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Dienstag, 10. Oktober 2017

Konzertbericht THE VISION BLEAK + NOCTE OBDUCTA + SAILLE - 30.9.2017 München / Backstage

Es ist schon ein paar Tage her, dass THE VISION BLEAK als Headliner in deutschen Landen unterwegs waren. Warum eigentlich? Seit Jahren wächst die Fangemeinde konstant und mit dem sehr starken, immer noch aktuellen Album "The Unkonown" in der Hinterhand kann eigentlich doch nichts schief gehen. Oder doch?
Oh doch, es kann, zumindest teilweise, und nur auf München zutreffend.
Wie der Metal-Gott es will, bekommt das Backstage heute nicht nur vom feinen Tourpackage THE VISION BLEAK / NOCTE OBDUCTA / SAILLE einen Besuch abgestattet, sondern auch von den schottischen ALESTORM Piraten.
Und wie so oft, setzt sich der (vermeintlich) leichter zugängliche Mainstream durch, wenn man die Besucherzahlen betrachtet.
Während die Warteschlange am Einlass für Christopher Bowes' trinkfeste Mannschaft gefühlt 250 Meter lang sein muss, "verirren" sich in die hintere Halle (der ALTESTORM Gig fand vorne, in der größten der drei Hallen statt) gerade einmal ca 150 Zuschauer.

SAILLE

Die fünfköpfige Truppe aus Belgien nimmt ihre Arbeit um kurz vor 20 Uhr auf, anders jedoch als bei ihrem letzten München Besuch im Jahre 2016 (Hier der Review-Link), haben SAILLE mit "Gnosis" diesmal ein weitestgehend brauchbares Album am Start und haben zudem ihren Fokus inzwischen mehr auf Härte als auf symphonisches Beiwerk eingestellt, was letztendlich der halbstündigen Show gut zu Gesicht steht.
SAILLE (© by metal-is-forever-alive)
Ebenfalls hilfreich dabei, den durchwachsenen Auftritt vom Dark Easter Festival 2016 zu revidieren, ist die Tatsache, dass SAILLE heute einen kraftvollen Sound (nur das Schlagzeug hätte besser abgemischt gehört) zur Verfügung gestellt bekommen - keine Selbstverständlichkeit als Opener. Und so gestalltet sich die halbe Stunde recht kurzweilig, in der sogar die ein oder andere Matte in Bewegung kommt, und dem Gig damit auch einen passenden Rahmen verleiht.

NOCTE OBDUCTA

Nach einer erfrischend kurz gehaltenen Umbaupause, entert die experimentierfreudigste Wundertüte der deutschen Black Metal Szene, unter den Klängen eines Intros, die Bühne und lässt ohne lange Vorreden mit "Niemals Gelebt" gleichmal den Knüppel aus dem Sack.
NOCTE OBDUCTA muss man niemanden mehr vorstellen, dazu haben die Herren aus Mainz bereits zu tiefe Spuren im schwarzgefärbten Unterholz hinterlassen. Immerhin treibt der leicht chaotisch anmutende Haufen bereits seit 1998 sein Unwesen in der hiesigen Musiklandschaft, sieht man mal von dem ein oder anderen Päuschen, inkl einem delikatem Abendessen auf Uranos, ab. Logisch, dass sich da einiges an Songmaterial angesammelt hat.
NOCTE OBDUCTA (© by metal-is-forever-alive)
Dementsprechend bunt durchgemischt ist die heutige Setlist. Obwohl NOCTE OBDUCTA mit "Totholz" ein vor kurzem erschienenes Werk am Start haben, kommen hiervon mit "Trollgott" und "Liebster" nur zwei Titel zu Live-Ehren. Der Rest ist eine rückwärtsgerichtete Reise, die mit "Solange euer Flesich noch warm ist" auch bis ganz in die Anfangstage der unter dem Schleier der Nacht entsprungenen Truppe reicht. 
Kurz vor Ende des regulären Sets unterstreichen NOCTE OBDUCTA nochmals, dass sie nicht gemacht sind, um dem Schubladendenken vieler Schwarzmetaller gerecht zu werden, indem sie mit "Braineaters" einen MISFITS Song zum besten geben.
Auch, dass ausgerechnet "Liebster" seinen Weg auf die Setlist gefunden hat, ist typisch NOCTE OBDUCTA - ist es doch der Song vom neuen Album, der von vielen Journalisten und Schreiberlingen, als der schwächste "Totholz"-Track ausgemacht wurde. In diesem Sinne: Fick die Muse!

THE VISION BLEAK

Diesmal dauert die Umbaupause etwas länger, was sich aber damit erklärt, dass der Headliner auf sein eigenes Drumkit zurückgreifen möchte.
THE VISION BLEAK (© by metal-is-forever-alive)
Als dann endlich das komplette Equipment seinen vorgesehenen Platz auf der Bühne gefunden hat, dauert es nur noch wenige Momente, bis sich Konstanz und Schwadorf auf selbige wagen, und mit "Spirits of the Dead" und "From Wolf into Peacock", den Startschuß für die heutige Horror Metal Nacht geben.
THE VISION BLEAK verstehen es nicht erst seit heute, ihren atmosphärischen Dark Metal, der zudem mit mystischen Elementen, Goth Anleihen und Black Metal Sprenklern versehen ist, gekonnt in Szene zu setzen.
Wer die beiden einmal Live erleben durfte, weiß wovon ich rede: Es gibt auf diesem Planeten nur wenige Bands, die Finsternis, Schwermut und Melodie so ansprechend umzusetzen wissen. Auch wenn sich auf der Bühne, bewegungstechnisch gesehen, relativ wenig abspielt, fühlt man sich dennoch über die ganze Show hinweg, immer bestens unterhalten.
THE VISION BLEAK (© by metal-is-forever-alive)

Wer auf wildes Stageacting und kitschige Showelemente wartet, ist hier definitiv fehl am Platze. THE VISION BLEAK bestechen durch ihr perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel und ihre Songs: "Carpathia", "Into the Unknown", "I Dined with the Swans", "Deathship Symphony", "By Our Brotherhood with Seth", lauten einige der Songs, mit denen THE VISION BLEAK es auch heute Abend wieder geschafft haben, die (überschaubaren) Massen zu begeistern.
Und der Zugabenblock ("Kutulu!" und "The Lone Night Rider") ist sowieso über jeden Zweifel erhaben, hat er doch die Kraft und die Magie, selbst dem übellaunigsten Schwarzkittel (sofern anwesend), ein zustimmendes Grinsen aufs Antlitz zu zaubern. Was will man mehr? (JK)

Noch mehr Bilder gibt es hier: 
https://www.facebook.com/metalisforever.womm/posts/1617314168343664

Montag, 27. Juni 2016

THE VISION BLEAK / "The Unknown" / Prophecy Productions / 9 Tracks / 48:16 Min

Jede Geburt beendet ein Warten. Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei - was ungewiss war, bricht sich unwiderruflich Bahn. Und indem es sich Bahn bricht, nimmt es seinen Anfang. Auf zu neuen Ufern - es beginnt die Zeit von "The Unknown".
Treffender, als mit  diesem leicht abgewandelten Zitat von Paola Mastrocola kann man wohl kaum die Wandlung beschreiben, die bei THE VISION BLEAK stattgefunden hat. Eine Wandlung in konträre Richtungen - zum einen finden Schwadorf & Konstanz den Weg zurück, hin zu den Anfängen von THE VISION BLEAK - zum anderen, öffnet sich das Duo neuen Klangabenteuern.
Herausgekommen ist dabei das spannendste, abwechslungsreichste und kreativste Album in der 16-jährigen Geschichte von THE VISION BLEAK. Völlig losgelöst von den Kompositionsmustern der Vergangenheit finden so vermehrt (oder gar erstmals) Black Metal Elemente ("Spirits of the Dead", "From Wolf to Peacock"), Thrash-/Death Fragmente ("How Deep Lies Tartaros?"), Epic Metal Anleihen ("Into the Unknown") und Doom Strukturen ("Ancient Heart") den Weg in die neun Kompositionen auf "The Unknown".
Das größte Kunststück ist aber, dass das Album dabei, trotz aller Neuerungen, immer noch unverkennbar (obwohl Konstanz mit seinen Vocals gelegentlich die Schwelle hin zum Black Metal überschreitet) nach THE VISION BLEAK klingt. So finden sich immer noch viele mystische Momente und ruhige Passagen (inkl. Klavier und Akustikgitarre) im Goth-Rock Grundgerüst der beiden Bayern - wenn auch subtiler als zuvor.
 
Fazit: "The Unknown" klingt, trotz aller Neuerungen und der hinzugewonnenen Härte, absolut vertraut nach THE VISION BLEAK, sodass niemand Bedenken oder gar Angst vor dem Unbekannten ("The Unknown") haben muss. Wer sich darauf einlässt, erhält ein intensives Album, das sich zwischen Wildheit und Eleganz wohlfühlt und mit jeder Umdrehung im Player wächst. (JK)

9 von 10

Weitere Informationen: http://de.prophecy.de/the-vision-bleak-the-unknown.html

Samstag, 9. April 2016

Konzertbericht vom DARK EASTER METAL MEETING - 27.3.2016 München - Backstage

Ostern ist das Fest, an dem man Eier bunt bemalt, die Auferstehung Christi feiert und man sich mit seiner Familie trifft - eigentlich - nicht so im Backstage zu München. Hier feiert man Ostern seit 2012 etwas anders - mit dem DARK EASTER METAL MEETING. Neben dem diesjährigen Headliner MY DYING BRIDE kann das Festival heuer mit einer Band aufwarten, deren Name zu Ostern wie die Faust aufs Auge passt - ROTTING CHRIST.

Insgesamt 17 Bands gehören in diesem Jahr zum elitären Kreis, mit denen das DARK EASTER METAL MEETING (DEMM) sein kleines Jubiläum (5. Festival) begeht - los geht es um Punkt 14.30 Uhr mit EWIGEIS im Club. Das Duo aus Schwabhausen (Lkr. Dachau) präsentiert seinen Old-School Black Metal in deutscher Sprache und zumeist im Mid-Tempo, scheut aber auch nicht davor zurück, mittels Blastbeats, fiese Nadelstiche zu setzten. Wie es sich für eine Band gehört, die Fenriz und sein musikalisches Wirken offensichtlich zu ihren Inspirationsquellen zählt, tragen die beiden Herren Corpsepaints. Kam die Show von EWIGEIS zu Beginn in der optischen Präsentation noch ziemlich hüftsteif rüber, taute Saat (Voc. & Git.) in der Mitte des Sets etwas auf, was zum einen daran lag, dass für einen Song ein weiterer Sänger die Band unterstützte, aber auch daran, dass das Publikum, welches trotz früher Stunde schon zahlreich erschienen war, EWIGEIS immer wieder anfeuerte. So konnten zum Ende der Show dann beide Seiten (Band und Publikum) von sich behaupten, einem vielversprechenden Einstieg ins DARK EASTER METAL MEETING beigewohnt zu haben.

Nächster Programmpunkt: SAILLE.
Die Tatsache, dass das Festival diesmal Jahr leider nicht "ausverkauft" vermelden kann, ist zwar für den Veranstalter ärgerlich, hat aber für das Publikum den Vorteil, dass das große Gedränge und Geschubse, beim Hallenwechsel dieses Jahr (im Vergleich zu 2015) weitesgehend ausbleibt.
Die Belgier von SAILLE können sich dann, trotz einer eher mittelmäßigen aktuellen Veröffentlichung ("Eldritch"), über eine ansehnliche Schar Melodic-Black-Metal Fans freuen, die sich zum Eröffnungsgig in der Halle eingefunden haben. Obwohl SAILLE mit ihrem synthielastigem Sound heute zu den "ruhigeren" Acts gehören, jagen die sechs Belgier einen druckvollen Sound durch die Boxen, was im Publikum wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. Der Großteil der Anwesenden stört sich heute auch nicht daran, dass SAILLE eigentlich seit deren Anfangstagen damit zu kämpfen haben, eine eigene Note in den Sound zu bekommen. Es geht also anscheinend auch ohne Originalität- zumindest heute. Nun denn, auf ins Werk - SEAR BLISS warten.

Dass die Ungarn in den letzten Jahren sich einen guten Namen in der Szene erarbeitet haben, sieht man alleine schon daran, dass die ersten Reihen dicht an dicht gedrängt stehen und vom ersten Ton an Andras Nagy & Co anfeuern. Leider haben SEAR BLISS zu Beginn mit Soundproblemen zu kämpfen, was zur Folge hat, dass der erste Song nahezu ohne Gitarre auskommen muss. Die Ungarn lassen sich von diesem suboptimalen Umstand aber nicht aus dem Konzept bringen und ziehen ihr Ding (Midtempo, Posaune, Samples, Melodie) gekonnt und abwechslungsreich durch. Das Publikum dankt es ihnen nach 45 Minuten mit warmen Applaus.

Nach dem Gig verbleiben ein paar Minuten Zeit, um den kleinen aber feinen Merchbereich zu besuchen, der einiges im Angebot hat, um die auf Konsum gebürsteten Kundschaft zu befriedigen. So finden sich z.B. unzählige CDs/LPs  (u.a. eine limitierte EP von THE VISION BLEAK), das ein oder andere Tour-Shirt der Protagonisten, Patches, Pins usw. auf den diversen Tischen der Händler. Wer Glück hat erwischt sogar den ein oder anderen Musiker (EREB ALTOR, THE VISION BLEAK, DORNENREICH, ROOT) und kann sich so gleich seine erworbenen Tonträger signieren lassen.

Weiter geht es mit AETHERNAEUM im Club. Der wurde schon kräftig eingeräuchert, um eine Atmosphäre zu erschaffen, die dem düster, mystischen Sound der Berliner Combo die passende Optik verpasst. In der ihnen zugestanden halben Stunde bringen AETHERNAEUM sechs Songs unter, die mal harmonsich, mal wild, aber immer mit Cello, sehr gut ankommen. Zum Ende der Show sind sich nahezu alle einig, im rappelvollen Club, soeben das erste Highlight des Tages/Abends erlebt zu haben.

Das nächste Highlight folgt auf dem Fusse - THE VISION BLEAK. Nach einem atmosphärisch, düsterem Auftakt geben die Jungs von THE VISION BLEAK alles, um ihr Publikum zu beeindrucken! Das läßt sich auch nicht lange bitten und steigt auf die teils amüsanten Animationsversuche von Markus Stock ohne langes Zögern mit ein. Ein Song jagt den anderen und jeder Einzelne von ihnen scheint seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, bei der man gerne zuhören will. Auch ein Song vom kommenden Album durfte natürlich nicht fehlen. Dieser überzeugte durch harten, treibenden Sound und spannungsvoll aufgebauter Atmosphäre.

Danach wird es wild - BÖLZER sind an der Reihe. Die schweizer Black/Death Emporkömmlinge sind im Jahre 2013 eigeschlagen wie die sprichwörtliche Bombe. Mit ihrer brachialen Härte und dem occulten Character der Songs scheinen BÖLZER den momentanen Zeitnerv getroffen zu haben. Spärlich beleuchtet, dafür umsomehr in Wehrauchschwaden gehüllt und getragen von der euphorischen Stimmung, haut das schweizer Duo dem Publikum seinen finsteren Sound erbarmungslos um die Ohren. "Zeus", "C.M.E.", "Archer", "Entranced by the Wolfschook, "Chlorophyllia", "The Great Unifer" - hier brennt die Hütte. Nach 50 Minuten ist dann aber Schicht im Schacht und das schweißgebadete Publikum bahnt sich den Weg zum nächsten Konzert - ROOT.

Es gibt nur wenige Bands im Metal Zirkus, die eine ganz spezielle Aura umgibt. ROOT gehören definitiv dazu. Auch wenn Big Boss und seine Truppe schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, mitreißende Auftritte legen sie immer noch aufs Parkett. So auch heute. Klarer Sound, eine ausgewogene Setlist, sowie eine prächtig aufgelegte Band und einer der kultigsten Sänger überhaupt, lassen die knappe Stunde wie im Flug vergehen.

Dass aber nicht immer alles nach Plan laufen kann, wird nun bei den folgenden VELNIAS deutlich.
In den kleinen aber feinen Räumlichkeiten des Clubs durften VELNIAS für knappe 40 Minuten ihr Bestes auf der Bühne geben. Doch leider war deren Bestes heute nicht gut genug. Trotz ersichtlichen Bemühungen des Sängers, wirkte die Performance leider viel zu gezwungen und angestrengt. Außerdem unterirdisch: Der "Gesang". Ob es nun so gewollt war, oder der Mann am den Reglern schuld war, sei dahin gestellt - Gesang sollte aber definitiv nicht komplett im Sound der Instrumentalfraktion untergehen.

Auch nicht optimal, aber doch um vieles besser - der Auftritt von GOD DETHRONED. Der energiegeladene Einstieg der Holländer, wurde relativ schnell durch ein defektes Mikro ausgebremst. Dieser Fauxpas wurde jedoch zügig und professionell mit einem lässigen Mirkowechsel überspielt. Leider ließ sich das weitesgehend träge Münchner Publikum nicht einmal durch die persönliche Aufforderung von Henri „T.S.K“ Sattler zu einem Circle-Pit motivieren und antwortete im besten Fall mit etwas mehr Haareschütteln. Liebe Münchner - das üben wir bis zum nächsten Jahr nochmals!

Etwas anspruchsvoller geht es im Anschluß daran mit DORNENREICH weiter, die ihren Gig akustisch beginnen und dafür den ein oder anderen irritierten Blick ernten. Was im Rahmen einer eigenen Akustik-Tour sehr gut funktioniert, wirkt hier etwas fehl am Platz. Das DEMM ist wohl nicht die geeignete Veranstaltung für eine derart extravagante Auslegung des Düster-Metal von DORNENREICH. Schlecht abgemischter Sound und einige schiefe Töne trugen zudem nicht wirklich zur Besserung bei. Nach dem mehr als willkommenem Wechsel zu den elektronischen Instrumenten, legen DORNENREICH jedoch in altbekannter Manier los.
Von Klassikern wie z.B. "Der Hexe flammend Blick", oder auch von Neuerem wie "Flammenmensch" durfte sich der Zuhörer berieseln lassen. Ein besonderes Schmankerl hatten Eviga & Inve auch noch in Petto: "Leben, lechzend, Herzgeflüster".

Next: ROTTING CHRIST. Großer Name, großartige Band!
Mit orientalischem Intro und beschwörungsartigen Gesängen begaben sich ROTTING CHRIST auf die Bühne des Werks. Geleitet von den schlachtrufartigen Gesängen der Griechen ließ sich das Publikum, zwar spät im Verlauf des Festivals, nun aber doch noch, zu einem kleinen Moshpit hinreißen! Alleine daran kann man sehen, wie sehr die Griechen, dem ansonsten etwas bewegungsfaulen Publikum, mit ihrem einzigartigen Sound eingeheizt haben. Die häufige Interaktion des Sängers mit dem Publikum tauchte zudem den Auftritt in eine angenehme und fast schon familiäre Stimmung. ROTTING CHRIST 10 Points!

EREB ALTOR entführen anschließend in eine fantastische Welt voll germanischer Erzählungen, begleitet von traumhaft schönen Clear-Vocals, harten Gitarrenklängen und derbem Gesang.
Besonders erfreut war wohl so mancher BATHORY Fan im Publikum, als EREB ALTOR den ein oder anderen Song von  "BLOT-ILT-TAUT" (Bathory Cover Album) auf ihre Setlist packten!
Eine gelungene Abwechslung, die Songs dieser Giganten mal auf andere Art und Weise interpretiert zu bekommen.

Die nächsten im schwarzen Reigen sind OUTRE. Und die scheren sich einen feuchten Kehricht um Melodie, Harmonie und Kult-Romantik. Vielmehr legen die Polen von Anfang an den kleinen Backstage Club in Schutt und Asche. Eine brutale, tiefschwarze Atmosphäre nimmt den Zuschauer vom ersten Moment an gefangen, ebenso, wie die undurchdringliche Nebelwand, und lässt die Anwesenden Zeuge eines intensiven Oldschool-Sets werden, das sich gewaschen hat. Packend, brachial, beklemmend - OUTRE.

Was kann nach solch einem Gig noch kommen? Niemand geringeres als MY DYING BRIDE. Obwohl die Briten ihre wilden Tage schon seit geraumer Zeit hinter sich gelassen haben, zieht der Name immer noch. So ist es wenig verwunderlich, dass bereits Minuten vor Konzertbeginn nahezu kein Durchkommen in die ersten Reihen mehr möglich ist. Wer einen guten Platz ergattert hat, gibt ihn auch nicht mehr her. Los gehts - überpünktlich, um kurz vor 23 Uhr  eröffnen MY DYING BRIDE mit "Your River". Für viele dürfte es das erste Mal sein, dass sie die britischen Doom/Death/Gothic Götter live sehen dürfen, dementsprechend gebannt und aufmerksam wird deren 75-minütige Show verfolgt. Die Briten liefern Songs aus allen Schaffensperioden und ziehen dabei nicht nur einmal das Tempo an, sodass trotz all dem Pathos und den Depri-Momenten, mit denen die Briten ihre Lieder unterfüttern, genügend Raum bleibt, um die Matte zu schütteln. Aaron Stainthorpe ist bestens bei Stimme und präsentiert sich gewohnt ausdrucksstark. Da es an der gut harmonierenden Band, dem glockenklarem Sound und der abwechslungsreichen Setlist ebenfalls nichts zu meckern gibt, werden MY DYING BRIDE dementsprechend am Ende der Show nach "The Cry of Mankind" (vom 1995er Prachtalbum "The Angel and the Dark River") massiv gefeiert.

Die Rausschmeißerfunktion hatten MGLA inne. Dass sich die Band innerhalb der Szene einen mehr als guten Namen gemacht hat, war unschwer an der prall gefüllten Halle zu erkennen. Selbst der ein oder andere Musikerkollege ließ sich die Show der Polen nicht entgehen. Wann hat man wohl zuletzt ein einheitlicheres Bühnenoutfit gesehen? Jedes kleine Detail des Bühnenoutfits war innerhalb der Band total identisch. Krönendes Detail der "charakterlosen" Bühnenpräsenz bildeten die in Schwarz gehüllten Gesichter. Dafür wurde auf jeglichen Schnickschnack oder sonstige Bühnendekoration verzichtet. Mit klassischem Black Metal Sound und treibendem Takt wurde der Auftritt von MGLA so zu einem wahren Erlebnis für Geist und Ohren, der nach 50 Minuten Spielzeit den finalen Punkt hinter dem DARK ESTER METAL MEETING 2016 setzte.

Unter dem Strich darf/muss man den Organisatoren auch in diesem Jahr zu einem gelungenem Festival gratulieren. Die Auswahl der Bands war, wie in den Jahren zuvor, ausgewogen und mit Bedacht ausgewählt. Ein mächtiger Headliner, viele Bands, die zum ersten Mal oder schon lange nicht mehr in München aufgetreten sind und der ein oder andere Geheim-Tipp. Besser geht es kaum. Angenehm fiel diesmal (im Vergleich zu 2015) auf, dass das Festival etwas "entschleunigt" wurde. Weniger Überschneidungen, keine Einlassstopps und keine langen Schlangen an Bar und Imbissständen. So mausert sich das DARK EASTER METAL MEETING langsam aber sicher zum besten Black-/Death Indoor-Festival in Deutschland. Man darf jetzt schon gespannt sein, welche Bands uns die Macher vom DEMM im nächsten Jahr präsentieren werden. Wir sehen uns!

Auf dem DEMM Festival waren für euch Jürgen (JK) und Sandrina (SM) unterwegs.

Dienstag, 1. Oktober 2013

THE VISION BLEAK / Witching Hour / Prophecy Productions / 9 Tracks / 44.01 Min

Drei Jahre nachdem uns die Herren Schwadorf und Konstanz mit "Set Sail to Mystery" verzaubert haben, schlagen THE VISION BLEAK ein neues Kapitel aus der Welt der Grusel- und Hexengeschichten auf. Die Tage werden wieder kürzer, der Nebel hält sich länger und spätestens wenn die Uhr Mitternacht schlägt, bricht die "Witching Hour" an. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum versprüht "Witching Hour" mehr schwarzmetalische Funken und ist etwas epischer geraten. Nach einem gewohnt düster gehaltenem Intro, lodert das Feuer unter dem Kessel beim groovigen "A Witch is Born" gleich zu Beginn heftig, bevor die Querflöte zum "The Blocksberg Rite" ruft. Nach dem hypnotisch und stampfenden "Cannibal Witch" folgt mit "The Wood Hag" ein typischer Darkmetaltrack mit schaurig-schöner Atmosphäre. Zum "Hexenmeister" nimmt die Scheibe dann nochmals richtig Fahrt auf, bevor mit "Pesta Approaches" der Höhepunkt des Rituals erreicht wird. Nach den Klängen von "The Call of the Banshee" und "The Valkyrie" endet der Reigen so wie er begann ... mystisch und düster. Fazit: THE VISION BLEAK veröffentlichen mit "Witching Hour" einen weiteren dunklen Edelstein, der mit jeder zusätzlichen Umdrehung mehr funkelt, und somit in keiner Hexenküche oder einer gut sortierten Darkmetal-Sammlung fehlen sollte. (JK)

7 von 10