Black Metal Grundstimmung, runden das ganze ab.
Nahezu alle Tracks auf dem Album toben sich jenseits der 5 Minuten Grenze aus. Einer dieser überlangen Songs und zugleich der beste der gesamten Veröffentlichung ist "Crimson Maiden". Nach einer kurzer sakralen Einleitung (Chor) setzen treibende Drums und harsches Black-Metal-Gekeife ein, die in Verbindung, ein in sich stimminges Bild von Vergänglichkeit von Gefühlen zeichnen. Um nichts anderes geht es nämlich in diesem Konzeptalbum, das das Thema "Liebe" in all seinen (möglichen) Facetten (Schönheit, Unbeschwertheit, Schmerz usw.) zum Thema hat. Der zerbrechlich wirkende Mittelteil des Songs gibt dem ganzen den nötigen Raum, um sich dessen bewusst zu werden, bevor zum Ende der Nummer hin, wieder Gitarren und Gekeife Oberhand gewinnen.

Fazit: Das Album kann neben seiner feinen Atmosphäre vor allem mit seiner Vielfältigkeit (im selbst gesteckten Rahmem) und seiner Homogenität punkten.
Obwohl INTERNAL CHRONICLES nur äußerst selten auf das Gaspedal treten, kann man trotzdem bei jeder gespielten Note, die Zugehörigkeit zum Black Metal hören und spüren.
Somit ist "Crimson Storm" für jeden, der mit einer gemäßigten Interpretation der schwarzen Künste etwas anfangen kann und zudem keine Aversion gegen Doom-Klänge hegt, zumindest einen Testdurchlauf wert. (JK)

7.5 von 10


https://internalchronicles.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/Internalchronicles/


Vorankündigung: ALICE COOPER 1.10.2019 München/Olympiahalle

https://www.globalconcerts.de/

Dienstag, 12. März 2019

DOWNFALL OF GAIA / "Ethic of Radical Finitude" / Label: Metal Blade Records / 6 Tracks / 40:07 Min

Wohl bin ich ein Wald und eine Nacht dunkler Bäume: doch wer sich vor meinem Dunkel nicht scheut, der findet auch Rosenhänge unter meinen Zypressen. (Friedrich Nietzsche)

Unter dem schwarzen Firnament des Post Black Metal sind DOWNFALL OF GAIA momentan wohl der spannendste und am hellsten leuchtende Stern. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit die Leichtigkeit, mit der das Quartett verschiendenste Stile zusammenführt. Wie schon auf den Vorgängeralben, experimentieren DOWNFALL OF GAIA auch diesmal wieder mit Black Metal, Crust, Post Hardcore, Sludge und Post Metal. Bei jedem der 6 neuen Tracks, die "Ethic of Radical Finitude" beinhaltet, werden die Grenzen jedes Mal aufs Neue ausgelotet, dann verschoben und letztendlich aufgelöst. Grenzmauern wären hier nur hinderlich. DOWNFALL OF GAIA sind, wenn man so will, der Gegenentwurf zur Vorstellung eines gewissen D.T. aus Washington D.C., Bewegung und Energie mit Mauern/Zäunen/Grenzen zum Stillstand bringen zu können.
Getreu dem Motto "Stillstand ist Rückschritt" gehen DOWNFALL OF GAIA auch auf "Ethic of Radical Finitude" den eingeschlagenen Weg konsequent weiter, nie lange im Moment verweilend, immer der Ekstase auf der Spur.
Und so pflanzen DOWNFALL OF GAIA ihre düstere und zu jedem Zeitpunkt unvorhersehbare Vison von Tod und Vergänglichkeit nicht nur in die Gehörgänge ihrer Zuhören, sondern projizieren zu jedem Track auch das passende Kopfkino hinein ins Denkzentrum eines jeden.
Mal fährt einem dabei der Beezlebub direkt in die Eingeweide, um dort drinnen seinen LSD Trip auszuschlafen ("The Grotesque Illusion of Being"), dann wiederum ("We Pursue the Serpent of Time") fühlt es sich so an, als ob man an einem Bungee-Seil hängen würde, das jeden Moment zu reißen droht, nur um im nächsten Moment in schwindeleregende Höhen zurückkatapultiert zu werden, in denen frostige Gestalten ihr Unwesen treiben.
Bei "Guided Through a Starless Night" packt einen ein blastbeat-betrieberner Tornado, der einen mit seiner Wucht in sowohl atmosphärische, als auch depressive Landschaften hochzieht, in denen man vor Schmerz am liebsten verglühen möchte.
"As Our Bones Break to Dance" ist der Gang zum Schafott, das Herz rast wie wild, während vor dem inneren Auge der eigene Lebensfilm nochmals abläuft.
Und bei "Of Withering Violet Leaves" hangelt man sich mit letzter Kraft über eine marode Hängebrücke, die über den Hades gespannt ist, um am anderen Ende der Brücke von der Wenigkeit der eigenen Existenz übermannt zu werden.

Fazit: Ein in (nahezu) allen Dingen ausgereiftes, gewaltiges und pechschwarzes Machwerk mit ergreifenden Zwischenspielen, das zu erkunden es gilt. Das bisher mächtigste Werk von DOWNFALL OF GAIA! (JK)

9 von 10

https://www.facebook.com/DownfallofGaia
https://downfallofgaia.bandcamp.com/


Freitag, 8. März 2019

Konzertbericht GAAHLS WYRD + TRIBULATION + UADA + IDLE HANDS 28.2.2019 München / Backstage (Halle)

Der Zoch kütt - Karneval der schwarzmetalischen Art: Northern Ghost Tour 2019.
Während im Rheinland die Narren mit Kamelle und Strüßje medienwirksam versuchen, den Winter auszutreiben, verhält sich die Sachlage in München etwas anders. So tanzen sich z.B. die Marktweiber am Faschingsdienstag auf dem Viktualienmarkt einen Wolf, nur um anschließend wieder ihr Obst und Gemüse zu horrenden Preisen an die Preißn zu verkaufen.
Auch interessant: Der traditionelle Rosenmontagsumzug findet in München über eine Woche vor dem Rosenmontag statt.
Wem das immer noch nicht narrisch genug ist, der konnte sich auf dem Marienplatz von Mickie Krause zeigen lassen, wie man mit einem Putzlappen auf dem Kopf, zu Playback, auf einer Bühne herumhüpft.
Gut, dass es in Münchens Metal Tempel, dem Backstage, eine Kontraveranstaltung zur christlichen Fastenvorbereitung gab.


IDLE HANDS

Manche Dinge erschließen sich einem erst nach geraumer Zeit, andere wiederum nie: Wie IDLE HANDS zu ihrem Slot als Openig-Act auf dieser Tour gekommen sind, war eine der am meisten diskutierten Fragen an diesem Donnerstag Abend in München. Letztendlich dürfte wohl die Tatsache, dass IDLE HANDS und UADA beide aus Portland/Oregon stammen und zudem auch beim selben Label (Eisenwald) beheimatet sind, die logischste Vermutung dafür sein, dass der Abend mit eher ungewohnten Klängen eröffnet wurde.
IDLE HANDS (© by metal-is-forever-alive)
Mit ihrem Mix aus Heavy Metal (NWoBHM) und Gothic Rock, sowie Okkult-Rock und 80er Jahre Wave Einflüssen sind sie definitiv nicht jedermanns Sache. Genausowenig wie der in den hohen Regionen schiefe Gesang von Gabriel Franco. Und trotzdem kommt der Auftritt der Jungspunde um einiges besser an, als man jetzt vermuten mag. Was zum einen an der jungendlich unbekümmerten Art des Newcomer-Quartetts gelegen haben mag, zum anderen und hauptsächlich aber daran, dass IDLE HANDS ein paar Songs im Angebot haben, die zwar meilenweit von Black Metal/Extrem Metal entfernt sind, denen man aber eine gewisse Aura trotzdem nicht absprechen kann. Dennoch wären sie auf einer "gemäßigteren" Tour mit ähnlich gelagerten Bands um einiges besser aufgehoben, als hier und heute. So gibt es am Ende nur Höfflichkeitsapplaus.


UADA

Nach einer überraschend kurz gehaltenen Umbauspause entern Portlands bekannteste Kapuzenträger die Bühne und eröffnen mit "Natus Eclipsm" kraftstrotzend. Diffuse Beleuchtung und eine konstant vor sich hin arbeitende Nebelmaschine geben dabei den passenden Begleitrahmen zum hämmernden Sound der amerikanischen Newcomer.
UADA (© by metal-is-forever-alive)
Neben den jungen osteuropäischen Vertetern dieser Zunft gibt es momentan nur noch wenige Black Metal Bands (neueren Datums), die das ursprüngliche, rohe Anlitz der dunklen Künste gekonnt mit zeitgemäßen Strukturen verbinden. UADA sind eine davon. Dementsprechend groß ist das Standing, das sich die Truppe innerhalb kürzester Zeit in der Szene erarbeitet hat. Und so wird jeder der fünf überlangen Songs während der Präsentation metaltypisch (Haareschütteln, Devilhorns) abgefeiert und anschließend großzügig beklatscht. Einziger Wermutstropfen heute Abend, der Bass ist etwas zu unspektakulär abgemischt, so dass dem dreiviertelstündigen, hypnotischen Reigen etwas die Wucht genommen wird. "Black Autumn, White Spring" beendet einen Auftritt, der wie üblich in der Schnittmenge von Dynamik und Monotonie (nicht despektierlich gemeint) beheimatet war und den Hype um UADA weiterhin befeuern dürfte.


TRIBULATION

Wie schon zuvor bei IDLE HANDS, kann man sich auch bei TRIBULAION den gesamten Auftritt über den Eindruck nicht erwehren, dass auch diese Herren auf dieser Tour etwas fehl am Platz wirken. Da hilft die Corpsepaint-Schminke im Gesicht der Protagonisten genauso wenig, wie die Nonnenmaskerade von Jonathan Hultén. Letzterer erinnert in seinem Kostüm und mit seinen übertrieben wirkenden Verenkungen sogar mehr an die Mutter von Brian aus "Monty Python's Life of Brian", als an eine vom Weg abgekommene Ordensschwester. Da wir heute aber Weiberfastnacht (Wieverfastelovend) haben, kann man dem ganzen zumindest eine belustigende Art und Weise nicht absprechen. 
TRIBULATION (© by metal-is-forever-alive)
Musikalisch ist die Messe auch schnell gelesen: Spätesten ab dem dritten Song "Lament" stellt sich Langeweile ein, da ein Song wie der andere aufgebaut ist und auch ansonsten nichts überraschendes auf der Bühne passiert, lässt man mal Brians Mutter und ihren Regentanz außen vor. Nur dann, wenn TRIBULATION sich daran erinnern, dass man das Gaspedal auch mal durchtreten darf und ein paar "Death Metal" Zitate miteinarbeiten, rechtfertigen sie ihren Slot als Co-Headliner auf dieser Tour. Und so fällt es zumindest mir nicht schwer, festzulegen, auf was ich in der Fastenzeit (und darüber hinaus) verzichten werde.


GAAHLS WYRD

Die kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Lonplayers stehenden GAAHLS WYRD eröffnen heute, anders als vor 14 Monaten, nicht mit der epischen TRELLDOM Nummer "Steg", sondern mit GORGOROTHs "Sign of an Open Eye". Womit die Richtung, wohin die (musikalische) Reise heute Abend gehen soll, gleich zu Beginn vorgegeben wird: Straight into Hell.
GAAHLS WYRD (© by metal-is-forever-alive)
Passend dazu servieren Gaahl und seine Mitstreiter, dem ohnehin schon ekstatisch aufgeladenem Publikum, ein feines Oldschool-Brett, welches allein schon durch die Präsenz von sechs GORGOROTH Nummer, diesen Namen auch verdient hat.
Obwohl die Setlist nur unwesentlich von der des letzten Besuches abweicht, entwickelt sich heute Abend dennoch ein total unterschiedliches Konzerterlebnis, als noch Ende 2017. Befand man sich seinerzeit von Anfang bis Ende in einem tranceähnlichen Zustand, ob der Magie, die von Gaahl ausging, lässt man sich heute bereitwillig zu einer schwarzen Masse formen, die sich headbangend total verausgabt, während Gaahl auf der Bühne mit seinem schamanischem Auge stets alles im Blick und unter Kontrolle hat. 
GAAHLS WYRD (© by metal-is-forever-alive)
                          Nur beim einzig neuen Song ("Ghosts Invited"), den GAAHLS WYRD heute Abend präsentieren und bei "Incipit Satan", kommt die Szenerie einen Moment zum ruhen und lauscht andächtig den Worten des Meisters. Spätestens zu "Wound Upon Wound" nimmt das wilde Treiben jedoch wieder Fahrt auf und befeuert damit von neuem das lodernde Höllenfeuer der Black Metal Nostalgie. 


Ein satanisches Halleluja für einen Konzertabend, der abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Von ungewohnten Klängen (IDLE WINDS), über brachiale Kapuzenmänner (UADA) und einer Nonne im falschen Film (TRIBULATION), bis hin zum anbetungswürdigen Gaahl, der zusammen mit seinen WYRDs, einmal mehr eindrucksvoll gezeigt hat, dass es für eine rundum gelungene Black Metal Show etwas mehr braucht, als das inzwischen bei den meisten Bands übliche Brimborium (Feuer, Räucherstäbchen, Tierblut) - nämlich Charisma und Hingabe. Beides davon hat Gaahl im Überfluss. (JK)


Mittwoch, 27. Februar 2019

RAVE THE REQVIEM / "Fvneral [sic]" / Label: Out of Line Music / 11 Tracks / 35:20 Min

Das Leben ist ein frecher Tanz, nur wer's verachtet, hat es ganz und klagt nicht, wenn's vorbei! (Marie Eugenie delle Grazie)

Der schwedische Industrial/Gothic/Metal/Pop Hybrid RAVE THE REQVIEM meldet sich mit seinem vierten Output zurück: "Funeral [sic]".
Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich hierbei weder um einen Abgesang auf das Projekt von Filip "The Prophet" Lönnqvist, noch um ein depressives Manifest. Ganz im Gegenteil. Genauso wie die drei vorherigen Alben kennt "Fvuneral [sic]" nur eine Parole: Metalhead schwing das Tanzbein!
Gekonnt werden hier Riffs mit Samples und Härte mit Melodie verbunden. Doch damit nicht genug - auch das Wechselspiel zwischen dynamischem Gesang und sanften Tönen lässt sprichwörlich aufhorchen. Einen wesentlichen Anteil daran hat das neueste Mitglied von RAVE THE REQVIEM, Sängerin Jenny "The Seraph" Fagerstrandh. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme fertigt sie für jeden Titel einen (musikalischen) Rahmen, in dem er am besten zur Geltung kommt.
Ähnlich wie bei AMARANTHE funktioniert auch bei RAVE THE REQVIEM das auf den ersten Blick unpassend wirkende Klangkonstrukt.
Lässt man das Intro mal außen vor, kann "Fvuneral [sic)" mit 10 Titeln aufwarten, die vor Eingängigkeit nur so strotzen. Ob "Horizon", "Skydweller","Crack the Sky" oder ein anderer Titel als persönlicher Favorit das Rennen macht, kann täglich variieren - Hitpotential haben sie allesamt.
Nur "For They Shall Inherit the Earth " tanzt etwas aus der Reihe. Entgegen den allgemein üblichen Gepflogenheiten, beenden RAVE THE REQVIEM das Album nämlich mit einer fein arrangierten Ballade zum runterkommen.

Fazit: Selten hat eine Beerdigung (Funeral) so viel Spaß gemacht: Tanzbar, aggressiv, bombastisch, gefühlvoll - Album Nr.4 von RAVE THE REQVIEM ist alles davon! (JK)

8.5 von 10

https://www.facebook.com/ravethereqviem/