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Sonntag, 29. April 2018

Konzertbericht PRIMORDIAL + MOONSORROW + DER WEG EINER FREIHEIT - 25.4.2018 München / Backstage



Heathen Crusade Tour - PRIMORDIAL gemeinsam mit MOONSORROW und DER WEG EINER FREIHEIT auf Seelenfang im Backstage

Während gefühlt halb München an diesem Mittwochabend dem fußballerischen Highlight Bayern München gegen Real Madrid entgegenfieberte und deswegen den Arsch von der heimischen Couch nicht hochbekam, gaben ca. 600 Schwarzkittel im Backstage ein "sportliches" Statement gegen das Couchpotatotum ab. Denn nirgendwo sonst als hier konnte man an diesem Abend mit der Kombi frische Luft (An- und Abreise), Bewegung (Power-Headbanging), erstklassige Unterhaltung (s.o.) punkten - schon gar nicht in der Arena, in der Marcelo und Asensio den Bayern die Petersilie verhagelten.

Ohne Petersilie, dafür mit der hochbegabten Würzburger Truppe DER WEG EINER FREIHEIT eröffnet der Heathen Crusade Tourtross die mittwöchliche Kontraveranstaltung.
DER WEG EINER FREIHEIT (© by metal-is-forever-alive)

Die hauen mit "Einkehr" dann auch gleich zu Beginn kraftvoll auf die Pauke. Rasende Drumbeats und flirrende Gitarren machen gleich zu beginn deutlich, dass der neue bayerische Ministerpräsident Söder (El Marco) mit seiner "In jeden Raum gehört ein christliches Kreuz"-Kampagne hier auf taube Ohren stoßen würde. Wer daran zweifeln sollte, bekommt als nächstes mit "Skepsis Part I" die passende (musikalische) Antwort darauf geliefert. Weiter im Text bzw. auf der Setlist geht es mit "Zeichen", mit dem DER WEG EINER FREIHEIT selbiges setzen, weil kraftvoll, wenn auch nicht mit perfektem Sound, dargeboten. Mit "Requiem" kehren Nikita Kamprad & Co anschließend nochmals zum 2015er Album "Stellar" zurück, bevor mit "Aufbruch" auch schon der letzte Song der 45-minütigen Vorstellung ertönt.

Während der nun folgenden Umbaupause bekommen die Fussballfans zu Hause einen ersten spanischen Nadelstich (Gegentor) verpasst, der dazu führen könnte, dass der diesjährige Tripletraum vorzeitig ausgeträumt sein wird. Im Backstage lebt der Tripletraum jedoch weiter, steht nun doch Teil 2 des heidnischen Dreierleis an: MOONSORROW

Wer die Finnen schon einmal live erleben durfte, der weiß welch' epische Urgewalt die Sorvali Cousins und ihre heidnische Truppe auf die Bühne bringen können. Fellwesten, Trinkhörner, Sackpfeife oder sonstige Kirmesutensilien sucht man hier vergebens - Odin sei Dank! Auch der Flötenschlumpf hat bei MOONSORROW Hausverbot. Ein Umstand, den inzwischen nicht wenige zu schätzen wissen. Dementsprechend lautstark werden die Finnen empfangen, die mit "Pimeä" in ihr Set einsteigen. Es gibt im Metal Business nicht viele Bands, die die Eier haben, mit einem 14 Minuten Track einen Gig zu eröffnen - MOONSORROW jedoch können es sich erlauben, solch einen ausufernden Song zum warm werden anzubieten.
MOONSORROW (© by metal-is-forever-alive)
Aber, was sollen sie auch sonst machen, ist ihre Discographie doch überwiegend mit überlangen Liedern gespickt.
Es dauert nur wenige Momente und bei den meisten der Anwesenden im Publikum wird der Grundstein für den morgigen Nackenmuskelkater gelegt. In den folgenden 65 Minuten wechseln sich wildes Headbanging und andächtiges Lauschen ab. Auf Konversation wird weitesgehend verzichtet. MOONSORROW zählen ohne Frage sowieso zu der Sorte von Bands, die ihre Musik für sich sprechen lassen können: "Ruttolehto sis. Päivättömän päivän kansa", "Suden tunti", "Kivenkantaja", "Mimisbrunn" und "Kuolleiden maa" haben jeden Menge zum erzählen, der musikalischen Art.  Und so werden MOONSORROW nach Ende ihrer Show genauso verabschiedet, wie sie gekommen sind - lautstark.

Während die Fussballfans zuhause, sofern sie Bayern Anhänger sind, ob des zweiten Gegentores, in Schockstarre verfallen sein dürften, kennt die Vorfreude und Euphorie im Backstage keine Grenzen, steht mit PRIMORDIAL doch nun der Headliner in den Startlöchern.

Über PRIMORDIAL muss man wohl nicht viele Worte verlieren, stehen sie doch seit mehr als zwei Jahrzehnten für Qualität, sowohl auf der Bühne, als auch auf Platte.
Ihr letzter Output "Exile Amongst the Ruins" kam erst vor wenigen Tagen auf den Markt, ist aber trotzdem schon in aller Munde. So auch der Opener ("Nail Their Tongues") von besagtem Album, der heute als Opening-Track des heutigen Auftritts ausgesucht wurde und von Anfang an, aus unzähligen Kehlen, leidenschaftlich mitgegröhlt wird.
PRIMORDIAL (© by metal-is-forever-alive)
Wer meint, dass damit schon das Nonplusultra des Stimmungbarometers erreicht worden wäre, der wurde vom Begeisterungsorkan umgeblasen, der während des nächsten Titels ("Gods to the Godless") in den Äther geschickt wurde. Solch ein Empfang muss natürlich belohnt werden, in Form einer dezent angedeuteten höfischen Verbeugung (Kratzfuß) von Alan Averill vor dem Publikum.
Überhaupt dreht A.A. Nemtheanga heute auf, wie selten zuvor. Zu seiner von jeher bewegungsfreudigen Art und Weise, gesellt sich heute zudem auch noch die ein oder andere eher ungewohnte Showeinlage (sitzenderweise am Bühnenrand singen, Kniefall, Mikrofonständer verbiegen usw.). Keine Ahnung von welchem Leprechaun der Whiskey gebraut wurde, den Alan heute getrunken haben mag, Fakt ist, die Wirkung ist auf jeden Fall eindrucksvoll. Auch stimmlich wirkt A.A. Nemtheanga heute gefestigter als sonst. Alles zusammen lässt nur einen Schluß zu: PRIMORDIAL sind auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angekommen.
Das sehen scheinbar auch sämtliche heute hier Anwesenden so. Egal ob PRIMORDIAL neues Material ("To Hell or the Hangman", "Stolen Years", "Upon Our Spiritual Deathbed") oder die ganz großen Bandhymnen ("As Rome Burns", "The Coffin Ships","Heathen Tribes") raushauen, eines ist ihnen gewiss: Begeisterung.
Nach schweißtreibenden 90 Minuten und dem finalen "Empire Falls", brandet an diesem Mittwoch Abend ein letztes Mal (lautstarker) Applaus auf, während sich die Protagonisten von der Bühne zurückziehen.

Während im Backstage an diesem Abend, ob der hochklassigen Bandauswahl keine Mähne ungeschüttelt blieb und die Besucher der Heathen Crusade Tour zufrieden den Heimweg antreten, dürfte weiter nördlich, in der Münchner Fussball-Arena, die Glückshormone nicht ganz so großzügig ausgeschüttet worden sein.
Den in Rot gewandeten Fussballern bleibt aber immerhin noch das Rückspiel, um die Sache umzubiegen, und damit ihre Anhänger auch in jenen freudigen Zustand zu versetzen, der Metal Fans von jeher Eigen ist. (JK) 


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