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DON`T KILL YOUR LOVE...BUY LEGAL CDs AND SUPPORT THE BANDS LIVE!!! STAY HEAVY!

Sonntag, 19. Januar 2020

CLOAK / "The Burning Dawn" / Label: Season of Mist / 9 Tracks / 48:54 Min

Der wesentliche Sinn des Lebens ist Gefühl. Zu fühlen, dass wir sind, und sei es durch den Schmerz. Es ist die sehnsuchtsvolle Leere, die uns dazu treibt, zu spielen - zu kämpfen - zu reisen - zum leidenschaftlichen Tun. (George Gordon Byron)

Spätestens seit 2017 sind die Zeiten vorbei, in denen man noch ungestraft behaupten durfte, dass die Südstaaten der USA im Allgemeinen und Georgia im Speziellen black-metal-technisch noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten sind. "To Venomous Depths", das Debütalbum von CLOAK rückte vor zwei Jahren nämlich genau jene extreme Spielart des Metal in die wohltemperierte Mittagssonne von Atlanta und räumte mit dem Vorurteil auf, dass nordisch geprägter Black Metal (wenn auch mit starker Rock Note) und Southern Comfort nicht unter einen (Sonnen-)Hut passen würden.
Nun legen CLOAK mit "The Burning Dawn" nach und loten erneut die Grenzen zwischen garstigem Black Metal und melodischem Rock aus.
Wie schon auf ihrem Debütalbum ziehen CLOAK irgendwo zwischen DISSECTION, SLAEGT und TRIBULATION ihre Bahnen und können dabei einmal mehr überzeugen. Wobei es, um überzeugen zu können, eine Hörerschaft benötigt, die nicht aufgehört hat, nach 1996 über den schwarzen Tellerrand zu schauen.
Wer heutzutage immer noch der Meinung ist, dass "Nemesis Divina" (SATYRICON) bitteschön der akzeptable Schlußpunkt der Weiterentwicklung im Black Metal zu sein hat, dürfte sich mit "The Burning Dawn" schwer tun.
Alle anderen können sich auf ein abwechslungsreiches und vielschichtiges Album freuen, dass nicht nur viel verspricht (Melodiösität, Eingängigkeit, Härte, Innovation), sondern auch hält. Lediglich "On Poisoned Ground" kann dem hohem Anspruch nicht genügen und verhindert, ebenso wie die Tatsache, dass mit "March of the Adversary" (Intro) und "The Fire, The Faith, The Void" gleich zwei Instrumental-Tracks (von insgesamt 9 Titeln) mit dabei sind, dass "The Burning Dawn" nicht noch heller strahlen kann.

Fazit: An das überragende Debütalbum reicht "The Burning Dawn" nicht ganz heran. Trotzdem hat das Zweitwerk von CLOAK immer noch genügend scharfe Pfeile im Köcher, um sich im neuzeitlichen Wettbewerb der schwarzen Künste gegen ähnlich gelagerte Bands durchsetzen zu können.

8 von 10

https://cloakatlanta.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/cloakofficial


Vorankündigung: DARK EASTER METAL MEETING 2020 - 11. & 12. April - München/Backstage

http://mrw-concerts.de/dark-easter-metal-meeting/

Sonntag, 12. Januar 2020

BEAST OF DAMNATION / "Dawn of the Beast" / Label: Black Sunset / 14 Tracks / 43:10 Min

Seelen gibt es, die an Sterne mahnen, unbemerkt auf sonn'gen Alltagsbahnen; Dämmerung und Finsternis erst sagen euch, wieviel des Lichts sie in sich tragen. (Anastasius Grün)

Das nenn ich mal eine zu gleichen Teilen spannende, als auch verrückte Geschichte zur Entstehung bzw. Veröffentlichung eines Albums.
Wir werfen hierzu kurzeitig die Zeitmaschine an, die uns ins Jahr 2008 zurückkatapultiert, in einen Proberaum irgendwo in Stuttgart. Der ehemalige DEBAUCHERY Live-Gitarrist Michael "Heinze" Heinz (damaliges Pseudonym: Necrophile Bitch Butt Fucker) und der ehemalige BELPHEGOR Drummer Tomasz "Nefastus" Helberg haben eben im Schweiße ihres Angesichts 14 Tracks eingetütet, mit der Absicht, diese so schnell wie möglich zu veröffentlichen. So schnell wie möglich ...
Wir kehren an den Anfangspunkt userer Zeitreise zurück, ins Hier und Jetzt: "Dawn of the Beast" wird veröffentlicht. Ganze 11 Jahre nachdem die Rohfassung des Debütalbums aufgenommen wurde.
Man kann den Schwaben vielleicht einiges "vorwerfen", wie z.B. übertriebene Reinlichkeit (Stichwort: Kehrwoche), oder überdenkenswerte Sparsamkeit (...den Mandl hot scho mei Vaddr traga, jedzd gehörd r dir. Bass druff uf...), eines aber garantiert nicht: Tradition mit Füssen zu treten.
Was uns nun endlich zur Musik bringt.
Denn "Dawn of the Beast" ist old-school as fuck. Ganz in der Tradition der Frühwerke von MAYHEM und DESASTER und "überraschenderweise" auch von BELPHEGOR und DEBAUCHERY. Womit jedem nun klar sein dürfte, dass BEAST OF DAMNATION nichts mit Synthesizer, oder gar Klargesang am Hut haben. Hier gibt der Blastbeat-Knüppel den Takt vor. Hier wird nach allen Regeln der extrem-metallischen Kunst dem gutturalem Gesang (mal auf deutsch, mal auf englisch) gehuldigt. Und das ist gut so!
Weniger gut ist hingegen das Cover-Artwork. Wobei es eigentlich so unterirdisch kacke ist, dass es fast schon wieder anfängt zu gefallen.
Ein Schmankerl noch zum Schluß: Endlich hatte mal jemand die Eier DAS satanischste Lied aller Zeiten ("Hotel California"/EAGELS) zu covern - und das auch noch ansprechend!

Fazit. "Dawn of the Beast" wirkt nicht nur ein wenig aus der Zeit gefallen, es ist es auch - im positiven Sinne. Herzerfrischender (Old-School-)Black-Metal bzw. Extrem-Metal für all jene, die im Grunde genommen nie aufgehört haben nach Stabkirchen Ausschau zu halten.

7.5 von 10

https://beastofdamnation666.bandcamp.com/releases
https://www.facebook.com/BeastOfDamnationGermany


Konzertbericht MOONSPELL + ROTTING CHRIST +SILVER DUST - 15.12.2019 München/Backstage

Kurz vor dem Jahreswechsel lassen MOONSPELL und ROTTING CHRIST auf einer gemeinsamen Tour nochmals die Muskeln spielen und zeigen dabei einmal mehr, dass beide noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Komplettiert wird der vorweihnachtliche Reigen von SILVER DUST aus der Schweiz.


SILVER DUST

Wie die Jungfrau zum Kinde, dürften SILVER DUST wohl nicht zur Tourbeteiligung gekommen sein. Dennoch erschließt es sich den meisten Konzertgängern nicht (erst Recht nicht, nach dem Auftritt der Schweizer), was damit bezweckt werden sollte.
SILVER DUST (© by metal-is-forever-alive)
Wollte der Tourveranstalter Werbung für die Vielschichtigkeit im Metal machen? Wenn ja, dann waren SILVER DUST mit ihrem obskuren Stilmix (Dark Rock, Groove, Power Metal, Thrash, Industrial uvm.) prädestiniert dafür.
Oder wollten die beiden Hauptacts zeigen, dass sie ein Herz für "hoffnungslose" Fälle haben? Dann haben sie mit SILVER DUST einen der Top-Acts aus dieser Kategorie gefunden.
Oder liegen wir mit beiden Vermutungen völlig daneben und SILVER DUST wollten einfach nur ihre Steampunk/Gothica Klamotten vor großen Publikum einmal vorführen dürfen?
Fragen über Fragen. Leider konnte am Ende keine davon beantwortet werden. Nur eines kann nach ca 30 Minuten mit Bestimmtheit gesagt werden: Möge der Schleier des Vergessens sich schnell über diesen Auftritt legen.


ROTTING CHRIST

ROTTING CHRIST (© by metal-is-forever-alive)
Wie gut, dass es nun mit ROTTING CHRIST weitergeht, einer der besten Live-Bands des Planeten. Bereits wenige Sekunden des Openers "666" genügen, um die Gehörgänge durchzupusten und vorangegangene Qualen vergessen zu machen.
Die Griechen setzen dabei wie üblich weniger auf visuelle Effekte (sieht man einmal von den fliegenden Haaren der Musiker ab), sondern lassen musikalische Taten sprechen. Und hier haben ROTTING CHRIST jede Menge zu "erzählen". Können Sakis Tolis & Co inzwischen doch auf 32 Jahre Bandgeschichte zurückblicken und auf eindrucksvolle 13 Longplayer zurückgreifen.
ROTTING CHRIST (© by metal-is-forever-alive)
Dabei herausgekommen ist heute Abend eine 65-minütige Machtdemonstration einer top motivierten und spielfreudigen Band (keine Selbstverständlichkeit nach 49 Konzerten in 52 Tagen), die mit ihrem drückenden und glasklaren Sound nicht nur die Boxen des Backstage Werk bis zum Anschlag strapaziert, sondern auch dem Publikum alles abverlangt. Selbiges geht zu Songs wie "In Yumen - Xibalba", "Kata Ton Daimona Eaytoy", "Fire, God and Fear" oder "Societas Satanas" so dermaßen derbe ab, dass man sich unweigerlich die Frage stellt, wie zum Teufel wollen MOONSPELL das toppen? Den hunderten Kehlen, die nach getaner Arbeit, die Griechen lautstark abfeiern, stellt sich diese Frage offentsichtlich nicht, haben sie doch bereits ihren Headliner gesehen.


MOONSPELL

MOONSPELL (© by metal-is-forever-alive)
Was man anhand der Fanreaktionen nach dem ROTTING CHRIST Gig bereits erahnen konnte, findet nun tatsächlich statt: Ein (wenn auch kleiner) Teil der Zuschauer tritt jetzt schon die Heimreise an und der verbliebene Rest muss nun mit seinen Kräften haushalten, so dass MOONSPELL mit einem (anfänglich) relativ geräusch- und bewegungsreduziertem Publikum vorlieb nehmen müssen.
Da hilft kein Jammern und Wehklagen, also Augen zu und durch. Wobei der Spruch mit den geschlossenen Augen wohl doch keine so gute Idee war, würde man doch so einen durchaus ansprechenden Auftritt von Fernando Ribeiro & Co verpassen. Obwohl sich MOONSPELL um einiges ruhiger als eben noch ROTTING CHRIST präsentieren, was sich in der Natur der unterschiedlichen musikalischen Ausrichtungen erklärt, entwickelt sich (nach Anlaufschwierigkeiten) eine Show, die durchaus der eines Headliners würdig ist.
MOONSPELL (© by metal-is-forever-alive)
Nachdem der Einstieg in das Set mit drei Songs vom aktuellen Album "1755"  noch realtiv verhalten, seitens des Publikums aufgenommen wurde, kommt spätenstens ab Titel Nr. 4 von der Setlist ("Opium") Bewegung und Stimmung in die Menge vor der Bühne. Man kann förmlich die Erleichterung bei Fernando Ribeiro spüren, hier und jetzt doch keinen livehaftigen Schiffbruch erleiden zu müssen.
                                             
MOONSPELL (© by metal-is-forever-alive)
Von hier an frisst ihm das Münchner Publikum nun auch (dankbar) aus der Hand und lässt sich von ihm durch die abwechslungsreiche Setlist leiten. Eine bestens aufgelegte Band, sowie die ein oder andere Showeinlage (u.a. ein Sprung von Fernando in den Fotograben, um Fanhände zu schütteln) runden den Auftritt ab. Der kultige Dreierschlag zum Ende der regulären Spielzeit ("Mephisto", "Vampiria", "Alma Mater") sorgt dann auch noch für Gänsehautfeeling und lässt sogar die Anlaufschwierigkeiten vergessen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause kehren MOONSPELL dann nochmals zurück, um mit "Todos os Santos" und "Full Moon Madness" den Deckel auf den Abend zu machen.

Zum Jahresende gab es in München ein Wechselbad der Gefühle zu erleben: SILVER DUST sorgten mit ihrem Auftritt für (zumeist) ungläubiges Schulterzucken und die ein oder andere "What the Fuck?" Fragestellung im Publikum - ROTTING CHRIST haben die Kategorien Euphorie und Ekstase abgedeckt - und MOONSPELL waren für Nostalgie und Routine verantwortlich. Mehr Abwechslung geht kaum. (JK)


Donnerstag, 19. Dezember 2019

NETHERBIRD "Into the Vast Uncharted" / Label: Eisenwald - Soulfood / 7 Tracks / 36:58 Min

Ersuche die Tugend, dass sie dir das Geheimnis des Glücks übergibt. (Victor Hugo)

Vier Longplayer und eine stattliche Anzahl von EPs und Singles; NETHERBIRD sind/waren bisher alles andere als untätig und konnten deshalb auch schon das ein oder andere Schulterklopfen innerhalb der Melo-Black/Death Szene einheimsen. Eines waren ihre bisherigen Veröffentlichungen aber allesamt nicht: überdurchschnittlich, um im entscheidenden Moment die Nase vor der Konkurrenz zu haben.
Mit "Into the Vast Uncharted" (Longplayer Nr. 5) soll nun endlich der Durchbruch gelingen und die Vorzeichen stehen diesmal gar nicht so schlecht.
Nicht nur, dass man die Produktion in die Hände von Dan Swanö legen konnte, auch die Tatsache, dass der Platz hinter den Kesseln mit Fredrik Andersson (ex AMON AMARTH) äußerst prominet besetzt werden konnte, lässt aufhorchen.
Die Zeichen stehen also auf Sturm. Und genauso geht es mit "Saturnine Ancestry" auch los - rasant. NETHERBIRD hätten sich keine bessere Nummer als Opener für "Into the Vast Uncharted" aussuchen können, als eben "Saturnine Ancestry". Vereint dieser Track doch eindrucksvoll die "neue" Reife, mit der NERTHERBIRD nun endlich die von ihnen seit jeher anvisierte Symbiose von Melo-Death- Metal/Black Metal in das in sich stimmige Gleichgewicht bringen. Diese Balance wird auch nicht, wie oftmals in der Vergangenheit, von der Leidenschaft der Schweden für moderene Strukturen (incl. Breaks) ins Wanken gebracht.
"The Obsidian White" ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Melodie und Härte, im selben Atemzug genannt, kein Widerspruch sein muss, und ebenso dafür, dass NETHERBIRD nicht länger mehr für die große Unbekannte auf der schwarz eingefärbten Schwedentodkarte stehen.
Umso mehr, da es NETHERBIRD im fünften Anlauf nun auch geschafft haben mit "Lunar Pendulum" eine Hitnummer zu komponieren.
Doch damit nicht genug. Auch die "ruhigeren" Titel wie "Eventide Evangel" und "Harvest the Stars" funktionieren nun bestens.
Und so kann man mit Fug und Recht behaupten, dass "Into the Vast Uncharted" das (bisher) beste Werk der sechs Schweden ist, auch wenn ich ansonsten kein Freund von solch' werbestrategischen Phrasen bin.

Bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass sich die anvisierte Zielkundschaft ausgiebig mit "Into the Vast Uncharted" beschäfftig, und NETHERBIRD letztendlich nicht doch noch um die verdiente Anerkennung gebracht werden.
Also traut euch, ihr DISSECTION-, AMON AMARTH- und DARK TRANQUILITY-Hörer.

8 von 10

https://www.netherbird.com/
https://netherbird.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/netherbird


Vorankündigung: ABBATH + 1349 + VLTIMAS + NUCLEAR - 5.2.2020 München/Backstage

https://backstage.info/

Vorankündigung: BATUSHKA + CLOAK + MOLOCH - 17.1.2020 München/Backstage

https://backstage.info/

Sonntag, 15. Dezember 2019

Konzertbericht INSOMNIUM + THE BLACK DAHLIA MURDER + STAM1NA - 27.11.2019 München/Backstage

Still wie ein Grab? Von wegen! Die aktuelle Konzertreise von INSOMNIUM ist alles, nur nichts für Leisetreter: Tour Like a Grave 2019
Komplettiert wird die Tour von den amerikanischen Death Metal/Metalcore Größen THE BLACK DAHLIA MURDER und der finischen Thrash Kapelle STAM1NA. Eines kann man jetzt schon vorwegnehmen: Hochklassiger und abwechslungsreicher besetzt, als diese Tourzusammenstellung, waren in jüngster Vergangenheit nur wenige. Ergo: Das Werk, die größte der drei Hallen im Backstage ist rappelvoll - und das mitten in der Woche.


STAM1NA

Los geht es an diesem "Heavy Metal Wednesday" (O-Ton STAM1NA) mit unbekümmert gezocktem Thrash Metal, der selbst gestandenen Death Metal Anhängern binnen kürzester Zeit fette Schwitzflecken ins Shirt treibt.
STAM1NA (© by metal-is-forever-alive)
Bei den meisten (so auch mir) dürfte das finnische Quintett bisher komplett unter dem Radar geflogen sein. Warum eigentlich? So wie sich SATM1NA heute Abend hier präsentieren, hat die Truppe definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Sicherlich steht nicht jedem, der auf Melo Death Metal ala INSOMNIUM gebürstet ist, der Sinn  nach einer Thrash Abreibung. Doch alleine die Tatsache, wie druck- und elanvoll STAM1NA auftreten und mit ihren genreuntypischen Anleihen bei Heavy Metal und finnischer Folklore ein ums andere Mal das Momentum für sich zu nutzen wissen, verdient Anerkennung. Da der Großteil der Zuschauer heute Abend ähnliche Gedanken hegt, entwickelt sich der 35-minütige Auftritt von STAM1NA innerhalb kürzester Zeit zu einem kurzweiligem Trip, der nach getaner Arbeit nur Gewinner hinterlässt.


THE BLACK DAHLIA MURDER

Für den nächsten Kontrastpunkt bei diesem Package sorgen THE BLACK DAHLIA MURDER.
THE BLACK DAHLIA MURDER (© by metal-is-forever-alive)
Obwohl Michigan's Finest Death Metal Konglomerat ganz klar dem Todesblei-Spektrum zuzuordnen ist, dürften viele bisher aber einen Bogen um die Truppe gemacht haben. Der Grund hierfür dürfte in der allgegenwärtigen Nähe zum (oftmals) ungeliebten Death Metal Stiefbruder Metalcore zu suchen sein. Auch der relativ unspektakuläre (um nicht monoton zu sagen) Gesangstil von Trevor Strnad trägt sein übriges dazu bei, um ältere Semster davon abzuhalten, wie Rumpelstilzchen abzugehen. So ist der Fokus von THE BLACK DAHLIA MURDER ganz klar auf die U40 (U30?) Gefolgschaft gerichtet.
THE BLACK DAHLIA MURDER (© by metal-is-forever-alive)
Und die fühlt sich von der dreiviertelstündigen Darbietung offentsichtlich gut unterhalten. Nur beim Versuch, einen Moshpit zum Laufen zu bringen, scheitert selbige kläglich. Gerade einmal eine Handvoll Meatlheads lässt sich dazu animieren, hüpft dabei aber eher waldorfschulenmäßig, als martialsich im Kreis herum. Auch das Bühnenacting von THE BLACK DAHLIA MURDER ist ausbaufähig - drei Schritte zurück und drei nach vorne, viel mehr ist nicht. Dafür strotzen die Songs vor Energie: "Jars", "Warborn", "Nightbringers", "Kings of the Nightworld", "Everything Went Black" strapazieren arg die Nackenmuskulatur und schlagen dabei generationsübergreifend Brücken. "Deathmask Divine" beendet einen durchwachsenen Auftritt von THE BLACK DAHLIA MURDER, der am Ende kaum neue Fans gebracht haben dürfte, aber eben auch keine der ersten Stunde verprellt hat.


INSOMNIUM

Nach jeder neuerlichen Veröffentlichung wächst die Anzahl derer an, die vom Melo-Death.Metal der Finnen nicht genug bekommen können. Resultat: Die Hallen werden auf jeder Tour größer. Wenn diese Entwicklung genauso weiter geht, dürfte die aktuelle Tour wohl die letzte sein, bei der man die Truppe noch relativ hautnah erleben kann. Bevor dieser Schritt aber vollzogen werden muss, lasst uns noch den Status qou in relativ intimer Umgebung (gemeinsam mit ca 1000 weiteren Konzertgängern) genießen.
INSOMNIUM (© by metal-is-forever-alive)
INSOMNIUM (© by metal-is-forever-alive)
Los geht's mit einem Doppelschlag ("Valediction", "Neverlast") vom aktuellen Album. Das Erstaunliche daran ist, obwohl "Heart Like a Grave" erst seit wenigen Wochen auf dem Markt ist, dass nahezu die komplette Location dazu so derbe abgeht, als würde wir uns schon im Zugabenblock befinden und die Songs seit etlichen Jahren zum festen Bestandteil jeder Show gehören. Was wiederum beweist, dass INSOMNIUM mit "Heart Like a Grave" alles richtig gemacht haben. Um dies zu unterstreichen kommen heute Abend gleich sechs Tracks (hauptsächlich im Mittelteil der Show) von besagtem Album zu Live-Ehren.
Der Rest der Setlist gleicht einer Best-of-Zusammenstellung, der seit über 15 Jahren andauernden Erfolgsgeschichte, wobei (leider) die ersten beiden Alben gänzlich ignoriert werden.
Ein Umstand, der aber mehr als verschmerzbar ist. Dürfte dies hier und heute doch einer der besten Auftritte von INSOMNIUM sein - ever! Passt an diesem Mittwoch doch einfach alles: Sound, Lightshow, Songauswahl, Band, Publikum - alles top!
Ein weiterer Höhepunkt, wenn nicht gar DER Höhepunkt der Show: "One for Sorrow" in einer Akustik-Version, von Markus Vanhla und Jani Liimatainen, am Bühnenrand sitzend und mit Cowboyhüten austaffiert, vorgetragen. Howdy!
"Heart Like a Grave" setzt den Schlußpunkt hinter eine beeindruckende Performance von INSOMNIUM, die für viele sicherlich zu den Konzert-Highlights des zu Ende gehenden Jahres 2019 zählen dürfte. Wohl dem, der dabei war! (JK)


ALUNAH / "Violet Hour" / Label: Heavy Psych / 8 Tracks / 42:50 Min

Gerade das Abweichen vom Wege des Gewöhnlichen ist für die Vernunft ein Fingerzeig, der sie auf die Strasse zur Wahrheit weist. (Edgar Allan Poe)

Ob sich ALUNAH mit mit ihrer gewagten (Teil-)Neuorientierung (neue Sängerin, neuer Gitarrist, neues Logo, mehr Okkult Rock, weniger Doom) einen Gefallen getan haben, bleibt abzuwarten. Berechtigte Zweifel am Erfolg des neuen Konzepts darf man allerdings schon jetzt anmelden.
Ohne jetzt despektierlich gegenüber den beiden neuen Bandmitgliedern (Siân Greenaway/Vocals & Dean Ashton/Guitar) sein zu wollen, aber das Ehepaar Day ist nun mal nicht gleichwertig zu ersetzen, waren David & Sophie doch Kopf und Seele der Band. Die aktuelle Zusammensetzung ist zwar ebenfalls mit Herzblut dabei und macht ihre Sache im Rahmen der Neuausrichtung ordentlich, aber eben auch nicht mehr.
Vorbei sind erstmal die Zeiten, als man sich von ALUNAH und ihrer mystischen Naturromantik verzaubern lassen konnte. Adieu Leichtigkeit vergangener Tage. Von nun an herrscht (überwiegend) dunkler, groovier Sound über die Szenerie, der in seine besten Momenten ("Violet", "Hunt") durchaus den Schatten des okkulten Beelzebub an die Wand zeichnen kann. Doch was will man mit Schatten anfangen, solange es Bands wie JEX TOTH, WITCHCRAFT & Co gibt, die es vermögen, die Schatten zu Leben zu erwecken.
Viel zu selten blitzt bei ALUNAH nur noch jene Magie auf, die es heutzutage braucht, um im inzwischen bis zum Anschlag gefüllten Zauberkessel des Okkult Rock nicht unterzugehen.
"Hypnotised" und vor allem "Lake of Fire" sind solche Momente, die die Hoffnung nähren, dass ALUNAH es nochmals packen können und nicht im Dämmerlicht der "Violet Hour" verschwinden werden.  (JK)

5 von 10

https://alunah.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/alunah.doom



Konzertbericht SWALLOW THE SUN + OCTOBER TIDE + OCEANWAKE - 13.11.2019 München/Backstage

Kaum dass es draußen wieder kühler wird, besteigen die finnischen Death Doomer von SWALLOW THE SUN den Nightliner und fahren zusammen mit OCTOBER TIDE und OCEANWAKE eine Tour, die sich genau zwischen Helloween, dem Buß- und Bettag, sowie dem Totensonntag bestens aufgehoben fühlt: "When a Shadow is Forced Into the Light Tour 2019 - Pt. II"


OCEANWAKE

Wer dieses Tourpackage zusammengestellt hat, hat sich definitiv was dabei gedacht. Nicht nur, dass alle drei Bands stilistisch harmonieren, auch die Tatsache, dass sich der Abend von der Intensität langsam steigert, hat was von (gewollter) Inszenierung.
OCEANWAKE (© by metal-is-forever-alive)
Um entspannt in den Abend reinzukommen, hat der Tour-Regisseur (nennen wir diese(n) Unbekannte(n) mal so) die finnischen Slow-Motion Strategen von OCEANWAKE auserkoren, mit ihrem Death/Doom/Post Metal Mix das melancholische Fundament für den weiteren Verlauf des Abends zu zementieren.
Mit "Radiant Nightbreak", dem Opener, gelingt dies aber nur bedingt, da viele Zuschauer dem Treiben auf der Bühne zwar interessiert, aber wenig enthusiastisch Beachtung schenken. Und so löst sich der anspruchsvolle Gedanke, was Dramaturgie und Bandbesetzunge betrifft, innerhalb von Minuten auf. OCEANWAKE bekommen in den nächsten 25 Minuten zwar noch einigermaßen die Kurve (vor allem dann, wenn es mal etwas härter wird), verlassen aber letztendlich die Bühne, ohne auf der selbigen, bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.


OCTOBER TIDE

Ein komplett anderes Bild bietet sich dem Konzertgänger nach einer angenehm kurz gehaltenen Umbaupause. Wo eben noch (weitesgehend) Anspruch und Realität nicht zusammen passen wollten, greift nun ein Rädchen ins andere.
OCTOBER TIDE (© by metal-is-forever-alive)
Nicht nur dass die Schweden um ex-KATATONIA Gitarrist Frederik Norrman um einiges heftiger als ihre finnischen Tourgenossen von OCEANWAKE unterwegs sind, auch die einzelnen Komponenten im Death/Doom Gebälk von OCTOBER TIDE versprechen (und halten) wesentlich mehr Abwechslung und Intensität. Nicht ganz schuldlos daran ist sicherlich die Tatsache, dass OCTOBER TIDE mit "In Splender Below" ein neues, starkes Album im Gepäck haben. Mit "I, the Polluter" und "Ögoblick Av Nåd" von besagtem Album lassen die Schweden dann nicht nur die Halle erbeben, sondern zeigen dabei auch noch eindrucksvoll, dass Midtempo durchaus kraftstrotzend und spannend sein kann. Überhaupt hat man den Eindruck, dass OCTOBER TIDE seit ihrem Comeback vor zehn Jahren nicht nur menschlich sondern auch musikalisch gereift sind. Eine in sich stimmige Performance, sowie eine ausgewogene Setlist mit einem Potpourri des bisherigen Schaffens unterstreichen dies. Nach "Adoring Ashes", dem letzten Song des Auftritts, gibt es dann auch die verdiente Anerkennung vom Publikum dafür, in Form von lautstarken Beifallsbekundungen.


SWALLOW THE SUN

Wer sich im Vorfeld mit der Thematik der aktuellen SWALLOW THE SUN Veröffentlichung auseinandergesetzt hat, der dürfte, nachdem das erlöschende Hallenlicht das baldige Erscheinen der Finnen ankündigt, schnell noch einen Drops gelutscht haben, um den (Trauer-)Kloß im Hals in den Griff zu bekommen. Eine spärlich ausgeleuchtete und in Nebelschwaden gehüllte Bühnenkulisse, sowie die Klänge "Lumina Aurea" (vom Band) bilden die perfekte Szenerie für die kommende anderthalbsündige Lehrstunde in Sachen atmospärischen Death/Doom.
SWALLOW THE SUN (© by metal-is-forever-alive)
Mit "When a Shadow is Forced Into the Light" haben SWALLOW THE SUN einen Titel auserkoren, das Set zu eröffnen, der nicht nur Titeltrack des aktuellen Albums ist, sondern auch gleich unverblümt, wenn auch sehr poetisch, auf den Punkt kommt, und vom großen Schmerz (...it rips through your chest, and burns like a fire...) Juha Raivios nach dem Abbleben seiner großen Liebe erzählt. Seufz. Schluck. Schnief. Passend zur Stimmung sind die Protagonisten auf der Bühne in schwarze Umhänge mit (tief ins Gesicht gezogenen) Kapuzen gehüllt, was einer Prozession gleichkommt, es aber auch (nahezu) unmöglich macht, Mimik auf den Anlitzen der Musiker deuten zu können. Da auch Ansagen oder Konversation mit dem Pubilkum auf ein Minimum reduziert wurden, passiert genau das, was SWALLOW THE SUN wohl damit bezwecken wollen: man (oder Frau) leidet förmlich mit.
Was wiederum Annerkenung und Respekt verdient, denn  selten hatte ein Konzert eine passendere Atmosphäre, als heute Abend.
Um diesen besonderen Moment nicht außerfahrplanmäßig zu "gefährden" bringen SWALLOW THE SUN nahezu das komplette "When a Shadow is Forced Into the Light"-Album auf die Bühne. Nur "The Crimson Crown" und "Never Left" kommen nicht zu Live-Ehren. Dass letztgenannter Song nicht geboten wird, empfindet man fast als Erleichterung, liefe man doch ansonsten Gefahr, den Heimweg in Depri-Stimmung antreten zu müssen. Und so entlassen SWALLOW THE SUN  die textlich mitleidende und musikalisch euphorisierte Gefolgschaft mit  "Emerald Forest and the Blackbird" (ohne Anette Olzon) und "Swallow, Horror Part 1"" in die herbstliche Nacht. (JK)


Mittwoch, 6. November 2019

WOLVES ATTACK!! / "Piss On Everything" / Label: Horror Pain Gore Death Productions / 11 Tracks / 21:11 Min

Dieser Wolf wird solange Kreide fressen, bis alle sieben Geißlein glauben, er sei ihr liebes Mütterlein. (Reiner Kunze)

Die USA haben bekanntermaßen einiges zu bieten -  auch im Hardcore und Crossoverbereich.

Neben Größen wie beispielsweise AGNOSTIC FRONT, HATEBREED, BIOHAZARD oder DEFEATER, die weltweit für Furore sorgen, nennt das Land der (angeblich) unbegrenzten Möglichkeiten zudem tausende, weniger bis kaum bekannte Bands sein Eigen.
Ein Umstand, der dafür sorgt, dass es in den USA nicht nur eine sehr große Szene gibt, die ständig in Bewegung ist, sondern auch dafür sorgt, dass einige weniger schöne Aspekte ans Tageslicht befördert werden. Inzwischen haben nämlich nicht wenige bemerkt, dass man mit dieser Art von Musik und dem dazugehörigen Lifestyle (Tattoos, Schmuck, Schuhwerk usw.) fett Geld verdienen kann.
Der Anfang vom Ende des Hypes? Das muss es nicht sein. Aber, in keinem anderen Land auf diesem Planeten kotzt die Musikindustrie monatlich soviele Genre-Newcomer auf den Markt, wie im Erfindungsland des gepflegten Moshpits.
Beispiel gefällig? Bitteschön!  
WOLVES ATTACK!! aus Philadelphia darf man durchaus als talentiert bezeichnen, was das Setzen von Breaks und das Integrieren von verschiedensten Einflüssen (D.R.I., GWAR, IRON REAGAN) betrifft.
Auch die Attitude der Truppe ist in sich stimmig und für den "spaßigen" Moment auf "Piss on Everything" sorgen kurzweilige Punk-Anleihen. Alles im grünen Brereich!
Was die fünf Herren aber weniger beherrschen, ist das Gespür für Momente, die hängen bleiben, sodass man nach einem Durchgang von "Piss on Everything" eigentlich keinen Drang verspürt, sich das Teil nochmals anhören zu wollen.
Aber vielleicht ist das so gewollt und genügt so mittlerweile der neuen Generation von Core-Hörern, die, wie es scheint,  mehr Wert auf Partymachen legt, als auf Dinge, die den Moment überdauern - mir ist das aber definitiv zu wenig!
Auch die äußerst knapp bemessene Gesamtspielzeit von etwas mehr als 20 Minuten, die zwar einen kultigen Touch (S.0.D. lassen grüßen) haben mag, ist alles andere als hilfreich dabei, wenn es darum geht, eine Kaufempfehlung auszusprechen.


Fazit: Trotz einiger cooler Ideen und zum Teil gelungenen Reminiszensen an die Vergangenheit der Szenegrößen, sind WOLVES ATTACK!! nicht mehr als austauschbarer Durchschnitt.
Letzendlich sollte aber ein jeder für sich selbst entscheiden, ob es ihm genügt, auf Konzerten die Sau rauslassen zu können - hierzu taugen alle 11 Tracks von "Piss on Everything" - oder, ob er sich was handfestes ins CD-Regal stellen möchte. Etwas, was qualitativ vielleicht aktuell den Zeitgeist treffen mag, aber (höchstwahrscheinlich) in nicht allzu ferner Zukunft, unter einer dicken Staubschicht begraben, weit hinten im CD-Regal, sein Dasein fristen dürfte. (JK)

4 von 10

https://www.facebook.com/wolvesattack215/
http://www.horrorpaingoredeath.com/

Konzertbericht NILE + HATE ETERNAL + VITRIOL + OMOPHAGIA + FALLCIE - 16.9.2019 München/Backstage"A Vile Desolate Sands Tour 2019"

A Vile Desolate Sands Tour 2019

Die amerikanischen Pharaonen-Verehrer von NILE stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres neunten Studioalbums. Um den Fans ägyptischer Mythologie und harter Klänge die Zeit bis zum anvisierten VÖ (1.11.2019) zu verkürzen, brechen Karl Sanders & Co kurzerhand ein ungeschriebenes Metal-Gesetz (erst das Album, dann die Tour) und promoten ihr neues Album auf einer ausgedehnten Europatour, ohne dass der Longplayer die Ohren der Fans in seiner Gesamtheit je erreicht hat. Ein Wagnis, was die Ticketverkäufe angeht? Nicht für NILE! Die Truppe genießt nicht umsonst in der Death Metal Szene eine vorzüglichen Ruf, was die Livequalitäten betrifft. Logische Konsequenz: Es kommt eine ansehnliche Schar an diesem Montag Abend im Backstage zusammen, die sich die Ohren durchpusten lassen möchte.


FALLCIE

Der Opening-Act des heutigen Abend, FALLCIE aus St. Petersburg bekommt mit voller Härte das Resultat von frühen Konzertanfangszeiten unter der Woche präsentiert: Gerade einmal 4 Dutzend (großzügig) durchgezählte Metalheads lassen sich weder vom frühen Beginn (18.30 Uhr), noch von den spätsommerlichen Außentemeraturen davon abringen, dem gewöhnungsbedürftigen Stilmix des russischen Quartetts beizuwohnen.
FALLCIE (© by metal-is-forever-alive)
Dürften Metalcoreklänge für (Technical) Death Metal gewohnte Fanohren schon eine arge Herausforderung darstellen, setzen FALLCIE mit Nu Metal Sound und LACUNA COIL-ähnlichen Vibes noch einen obendrauf. Die Quittung nach 30 Minuten: Null Stimmung, kaum Applaus und der "Ansturm" auf dem Merchstand blieb ebenfalls aus. FALLCIE nehmen es sportlich - dabei sein ist alles!


OMOPHAGIA

Inzwischen hat sich die Anzahl derer, die sich jetzt schon in die Halle trauen, etwas mehr als verdoppelt, so dass sich dem zweiten Act des Abends, mit nun ca. 100 Anwesenden, ein wesentlich erfreuerliches Bild beim Blick von der Bühne bietet, als eben noch zuvor den russischen Kollegen. Auch das musikalische Gewicht der heutigen Veranstaltung gewinnt durch den Auftritt von OMOPHAGIA enorm an Wertigkeit.
                                                                                                   
OMOPHAGIA (© by metal-is-forever-alive)
Wo eben noch Ratlosigkeit, ob des auf der Bühne Dargebotenen herrschte, manifestiert sich nun endlich jene Brachialität und technische Reife, die einem Konzertabend wie diesem würdig ist. Nicht nur, dass das Schlagzeug- und Bassspiel bei OMOPHAGIA einem gekonntem Schlag in den Magen gleichkommt, auch der Rest der Truppe fügt sich nahtlos in das in sich stimmige Gesamtkonzept ein. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute auch vor der eigenen Haustür beheimatet sein kann - in diesem Fall in der Schweiz. Nach intensiven 30 Minuten gibt es dafür dann auch ordentlich Applaus.


VITRIOL

Nach dem europäischen (Doppel-)Horsd’œuvre, eröffnen nun VITRIOL aus Portland (Oregon) den us-amerikanischen Drei-Gänge-Hauptgang. Die Band um Tattoo- Fanatiker Kyle Rasmussen hat sich mit Leib und Seele dem Death Metal Verschrieben, allerdings in einer Hochgeschwindigkeitsversion. Verschnaufpausen sind weder angedacht noch erwünscht.
VITRIOL (© by metal-is-forever-alive)
Und so fliegen die rasiermeserscharfen Riffs den (inzwischen reichlich erschienen) Zuschauer ohne Rast entgegen, wie eine aufpeitschende Gischt an einem stürmischen Tag an der Küste. VITRIOL werden mit dieser Attitude sicherlich niemals einen Preis für Abwechslungsreichtum gewinnen, eines jedoch kann man ihnen schon jetzt (nach nur einem Longplayer) zusprechen: technsich gehobenes Niveau und eine Dynamik, die ihresgleichen sucht. Und so war es wohl nie treffender als heute, zu behaupten, die Zeit (ca. 40 Minuten) ist rasend schnell vorbei gegangen. Beeindruckend.


HATE ETERNAL

Ebenfalls rasant, wenn auch ungemein filigraner, geht es nun mit dem Florida-Dampfhammer HATE ETERNAL weiter. Es gibt innerhalb der Death Metal Szene nur wenige Gitarristen, die so detailverliebt und abwechslungsreich (vor allem bei den Soli) wie Erik Rutan vorgehen. Damit hätten HATE ETERNAL eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal, welches die Aufmerksamkeit der Zielgruppe erhöhen sollte. Doch Fanliebe bzw. -Ignoranz ist nicht immer nachvollziehbar und manchmal (so auch hier) manchmal eben auch surreal. Und so fristen HATE ETERNAL immer noch ein Nischendasein - zwar ein gern gesehener Gast auf den Bühnen, die Verkaufszahlen der Alben lassen aber nach wie vor zu wünschen übrig.
HATE ETERNAL (© by metal-is-forever-alive)

Diese Diskrepanz ist auch heute Abend zu beobachten.Während die ersten Reihen zu Songs wie "Bringer of Storms", "All Hope Destroyed" oder "I, Monarch" steil gehen, spart sich der hintere Teil der Halle seine Kräfte für den Headliner auf. Wer diese skurril anmutende Hallenaufteilung ausblenden kann, der bekommt eine komplette Stunde lang eine energiegeladene Show geliefert, die zum Ende hin, auch noch Temperaturen in der Halle beinhaltet, die Florida hitzemäßig alle Ehre gemacht haben.



NILE

Nach einer etwas zu lang ausgefallenen Umbaupause präsentiert Karl Sanders gegen 22.30 Uhr München seinen zur Hälfte (Brad Parris nimmt den Platz für Todd Ellis am Tieftöner ein und Brian Kingsland ersetzt Dallas Toler-Wade an der Gitarre) erneuerten Pyramidenforschungstrupp. Wer im Vorfeld gedacht hatte, dass vor allem der Verlust von Dallas Toler-Wade kaum zu kompensieren wäre, sah sich nun einem souverän auftretenden und fingerfertig agierenden Brian Kingsland gegenüberstehen und konnte seine (unbegründeten) Sorgen um die technische Extraklassevon NILE innerhalb von Minuten ad acta legen.
NILE (© by metal-is-forever-alive)
Wenn es überhaupt einen Grund für die ein oder andere (minimale) Sorgenfalte an diesem Abend gab, dann nur wegen des teilweise etwas sperrig wirkenden neuen Liedmaterials ("Long Shadows of Dread", "Vile Nilotic Rites", "Snake Pit Mating Frenzy"), welches Karl Sanders & Co geschickt unter die repräsentative Setlist gemischt hatten. Ob diese Momentaufnahme bestand hat, kann erst nach Veröffentlichung von "Vile Nilotic Rites" abschließend beantwortet werden. Bis dahin kann man sich an den wertigen Pharaonengaben wie beispielsweise "The Blessed Dead", "Kafir!", "Kheftiu Asar Butchiu", "The Howling of the Jinn", "Sarcophagus" erfreuen und sich dabei von Anubis und seinen Wächtern der Unterwelt amtlich die Rübe abschrauben lassen. Das letzte Wort des Abends haben aber die "Black Seeds of Vengeance", mit denen NILE zu später Stunde (für einen Montag Abend), den Punkt hinter eine langes, schweißtreibendes Afterwork-Death-Metal-Event setzen.


Über den Sinn/Unsinn von frühen Konzertanfangszeiten unter der Woche wurde bereits an anderen Stellen ausführlich diskutiert, deshalb wollen wir an dieser Stelle nicht noch ein weiteres Fass aufmachen. Die Frage, ob es allerdings fünf Bands an einem Abend braucht, kann ich mir aber nicht verkneifen. Zumal der Opening-Act (wie so oft) eher als PA- Tester zu werten war, als ernstzunehmnder Einheizer. Neverthelees: Ein insgesamt mehr als zufriedenstellender Konzertabend, der einmal mehr gezeigt hat, dass gut gemachter Death Metal immer noch begeistern kann. (JK)