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Mittwoch, 15. März 2017

Konzertbericht RUSSIAN CIRCLES + CLOAKROOM - 26.2.2017 München / Strom

Zwischen stiller Andacht und wilder Entschlossenheit

Es ist 20:30 vor dem Münchner Strom. Dort hat sich eine Ansammlung von etwa 50 Leuten gebildet, die man vom Aussehen eher auf einem Popkonzert, als bei Post-Rock/Metal vermutet hätte. Aber ein Blick auf die Anzeigetafel, die über dem Eingang hängt verrät: Hier spielen heute tatsächlich RUSSIAN CIRCLES. Schön zu sehen, wie viele unterschiedliche Leute doch härtere Musik hören!
Nach etwas verspätetem Einlass geht es dann pünktlich um 21:00 Uhr los. Den Anfang machen die Alternative-Rocker CLOAKROOM. Dem amerikanischen Trio wurde kaum Platz auf der ohnehin schon winzigen Bühne gelassen, da man zwei Schlagzeuge hintereinander aufgestellt hat. Nach kurzer Zeit merkt man allerdings, dass das kein Problem für die Band darstellt, da sich die Musiker sowieso kaum bewegen. Zu viel Bewegung wäre bei dem äußerst athmosphärischen Rock, den sie spielen aber auch eher als störend empfunden worden. Denn die Lieder von CLOAKROOM leben von den, meist mit Cleansound begleiteten, sehr emotional vorgetragenen Gesangsteilen von Sänger/Gitarrist Doyle Martin, die in einem starken Kontrast zu den oft sehr harten Instrumentalparts stehen.                          
(© by The Discovered Land)
Leider wird die Gitarre und der Gesang gerade in den ruhigeren Teilen sehr oft vom dröhnenden Bass übertönt. Schade, denn Doyle Martin scheint sehr fähig an seinem Instrument zu sein. Manchmal legt er sogar sein Plektrum zur Seite, und spielt nur mit den Fingern, was auf der E-Gitarre ja eher ungewöhnlich ist. Auf Ansagen wird weitgehend verzichtet, um die Stimmung nicht zu zerstören. Da die Musik aber nicht besonders abwechslungsreich ist, macht sich gegen Ende eine leichte Eintönigkeit breit. Aber kurz bevor es wirklich langweilig wird, schaltet die Band scheinbar mitten im Song die Verstärker ab und verlässt die Bühne.
In der folgenden Umbaupause merkt man dann relativ schnell, dass RUSSIAN CIRCLES eine ungewöhnliche Band sind. Der durch das abgebaute CLOAKROOM Schlagzeug freigewordene Platz wird nun von einer beeindruckenden Menge an Effektgeräten eingenommen. Auf der Seite von Bassist Brian Cook sind es sogar so viele, dass er zusätzlich zu den Geräten am Boden, noch einen kleinen Tisch bei sich stehen hat, um alles unter zu bekommen. Nachdem das Aufbauen und der Soundcheck beendet sind, geht es aber nicht wie erwartet weiter, sondern es wird erstmal noch etwa eine viertel Stunde „Umbaumusik“ eingespielt. Als die Band dann schließlich die Bühne betritt, werden sie mit euphorischem Applaus empfangen. Nach einem selbstgespielten Intro geht es mit einem sehr schnellen Song los. Dass die Band meistens unter Post-Rock eingeordnet wird, erscheint erstmal seltsam, da dieser Song eher nach Black Metal klingt! Er enthält sogar Blast-Beats. Doch RUSSIAN CIRCLES haben noch einiges mehr zu bieten. Von athmosphärischen Akusitk-Parts, bis hin zu aggressiven Rythmusstellen, die zum Headbangen einladen, ist alles vertreten. Es ist zudem eine Freude, den drei Musikern beim Spielen zuzuschauen. Während bei Gitarrist Mike Sullivan eher seine technischen Fertigkeiten beeindrucken, ist es bei Brian Cook eher seine Vielfalt.
(© by The Discovered Land)
Er wechselt ständig zwischen Gitarre und Bass, manchmal sogar während der einzelnen Songs! Bei einigen Tracks bedient er sogar, während er Bass spielt, mit den Füßen (!) ein Keyboard-ähnliches Instrument! Später nimmt er sogar noch den kleinen Finger hinzu, den er gerade nicht zum Bassspielen benötigt, und spielt noch auf einem weiteren kleinen Keyboard. Was aber beide Musiker gemeinsam haben ist, dass sie sehr genau auf ihren Sound bedacht sind. Deshalb verändern sie auch nach beinahe jedem Lied die Regler ihrer vielen Effektgeräte. Das kann durchaus mal mehrere Minuten dauern. Diese Zeit wird dann entweder durch das Spiel der jeweils anderen Musiker überbrückt, oder durch Ambient-Musik vom Band. Da die Band keinen Sänger hat, haben RUSSIAN CIRCLES dann auch gleich komplett auf ein Mikrofon verzichtet, also gibt es keine Ansagen. Die sind hier aber auch unnötig, denn die Musik spricht schon für sich selbst. Gegen Ende der Show wird aber trotzdem das Problem deutlich, das viele Instrumental-Bands haben.
(© by The Discovered Land)
Durch die fehlende Interaktion mit dem Publikum und die Tatsache, dass die Songs kaum Eingängigkeit besitzen, kann die Athmosphäre leider nicht über die gesamte Show gehalten werden. So gestalten sich die letzten Minuten etwas mühsam. Kurz vor Schluss können RUSSIAN CIRCLES aber doch nochmals mit einem Song beeindrucken, der fast ausschließlich mit der Tapping-Technik gespielt wird. Als die Band von der Bühne geht, fordert das begeisterte Publikum noch eine Zugabe, und so wird noch ein weiterer Song gespielt, bevor das 75-minütige Konzert endgültig zu Ende geht.

RUSSIAN CIRCLES in München - ein abwechslungsreiches Konzerterlebnis, das auf vielerlei Weise beeindruckend war. Allerdings hätten 60 Minuten gut gereicht, da gegen Ende leider die Luft etwas raus war. (RH)

Raphael (RH) und Thomas (TG) waren für euch im Strom unterwegs

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