Das Geheimnis zu gefallen besteht darin, kein solches Geheimnis zu haben. (Sully Prudhomme)
Die Jünger des Stahls (Disciple of Steel) auf der Jagd nach dem heiligen Gral des Heavy Metal. Was sich jetzt vielleicht wie der Titel einer in Vergessenheit geratenen Folge von TKKG oder Die drei ??? anhören mag, ist in nichts anderes als die Kurzbeschreibung von EVIL-LŸNs Debütalbum.
Wie man anhand der Einleitung bereits erahnen kann, bevorzugen EVIL-LŸN traditionelle Klänge, am liebsten solche, die in den 1980er Jahren en vogue waren. Hier seien vor allem MAIDEN genannt, aber auch sonst bedienen sich EVIL-LŸN liebend gern bei der NWoBHM.
Ein weiteres Standbein der Finnen ist der Power Metal, allerdings ohne den ganzen Kitsch und Bombast, der in diesem Genre des Öfteren mal verbraten wird. So weit, so gut.
Was jedoch weniger gut ist, ist die Tatsache, dass EVIl-LŸN (bis auf die ersten beiden Songs) nur angestaubt wirkende Standardware auf ihrem Debütalbum verewigt haben, dass in Kombination mit der alles andere als souverän wirkenden Gesangsleistung von Lasse Heinonen, anno 2018, kaum noch jemanden in Ekstase versetzen dürfte.
Wer jedoch seit 1988 in einem verwunschenen Turm beheimatet war, der zudem von der Außenwelt abgeschnitten war und wer bis heute auch noch nichts von Bands wie z.B. ENFORCER, SKULL FIST oder auch NIGHT DEMON gehört hat, ja für den dürften EVIL-LŸN die Heilsbringer sein, die die Flamme des wahren Heavy Metal hoch halten.
Fazit: Selten hat die Bezeichnung "solide" für ein Album besser gepasst als hier: EVIL-LŸN machen im Grunde genommen nicht viel falsch, aber eben auch nicht besonders viel richtig (im Sinne von gut). Ständig beschleicht einen das Gefühl, dass man Riffs, Refrains und Soli schon mal in ähnlicher Version irgendwo gehört hat.
Ich befürchte deshalb, dass EVIL-LŸN schneller von der Bildfläche verschwunden sein werden, als seinerzeit (1983 - 1985) die TV-Serie Masters of the Universe. Eine der bekannteren Figuren dieser Serie, neben Hauptcharakter He-Man, war damals übrigens die böse Zauberin Evil-Lyn, womit zum Abschluß auch noch der Bandname erklärt worden wäre. (JK)
5 von 10
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Donnerstag, 5. September 2019
TOURNIQUET / "Gazing at Medusa" / Label: Pathogenic Records / 9 Tracks / 45:31 Min
Religion ist die Unfähigkeit des menschlichen Verstandes, Ereignissen ins Gesicht zu sehen, die er nicht versteht. (Karl Marx)
Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gerne für die Religion fechten und so ungerne nach ihren Vorschriften leben? (Georg Christoph Lichtenberg)
Wer sich in letzter Zeit mal gefragt hat, was Tim "Ripper" Owens, der ehemalige Sänger von ICED EARTH und JUDAS PRIEST, heutzutage eigentlich macht, der bekommt mit "Gazing at Medusa" einen aktuellen Arbeitsnachweis geliefert.
Nachdem es um das ehemalige Goldkehlchen des Heavy Metal in den letzten Jahren mehr oder weniger ruhig geworden ist, sieht man mal von CHARRED WALLS OF THE DAMNED ab, hat er bei den, vom christlichen Glauben geprägten, Kaliforniern von TOURNIQUET nun einen neue Anstellung gefunden.
Paradoxerweise haben CHARRED WALLS OF THE DAMNED nach einer Schimpf und Hasstirade eines christlichen Radiosenders diesen Bandnamen gewählt. Dies sei aber nur am Rande erwähnt, erklärt die Rippersche-Wandlung vom Saulus hin zum Paulus aber auch nicht.
Nachdem wir nun einiges an Hintergrundinformation unter das Metalvolk gebracht haben, widmen wir uns jetzt dem musikalischen Inhalt von "Gazing at Medusa".
Und hier ist die Messe relativ schnell gelessen. Nicht nur, dass von den einstigen Thrash/Prog-Elementen, die TOURNIQUET in den frühen 1990er Jahren ausgezeichnet haben, nahezu nichts mehr übrig geblieben ist, auch der Gesang lässt zu wünschen übrig. Zwar macht Tim "Ripper" Owens (stimmlich) nicht wirklich was falsch, dennoch wird man über das gesamte Album das Gefühl nicht los, dass der Posten am Mikro nicht optimal besetzt wurde.
Bezeichnenderweise wurde der beste Song des Albums, das titelgebende "Gazing at Medusa" nicht von Tim "Ripper" Owens eingesungen, sondern von Deen Castronovo.
Da auch der ehemalige MEGADETH Klampfer Chris Poland es kaum vermag, Akzente zu setzen und sich das Songwriting der Truppe auf einem überschaubaren Niveau einpendelt, dürfte es der Longplayer schwer haben, sich jenseits von headbangenden Nonnen und kuttentragenden (lol) Mönchen Gehör zu verschaffen. (JK)
4.5 von 10
https://tourniquet.bandcamp.com/music
https://www.facebook.com/Tourniquet-56372703466/
Ist es nicht sonderbar, dass die Menschen so gerne für die Religion fechten und so ungerne nach ihren Vorschriften leben? (Georg Christoph Lichtenberg)
Wer sich in letzter Zeit mal gefragt hat, was Tim "Ripper" Owens, der ehemalige Sänger von ICED EARTH und JUDAS PRIEST, heutzutage eigentlich macht, der bekommt mit "Gazing at Medusa" einen aktuellen Arbeitsnachweis geliefert.
Nachdem es um das ehemalige Goldkehlchen des Heavy Metal in den letzten Jahren mehr oder weniger ruhig geworden ist, sieht man mal von CHARRED WALLS OF THE DAMNED ab, hat er bei den, vom christlichen Glauben geprägten, Kaliforniern von TOURNIQUET nun einen neue Anstellung gefunden.
Paradoxerweise haben CHARRED WALLS OF THE DAMNED nach einer Schimpf und Hasstirade eines christlichen Radiosenders diesen Bandnamen gewählt. Dies sei aber nur am Rande erwähnt, erklärt die Rippersche-Wandlung vom Saulus hin zum Paulus aber auch nicht.
Nachdem wir nun einiges an Hintergrundinformation unter das Metalvolk gebracht haben, widmen wir uns jetzt dem musikalischen Inhalt von "Gazing at Medusa".
Und hier ist die Messe relativ schnell gelessen. Nicht nur, dass von den einstigen Thrash/Prog-Elementen, die TOURNIQUET in den frühen 1990er Jahren ausgezeichnet haben, nahezu nichts mehr übrig geblieben ist, auch der Gesang lässt zu wünschen übrig. Zwar macht Tim "Ripper" Owens (stimmlich) nicht wirklich was falsch, dennoch wird man über das gesamte Album das Gefühl nicht los, dass der Posten am Mikro nicht optimal besetzt wurde.
Bezeichnenderweise wurde der beste Song des Albums, das titelgebende "Gazing at Medusa" nicht von Tim "Ripper" Owens eingesungen, sondern von Deen Castronovo.
Da auch der ehemalige MEGADETH Klampfer Chris Poland es kaum vermag, Akzente zu setzen und sich das Songwriting der Truppe auf einem überschaubaren Niveau einpendelt, dürfte es der Longplayer schwer haben, sich jenseits von headbangenden Nonnen und kuttentragenden (lol) Mönchen Gehör zu verschaffen. (JK)
4.5 von 10
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THUNDERCROW / "Heavy Metal Space Cowboy" / Label: / Tracks / 42:53 Min
Bei Lichte besehen ist die Welt viel kleiner als man meint: Alles steht zueinander in Beziehung! (Multatuli)
Inzwischen dürfte in der Sparte Heavy Metal alles ausprobiert worden sein, was möglich ist: Power - Speed - Symphonic - Progressiv ... und was es sonst noch gibt.
Warum zur Abwechslung nicht einfach mal wieder zurück zu den Wurzeln?
Das dachten sich wohl auch Ace the Base, Nicky Peach & Mäx (seinen Platz hat inzwischen Sasha eingenommen) und gründeten 2014 THUNDERRCROW.
Mit ihrem Mix aus klassischem Heavy Metal und ein wenig Thrash, sowie einer ordentlichem Portion Rock'n'Roll dürfte das Trio aus Thüringen nicht nur bei mir offene Türen einrennen. Mit treibenden Riffs, die groovesicher von Bass und Drums unterstützt werden, lassen THUNDERCROW vor allem in der ersten Albumhälfte nichts anbrennen.
Egal, ob man sich den Opener "Welcome to the Show", der zum Mitgrölen einlädt, zu Gemüte führt, das zum Thrash tendierende "Alcohol Is My Religion" (ONKEL TOM bzw SODOM hätten es nicht besser hinbekommen) einverleibt, oder den Doublebassklopfer "Feed the War" konsumiert - eines ist gewiss: Der Reflex, den Repeat Button drücken zu wollen.
Die zweite Albumhälfte kann da nicht mehr ganz mithalten, hat aber trotzdem seine starken Momente.
Und mit "A Stom Will Rise" beenden THUNDERCROW das Album dann auch wieder genauso groovy und eingängig wie auf der ersten Albumhälfte.
Nur der Titelsong "Heavy Metal Space Cowboy" will (zumindest bei mir) auch im x-ten Durchlauf nicht zünden.
Fazit: THUNDERCROW hauen mit "Heavy Metal Space Cowboy" die wohl größte Überraschung des Jahres aus dem oldschool-lastigem Heavy Metal Underground raus. Unbedingt antesten! (JK)
8.5 von 10
https://www.facebook.com/thundercrowofficial/
DUST BOLT / "Trapped in Chaos" / Label: Napalm Records / Tracks / 38:32 Min
Das Große kommt nicht allein durch Impuls zustande, sondern ist eine Aneinanderkettung kleiner Dinge, die zu einem Ganzen vereint worden sind. (Vincent van Gogh)
Ein unbeschriebenes Blatt sind DUST BOLT schon lange nicht mehr. Unzählige Touren mit namhaften Bands (u.a. mit EXODUS oder SEPULTURA), sowie drei Longplayer, die allesamt von Fans und Presse gut aufgenommen wurden, belegen dies eindrucksvoll.
Nachdem nun auch noch der Sprung über den großen Teich gelungen ist und zudem eine erste Duftmarke in Asien gesetzt wurde, muss man sich um Zukunft der Nachwuchshoffnung des Teutonen-Thrash endgülig keine Sorgen mehr machen.
Um dies zu unterstreichen veröffentlichen DUST BOLT nun mit "Trapped in Chaos" ihr bisher reifstes und abwechslungsreichstes Album.
Mussten sich die Thrasher in der Vergangenheit den Vorwurf der mangelnden Abwechslung gefallen lassen, konnte dieser Makel auf "Trapped in Chaos" weitesgehend ausgemerzt werden.
Während der rasante Opener "The Fourth Strike" noch nach dem allseits bekannten Songwriting-Schema funktioniert und deswegen auch sehr gut auf "Mass Confusion" gepasst hätte, zeigen DUST BOLT in der Folge, dass die Weiterentwicklung nun auch in Landsberg/Lech Einzug gehalten hat.
So grooved sich "Dead Inside" im Midtempo in die Gehörgänge, "Bloody Rain" nimmt den klassischen Heavy Metal mit ins Boot und mit "Another Day in Hell" haben DUST BOLT zum ersten Mal eine balladeske Nummer im Angebot.
Überhaupt darf man "Trapped in Chaos" eine gewisse Reife bescheinigen, die so nicht zu erwarten war und mit dem die Truppe nun ihren (jugendlichen) Enzwicklungsprozess abgeschlossen zu haben schient. Wenn man so will: DUST BOLT sind erwachsen geworden!
Fazit: Neben einem deutlich abwechslungsreichem Songwritung als noch zuletzt und einem inzwischen stimmlich/gesangstechnisch verbesserten Lenny kann "Trapped in Chaos" vor allem mit einem aufwarten: Mit einer großen Portion Thrash! (JK)
8.5 von 10
http://dustbolt.net/
https://www.facebook.com/dustbolt
Ein unbeschriebenes Blatt sind DUST BOLT schon lange nicht mehr. Unzählige Touren mit namhaften Bands (u.a. mit EXODUS oder SEPULTURA), sowie drei Longplayer, die allesamt von Fans und Presse gut aufgenommen wurden, belegen dies eindrucksvoll.
Nachdem nun auch noch der Sprung über den großen Teich gelungen ist und zudem eine erste Duftmarke in Asien gesetzt wurde, muss man sich um Zukunft der Nachwuchshoffnung des Teutonen-Thrash endgülig keine Sorgen mehr machen.
Um dies zu unterstreichen veröffentlichen DUST BOLT nun mit "Trapped in Chaos" ihr bisher reifstes und abwechslungsreichstes Album.
Mussten sich die Thrasher in der Vergangenheit den Vorwurf der mangelnden Abwechslung gefallen lassen, konnte dieser Makel auf "Trapped in Chaos" weitesgehend ausgemerzt werden.
Während der rasante Opener "The Fourth Strike" noch nach dem allseits bekannten Songwriting-Schema funktioniert und deswegen auch sehr gut auf "Mass Confusion" gepasst hätte, zeigen DUST BOLT in der Folge, dass die Weiterentwicklung nun auch in Landsberg/Lech Einzug gehalten hat.
So grooved sich "Dead Inside" im Midtempo in die Gehörgänge, "Bloody Rain" nimmt den klassischen Heavy Metal mit ins Boot und mit "Another Day in Hell" haben DUST BOLT zum ersten Mal eine balladeske Nummer im Angebot.
Überhaupt darf man "Trapped in Chaos" eine gewisse Reife bescheinigen, die so nicht zu erwarten war und mit dem die Truppe nun ihren (jugendlichen) Enzwicklungsprozess abgeschlossen zu haben schient. Wenn man so will: DUST BOLT sind erwachsen geworden!
Fazit: Neben einem deutlich abwechslungsreichem Songwritung als noch zuletzt und einem inzwischen stimmlich/gesangstechnisch verbesserten Lenny kann "Trapped in Chaos" vor allem mit einem aufwarten: Mit einer großen Portion Thrash! (JK)
8.5 von 10
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RAVEN / "Screaming Murder Death from Above: Live in Aalborg" / Label: Steamhammer - SPV / 11 Tracks / 54:22 Min
An den Trullus du zürnst, dass du jüngsthin hast müssen Raben essen? Zu glücklich, dass du sie, und nicht sie dich gefressen! (Andreas Gryphius)
Die Zeiten eines Andreas Gryphius, in denen man Angst haben musste, von Raben gefressen zu werden, sind längst vorbei - die Zeiten, in denen man NWoBHM Legenden wie RAVEN noch live erleben kann, zum Glück noch nicht.
Und trotzdem ergeht es RAVEN, wie nicht wenigen Initiatoren der NWoBHM (TANK, DEMON, ANGEL WITCH usw.) - großer Name, relativ wenig Zuspruch.
So finden zumeist, die ohnehin spärlich gesäten Headliner Live-Auftritte in kleineren Clubs bzw. Hallen statt. Deshalb macht es durchaus Sinn ein weiteres Live-Album (das dritte ihrer 45-jährigen Karriere) zu veröffentlichen.
So haben nicht nur die paar Dutzend Besucher bei Konzerten, sondern alle Heavy Metal Maniacs die Chance, mitzuerleben wieviel Spielfreude und Energie immer noch in RAVEN steckt.
Geboten wird auf "Live in Aalborg" neben einem rohen und kraftvollen Sound, eine repräsentative Songauswahl, die nahezu alle wichtigen Songs des kultigen Trios um die Gallagher Brüder beinhaltet.
Wenn man den Gerüchten glauben schenken darf, wussten RAVEN während des Auftritts nicht, dass eine Tonkonserve angefertigt wurde. Was wiederum die absolute Unbefangheit und Lockerheit der Truppe erklären würde, mit der RAVEN zu Werke gegangen sind - kleinere "Fehler" inklusive.
Alles zusammen macht aus "Screaming Murder Death from Above: Live in Aalborg" eine durchaus lohnende Anschaffung für all jene, die auch heute noch die Fahnen der NWoBHM hochhalten und damit, gewollt oder ungewollt gesorgt haben, dass Bands wie RAVEN überhaupt noch auf Tour gehen.
7.5 von 10
http://www.ravenlunatics.com/
Die Zeiten eines Andreas Gryphius, in denen man Angst haben musste, von Raben gefressen zu werden, sind längst vorbei - die Zeiten, in denen man NWoBHM Legenden wie RAVEN noch live erleben kann, zum Glück noch nicht.
Und trotzdem ergeht es RAVEN, wie nicht wenigen Initiatoren der NWoBHM (TANK, DEMON, ANGEL WITCH usw.) - großer Name, relativ wenig Zuspruch.
So finden zumeist, die ohnehin spärlich gesäten Headliner Live-Auftritte in kleineren Clubs bzw. Hallen statt. Deshalb macht es durchaus Sinn ein weiteres Live-Album (das dritte ihrer 45-jährigen Karriere) zu veröffentlichen.
So haben nicht nur die paar Dutzend Besucher bei Konzerten, sondern alle Heavy Metal Maniacs die Chance, mitzuerleben wieviel Spielfreude und Energie immer noch in RAVEN steckt.
Geboten wird auf "Live in Aalborg" neben einem rohen und kraftvollen Sound, eine repräsentative Songauswahl, die nahezu alle wichtigen Songs des kultigen Trios um die Gallagher Brüder beinhaltet.
Wenn man den Gerüchten glauben schenken darf, wussten RAVEN während des Auftritts nicht, dass eine Tonkonserve angefertigt wurde. Was wiederum die absolute Unbefangheit und Lockerheit der Truppe erklären würde, mit der RAVEN zu Werke gegangen sind - kleinere "Fehler" inklusive.
Alles zusammen macht aus "Screaming Murder Death from Above: Live in Aalborg" eine durchaus lohnende Anschaffung für all jene, die auch heute noch die Fahnen der NWoBHM hochhalten und damit, gewollt oder ungewollt gesorgt haben, dass Bands wie RAVEN überhaupt noch auf Tour gehen.
7.5 von 10
http://www.ravenlunatics.com/
Mittwoch, 24. Juli 2019
Týr / "Hel" / Label: Metal Blade Records / 13 Tracks / 69:53 Min
Jeder Mensch trägt stets einen Keim in sich, der seine Originalität ausmacht, jedes Individuum hat seine Geschichte. (August Strindberg)
Sechs lange Jahre haben sich TYR Zeit gelassen, um den "Valkyrja"-Nachfolger auf den Weg zu bringen. Sechs Jahre, in denen nicht nur der ein oder andere Wal auf den Färöer Inseln ausgeweidet wurde, sondern auch der Platz hintern den Kesseln bei TYR neu besetzt wurde: Tadeusz Rieckmann gibt neuerdings für Kári Streymoy den Takt bei den Nordmännern vor. Das war es aber auch schon an Neuigkeiten bzw mit den Änderungen aus dem Hause TYR.
Ansonsten wuchern TYR mit ihren allseitsbekannten (und beliebten) Pfunden. Dabei fehlen darf natürlich nicht die feine progressive Note, mit der die Färinger seit längerer Zeit schon ihre Alben aus der breiten Masse der nordisch-angehauchten Heavy Metal Veröffentlichungen hervorheben. Ebenso vertraut und liebgewonnen, die Leidenschaft für Midtempo und Melodie, welche TYR auch auf Album Nr. 8 mit schlafwandlerischer Sicherheit beherschen.
Auch beim Thema Sound und Produktion haben TYR sich nicht lumpen lassen, was wiederum den thematischen Abstieg in die nordische Unterwelt ("Hel") insgesamt sehr opulent wirken lässt.
Ebenfalls gut zu Gesicht steht "Hel", dass die Insulaner härtetechnisch eine (minimale) Spur zugelegt haben. Beste Beispiele hierfür sind der Opener "Gates of Hel" und "Empire of the North". Man kann sich dabei schon jetzt die Schwitzflecken auf den Shirts der Konzertgänger auf der nächsten Tour bildlich vorstellen.
"Ragnars Kvæði" und "Alvur Kongur" sind nicht nur zwei (der vielen) Highlights der Platte, sondern führen zudem auch noch die Tradition fort, der Metalgemeinde die färingische Sprache näher zu bringen.
Für das ruhige Momentum auf dem Album sorgt "Sunset Shore". Komplett ohne Kitsch, dafür mit schön progressiver Note und zum Ende hin an Tempo gewinnend. TYR können auch in diesem Metier punkten.
Man könnte so beliebig fortfahren, finden sich doch bei jedem Track Merkmale, die in der Schnittmenge von Eingängikeit und Melodiösität beheimatet sind.
So sei abschließen nur noch "Far from the Worries of the World" besonders erwähnt, da dieser Track (meiner Meinung nach) nicht nur beste des gesamten Albums ist, sondern den Abwechslungsreichtum und die technische Reife der (halb-)erneuerten Truppe am besten verkörpert.
Fazit: TYR schlagen mit "Hel", im Vergleich zu den direkten Vorgängeralben eine etwas härtere Gangart an. Besonders in der ersten Albumhälfte lässen es TYR (für ihre Verhältisse) das ein oder andere Mal krachen, ohne dabei aber ihre Trademarks (Melodie und Eingänigkeit) aus den Augen zu verlieren.
Die zweite Hälfte fällt im Vergleich dagegen zwar etwas ab, hat aber immer noch genug zu bieten, um sagen zu können, dass TYR nach der langen Pause absolut nichts verlernt haben. (JK)
8 von 10
http://tyr.fo/
https://tyrband.bandcamp.com/
Sechs lange Jahre haben sich TYR Zeit gelassen, um den "Valkyrja"-Nachfolger auf den Weg zu bringen. Sechs Jahre, in denen nicht nur der ein oder andere Wal auf den Färöer Inseln ausgeweidet wurde, sondern auch der Platz hintern den Kesseln bei TYR neu besetzt wurde: Tadeusz Rieckmann gibt neuerdings für Kári Streymoy den Takt bei den Nordmännern vor. Das war es aber auch schon an Neuigkeiten bzw mit den Änderungen aus dem Hause TYR.
Ansonsten wuchern TYR mit ihren allseitsbekannten (und beliebten) Pfunden. Dabei fehlen darf natürlich nicht die feine progressive Note, mit der die Färinger seit längerer Zeit schon ihre Alben aus der breiten Masse der nordisch-angehauchten Heavy Metal Veröffentlichungen hervorheben. Ebenso vertraut und liebgewonnen, die Leidenschaft für Midtempo und Melodie, welche TYR auch auf Album Nr. 8 mit schlafwandlerischer Sicherheit beherschen.
Auch beim Thema Sound und Produktion haben TYR sich nicht lumpen lassen, was wiederum den thematischen Abstieg in die nordische Unterwelt ("Hel") insgesamt sehr opulent wirken lässt.
Ebenfalls gut zu Gesicht steht "Hel", dass die Insulaner härtetechnisch eine (minimale) Spur zugelegt haben. Beste Beispiele hierfür sind der Opener "Gates of Hel" und "Empire of the North". Man kann sich dabei schon jetzt die Schwitzflecken auf den Shirts der Konzertgänger auf der nächsten Tour bildlich vorstellen.
"Ragnars Kvæði" und "Alvur Kongur" sind nicht nur zwei (der vielen) Highlights der Platte, sondern führen zudem auch noch die Tradition fort, der Metalgemeinde die färingische Sprache näher zu bringen.
Für das ruhige Momentum auf dem Album sorgt "Sunset Shore". Komplett ohne Kitsch, dafür mit schön progressiver Note und zum Ende hin an Tempo gewinnend. TYR können auch in diesem Metier punkten.
Man könnte so beliebig fortfahren, finden sich doch bei jedem Track Merkmale, die in der Schnittmenge von Eingängikeit und Melodiösität beheimatet sind.
So sei abschließen nur noch "Far from the Worries of the World" besonders erwähnt, da dieser Track (meiner Meinung nach) nicht nur beste des gesamten Albums ist, sondern den Abwechslungsreichtum und die technische Reife der (halb-)erneuerten Truppe am besten verkörpert.
Fazit: TYR schlagen mit "Hel", im Vergleich zu den direkten Vorgängeralben eine etwas härtere Gangart an. Besonders in der ersten Albumhälfte lässen es TYR (für ihre Verhältisse) das ein oder andere Mal krachen, ohne dabei aber ihre Trademarks (Melodie und Eingänigkeit) aus den Augen zu verlieren.
Die zweite Hälfte fällt im Vergleich dagegen zwar etwas ab, hat aber immer noch genug zu bieten, um sagen zu können, dass TYR nach der langen Pause absolut nichts verlernt haben. (JK)
8 von 10
http://tyr.fo/
https://tyrband.bandcamp.com/
ASP - Konzertbericht - 3.5.2019 - München - Muffathalle
Schöne Menschen, "Hejo Hejo Hejo"-Rufe und die Mini Playback-Show on Stage
oder
20 Jahre ASP - Die Pentagrammophon-Tour 2019
Kinder wie die Zeit vergeht. Man mag es kaum glauben, aber es ist doch tatsächlich schon zwei Dekaden her, als uns der schwarze Schmetterling zum ersten Mal in Verzückung versetzte. Auf die Frage "Hast du mich vermisst?", die uns Alexander "Asp" Spreng damals in Form des Album-Titels stellte, konnte es folglich nur eine Antwort geben: "Ja, wir haben dich vermisst!". Und zwar so sehr, dass ASP (verdientermaßen) auch 20 Jahre später immer noch als DAS verbindende Brückenglied der in schwarzen Klamotten gewandeten Szenen (Gothik, Metal, Rock) gefeiert werden. Da ist es fast schon logisch, dass das heutige Konzert in der Muffathalle zu München ausverkauft ist.
THE LITTLE BIG MAN
Über die Vorband des heutigen Abends gab es verschiedenste Informationen im Vorfeld des Konzerts zu lesen/hören. Durchgesetzt hatten sich letztendlich zwei Varianten. Erstens: Bei THE LITTLE BIG MAN handelt es sich um eine von ASP inspirierte Band. Zweitens: Der Opening-Act ist eine ASP Coverband. Drittens: Beides falsch!
THE LITTLE BIG MAN ist, wenn man so will, nämlich der kleine EBM Bruder von ASP bzw. ein Trio, welches aus den beiden Gitarristen Lee (Nachname unbekannt) und Lutz Demmler, sowie dem Sänger (surprise, surprise) Alexander Spreng besteht. Definitiv eine gelungene Überraschung!
Weniger gelungen, wenn nicht gar eine mittelschwere Enttäuschung, ist die Art und Weise, wie die knappe halbe Stunde dieser speziellen "Vorband" gestaltet wurde - nämlich zu großen Teilen aus der Konserve: Drumcomputer meets Synthesizer-Tape-Recorder. Und wäre nicht der livehaftige Gitarrensound und die phantastische Stimme von Asp allgegenwärtig gewesen, hätte nur noch Marijke Amado gefehlt, um die Nummer komplett in die Tonne kloppen zu können.
ASP
Als wäre dies eben nicht genug der Gimmicks gewesen, folgt nun auch noch eine halbstündige Umbaupause. Warum auch immer? Haben THE LITTLE BIG MAN ihre "Show" doch auf geschätzt 4 m² abgezogen und bis auf ihren beiden Gitarren nichts "Fremdes" auf die Bühne mitgebracht, was nun großartig entfernt werden müsste. Anyway.
Als gegen 21 Uhr das Hallenlicht erlischt, brandet lauter Jubel auf, bekommen die ca 1200 Zuschauer nun doch endlich das geliefert, weswegen man (oder Frau) eigentlich gekommen ist: 20 Jahre ASP.
In den folgenden zweieinhalb Stunden brennen ASP ein retroprespektivisches Hitfeuerwerk ab, welches nahezu keine Wünsche offen lässt und dabei alle Schaffensphasen der Frankfurter Truppe abdeckt: "Schwarzer Schmetterling", "Denn ich bin der Meister", "Astoria verfallen, "Rücken an Rücken", "Ich bin ein wahrer Satan", "Schwarzes Blut" etc. pp. Wessen Blut bei diesem hochklassigem Griff in die musikalische Schatzkiste von ASP nicht in Wallung kommt, ist entweder aus Holz, oder ganz einfach auf der falschen Veranstaltung.
Besondere Erwähnung verdienen sich zudem "Abertausend Fragen" (moderiert, gesungen und gelebt von einem Asp, der alleine hier das Eintrittsgeld wert war), "Osternacht" (mit männlicher Kantorka aus dem Publikum und Handpuppe), sowie "Küss mich" (zum ersten Mal seit dreizehn (!) Jahren wieder im Repertoire).
Nicht ganz so passen wollen hingegen die unzähligen und karnevalssitzunganmutenden "Hejo-Hejo-Hejo" Rufe und die arg an den Musikantenstadl erinnernden einfältigen Mitklatsch-Orgien seitens des Publikums.
Da aber heute Abend laut Alexander Spreng nur schöne Menschen anwesend sind und sich die meisten davon nicht an diesem seltsamen Gebaren zu stören scheinen, schnell weiter im Text.
Das mit einem Augenzwinkern angekündigte und leidenschaftlich vorgetragene "Ich will brennen" läutet das nahende Ende der musikalischen Reise durch 20 Jahre ASP ein, bevor mit "Fortsetzung folgt..." der finale Punkt hinter den heutigen Abend gesetzt wird.
Bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass "Fortsetzung folgt..." als Versprechen in die Zukunft zu werten ist und ASP uns 20 weitere Jahre an ihrem Können, ihrer Poesie und ihrer Leidenschaft teilhaben lassen. (JK)
oder
20 Jahre ASP - Die Pentagrammophon-Tour 2019
Kinder wie die Zeit vergeht. Man mag es kaum glauben, aber es ist doch tatsächlich schon zwei Dekaden her, als uns der schwarze Schmetterling zum ersten Mal in Verzückung versetzte. Auf die Frage "Hast du mich vermisst?", die uns Alexander "Asp" Spreng damals in Form des Album-Titels stellte, konnte es folglich nur eine Antwort geben: "Ja, wir haben dich vermisst!". Und zwar so sehr, dass ASP (verdientermaßen) auch 20 Jahre später immer noch als DAS verbindende Brückenglied der in schwarzen Klamotten gewandeten Szenen (Gothik, Metal, Rock) gefeiert werden. Da ist es fast schon logisch, dass das heutige Konzert in der Muffathalle zu München ausverkauft ist.
THE LITTLE BIG MAN
Über die Vorband des heutigen Abends gab es verschiedenste Informationen im Vorfeld des Konzerts zu lesen/hören. Durchgesetzt hatten sich letztendlich zwei Varianten. Erstens: Bei THE LITTLE BIG MAN handelt es sich um eine von ASP inspirierte Band. Zweitens: Der Opening-Act ist eine ASP Coverband. Drittens: Beides falsch!
THE LITTLE BIG MAN ist, wenn man so will, nämlich der kleine EBM Bruder von ASP bzw. ein Trio, welches aus den beiden Gitarristen Lee (Nachname unbekannt) und Lutz Demmler, sowie dem Sänger (surprise, surprise) Alexander Spreng besteht. Definitiv eine gelungene Überraschung!
Weniger gelungen, wenn nicht gar eine mittelschwere Enttäuschung, ist die Art und Weise, wie die knappe halbe Stunde dieser speziellen "Vorband" gestaltet wurde - nämlich zu großen Teilen aus der Konserve: Drumcomputer meets Synthesizer-Tape-Recorder. Und wäre nicht der livehaftige Gitarrensound und die phantastische Stimme von Asp allgegenwärtig gewesen, hätte nur noch Marijke Amado gefehlt, um die Nummer komplett in die Tonne kloppen zu können.
ASP
Als wäre dies eben nicht genug der Gimmicks gewesen, folgt nun auch noch eine halbstündige Umbaupause. Warum auch immer? Haben THE LITTLE BIG MAN ihre "Show" doch auf geschätzt 4 m² abgezogen und bis auf ihren beiden Gitarren nichts "Fremdes" auf die Bühne mitgebracht, was nun großartig entfernt werden müsste. Anyway.
Als gegen 21 Uhr das Hallenlicht erlischt, brandet lauter Jubel auf, bekommen die ca 1200 Zuschauer nun doch endlich das geliefert, weswegen man (oder Frau) eigentlich gekommen ist: 20 Jahre ASP.
In den folgenden zweieinhalb Stunden brennen ASP ein retroprespektivisches Hitfeuerwerk ab, welches nahezu keine Wünsche offen lässt und dabei alle Schaffensphasen der Frankfurter Truppe abdeckt: "Schwarzer Schmetterling", "Denn ich bin der Meister", "Astoria verfallen, "Rücken an Rücken", "Ich bin ein wahrer Satan", "Schwarzes Blut" etc. pp. Wessen Blut bei diesem hochklassigem Griff in die musikalische Schatzkiste von ASP nicht in Wallung kommt, ist entweder aus Holz, oder ganz einfach auf der falschen Veranstaltung.
Besondere Erwähnung verdienen sich zudem "Abertausend Fragen" (moderiert, gesungen und gelebt von einem Asp, der alleine hier das Eintrittsgeld wert war), "Osternacht" (mit männlicher Kantorka aus dem Publikum und Handpuppe), sowie "Küss mich" (zum ersten Mal seit dreizehn (!) Jahren wieder im Repertoire).
Nicht ganz so passen wollen hingegen die unzähligen und karnevalssitzunganmutenden "Hejo-Hejo-Hejo" Rufe und die arg an den Musikantenstadl erinnernden einfältigen Mitklatsch-Orgien seitens des Publikums.
Da aber heute Abend laut Alexander Spreng nur schöne Menschen anwesend sind und sich die meisten davon nicht an diesem seltsamen Gebaren zu stören scheinen, schnell weiter im Text.
Das mit einem Augenzwinkern angekündigte und leidenschaftlich vorgetragene "Ich will brennen" läutet das nahende Ende der musikalischen Reise durch 20 Jahre ASP ein, bevor mit "Fortsetzung folgt..." der finale Punkt hinter den heutigen Abend gesetzt wird.
Bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass "Fortsetzung folgt..." als Versprechen in die Zukunft zu werten ist und ASP uns 20 weitere Jahre an ihrem Können, ihrer Poesie und ihrer Leidenschaft teilhaben lassen. (JK)
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