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Mittwoch, 6. November 2019

WOLVES ATTACK!! / "Piss On Everything" / Label: Horror Pain Gore Death Productions / 11 Tracks / 21:11 Min

Dieser Wolf wird solange Kreide fressen, bis alle sieben Geißlein glauben, er sei ihr liebes Mütterlein. (Reiner Kunze)

Die USA haben bekanntermaßen einiges zu bieten -  auch im Hardcore und Crossoverbereich.

Neben Größen wie beispielsweise AGNOSTIC FRONT, HATEBREED, BIOHAZARD oder DEFEATER, die weltweit für Furore sorgen, nennt das Land der (angeblich) unbegrenzten Möglichkeiten zudem tausende, weniger bis kaum bekannte Bands sein Eigen.
Ein Umstand, der dafür sorgt, dass es in den USA nicht nur eine sehr große Szene gibt, die ständig in Bewegung ist, sondern auch dafür sorgt, dass einige weniger schöne Aspekte ans Tageslicht befördert werden. Inzwischen haben nämlich nicht wenige bemerkt, dass man mit dieser Art von Musik und dem dazugehörigen Lifestyle (Tattoos, Schmuck, Schuhwerk usw.) fett Geld verdienen kann.
Der Anfang vom Ende des Hypes? Das muss es nicht sein. Aber, in keinem anderen Land auf diesem Planeten kotzt die Musikindustrie monatlich soviele Genre-Newcomer auf den Markt, wie im Erfindungsland des gepflegten Moshpits.
Beispiel gefällig? Bitteschön!  
WOLVES ATTACK!! aus Philadelphia darf man durchaus als talentiert bezeichnen, was das Setzen von Breaks und das Integrieren von verschiedensten Einflüssen (D.R.I., GWAR, IRON REAGAN) betrifft.
Auch die Attitude der Truppe ist in sich stimmig und für den "spaßigen" Moment auf "Piss on Everything" sorgen kurzweilige Punk-Anleihen. Alles im grünen Brereich!
Was die fünf Herren aber weniger beherrschen, ist das Gespür für Momente, die hängen bleiben, sodass man nach einem Durchgang von "Piss on Everything" eigentlich keinen Drang verspürt, sich das Teil nochmals anhören zu wollen.
Aber vielleicht ist das so gewollt und genügt so mittlerweile der neuen Generation von Core-Hörern, die, wie es scheint,  mehr Wert auf Partymachen legt, als auf Dinge, die den Moment überdauern - mir ist das aber definitiv zu wenig!
Auch die äußerst knapp bemessene Gesamtspielzeit von etwas mehr als 20 Minuten, die zwar einen kultigen Touch (S.0.D. lassen grüßen) haben mag, ist alles andere als hilfreich dabei, wenn es darum geht, eine Kaufempfehlung auszusprechen.


Fazit: Trotz einiger cooler Ideen und zum Teil gelungenen Reminiszensen an die Vergangenheit der Szenegrößen, sind WOLVES ATTACK!! nicht mehr als austauschbarer Durchschnitt.
Letzendlich sollte aber ein jeder für sich selbst entscheiden, ob es ihm genügt, auf Konzerten die Sau rauslassen zu können - hierzu taugen alle 11 Tracks von "Piss on Everything" - oder, ob er sich was handfestes ins CD-Regal stellen möchte. Etwas, was qualitativ vielleicht aktuell den Zeitgeist treffen mag, aber (höchstwahrscheinlich) in nicht allzu ferner Zukunft, unter einer dicken Staubschicht begraben, weit hinten im CD-Regal, sein Dasein fristen dürfte. (JK)

4 von 10

https://www.facebook.com/wolvesattack215/
http://www.horrorpaingoredeath.com/

Konzertbericht NILE + HATE ETERNAL + VITRIOL + OMOPHAGIA + FALLCIE - 16.9.2019 München/Backstage"A Vile Desolate Sands Tour 2019"

A Vile Desolate Sands Tour 2019

Die amerikanischen Pharaonen-Verehrer von NILE stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres neunten Studioalbums. Um den Fans ägyptischer Mythologie und harter Klänge die Zeit bis zum anvisierten VÖ (1.11.2019) zu verkürzen, brechen Karl Sanders & Co kurzerhand ein ungeschriebenes Metal-Gesetz (erst das Album, dann die Tour) und promoten ihr neues Album auf einer ausgedehnten Europatour, ohne dass der Longplayer die Ohren der Fans in seiner Gesamtheit je erreicht hat. Ein Wagnis, was die Ticketverkäufe angeht? Nicht für NILE! Die Truppe genießt nicht umsonst in der Death Metal Szene eine vorzüglichen Ruf, was die Livequalitäten betrifft. Logische Konsequenz: Es kommt eine ansehnliche Schar an diesem Montag Abend im Backstage zusammen, die sich die Ohren durchpusten lassen möchte.


FALLCIE

Der Opening-Act des heutigen Abend, FALLCIE aus St. Petersburg bekommt mit voller Härte das Resultat von frühen Konzertanfangszeiten unter der Woche präsentiert: Gerade einmal 4 Dutzend (großzügig) durchgezählte Metalheads lassen sich weder vom frühen Beginn (18.30 Uhr), noch von den spätsommerlichen Außentemeraturen davon abringen, dem gewöhnungsbedürftigen Stilmix des russischen Quartetts beizuwohnen.
FALLCIE (© by metal-is-forever-alive)
Dürften Metalcoreklänge für (Technical) Death Metal gewohnte Fanohren schon eine arge Herausforderung darstellen, setzen FALLCIE mit Nu Metal Sound und LACUNA COIL-ähnlichen Vibes noch einen obendrauf. Die Quittung nach 30 Minuten: Null Stimmung, kaum Applaus und der "Ansturm" auf dem Merchstand blieb ebenfalls aus. FALLCIE nehmen es sportlich - dabei sein ist alles!


OMOPHAGIA

Inzwischen hat sich die Anzahl derer, die sich jetzt schon in die Halle trauen, etwas mehr als verdoppelt, so dass sich dem zweiten Act des Abends, mit nun ca. 100 Anwesenden, ein wesentlich erfreuerliches Bild beim Blick von der Bühne bietet, als eben noch zuvor den russischen Kollegen. Auch das musikalische Gewicht der heutigen Veranstaltung gewinnt durch den Auftritt von OMOPHAGIA enorm an Wertigkeit.
                                                                                                   
OMOPHAGIA (© by metal-is-forever-alive)
Wo eben noch Ratlosigkeit, ob des auf der Bühne Dargebotenen herrschte, manifestiert sich nun endlich jene Brachialität und technische Reife, die einem Konzertabend wie diesem würdig ist. Nicht nur, dass das Schlagzeug- und Bassspiel bei OMOPHAGIA einem gekonntem Schlag in den Magen gleichkommt, auch der Rest der Truppe fügt sich nahtlos in das in sich stimmige Gesamtkonzept ein. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute auch vor der eigenen Haustür beheimatet sein kann - in diesem Fall in der Schweiz. Nach intensiven 30 Minuten gibt es dafür dann auch ordentlich Applaus.


VITRIOL

Nach dem europäischen (Doppel-)Horsd’œuvre, eröffnen nun VITRIOL aus Portland (Oregon) den us-amerikanischen Drei-Gänge-Hauptgang. Die Band um Tattoo- Fanatiker Kyle Rasmussen hat sich mit Leib und Seele dem Death Metal Verschrieben, allerdings in einer Hochgeschwindigkeitsversion. Verschnaufpausen sind weder angedacht noch erwünscht.
VITRIOL (© by metal-is-forever-alive)
Und so fliegen die rasiermeserscharfen Riffs den (inzwischen reichlich erschienen) Zuschauer ohne Rast entgegen, wie eine aufpeitschende Gischt an einem stürmischen Tag an der Küste. VITRIOL werden mit dieser Attitude sicherlich niemals einen Preis für Abwechslungsreichtum gewinnen, eines jedoch kann man ihnen schon jetzt (nach nur einem Longplayer) zusprechen: technsich gehobenes Niveau und eine Dynamik, die ihresgleichen sucht. Und so war es wohl nie treffender als heute, zu behaupten, die Zeit (ca. 40 Minuten) ist rasend schnell vorbei gegangen. Beeindruckend.


HATE ETERNAL

Ebenfalls rasant, wenn auch ungemein filigraner, geht es nun mit dem Florida-Dampfhammer HATE ETERNAL weiter. Es gibt innerhalb der Death Metal Szene nur wenige Gitarristen, die so detailverliebt und abwechslungsreich (vor allem bei den Soli) wie Erik Rutan vorgehen. Damit hätten HATE ETERNAL eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal, welches die Aufmerksamkeit der Zielgruppe erhöhen sollte. Doch Fanliebe bzw. -Ignoranz ist nicht immer nachvollziehbar und manchmal (so auch hier) manchmal eben auch surreal. Und so fristen HATE ETERNAL immer noch ein Nischendasein - zwar ein gern gesehener Gast auf den Bühnen, die Verkaufszahlen der Alben lassen aber nach wie vor zu wünschen übrig.
HATE ETERNAL (© by metal-is-forever-alive)

Diese Diskrepanz ist auch heute Abend zu beobachten.Während die ersten Reihen zu Songs wie "Bringer of Storms", "All Hope Destroyed" oder "I, Monarch" steil gehen, spart sich der hintere Teil der Halle seine Kräfte für den Headliner auf. Wer diese skurril anmutende Hallenaufteilung ausblenden kann, der bekommt eine komplette Stunde lang eine energiegeladene Show geliefert, die zum Ende hin, auch noch Temperaturen in der Halle beinhaltet, die Florida hitzemäßig alle Ehre gemacht haben.



NILE

Nach einer etwas zu lang ausgefallenen Umbaupause präsentiert Karl Sanders gegen 22.30 Uhr München seinen zur Hälfte (Brad Parris nimmt den Platz für Todd Ellis am Tieftöner ein und Brian Kingsland ersetzt Dallas Toler-Wade an der Gitarre) erneuerten Pyramidenforschungstrupp. Wer im Vorfeld gedacht hatte, dass vor allem der Verlust von Dallas Toler-Wade kaum zu kompensieren wäre, sah sich nun einem souverän auftretenden und fingerfertig agierenden Brian Kingsland gegenüberstehen und konnte seine (unbegründeten) Sorgen um die technische Extraklassevon NILE innerhalb von Minuten ad acta legen.
NILE (© by metal-is-forever-alive)
Wenn es überhaupt einen Grund für die ein oder andere (minimale) Sorgenfalte an diesem Abend gab, dann nur wegen des teilweise etwas sperrig wirkenden neuen Liedmaterials ("Long Shadows of Dread", "Vile Nilotic Rites", "Snake Pit Mating Frenzy"), welches Karl Sanders & Co geschickt unter die repräsentative Setlist gemischt hatten. Ob diese Momentaufnahme bestand hat, kann erst nach Veröffentlichung von "Vile Nilotic Rites" abschließend beantwortet werden. Bis dahin kann man sich an den wertigen Pharaonengaben wie beispielsweise "The Blessed Dead", "Kafir!", "Kheftiu Asar Butchiu", "The Howling of the Jinn", "Sarcophagus" erfreuen und sich dabei von Anubis und seinen Wächtern der Unterwelt amtlich die Rübe abschrauben lassen. Das letzte Wort des Abends haben aber die "Black Seeds of Vengeance", mit denen NILE zu später Stunde (für einen Montag Abend), den Punkt hinter eine langes, schweißtreibendes Afterwork-Death-Metal-Event setzen.


Über den Sinn/Unsinn von frühen Konzertanfangszeiten unter der Woche wurde bereits an anderen Stellen ausführlich diskutiert, deshalb wollen wir an dieser Stelle nicht noch ein weiteres Fass aufmachen. Die Frage, ob es allerdings fünf Bands an einem Abend braucht, kann ich mir aber nicht verkneifen. Zumal der Opening-Act (wie so oft) eher als PA- Tester zu werten war, als ernstzunehmnder Einheizer. Neverthelees: Ein insgesamt mehr als zufriedenstellender Konzertabend, der einmal mehr gezeigt hat, dass gut gemachter Death Metal immer noch begeistern kann. (JK)



Donnerstag, 5. September 2019

GAAHLS WYRD / "GastiR - Ghosts Invited" / Label: Season of Mist / 8 Tracks / 42:16 Min

Das Zauberwort, welches alle bösen Geister bannt, heißt Tätigkeit, sowie das, was die guten herbeizieht, Ruhe heißt. (Johann Christoph Friedrich August Heinroth)

In der Ruhe liegt die Kraft. Im Fall von Kristian Espedal alias Gaahl sogar doppelt - schaffenstechnisch und musikalisch.
Die Auszeit vom Metal, die sich Gaahl von 2009 bis 2012 gegönnt hat und anschließend die lange Findungsphase bei GAAHLS WYRD (2015 - 2019) war, wie sich jetzt herausstellt, jede Sekunde des Wartens wert.
War das Kurzzeitprojekt GOD SEED nach der Trennung von GORGOROTH noch als Ego Shooter Trip mit ausgestrecktem Mittelfinger Richtung Infernus zu verstehen, verhält es sich nun mit GAAHLS WYRD komplett anders. Obwohl "GastiR - Ghosts Invited" einem zu jeden Zeitpunkt die (musiklaische) Vergangenheit von Gaahl ins Gedächtnis ruft, ist dieses Album alles, nur eines nicht - rückwärtsgewandt. Stattdessen enthält "GastiR - Ghosts Invited" alle Ingredienzen, um als eines der bahnbrechendensten Black Metal Alben der Neuzeit durchzugehen. Auf der einen Seite experimentell und facettenreich, auf der anderen Seite atmosphärisch und durch und durch schwarzmetallisch.
Eines verbindet beide Seiten: Gaahls magische Vocals. Niemals zuvor hat Gaahl seine Stimmbänder gekonnter eingesetzt als hier. Wer meint, dass "Incipit Satan" der Höhepunkt seines bisherigen Schaffens gewesen wäre, sollte sich unbedingt "Ghosts Invited" reinziehen. Offene Münder und Gänsehaut garantiert.
Aber auch ansonsten haben GAAHLS WYRD ein Album erschaffen, welches von Höhepunkt zu Höhepunkt eilt: "Ek Erilar" mit bemerkenswerter De Mysteriis Dom. Sathanas (MAYHEM) Note, das kraftvoll, mystische "From the Spear", das beschwörende "Carving the Voices", die treibende Nummer "Veiztu Hve" mit seinem leicht disharmonisch wirkendem Charme, "The Speech and the Self" mit GORGOROTH Drumming und schwarzmetallischer Eingängigkeit, das bösartige Aufeinandertreffen von Doublebass Geballer und Breaks bei "Through and Past and Past", sowie "Within the Voice of Existence", das zum Abschluß, mit WARDRUNA Vibe, Gaahls schamanischer Seele Entfaltungsmöglichkeit bietet.

Fazit: GAAHLS WYRD hauen aus dem Stand ein Album heraus, welches sich nicht nur als richtungsweisend für die gesamte Zunft (sofern ohne Scheuklappen unterwegs) herausstellen dürfte, sondern auch den Spagat zwischen Tradition und Gegenwart/Zukunft mühelos hinbekommt. Eine Aufgabe, an der zuvor nicht wenige gescheitert sind. Chapeau! (JK)

9 von 10

http://www.gaahlswyrd.com/
https://www.facebook.com/gaahlswyrd/

CHILDREN OF THE SÜN / "Flowers" / Label: The Sign Records / 8 Tracks / 34:05 Min

Meister, wie heiter sind doch all die Stunden, die wir verlieren, wenn ins Verlieren, wie in eine Vase, wir Blumen betten. (Fernando Pessoa)

Rechtzeitig zum 50-jährigen Woodstock Jubiläum machen sich die acht Schweden von CHILDREN OF THE SÜN auf den Weg, um dem, von Kommerz und Termindruck getriebenen, "modernen" Menschen, die (musikalische) Wärme und Harmonie jener Zeit näher zu bringen.
Ein löbliches Unterfangen, in einer Zeit, in der überwiegend kreative Einfallslosigkeit die Hitparaden dominiert - das leider aber nicht durchgängig funktioniert.
Wo bei ähnlich gelagerten Acts der späten 60er Jahre (JEFFERSON AIRPLANE, THE LOVIN' SPOONFUL usw.) die Akkorde auf der Tonleiter Puzelbäume vor Freude schlagen möchten, trauen sich selbige bei CHILDREN OF THE SÜN zumeist nur ganz vorsichtig aus der Deckung. Die (inspirierende) Nähe zu JIMI HENDRIX und JANIS JOPLIN, die laut Labelbeschreibung CHILDREN OF THE SÜN erst möglich gemacht hat, hält sich gar komplett bis zum Ende der Scheibe versteckt.
Und dennoch hat "Flowers" seine Momente.
So ist z.B. "Beyond the Sun" ein Hybrid, der sich aus der Seele von JOAN BAEZ und der Erscheinung der BLUES PILLS zusammensetzt.
"Emmy" ist eine melancholisch angehauchte Rock-Ballade, die den Zeitgeist der damaligen Epoche wunderschön transportiert und zum Hit des Albums avancieren dürfte.
Und auch noch"Sunchild" mit feinem Chorus und seinem Classic Rock Mittelpart, sowie "Flowers" mit typischer (spät) 1960er Jahre Instrumentalisierung und Gesang wissen über weite Strecken zu gefallen.
Der restliche Material des Albums ist gut arrangiert, kommt aber nicht mehr auf den Punkt.
Unbedingt erwähnt werden sollte aber noch die Gesangsleitung von Josefina Berglund Ekholm, die über das gesamte Album gesehen, angenehm auffällt und nachhaltig in Erinnerung bleibt. Selbst bei den schwächeren Songs vermag sie es, dank ihrer Vocals, die Kohlen zumindest noch ein Stück weit aus dem Feuer zu holen.

Fazit: Die Retrowelle rollt unaufhörlich. Während Acts wie z.B. BLUES PILLS, GRETA VAN FLEET oder RIVAL SONS sich eher über den Gitarrensound definieren, versuchen CHILDREN OF THE SÜN die ruhigere, gediegenere Nische jener Zeit zu besetzen. Das klappt des Öfteren schon ganz ordentlich, hat aber noch Luft nach oben.
Da aber noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, sollte man den Schweden noch etwas Entwicklungszeit zugestehen. Ob es dann für den großen Wurf reicht, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin kann man sich mit "Emmy" berauschen.

6.5 von 10

https://www.facebook.com/Childrenofthesuun
https://www.facebook.com/thesignrecords

VINTERSORG / "Till Fjälls, Del II" / Label: Napalm Records / 13 Tracks (2 CDs) / 76:35 Min

Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, ist nichts im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Wenn wir das, was in uns liegt, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder. (Henry David Thoreau)

Nachdem VINTERSORG in den letzten 19 Jahren schon mehrfach einen progressiven Spurwechsel vollzogen haben, rudert Mastermind Andreas "Vintersorg" Hedlund nun zur Abwechslung mal zurück. 
Dabei genügte im Vorfeld einzig und allein schon die bloße Ankündigung, dass "Till Fjälls"eine Fortsetzung erhalten soll, um die Fanherzen vor Vorfreude höher schlagen zu lassen.
Gerade noch rechtzeitig bevor die Nummer ein Fall für den nächsten Kardiologenkongress zu werden drohte, hauen VINTERSORG nun also die Fortdetzung ihres Kultalbums raus: "Till Fjälls, Del II"

Doch was ist der zweite Teil wert? Droht eine neue Eiszeit (von vielen erhofft, zumindest was die muskikalische Ausrichtung betrifft) oder ist auch hier der Klimawandel für ein Abschmelzen der Polarkappen, und damit für ein weichgespültes Album verantwortlich?
Um es gleich vorweg zu nehmen: VINTERSORG 2017 haben es glaubhaft hinbekommen, dem kultigen Debütalbum von 1998, einen starken Gefährten an die Seite zu stellen.

Auch wenn Andreas Hedlund im Vorfeld nicht müde wurde, zu betonen, dass "Till Fjälls, Dell II"" als Erweiterung und nicht als Fortsetzung von "Till Fjälls" zu verstehen sei, kann dennoch behauptet werden, dass VINTERSORG den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart passabel hinbekommen haben - nicht zuletzt, weil sie dabei authentisch geblieben sind und ihre Entwicklung der letzten zwei Dekaden nicht gänzlich verleugnet haben.

So ist "Till Fjälls, Del II" sehr abwechlungsreich geraten. Mehrfach findet man Passagen, die der schwarzmetallischen Gesinnung der Truppe, Ende der 90er Jahre des letzten Milleniums widerspiegeln.
Die Black Metal Attacken kommen energisch daher und die Folk Elemente sind präsent. Zudem kann das Album mit einer Reihe von epischen Momenten, sowie mit sich langsam aufbauenden Spannungsbögen aufwarten.
Aber auch die Neuzeit ist repräsentativ vertreten: Eingängiges Riffing, ausufernde Melodien, eine dem Zeitgeist entsprechende Orchestrierung und eine moderne Produktion erden "...Del II" im Hier und Jetzt.
Zudem wurde der progressive Touch der letzten Alben in den Hintergrund gerückt.
Als Bindeglied zwischen "Gestern" und "Heute" fungieren die facettenreichen Vocals von Andreas "Vintersorg" Hedlund und die für VINTERSORG typischen Chöre.

Fazit: Wer ein nahtloses anknüpfen von Mastermind Hedlund an das Debütalbum erwartet hatte, dürfte mit "Till Fjälls, Del II" nicht vollends zufrieden gestellt werden.
Aber wer würde ernsthaft, außer den Ewiggestrigen, nach fast 20 Jahren eine Eins-zu-eins-Fortsetzung erwarten?
Immerhin reden wir hier von einem der kreativsten und experimentierfreudigtsen Köpfe der Szene, was nicht zuletzt sein zweites Betätigungsfeld BORKNAGAR beweist.
Und trotzdem nennt sich "Del II" zurecht auch "Till Fjälls" im Titel.
Und zwar aus einem einfachen Grund: Weil das zehnte Studioalbum von VINTERSORG, trotzt aller Weiterentwicklung, auch den Spirit der damaligen Zeit wiederbelebt. (JK)

8 von 10

https://www.facebook.com/vintersorganic
http://label.napalmrecords.com/

Vorankündigung: MOONSPELL + ROTTING CHRIST + SILVER DUST - 15.12.2019 München/Backstage

https://www.backstage.info/

TONY MILLS / "Streets of Chance" / Label: Battlegod Productions / 10 Tracks / 43:22 Min

Das Glück muss entlang der Strasse gefunden werden, nicht am Ende des Wegs. (David Dunn)

Zuerst die gute Nachricht: TONY MILLS scheint dem Stress eines "Rockstars" wieder vollens gewachsen zu sein.

War das überraschend starke Comeback-Album "Over My Dead Body" (Review-Link) noch unter der Kategorie "Traumaverarbeitung" (Herzinfarkt, 2 OPs) einzuordnen, legt der Mann zwei Jahre später mit "Streets of Chance" nun nach und will nochmals voll durchstarten.

Nun die schlechte Nachricht: "Streets of Chance" schmiert im Vergleich zum 2015er Album um Längen ab.

Verschwunden ist die gesunde Härte, mit der "Over My Dead Body" noch aufwarten konnte und auch der leichte Prog-Einfluss, der das Album damals aus der breiten Masse hervorhob, ist wie weggeblasen.
Das alles wäre aber nur halb so schlimm, kämen die neuen Stücke nur auf den Punkt. Leider ist dies aber häufig nicht der Fall.
Stattdessen macht sich vielzuoft monotones Songwriting breit, was wiederum zur Folge hat, dass das Album nahezu keinen Wiedererkennungswert hat.
Zudem beschleicht einen ständig das ungute Gefühl, dass "Streets of Chance" mit Tracks vollgepackt wurde, die SURVIVOR vor Jahrzehnten schon (zurecht) auf den AOR-Komposthaufen entsorgt hatten.
Und wären da nicht die beiden Highlights "Seventh Wonder" und "Weighting Me Down", sowie TONY MILLS wunderbare Stimme, die selbst mittelmäßigen Songs (zumindest etwas) Leben einhauchen kann, könnte man dieses Album als homöopathische Einschlafhilfe vermarkten.

Ich für meinen Teil, pfeiff mir jetzt erstmal eine Packung Baldrian rein, um wieder wach zu werden und kram danach die alten SURVIVOR und TNT Platten raus. (AS)

4 von 10

https://www.facebook.com/Tony.Mills.Official

Falls es noch irgendjemand interessiert - auf "Streets of Chance" war ein illustrer Haufen von mehr oder weniger bekannten Musikern involviert:

- Joel Hoekstra (WHITESNAKE,  NIGHT RANGER)
- Tommy Denader (RADIOACTIVE, ALICE COOPER)
- Neil Frazer (TEN, RAGE OF ANGELS)
- Pete Fry (FARCRY)
- Toine Vanderlinden (MARTYR)
- Linda Mills (DOLLS OF DISASTER)
- Robby Boebel (FRONTLINE, EVIDENCE ONE)
- Eric Rango (JOE LYNNE TURNER)
- Pete Newdeck (TAINTED NATION, THE SHOCK)

UNDER THE CHURCH / "Supernatural Punishment" / Label: Pulverised Records / 9 Tracks / 30:04 Min

Blut ist vererbt und Tugend erworben. Diese ist wertvoller, als es das Blut je sein könnte. (Miguel de Cervantes)

Es ist schon erstaunlich, wie UNDER THE CHURCH es schaffen, sich treu zu bleiben. Immer noch pflügen die Schweden den Death Metal Acker nach allen Regeln der Kunst um, klingen dabei kein bisschen weniger angepisst als zuvor, und doch ist "Supernatural Punishment" nur bedingt mit ihrem Erstlingswerk "Rabid Armageddon" von 2015 zu vergleichen.
Hatten auf dem Debütalbum noch die dezent mitarbeitenden Doom-Elemente für das gewisse Etwas gesorgt, verzichten die Schweden anno 2017 nun weitesgehend auf diesen Clou (nur "Silence of the Shadows" kann noch damit aufwarten), und liefern stattdessen ein astreines Elchtod-Album ab.
Nachdem sich die erste "Enttäuschung", ob des abgängigen Doom-Feelings gelegt hat, stellt sich trotzdem (relativ schnell sogar), zustimmendes Nicken ein.
Denn, eines muss man UNDER THE CHURCH lassen, das große Einmaleins des Death Metal haben sie nicht verlernt. Ganz im Gegenteil  - wo andere ähnlich gelagerte Todesstahl Truppen, neueren Datums, sich oftmals gerne vor lauter Heldenverehrung (ENTOMBED, DISMEMBER, GRAVE) selbst die Glaubwürdigkeit nehmen, verzetteln sich UNDER THE CHURCH nur äußert selten in solchen Anfängerfehlern.
Zwar gelingt auch UNDER THE CHURCH nicht die Quadratur des Kreises, aber warum sollte man ohne Not Experimente eingehen, die gerade in einem altehrwürdigem Genre, wie dem Death Metal, oftmals in die Hose gehen können? Eben.
Für Abwechslungs ist trotzdem gesorgt, und sei es nur, wegen der Vocals, die gerne mal die schwarzen Krallen ausfahren.
Aber auch ohne diese "besondere Würze" kann das Album (vornehmlich die erste Albumhälfte) überzeugen.
Bei Tracks wie z.B. "Ancient Ritual", "Staircase to Hell", "The Stygian Horror", oder auch "Crypt of Pelvises" springt jeder Elch vor Freude im Viereck und vergisst dabei doch glatt, dass momentan Jagdsaison ist.

Fazit: Es ist schön zu sehen, dass es wieder jüngere (auf das Gründungsdatum bezogen) schwedische Bands gibt, die die Flamme der Gründungsväter nicht nur in Ehren halten, sondern auch mit neuer Energie versorgen, auf dass noch viele Genarationen was davon haben. (JK)

7.5 von 10

https://www.facebook.com/UnderTheChurch
https://www.pulverised.net

KING WITCH / "Under the Mountain" / Label: Listenable Records / 9 Tracks / 43:21 Min

Der Pilz ist der Parvenü der Pflanzen. (Christian Morgenstern)

In letzter Zeit sprießen Retro Bands wie Pilze aus dem Boden.
Doch, wie im wahren Leben, ist auch im Musikregal beim Pilzesammeln Vorsicht geboten. Zum einen, weil verwertbare und ungenießbare Pilze sich ähneln können, und zum anderen, weil nicht jeder Pilz geschmacklich das hält, was er auf den ersten Blick verspricht.
Bei KING WITCH handelt es sich um einen schottischen Röhrenpilz, der ursprünglich ausschließlich in der Gegend um Edinburgh in Flora und Fauna anzutreffen war, vor Kurzem aber auch schon auf dem europäischen Festland oder gar auf Malta (Doom-Festival) gesichtet wurde.
Da es sich beim KING WITCH Schwammerl um eine relativ neue Gattung handelt (gegründet 2015), dürften die wenigsten von euch bisher auf ihn gestoßen sein -  deshalb hier eine kleine Warenkunde.
Der KING WITCH Röhrenpilz setzt sich aus vier Einzelteilen zusammen: Dem Stiel (Lyle Brown / Drums), dem Ring (Joe Turner / Bass), dem Hut (Joe Turner / Bass) und der Röhrenschicht (Laura Donnelly / Vocals).
Geschmacklich erinnert das "Under the Mountain"-Gewächs an rifflastige Heavy Metal Kost mit starker Doom Würze und kitzelt den Gaumen zudem mit leichter Psychadelic Raffinesse im Abgang.
Wie die meisten Neuzüchtungen dieser Gattung sucht auch der KING WITCH Röhrenpilz im trockenen Doomunterholz liebend gern die Nähe zu Vertretern der Gattung Fungus BLACK SABBATH und Amanita CANDLEMASS, was aber aufgrund der eigenen (zumeist) mittelmäßigen Songstruktur nur äußerst selten zu ernsthaften Verwechslungen führt.
Vergiftungsgefahr geht vom KING WITCH Pilz keine aus, auch wenn einem der ein oder andere Song, wegen fehlender Eingängigkeit, sauer aufstößt.
Nachhaltig in Erinnerung bleibt nach dem Genuß aber definitiv das feine Aroma der schmackhaften Röhrenschicht Laura Donnelly, die nicht nur mit ihrer kräftigen Stimme überzeugen kann, sondern auch mit Ausdruck und Wiedererkennungswert.

Fazit: KING WITCH können längst noch nicht mit der Güteklasse 1 auf dem Viktualienmarkt der Doom-Eitelkeiten konkurrieren, auch wenn sie das Rüstzeug dazu haben, in Zukunft eventuell in diese Spähren vordringen zu können.
Aktuell bleibt nach dem Verzehr des Albums bis auf "Approaching the End" und "Carnal Sacrifice" relativ wenig bleibend in Erinnerung. Dennoch ist der Longplayer alles andere als ungenießbar und dürfte deshalb dem Magic Mushroom Liebhaber den ein oder anderen Pfifferling wert sein.  (JK)

6.5 von 10

https://www.facebook.com/kingwitch
https://kingwitchband.bandcamp.com/releases

EVIL-LŸN / "Disciple of Steel" / Label: No Remorse Records / 8 Tracks / 40:29 Min

Das Geheimnis zu gefallen besteht darin, kein solches Geheimnis zu haben. (Sully Prudhomme)

Die Jünger des Stahls (Disciple of Steel) auf der Jagd nach dem heiligen Gral des Heavy Metal. Was sich jetzt vielleicht wie der Titel einer in Vergessenheit geratenen Folge von TKKG oder Die drei ??? anhören mag, ist in nichts anderes als die Kurzbeschreibung von EVIL-LŸNs Debütalbum.
Wie man anhand der Einleitung bereits erahnen kann, bevorzugen EVIL-LŸN traditionelle Klänge, am liebsten solche, die in den 1980er Jahren en vogue waren. Hier seien vor allem MAIDEN genannt, aber auch sonst bedienen sich EVIL-LŸN liebend gern bei der NWoBHM.
Ein weiteres Standbein der Finnen ist der Power Metal, allerdings ohne den ganzen Kitsch und Bombast, der in diesem Genre des Öfteren mal verbraten wird. So weit, so gut.
Was jedoch weniger gut ist, ist die Tatsache, dass EVIl-LŸN (bis auf die ersten beiden Songs) nur angestaubt wirkende Standardware auf ihrem Debütalbum verewigt haben, dass in Kombination mit der alles andere als souverän wirkenden Gesangsleistung von Lasse Heinonen, anno 2018, kaum noch jemanden in Ekstase versetzen dürfte.
Wer jedoch seit 1988 in einem verwunschenen Turm beheimatet war, der zudem von der Außenwelt abgeschnitten war und wer bis heute auch noch nichts von Bands wie z.B. ENFORCER, SKULL FIST oder auch NIGHT DEMON gehört hat, ja für den dürften EVIL-LŸN die Heilsbringer sein, die die Flamme des wahren Heavy Metal hoch halten.

Fazit: Selten hat die Bezeichnung "solide" für ein Album besser gepasst als hier: EVIL-LŸN machen im Grunde genommen nicht viel falsch, aber eben auch nicht besonders viel richtig (im Sinne von gut). Ständig beschleicht einen das Gefühl, dass man Riffs, Refrains und Soli schon mal in ähnlicher Version irgendwo gehört hat.
Ich befürchte deshalb, dass EVIL-LŸN schneller von der Bildfläche verschwunden sein werden, als seinerzeit (1983 - 1985) die TV-Serie Masters of the Universe. Eine der bekannteren Figuren dieser Serie, neben Hauptcharakter He-Man, war damals übrigens die böse Zauberin Evil-Lyn, womit zum Abschluß auch noch der Bandname erklärt worden wäre. (JK)

5 von 10


https://www.facebook.com/evillynofficial
https://www.noremorse.gr

Vorankündigung: INSOMNIUM + THE BLACK DAHLIA MURDER + STAM1NA - 27.11.2019 München/Backstage

https://www.backstage.info/