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Montag, 29. Januar 2018

Konzertbericht BATUSHKA + SCHAMMASH + TREPANERINGSRITUALEN - 24.1.2018 München/Backstage (Werk))

Welch rasanten Ausfstieg BATUSHKA genommen haben, sieht man allein schon an der Tatsache, dass bei Live-Gigs die Hallen immer größer werden, so auch in München heute Abend.
Ursprünglich waren die Polen für die mittlere der drei Hallen im Backstage vorgesehen, wurden dann aber kurzfristig, wegen starker Nachfrage, in die größte Halle umgebucht.
Die Zeiten, in denen BATUSHKA als Geheim-Tipp in der Szene gehandelt wurden, dürften also spätestens mit Ende dieser Tour vorbei sein. Ob sie diesem Erfolg allerdings verkraften werden (musikalisch gesehen) und wie sie mit der damit einhergehenden gesteigerten Erwartungshaltung der Fans umgehen werden, wird erst die Zukunft zeigen. Mit großem Interesse erwartet wird zudem auch die Antwort auf die Frage, ob sich ein Erfolg wie "Litourgiya" überhaupt wiederholen lässt?
Fragen über Fragen. Bis zur Beantwortung dieser Fragen müssen wir uns aber noch, wie gesagt, in Geduld üben. Erfreuen wir uns solange an der einzigartigen Bühnenshow von BATUSHKA, die aktuell zusammen mit SCHAMMASCH und TREPANERINGSRITUALEN den dritten Teil ihrer European Pilgrimage Tour absolvieren.

TREPANERINGSRITUALEN

Eröffnet wird der Abend durch das Ein-Mann-Projekt TREPANERINGSRITUALEN. Allerdings können viele der Anwesenden mit dem musikalischen Betätigungsfeld von Thomas Martin Ekelund herzlich wenig anfangen. Das mag zum einen daran liegen, dass heute Abend besonders viele Metal-Hippster den Weg ins Backstage gefunden haben, die sich für die harten Klängen nur dann zu interessieren scheinen, wenn eine Metal-Band von irgendeinem (selbstverständlich fürchterlich angesagtem) Streetlife-Magazin, oder gar vom "Feuilleton" der Lokalzeitung gepusht wird, aber hauptsächlich daran, dass die Musik, die Ekelund im Angebot hat, sperrig und schwer zugänglich ist.
                                                                                 
TREPANERINGSRITUALEN (© by metal-is-forever-alive)
Eingängige Melodien, komplexe Songstrukturen, catchy Riffs? Alles Fehlanzeige! Dafür röchelt, grunzt und schreit sich Ekelund zu düsteren, teils monoton wirkenden Elektro Samples die Seele aus dem Leib - wahrlich keine leichte Kost.
Wer sich jedoch auf das Dargebotene einlässt, oder es zumindest versucht, dem tun sich düstere Klanglandschaften auf, die teilweise (zumindest von der Atmosphäre gesehen) mehr Black Metal sind, als vieles andere, was aktuell in diesem Genre veröffentlicht wird.
Nach 30 Minuten ist die gewöhnungsbedürftigste Versuchung, seit es Industrial/Noise/Black Metal gibt vorüber. Am Ende sprechen die einen von Lärmbelästigung, die anderen von kreativer Düsternis. Sucht euch aus, zu welcher Gruppe ihr gehören möchtet.

SCHAMMASCH

Solch unterschiedliche Wahrnehmungen innerhalb der Fanszene, wie zuvor noch bei TREPANERINGSRITUALEN gibt es bei SCHAMMASCH nicht - obwohl die Schweizer ebenfalls meilenweit von Metal-Konfektionsware entfernt sind.
SCHAMMASCH (© by metal-is-forever-alive)
Anders als ihr Tourgenosse Ekelund jedoch, kann man bei den Eidgenossen das Verwurzeltsein im (Black-)Metal nicht nur hören, sonder auch förmlich greifen. Atmosphärischer Black Metal, mit Avantgard Kante und Doom Würze wird hier auf dem musikalischen Altar zur Schau gestellt - das hat nicht nur Hand und Fuss, was SCHAMMASCH hier abliefern, es fetzt auch wie Hölle.
Zudem ist das optische Konzept in sich stimmig. Schummriges Licht, eine fleißig arbeitende Nebelmaschine, vor sich hinkokelnde Räuchermischungen und das spiriuell anmutende Bühnenoutfit der Musiker, das ähnlich wie bei BATUSHKA, aus kunstvoll bedruckten Kutten besteht. Musikalisch schlagen SCHAMMASCH jedoch andere Wege als BATUSHKA ein. Die spirituell sakrale Karte, die BATUSHKA in Perfektion zu spielen wissen, nehmen die Schweizern nur sehr selten auf, und wenn, dann spielen sie sie nur äußerst sparsam aus.
                                                                                       
SCHAMMASCH (© by metal-is-forever-alive)

SCHAMMASCH setzen vielmehr auf eine düstere, ja fast schon beklemmende Atmosphäre, die sowohl von den Songs, als auch der Bühnenshow ausgeht.
Ein Konzept das aufgeht.
So hätte man während des ca 50-minütigen Auftritts heute Abend oftmals eine Stecknadel fallen hören können, so sehr haben sich große Teile des Münchner Publikums von den Schweizern in deren Bann ziehen lassen. Eine mystische Begegnung sozusagen, die sich irgendwo zwischen fasziniertem Zuschauen und wildem Headbangen manifestiert hat und am Ende der Show mit ordentlich Applaus belohnt wird.

BATUSHKA

Nach solch schmackhafter Vorspeise, wartet nun alles auf den Hauptgang. BATUSHKA jedoch lassen sich Zeit - fast eine Dreiviertelstunde dauert der Bühnenumbau. Normalerweise ist während der Umbaupause bei Konzerten, besonders bei längeren wie heute Abend, ein reges Treiben (Barbesuch, Toilettengang, Merchstand) zu beobachten. Nicht so bei BATUSHKA. Wer hier einen guten Platz ergattert hat, bleibt konsequent auf selbigen stehen - volle Blase hin oder her. Nur die Tabakliebhaber zieht es kurzzeitig hinaus vor die Halle, um stickige Hallenluft gegen stickstoffmonoxidhaltigen Rauch einzutauschen.
BATUSHKA (© by metal-is-forever-alive)
Als gegen 22.15 Uhr das Hallenlicht gegen schummriges Kerzenlicht auf der Bühne getauscht wird, strömen nicht nur sämtliche "Frischluftfanatiker" binnen Sekunden zurück in die Halle, es wird auch schlagartig mucksmäuschenstill im Backstage. Gebannt starrt alles Richtung Bühne, lässt die Bühnendeko auf sich wirken und wartet auf den Beginn der schwarzmetallischen Liturgie.
Wobei im Fall von BATUSHKA der Begriff "Black Metal" nur noch musikalisch gesehen Gültigkeit hat. Längst ist die Truppe um Bartlomiej Krysiuk in der Kommerz-Hölle angekommen, was inzwischen nicht nur dutzende (hochpreisige) Shirt-Varianten mit x unterschiedlichen Motiven belegen, sondern auch stetig steigende Entrittspreise, für eine Show, die gerade einmal auf 50 Minuten (in der Extended-Version) kommt.
Bitte nicht falsch verstehen, das Album "Litourgyia" ist eine Göttergabe und die Show von BATUSHKA ist in allen Punkten (Inszenierung, Bühnendeko, Mystik usw) einmalig und bisher unerreicht im Metal - und trotzdem (oder gerade deswegen) bleibt wegen diesem Gebaren ein fader Beigeschmack zurück, der zuweilen doch stark an die Vermarktungsmaschinerie von KISS, METALLICA, RAMMSTEIN & Co erinnert.
BATUSHKA (© by metal-is-forever-alive)

Doch zurück zur Show. Gewohnt souverän im Auftreten, mit einer beängstigen Präzision in der musikalischen Umsetzung des Albums, sowie einer Detailverliebtheit bei Bühnendeko und Gebrauchsutensilien, die Ihresgleichen sucht, zelebrieren BATUSHKA die 50 Minuten ihrer Bühnenshow. Das perfekte Zusammenspiel von Lichtshow und Nebeleffekten, sowie ein klarer, druckvoller Sound runden das Gesamtbild ab. Hier sitzt alles an der richtigen Stelle, hier passt einfach alles zusammen - BATUSHKA sind und bleiben ein Gesamterlebnis.
Ein Gesamterlebnis, das jeder, der den härteren Klängen im Metalkosmos etwas abgewinnen kann, einmal gesehen haben sollte.
Selbst Minuten nach Ende der Show, fühlt man sich immer noch gefangen genommen von der einzigartigen Atmosphäre, die von der Bühne ausgegangen ist. BATUSHKA rules - Kommerz hin oder her. (JK)

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