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Donnerstag, 14. September 2017

Konzertbericht CARNIVORE DIPROSOPUS + STILLBIRTH + GUTSLIT + SPLATTERED + CENOTAPH - 30.8.2017 München / Backstage


EUROPEAN MADNESS 2017


Am 30. August 2017 wurde das Backstage München von einer geballten Ladung internationalen Kombos heimgesucht, die das Herz eines jeden Brutal/Slam Death Fans höher schlagen ließ!
In einer wahrlich familiären Atmosphäre wurden die knapp 50 Gäste auf der EUROPEAN MADNESS 2017 Tour, von fünf Bands bespaßt, die allesamt nur ein Motto kannten: Let's Dance!


Einen, vor allem lauten, Auftakt legten CENOTAPH auf der kleinen Bühne des Clubs hin.
Die Bandmitglieder gaben alles, um dem Publikum, mehr oder weniger erfolgreich, kräftig einzuheizen. Zum Bedauern der Zuhörer war der Gesang aber viel zu basslastig, was zur Folge hatte, dass die Growls der Brutal Death Band nicht vollends zur Geltung kamen. Dass es aber nur daran lag, dass der Bereich vor der Bühne weitestgehend leer blieb, ist aber zu bezweifeln.
Nur ein paar vereinzelte Zuschauer wagten sich in die Zone direkt vor die Bühne. Trotz diesem nicht optimalen Zustand legte die Band aus der Türkei die erste Glut für ein aufloderndes Brutal-Metal-Feuer, das den Zuschauer an diesem Abend einheizen sollte.

Von der Türkei aus ging die Reise weiter in die USA, genauer gesagt nach Kalifornien. Hierher stammen SPLATTERED, die allerdings, genauso wie ihre Vorgänger mit Soundproblemen zu kämpfen hatten. Doch anders als CENOTAPH, bekamen SPLATTERED im Verlauf des Auftritts die Kurve nicht.
So sehr sich der Soundmann auch um Beserung bemühte, zu retten, was zu retten gewesen wäre, es sollte nicht sein. So wurde der Gesang nahezu komplett vom Drum-Sound geschluckt. 
Als dann auch noch der Ton komplett ausfiel, hatten die Zuschauer endgültig die Schnauze voll. Schade, denn die Studioaufnahmen der Band beweisen, dass in SPLATTERED großes Potenzial steckt. 

Weiter ging die Reise nach Indien. Eine Band wie GUTSLIT würde so mancher wohl am wenigsten mit diesem Land in Verbindung bringen. Allen Unkenrufen zum Trotz, mit ihrem Uncompromising Death Metal legten die Jungs einen wirklich sehenswerten Auftritt hin. Auch die Soundsituation hatte sich mittlerweile deutlich gebessert. Ob es als optischen Hingucker allerdings einen stillechten Turban braucht, mit dem sich der Gitarrist der Band präsentierte, ist Geschmackssache, ändert aber nichts an der Tatsache, dass GUTSLIT für Alarm im kleinen Club sorgten. Wobei, an der Reaktion des Münchner Publikums gemessen, der Funke nicht gänzlich übergesprungen sein mag.
Immer wieder versuchte der Sänger das Publikum zu Circle Pits zu bewegen, aber mehr, als zu einer Karikatur eines Circle Pits (5 Mann) ließ sich die Münchener Kundschaft nicht hinreißen, was die Jungs auf der Bühne sichtlich anzukotzen schien.
Auf der "Rund um die Welt"-Reise wurde nun ein Zwischenstopp in Deutschland eingelegt: STILLBIRTH.
Und die hatten richtig Dampf unter dem Kessel. Zum ersten Mal heute Abend ging der Club richtig steil.
Während dem Aufrtitt der Band, die ausschließlich in Badehosen (!) auf der Bühne stand, wurden fleissig die Haare geschwungen und kleine Circle Pits veranstaltet. Ob sich die Zuschauer von den Grindeinflüssen oder von der humorvollen Art der Band anstecken ließen, sei mal dahingestellt. Fakt ist: STILLBIRTH haben in den kurzen 30 Minuten ihres Auftritts, nicht nur technisches Talent, sondern auch eine große Portion an Humor bewiesen. Zwischenzeitlich ließ sich sogar der Sänger dazu hinreißen, mal eben kurz in den Circle Pit mit einzusteigen. Mit diesem Auftritt haben sich STILLBIRTH bisher an die erste Stelle des inoffiziellen Rankings (beste Band des Abends) geschosssen.

Die wilde Weltreise endet mit den den Brutal Death Machines CARNIVORE DIPROSOPUS aus Kolumbien.
Ganz anders als der Rest der Tourgemeinschaft, gingen die Kolumbianer an ihren Teil des Abends heran: Mit Intro und einer durchdachten Bühnenperformance. 
Wie auch alle anderen Bands, bekam der Headliner aber ebenfalls nur knappe 30 Minuten zugestanden - WhAt ThE fUcK.
However, CARIVORE DIPROSOPUS entfachten mit ihrem tödlichen Mischung ein hoch loderndes Feuer, sowohl auf der Bühne, als auch im Auditorium, wo sich das Publikum dem core-typischen Freestyle-Ausdruckstanz verschrieben hatte.
Leider gab es hier die ein oder andere Spaßbremse, die mit der persönlichen Vorstellung von "tanzen", den anderen die Petersilie verhagelte. 
Dennoch Thumbs Up für den Auftritt von CARNIVORE DIPROSOPUS, auch wenn die Show der Kolumbianer etwas aufgesetzt wirkte.

Trotz der ein oder anderen Unzulänglichkeit heute Abend, endete der selbige, allenthaleben mit zufriedenen Gesichtern. 
Nebenbei sollte die familiäre und freundschaftliche Atmosphäre des Abends auch noch erwähnt werden. So standen Fans und Musiker während des gesamten Abends gemeinsam im Publikum, um sich den jeweils laufenden Act auf der Bühne anzusehen. Später am Merch-Stand fand sich zudem für jeden noch die Gelegenheit, sich mit Autogrammen und Fotos zu versorgen.

Und so endet die kleine Weltreise, zu der man (oder Frau) für schlanke € 16 Zutritt gewährt bekam. (SM)

Samstag, 9. September 2017

Vorankündigung: DER WEG EINER FREIHEIT + INTER ARMA + REGARDE LES HOMMES TOMBER - 7.10.2017 München/Feierwerk

http://www.feierwerk.de/

AMIENSUS / "All Path Lead to Death" / Label: Apathia Records / 5 Tracks (EP) / 28:49 Min

Kein Pfad mehr! Abgrund rings und Totenstille! So wolltest du's! Vom Pfade wich dein Wille! Nun, Wandrer, gilt's! Nun blicke kalt und klar! Verloren bist du, glaubst du - an die Gefahr. (Friedrich Nietzsche)

AMIENSUS gehören hierzulande noch zu den eher unbekannten Bands, die die USA für Black Metal Jünger bereit hält.
Gegründet wurde die Formation 2010 und hat neben diversen Split, Singles und EPs auch schon zwei Longplayer, allesamt in Eigenregie, veröffentlicht.
Anfang des Jahres wurde das französische Apathia Records Label auf AMIENSUS aufmerksam, und hat die Amerikaner gesignt.

Das erste Lebenszeichen dieser Collaboration liegt nun in Form der 5-Track-EP "All Paths Lead to Death" vor.

Der Opener "Gehennna" ist dann auch gleich mal sehr vielversprechend. Gekonnt verweben AMIENSUS hier Blast-Beats mit progressiven Breaks zu einem Spinnennetz, das dazu prädestiniert ist, des nächtens auf Beutezug zu gehen, um den ein oder anderen Falter der Gattung BORKNAGAR oder ENSLAVED einzufangen.
Technisch versiert, klar strukturiert und eingängig wie Hölle - "Gehenna" hinterlässt mächtig Eindruck und macht Appetit auf die weiteren Songs.

Doch der Appetit vergeht einem in der Folge relativ schnell. Wie weggeblasen ist nun nahezu alles, was AMIENSUS zuvor noch ausgezeichnet hat: Kreativität und zwingende Ideen sind bei "Mouth of the Abyss", "Prophecy" und "Descolating Sacrilege" nun ebenso Mangelware, wie das Gespür für aufregende Songstrukturen. Fast ist man gewillt zu behaupten, wüsste man es nicht besser, es handle sich hier um eine andere Band.
Kein einziges mal mehr kommen AMIENSUS auf den Punkt, stattdessen macht sich Langeweile breit. Erschwerend hinzu kommt außerdem noch, dass alle drei Songs aufgesetzt und halbgar klingen.
Dass man ein Labeldebüt so gegen die Wand fahren kann, ist wahrlich nicht alltäglich - vor allem nicht, nach einem Opener, der in der Lage wäre, um sich für höhere Weihen zu empfehlen.
Immerhin bekommen AMIENSUS zum Ende hin nochmals (etwas) die Kurve. "The River" kann zumindest, was die Gitarrenarbeit und den Songaufbau betrifft, ein wenig dafür entschädigen, was zuvor schief gelaufen ist.

Fazit: Der Labeleinstand von AMIENSUS bei Apathia Records enthält definitiv mehr Schatten als Licht und so werde ich das Gefühl nicht los, trotz des starken Openers, dass AMIENSUS schon bald wieder ohne Label dastehen werden. (JK)

4 von 10

https://de-de.facebook.com/Amiensus/
https://apathiarecords.com/ 

Dienstag, 5. September 2017

42 DECIBEL / "Overloaded" / Label: SPV - Steamhammer / 10 Tracks / 40:07 Min

Dass etwas schwer ist, muss ein Grund mehr sein, es zu tun (Rainer Maria Rilke).

Man muss den Tatsachen ins Auge sehen - AC/DC drehen vielleicht noch ein oder zwei Ehrenrunden, dann dürfte Schicht im Schacht sein.

Dieser Umstand ruft unzählige, mehr oder weniger talentierte Bands auf den Plan, die sich ausrechnen, nach dem Ableben der Wechselstrom/Gleichstrom Helden aus Down-Under, deren potente Kundschaft übernehmen zu können.
Nachdem das Rennen um die Pole-Position längst gelaufen ist (AIRBOURNE), überbieten sich die dahinter liegenden Kapellen in schöner Regelmäßigkeit darin, ein Album nach dem anderen rauszuhauen, das möglichst nahe am Original ist.
Leider vergessen die Herrschaften dabei oftmals, dem ganzen eine eigene Note zu verpassen.

42 DECIBEL bilden hierbei auch keine Ausnahme, wobei den Argentiniern weigstens bescheinigt werden kann, dass sie (gelegentlich) über die Gabe verfügen, gute Songs schreiben zu können.
So kann denn auch gleich der Opener "Whiskey Joint" mit räudiger Punk Attitude und allgegenwärtiger Bon Scott Verbeugung überzeugen.
Leider verfallen 42 DECIBEL in der Folge (Ausnahme "Brawler") wieder in die typische Heldenschockstarre, die Bands, die AC/DC nacheifern, oftmals wie das Kannichen vor der Schlange wirken lassen.
Ständig beschleicht einen das (ungute) Gefühl, das eben Gehörte in leicht abgeänderter Form, irgendwann, irgendwo, von den Young Brüdern und Co, in hochwertigerer Ausführung schonmal serviert bekommen zu haben.
Kurz bevor man es sich auf der Couch gemütlich machen möchte, um sich ein Nickerchen zu gönnen, hauen 42 DECIBEL dann aber völlig unerwartet mit "Half Face Dead" und "Lost Case" einen Doppelschlag raus, der einem den Glauben an ein Leben nach AC/DC wieder zurückgibt.
Endlich bewegen sich 42 DECIBEL mal wieder, wenn auch nur dezent,  außerhalb des Dunstkreises ihrer Vorbilder.
Stattdessen lassen die Argentinier ROSE TATTOO und T. REX hochleben, und das wichtigste, 42 DECIBEL fügen beiden Tracks nun den eigenen Fingerabdruck hinzu.

Zum Ende des Albums müssen 42 DECIBEL dann aber wieder Angst vor der eigenen Courage bekommen haben - was drei weitere Songs ohne ernstzunehmenden Höhepunkte beweisen.

Fazit: "Problem Child" you need "Big Balls" and more than "Riff Raff", if you want to survive the trip on the "Higway to Hell", because: "It's a Long Way to the Top" (JK)

6 von 10

https://de-de.facebook.com/42Decibelofficial/


ODIUM "The End of Everything"


Mittwoch, 30. August 2017

SEER / "Vol. III & IV: Cult of the Void" / Label: Art Of Propaganda / 8 Tracks / 45:14 Min


Wartet nicht auf die Zeit, denn die Zeit wartet nicht auf euch. (Katharina von Siena)

Verstehe einer die Welt. Kein Jahr nachdem uns SEER eine profane Zusammenfassung ihrer beiden EPs von 2015 & 2016 als ersten "richtigen" Longplayer verkauft haben, kommen die Kanadier jetzt mit einem Album um die Ecke, welches zwar komplett mit neuem Material ausgestattet ist, im Prinzip aber aus zwei EPs besteht.
Und um die Konfusion komplett zu machen, sind beide Albumhälften auch noch unterschiedlicher als Tag und Nacht, genauer gesagt, in verschiedenen Genres beheimatet.
Und zu guter Letzt, auch das Coverartwork ist alles andere als glücklich gewählt, nährt es doch die Hoffnung, dass bei "Vol. III & IV: Cult of the Void" der Black Metal ein gewichtiges Wörtchen mitreden durfte. Doch auch hier gehen SEER ihre eigenen, zuweilen sehr undurchsichtigen Wege. Zwar findet die ein oder andere Black Metal Anleihe (in der ersten Albumhälfte) Verwendung im Soundkonstrukt von SEER, aber eben nur marginal. Ansonsten setzten SEER auf einen Mix aus Sludge und Doom.

Dieser hat dann aber, trotz aller Verwirrungen im Vorfeld, durchaus seinen Reiz, auch wenn man ein paar Momente benötigt, um in die Songs reinzukommen, da die Stimmfarbe von Bronson Lee Norton der von Michael Poulsen (VOLBEAT) gelegentlich sehr nahe kommt.

Obwohl alle vier Songs von "Vol. III" nicht wirklich mit großen Refrains gesegnet sind, kann man trotzdem keinem der Tracks eine gewisse Eingängigkeit absprechen. Das liegt vor allem am Gespür der Kanadier für intensiv arrangierte Spannungsbögen, aber auch an den feinen Melodien, die allerdings die mächtigen Riffs und die daraus resultierende Heavyness zumeist im Vordergrund agieren lassen.
Am besten funktioniert dieses Zusammenspiel bei "They Used Dark Forces", u.a. auch, weil sich SEER hier mal richtig fies anhören und zudem dem alten Gevatter Doom erlauben, permanent auf Seelenfang zu gehen.

Der Übergang zu "IV" wird abrupt vollzogen und könnte nicht krasser ausfallen. Wo zuvor noch harte Riffs das Zwerchfell zum vibrieren brachten, herrscht jetzt instrumentale Sanftmütigkeit, die scheinbar nur eines zum Ziel hat: Die vorherigen Spuren komplett zu verwischen.
Trotzdem haben auch diese Tracks ihren Charme, da sie zum einen, entfernt die mächtigen AGALLOCH auf den Plan rufen, und zum anderen, von einer latenten Spiritualität gespeist sind.
Um besser Zugang zur ruhigen, entspannten Welt von SEER zu bekommen, empfiehlt es sich aber, beide Albumhälften separat (also nicht nacheinander) anzuhören. Ganz so, wie man es eigentlich mit zwei verschiedenen EPs gemacht hätte.

Fazit: Ist die Zeit wirklich schon reif für ein Album, das nicht nur komplett aus dem Rahmen fällt, sondern, für das man auch mehrmals um die Ecke denken muss? Entscheidet selbst. (JK)

6.5 von 10

https://www.facebook.com/seervancouver
http://www.art-of-propaganda.de

Sonntag, 27. August 2017

Vorankündigung: THE VISION BLEAK + NOCTE OBDUCTA + SAILLE - 30.9.2017 München / Backstage

http://backstage.info/

Vorankündigung: CARNIVORE DIPROSOPUS + STILLBIRTH + GUTSLIT - 30.8.2017 München / Backstage

http://backstage.info/

+++ NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++

Die finnischen Fürsten der Dunkelheit CARDINALS FOLLY werden diesen Herbst ihr viertes Studioalbum veröffentlichen. "Deranged Pagan Sons" wird am 4. September in der CD Version via Nine Records, und in der LP Version über Topillo Records veröffentlicht. +++ Metal Blade bringen am 8. September die beiden RIOT Alben "Army of One" und "Through the Storm" als Re-Release auf den Markt. Erhältlich werden die beiden Kult-Alben jeweils als CD-Digi und LP sein. Pre-Order your copies now at: metalblade.com/riot +++ EISBRECHER haben mit ihrem neuem Album "Sturmfahrt" die Spitzenposition in den deutschen Charts erklommen. Glückwunsch +++ Auch die Damen von EXIT EDEN werfen momentan sicherlich ganz gerne einen Blick auf die Album-Charts, ist ihr Debütalbum "Rhapsodies in Black" doch dort auf dem respektablen Platz 15 eingestiegen +++ Tour-Dates BELPHEGOR + DESTRÖYER 666 + ENTHRONED: 25.9. Dresden / Puschkin, 3.10. Erfurt / From Hell, 4.10. Berlin / SO 36, 5.10. Oberhausen / Helvete, 20.10 Graz / Explosiv, 21.10. Wien / Szene +++

Donnerstag, 24. August 2017

NIGHT DEMON / "Darkness Remains" / Label: SPV -Steamhammer / 10 Tracks / 38:02 Min

Jeder Mensch trägt seinen Dämon in sich, der ihn reizt und ihn zu seinen Handlungen treibt (Sokrates).

Zwei volle Jahre musste sich die kuttentragenden Heavy Metal Kundschaft in Geduld üben - nun ist es endlich soweit: "Darkness Remains", der zweite Longplayer der Kalifornier NIGHT DEMON hat das Licht der (Metal-)Welt erblickt.
Wie schon auf dem Debütalbum "Curse of the Damned" lassen NIGHT DEMON auch diesesmal die Blütezeit des klassischen Heavy Metals, die Achtziger Jahre, hochleben.
Jene Zeit, als Bands wie beispielsweise ANGEL WITCH, DIAMOND HEAD und IRON MAIDEN für Furore sorgten und sich aufmachten, unsterblich zu werden.
Unsterblich sind NIGHT DEMON noch nicht, aber, wenn sie so weiter machen, wie aktuell mit "Darkness Remains", dürfte es nicht mehr lange dauern, bis das Trio aus Ventura/Kalifornien, in einem Atemzug mit den Helden jener Zeit genannt wird. 
Schon der Einstieg mit "Welcome to the Night" lässt keine Wünsche offen und offenbart das riesige Potenzial, mit dem Jarvis Leatherby und seine beiden Mitstreiter gesegnet sind.
Geradlinig angelegte Kompositionen, die schnell auf den Punkt kommen und dabei den Hymnenfaktor ständig im Auge behalten. Besser geht es kaum.
Wie momentan kaum eine andere Heavy Metal Combo schaffen es NIGHT DEMON, den Geist vergangerer Tage zu beschwören, ohne dabei die eigene Authenzität zu verlieren.
Konnte man NIGHT DEMON vor zwei Jahren noch ankreiden, dass die Eingängigkeit gelegentlich etwas zu kurz gekommen ist, präsentieren sich die drei Herren auf  "Darkness Remains" nun wie aus einem Gruß und das komplette Album frisst sich mit jedem Hördurchgang tiefer und tiefer in die Gehörgänge.
Lediglich "On Your Own" fällt ab, was aber in Anbetracht des hohen Qualitätsstandards des restlichen Materials verschmerzbar ist.

Fazit: Abwechslungsreich, eingängig und voller Hingabe - NIGHT DEMON schmieden auf "Darkness Remains" feinsten Traditionallistenstahl, der jedem Anhänger der NWoBHM das Pipi in die Augen treiben dürfte.  (JK)

Anspiel-Tipps: "Maiden Hell", "Darkness Remains", "Welcome to the Night", "Hallowed Ground"

9 von 10

https://www.nightdemon.net/
https://www.facebook.com/nightdemonband

Freitag, 18. August 2017

Konzertbericht SACRED REICH + KRYPTOS - 9.8.2017 München/Backstage

Forever Young - 30 Jahre "Ignorance"

Es gibt nur sehr wenige Bands weltweit, die, obwohl sie seit über 20 Jahren kein neues Material mehr rausgebracht haben, heutzutage immer noch ziehen und eine eigene Headliner-Tour fahren können.
SACRED REICH gehören zu diesem elitären Kreis, was nicht zueletzt auch auf die Frühwerke "The American Way" (1990), "Surf Nicaragua" (1988) und eben "Ignorance" (1987) zurückzuführen ist.


Wer an seinem Kalender seit 1987 die Blätter immer regelmäßig abgerissen hat, dem dürfte aufgefallen sein, dass SACRED REICH in diesem Jahr einen runden Geburtstag zu feiern haben: 30 Jahre "Ignorance".
Die dazu passende Tour führt Phil Rind & Co natürlich auch nach Deutschland - einer der vier Stopps im Lande der Dichter, Denker und Kuttenträger ist München.
Ebenfalls mit an Bord des Tourbusses ist Indiens Metal-Exportschlager No. 1 - KRYPTOS.

Wenige Minuten nach 20 Uhr starten KRYPTOS mit "Blackstar Horizon" in ihr Set und schnell wird klar, dass SACRED REICH keinen besseren Opener, als KRYPTOS hätten finden können: Mit ihren Oldschool-Outfit (Röhrenjeans, wellige Langhaarfrisuren, 80er/90er Jahre-Shirts) entsprechen die Inder nahezu jedem Thrash-Sterotyp. Aber auch der Sound (etwas PRIEST hier, ein wenig MAIDEN dort, und obendrauf ganz viel KREATOR und OVERKILL) dem KRYPTOS frönen, ist metertief in jener Zeit verwurzelt, als "Ignorance" das Licht der Welt erblickte.
KRYPTOS (© by metal-is-forever-alive)

Und so schließt sich der Kreis zwischen Gestern und Heute in der Dreiviertelstunde, in der sich die vier Inder auf der Bühne austoben. Mit ihren lauten, schnellen Riffs und einer agilen Bühneshow schaffen es Nolan Lewis, Ganesh K. und der Rest der Truppe so relativ schnell, den Funken auf das Münchner Publikum überspringen zu lassen. Nur schade, dass die meisten Ticketinhaber sich erst zum Headliner blicken lassen. So ist die Halle bei KRYPTOS nur spärlich gefüllt, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Wer zu (für Münchner Verhältnisse) früher Stunde schon da ist, macht ordentlich Alarm, sodass selbst bei ca 60 Anwesenden von einem würdigen Rahmen gesprochen werden kann.

Nach einer etwas über Gebühr dauernden Umbaupause, in der sich aber zumindest die Halle ordentlich füllt, entern die Herren Rind, Arnett, Rainey und Hall gegen 21.15 Uhr die Bühne und eröffnen die (Album-) Feierlichkeiten, genauso wie es sich gehört - mit "Ignorance".
                                                                           
SACRED REICH (© by metal-is-forever-alive)

Anders als von vielen erhofft, präsentieren SACRED REICH ihr Debütalbum heute jedoch nicht in ganzer Schönheit, sondern nur selektiv. Neben dem titelgebenden Track, finden zudem noch "Administrative Decisions", "Victim of Demise", "Violent Solutions" und "Death Squad" ihren Weg auf die heutige Setlist. Selbst einen Titel wie "Sacred Reich" trifft heute der Bannstrahl. Dafür gibt es aber das allseits beliebte Hit-Potpourri der Texaner ausgiebig und ungefiltert auf die Mütze. Bei Kloppern wie z.B. "Independent", "Love...Hate", "War Pigs" oder "The American Way" bleibt kein Wunsch unerfüllt.
Die Truppe um Phil Rind tritt gewohnt souverän auf und bringt im passenden Moment (wie z.B. vor "One Nation" oder "Crimes Against Humanity") zudem ihre politische Botschaft (Together We're Strong - No Racism) unter das Thrash-Metal Volk. Thrash-Metal war/ist von jeher immer schon die Metalsparte mit der aussagekräftigsten Botschaft, wenn es darum ging/geht, mutig den Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen.
SACRED REICH (© by metal-is-forever-alive)

Da wir uns aber auf keiner Wahlkampfveranstaltung befinden, steht jederzeit die Musik und der Spaß im Vordergrund, was wilde Moshpits und vereinzelte Crowdsurfer eindrucksvoll beweisen.
In den insgesamt 80 Minuten, die der heutige Auftritt von SACRED REICH dauert, hauen die Texaner nahezu alles raus, was geht und zeigen, dass sie auch nach über 30 Jahren nichts an Können eingebüßt haben und einen Saal immer noch in ein Tollhaus verwandeln können.
Sollte irgendjemand daran nur eine Sekunde gezweifelt gehabt haben, dürfte er allerspätestens beim abschließenden "Surf Nicaragua" all seine Zweifel über Bord geworfen haben und sich wie anno dazumal, vor dreißig Jahren gefühlt haben, oder, wie im 7. Thrash-Himmel. (JK)

Randnotiz: Wer rechtzeitig vor dem Gig kam, konnte sich seine gesammelten Schätze (LPs, CDs, Bilder usw.) signieren lassen und ein Foto mit SACRED REICH machen. Geduldig haben sich Phil, Wiley, Jason und Greg über eine Stunde lang, den Fans und ihren Wünschen gestellt. Mehr Fannähe geht kaum. Respekt!
(© by metal-is-forever-alive)