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Mittwoch, 24. Juli 2019

Týr / "Hel" / Label: Metal Blade Records / 13 Tracks / 69:53 Min

Jeder Mensch trägt stets einen Keim in sich, der seine Originalität ausmacht, jedes Individuum hat seine Geschichte. (August Strindberg)


Sechs lange Jahre haben sich TYR Zeit gelassen, um den "Valkyrja"-Nachfolger auf den Weg zu bringen. Sechs Jahre, in denen nicht nur der ein oder andere Wal auf den Färöer Inseln ausgeweidet wurde, sondern auch der Platz hintern den Kesseln bei TYR neu besetzt wurde: Tadeusz Rieckmann gibt neuerdings für Kári Streymoy den Takt bei den Nordmännern vor. Das war es aber auch schon an Neuigkeiten bzw mit den Änderungen aus dem Hause TYR.
Ansonsten wuchern TYR mit ihren allseitsbekannten (und beliebten) Pfunden. Dabei fehlen darf natürlich nicht die feine progressive Note, mit der die Färinger seit längerer Zeit schon ihre Alben aus der breiten Masse der nordisch-angehauchten Heavy Metal Veröffentlichungen hervorheben. Ebenso vertraut und liebgewonnen, die Leidenschaft für Midtempo und Melodie, welche TYR auch auf Album Nr. 8 mit schlafwandlerischer Sicherheit beherschen.
Auch beim Thema Sound und Produktion haben TYR sich nicht lumpen lassen, was wiederum den thematischen Abstieg in die nordische Unterwelt ("Hel") insgesamt sehr opulent wirken lässt.
Ebenfalls gut zu Gesicht steht "Hel", dass die Insulaner härtetechnisch eine (minimale) Spur zugelegt haben. Beste Beispiele hierfür sind der Opener "Gates of Hel" und "Empire of the North". Man kann sich dabei schon jetzt die Schwitzflecken auf den Shirts der Konzertgänger auf der nächsten Tour bildlich vorstellen.
"Ragnars Kvæði" und "Alvur Kongur" sind nicht nur zwei (der vielen) Highlights der Platte, sondern führen zudem auch noch die Tradition fort, der Metalgemeinde die färingische Sprache näher zu bringen.
Für das ruhige Momentum auf dem Album sorgt "Sunset Shore". Komplett ohne Kitsch, dafür mit schön progressiver Note und zum Ende hin an Tempo gewinnend. TYR können auch in diesem Metier punkten.
Man könnte so beliebig fortfahren, finden sich doch bei jedem Track Merkmale, die in der Schnittmenge von Eingängikeit und Melodiösität beheimatet sind.
So sei abschließen nur noch "Far from the Worries of the World"  besonders erwähnt, da dieser Track (meiner Meinung nach) nicht nur beste des gesamten Albums ist, sondern den Abwechslungsreichtum und die technische Reife der (halb-)erneuerten Truppe am besten verkörpert.


Fazit: TYR schlagen mit "Hel", im Vergleich zu den direkten Vorgängeralben eine etwas härtere Gangart an. Besonders in der ersten Albumhälfte lässen es TYR (für ihre Verhältisse) das ein oder andere Mal krachen, ohne dabei aber ihre Trademarks (Melodie und Eingänigkeit) aus den Augen zu verlieren.
Die zweite Hälfte fällt im Vergleich dagegen zwar etwas ab, hat aber immer noch genug zu bieten, um sagen zu können, dass TYR nach der langen Pause absolut nichts verlernt haben. (JK)

8 von 10

http://tyr.fo/
https://tyrband.bandcamp.com/


ASP - Konzertbericht - 3.5.2019 - München - Muffathalle

Schöne Menschen, "Hejo Hejo Hejo"-Rufe und die Mini Playback-Show on Stage
oder
20 Jahre ASP - Die Pentagrammophon-Tour 2019

Kinder wie die Zeit vergeht. Man mag es kaum glauben, aber es ist doch tatsächlich schon zwei Dekaden her, als uns der schwarze Schmetterling zum ersten Mal in Verzückung versetzte. Auf die Frage "Hast du mich vermisst?", die uns Alexander "Asp" Spreng damals in Form des Album-Titels stellte, konnte es folglich nur eine Antwort geben: "Ja, wir haben dich vermisst!". Und zwar so sehr, dass ASP (verdientermaßen) auch 20 Jahre später immer noch als DAS verbindende Brückenglied der in schwarzen Klamotten gewandeten Szenen (Gothik, Metal, Rock) gefeiert werden. Da ist es fast schon logisch, dass das heutige Konzert in der Muffathalle zu München ausverkauft ist.


THE LITTLE BIG MAN

Über die Vorband des heutigen Abends gab es verschiedenste Informationen im Vorfeld des Konzerts zu lesen/hören. Durchgesetzt hatten sich letztendlich zwei Varianten. Erstens: Bei THE LITTLE BIG MAN handelt es sich um eine von ASP inspirierte Band. Zweitens: Der Opening-Act ist eine ASP Coverband. Drittens: Beides falsch!
THE LITTLE BIG MAN ist, wenn man so will, nämlich der kleine EBM Bruder von ASP bzw. ein Trio, welches aus den beiden Gitarristen Lee (Nachname unbekannt) und Lutz Demmler, sowie dem Sänger (surprise, surprise) Alexander Spreng besteht. Definitiv eine gelungene Überraschung!
Weniger gelungen, wenn nicht gar eine mittelschwere Enttäuschung, ist die Art und Weise, wie die knappe halbe Stunde dieser speziellen "Vorband" gestaltet wurde - nämlich zu großen Teilen aus der Konserve: Drumcomputer meets Synthesizer-Tape-Recorder. Und wäre nicht der livehaftige Gitarrensound und die phantastische Stimme von Asp allgegenwärtig gewesen, hätte nur noch Marijke Amado gefehlt, um die Nummer komplett in die Tonne kloppen zu können.


ASP

Als wäre dies eben nicht genug der Gimmicks gewesen, folgt nun auch noch eine halbstündige Umbaupause. Warum auch immer? Haben THE LITTLE BIG MAN ihre "Show" doch auf geschätzt 4 m² abgezogen und bis auf ihren beiden Gitarren nichts "Fremdes" auf die Bühne mitgebracht, was nun großartig entfernt werden müsste. Anyway.
Als gegen 21 Uhr das Hallenlicht erlischt, brandet lauter Jubel auf, bekommen die ca 1200 Zuschauer nun doch endlich das geliefert, weswegen man (oder Frau) eigentlich gekommen ist: 20 Jahre ASP.
In den folgenden zweieinhalb Stunden brennen ASP ein retroprespektivisches Hitfeuerwerk ab, welches nahezu keine Wünsche offen lässt und dabei alle Schaffensphasen der Frankfurter Truppe abdeckt: "Schwarzer Schmetterling", "Denn ich bin der Meister", "Astoria verfallen, "Rücken an Rücken", "Ich bin ein wahrer Satan", "Schwarzes Blut" etc. pp. Wessen Blut bei diesem hochklassigem Griff in die musikalische Schatzkiste von ASP nicht in Wallung kommt, ist entweder aus Holz, oder ganz einfach auf der falschen Veranstaltung.
Besondere Erwähnung verdienen sich zudem "Abertausend Fragen" (moderiert, gesungen und gelebt von einem Asp, der alleine hier das Eintrittsgeld wert war), "Osternacht" (mit männlicher Kantorka aus dem Publikum und Handpuppe), sowie "Küss mich" (zum ersten Mal seit dreizehn (!) Jahren wieder im Repertoire).
Nicht ganz so passen wollen hingegen die unzähligen und karnevalssitzunganmutenden "Hejo-Hejo-Hejo" Rufe und die arg an den Musikantenstadl erinnernden einfältigen Mitklatsch-Orgien seitens des Publikums.
Da aber heute Abend laut Alexander Spreng nur schöne Menschen anwesend sind und sich die meisten davon nicht an diesem seltsamen Gebaren zu stören scheinen, schnell weiter im Text.
Das mit einem Augenzwinkern angekündigte und leidenschaftlich vorgetragene "Ich will brennen" läutet das nahende Ende der musikalischen Reise durch 20 Jahre ASP  ein, bevor mit "Fortsetzung folgt..." der finale Punkt hinter den heutigen Abend gesetzt wird.

Bleibt abschließend nur noch zu hoffen, dass "Fortsetzung folgt..." als Versprechen in die Zukunft zu werten ist und ASP uns 20 weitere Jahre an ihrem Können, ihrer Poesie und ihrer Leidenschaft teilhaben lassen. (JK)

ENISUM / "Moth's Illusion" / Label: Avantgarde Music / 12 Tracks / 61:58 Min

Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt. (Charles Baudelaire)

Aus dem schönen Piemont flattert dieser Tage ENSIUMs sechste Veröffentlichung "Moth's Illusion" über die Alpen zu uns herüber. Als ENISUM 2006 als Ein-Mann-Instrumental-Projekt gegründet wurd, war noch nicht abzusehen, dass 13 Jahre später ein Quartett Longplayer Nr. 6 einspielen würde. Auch das ENISUM einmal Vocals zulassen würden, war zu Beginn alles andere als vorhersehbar. Ganz überraschend kommt die Entwicklung für alle, die ENISUM schon etwas länger auf dem Schirm hatten, dann aber doch nicht. Konnten doch die drei Alben vor "Moth's Illusion" bereits mit (gutturalem) Gesang und teilweise mit weiblichen Vocals aufwarten. Komplett neu hinzu gekommen ist anno 2019 allerdings männlicher Klargesang.
Eine Hinzunahme, mit der sich ENISUM allerdings verhoben haben. Nicht nur, dass Marcello Apolinari aka Lys bei den höheren Tönen versucht, die Tonleiter neu zu interpretieren (schiefe Töne en masse), auch die aberwitzige Idee, eine Ballade ("Petrichor") mit aufs Album zu nehmen, erweist sich als Rohrkrepierer.
Glücklicherweise haben ENISUM keine weiteren Überraschungen dieser Art auf "Moth's Album" versteckt, so dass das restliche Material ohne Schreckmomente reinläuft. Allerdings muss hier angemerkt werden, dass dies keinesfalls mit "alles im grünen Bereich" gleichzusetzen wäre.
Denn, bis auf wenige Ausnahmen ("Afframont", "Moth's Illusion", "A Forest's Refuge" und mit Abstrichen auch noch "Burned Valley") finden nämlich alle anderen Kompositionen ebenso ihren schnellen Tod.
Ähnlich wie man es in lauen Sommernächten an Strassenlaternen beobachten kann, ist "Moth's Illusion", wenn man so will, der Motte bzw. ENISUMs Verderben.
Flattert(n) sie doch so lange um die Strassenlaterne/Kompositionen herum, bis ihr/ihnen am Ende der Atem knapp wird und sie sich total verausgabt, ihrem Schicksal ergib(t)en, ohne ihr eigentliches Anliegen zu Ende gebracht zu haben

Fazit:"Moth's Illusion" ist eine zwiespältige Angelegenheit. Gespickt mit ein paar guten Songs, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass das Album allgemein darunter leidet, dass ENSIUM zwar eine Vielzahl guter Ideen hatten, diese aber oftmals nicht zu Ende gedacht, oder suboptimal umgesetzt wurden.


5 von 10


http://www.enisum.eu/
https://www.facebook.com/enisum 

Konzertbericht VICIOUS RUMORS + AIR RAID + MAGISTARIUM - 16.4.2019 München/Backstage

Vicious Rumors lassen den Digital Dictator hochleben - 30th Anniversary Tour


Nicht ist so beständig, wie die Tatsache, dass VICIOUS RUMORS nie zweimal in der selben Besetzung auf Tour gehen. So auch heuer.
War auf der letzten ausgedehnten Europa Tournee noch Nick Holleman mit dabei, darf sich nun Nick Courtney am Mikro versuchen. Nicht zu vergessen, das zweite Gastspiel von Brian Allan, der zwischen Nick 1 und Nick 2 kurz mal als Platzhalter fungieren durfte.
Bei diesem Wechselreigen blickt eigentlich schon lange niemand mehr durch und nicht wenige würden am liebsten eine Zeitmaschine besteigen, die einen in die Jahre zwischen 1986 und 1995 zurückbefördert.  Da wurde Kontinuität nämlich so buchstabiert: C a r l  A l b e r t.
Aus jener Zeit stammt auch jenes Album, welches aktuell auf der 30-Anniversary-Release-Tour komplett zu Live-Ehren kommt: "Digital Dictator"
Heißen wir also die Soldiers of the Night willkommen!


MAGISTARIUM

Bevor jedoch Geoff Thorpe & Co an die Instrumente dürfen, heizen MAGISTARIUM den Massen ein. Wobei "einheizen" und "Massen" nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Zwar füllt sich der kleine Club im Münchner Backstage peu a peu, von Ansturm kann zu früher Stunde aber noch nicht gesprochen werden. Und so mühen sich die fünf Hannoveraner Herren auf der Bühne redlich in den ersten Minuten ihres Gigs, um zumindest ein wenig Stimmung in die Hütte zu bekommen. Was nur bedingt funktioniert. Der Symphonic Power-Metal mit Prog-Würze, den MAGISTARIUM kredenzen, ist (zumindest heute Abend) nicht dafür gemacht, um ein Publikum in Verzückung zu versetzten, dass sich nach einer Oldschool-Dröhnung sehnt. Da hilft es dann auch wenig, dass Sänger Oleg Rudych eine klassische Gesangsausbildung genossen hat. Nur zur Pumpkin Zugabe "I Want Out" (zu großen Teilen auf russisch vorgetragen!) kommt durchgängig Bewegung ins Publikum, so dass zumindest der Abschluß zum einheizen der Massen (inzwischen ist der Club auch ordentlich gefüllt) taugt.


AIR RAID

Obwohl die Schweden mit ihrer flinken Heavy Metal Interpretation ebenfalls nicht im selben Gefilde, wie der Headliner auf Beutezug geht, ist bei AIR RAID von der ersten Minuten an Alarm angesagt. Wie ausgewechselt wirkt nun das Publikum, dass zu Songs wie "Aiming for the Sky", "Demon's Eye", dem YNGWIE MALMSTEEN Cover "Rising Force" oder "Hold the Flame" abgeht, wie der alterhrwürdige Duracell-Hase. Wo eben bei MAGISTARIUM weitesgehend noch Stehblues angesagt war, geht das Publikum nun ab, als ob bei jedem Zuschauer ein Batteriewechsel vorgenommen wurde. AIR RAID wissen anscheinend selbst nicht wie ihnen geschieht, was der ein oder andere ungläubige Blick ins Publikum verrät. Anyway. Selten war eine knappe Dreiviertelstunde (gefühlt) so schnell rum, wie heute Abend. Top Soundverhältnisse und eine Band, die vor Agilität nur so strotz, tragen ihr übriges dazu bei, dass dieser Auftritt bei den meisten der Anwesenden den Moment überdauern wird.


VICIOUS RUMORS

Nun wird es feierlich: 30 Jahre Digital Dictator. Welch bockstarkes Album VICIOUS RUMORS damals rausgehauen haben, war wohl den wenigsten seinerzeit bewußt. Dem damaligen Zeitgeist entspechend und gleichzeitig seiner Zeit voraus. Können nicht viele Alben von sich behaupten. Und so läuft das Album auch heutzutage immer noch locker flockig rein.
Dementsprechend erwartungsfroh schauen alle Richtung Bühne als Geoff Thorpe, Larry Howe und der (wie es anmutet) beliebig oft austauschbare Rest der Truppe zu den Klängen des Intros "Replikant" einmarschiert. Inzwischen dürfte die Liste der ehemaligen Mitglieder von VICIOUS RUMORS mehr Namen beinhalten, als das Telefonbuch manch einer Kleinstadt. Neueste Einträge: Cody Green (Bass) und Nick Courtney (Gesang). Gitarrist Gunnar DÜGrey, der schon ein paar Monate länger dabei ist, komplettiert das "Jugend forscht" Team bei VICIOUS RUMORS.
Irgendwie schon schräg, dass momentan 3/5 von VICIOUS RUMORS noch nicht geboren waren bzw. noch einen Schnuller zum einschlafen gebraucht haben, als "Digital Dictator" veröffentlicht wurde. Und so kommt es, wie es (leider) kommen muss: Die (heutigen) Show kommt hüftsteif rüber. Die Jungen trauen sich nicht und an Geoff nagt der Zahn der Zeit. Kaum Stageacting, nahezu kein Headbanging und noch viel weniger Ausstrahlung geht von der Bühne aus. Einzig und allein Larry Howe hält die (wilde) Flamme des Heavy Metal bei VICIOUS RUMORS noch am Leben.
Den Songs kann diese Darbietung (zum Glück) nichts anhaben. "Minute to Kill", "Lady Took a Chance", "R.L.H." und wie sie alle heißen, funktionieren auch heute noch. Auch in dieser Konstellation, da es zumindest an der technischen Umsetzung und der stimmlichen Präsentation nichts zu bemängeln gibt.
Nichts zu bemängeln gibt es auch an der Setlist. Ganze 9 Tracks legen VICIOUS RUMORS noch zum komplett durchgezockten "Digital Dictator"-Album obendrauf - Respekt!
Und so findet der Abend trotz des ein oder anderen Kritikpunkts doch noch einen halbwegs versöhnlichen Abschluß! (JK)


Dienstag, 21. Mai 2019

UNENDLICH / "Thanatophobia" / Label: Horror Pain Gore Death Productions / 11 Tracks / 50:09 Min

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, / Er mäht das Korn, wenn's Gott gebot; / Schon wetzt er die Sense, / Dass schneidend sie glänze, / Bald wird er dich schneiden, / Du musst es nur leiden; / Musst in den Erntekranz hinein, / Hüte dich schönes Blümelein! (Clemens Brentano)

Baltimore/Maryland ist ein geschichtsträchtiges Fleckchen Erde an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika. Unter anderem ist es der Geburtsort der amerikanischen Nationalhymne, die Stadt, in der die erste Eisenbahnlinie der USA ihren Ursprung hat und mit Edgar Allan Poe einer der größten Poeten und Geschichtenerzähler des 19. Jahrhunderts seine letzte Ruhe gefunden hat.
Ebenfalls aus Baltimore/Maryland kommt Michael Connors, seines Zeichens Gründer und einziges Mitglied von UNENDLICH.
Unendlich scheint auch die Quelle der Inspiration von Michael Connors zu sprudeln, ist "Thanatophobia" doch bereits die vierte Veröffentlichung (3 Longplayer, eine EP) seit der Bandgründung im Jahre 2014. Kein schlechter Schnitt, wenn man bedenkt, dass der Mann alles komplett in Eigenregie macht.
Doch wie so oft, muss auch hier angemerkt werden, dass Quantität nicht immer mit Qualität einhergeht. So auch bei "Thanatophobia".
Holzen sich UNENDLICH beim Opening-Track "Oblivion of Time" noch nach allen Regeln der (neuzeitlichen) Black Metal Kunst durch die rasante Nummer, geht das USBM Ein-Mann-Projekt danach in schöner Regelmäßigkeit dem Fluch der Moderne auf dem Leim.
Ein Fauxpas, der einem leider die Petersilie massiv verhagelt. Da helfen auch die atmosphärischen Gitarren und der überwiegend harsche Gesang nicht, um darüber hinwegsehen zu können, dass Breaks und Klargesang, wenn auch sparsam eingesetzt, das Album in Schieflage versetzen.
So hangelt sich "Thanatophobia" mit fortschreitender Spieldauer von einer belanglosen Nummer zur nächsten. Kurz bevor man gewillt ist, das Album ins 08/15 Nirvana zu schicken, erbarmen sich UNENDLICH und enden mit "My Own Misery" doch noch versöhnlich, und das trotz Klargesang-Part.

Fazit: Musikalisch (Gesang, Instrumente) durchaus gekonnt, kompositorisch aber viel zu unauffällig eingespielt. (JK)

5.5 von 10


https://www.facebook.com/Unendlich.us
https://unendlich1.bandcamp.com/


DARK EASTER METAL MEETING 2019 - 20./21.April 2019 München/Backstage

Winterschlaf ade - das Backstage zu München lockt zum achten Mal mit einem prall gefüllten (metallischem) Osternest: DARK EASTER METAL MEETING 2019


"Das Grab war leer", so steht es zumindest im Markus Evangelium, welches zu Ostern gerne zitiert wird. Doch wohin ist der Sohn der Zimmermanns verschwunden? Darüber streiten sich seit langem die Gelehrten. Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand. Zumindest wenn sich diese Geschichte heutzutage abspielen würde und die Kreuzigung in München ihren Ursprung gehabt hätte: Er wäre zum Dark Easter Metal Meeting gegangen!
Wo sonst, als im Backstage trifft man zu Ostern auf eine treue und eingeschworene Gemeinde, die nichts anderes im Sinn hat, als dem einzig wahren Gott, dem der metallischen Klänge, zu huldigen und ihn lobzupreisen?
Und so ist das Dark Easter Metal Meeting auch in diesem Jahr für die "Gläubigen" die einzig wahre Pflichtveranstaltung zu Ostern.
Umsomehr, wenn Hohepriester vom Kaliber TRIPTYKON, TSJUDER, TAAKE & Co der österlichen Liturgie der anderen Art, in den heiligen Hallen des Backstage dem Meeting vorstehen. Hallelujah!


TAG 1 - Samstag


DEAD ALONE

Wie es sich für ein Bayerisches Musikfestival gehört, wird auch das Dark Easter Metal Meeting (DEMM) zu München, mit heimatlichen Klängen eröffnet: Mit Death Metal aus Miesbach: DEAD ALONE.
Wobei man den vier Bajuwaren offentsichtlich keinen Gefallen tun würde, ihre Mucke als profanen Death Metal abzutun. Dazu ist das Dargebotene zu facettenreich. Melo Death Metal mit Doom Würze und einer Prise atmosphärischem Black Metal trifft den Nagel wesentlich besser auf den Kopf. Eine Mischung, die eigentlich wie gemacht ist, um ein Festival wie das DEMM zu eröffnen. Doch leider stehen sowohl der grenzwertige Sound, als auch die hüftsteife Darbietung der Truppe, dem ganzen hinderlich im Weg. Die meisten der Anwesenden im gesteckt vollen Club sehen dies wohl ähnlich und verbringen die halbe Stunde, die sich DEAD ALONE auf der Bühne mühen, relativ regungslos auf ihrem Platz. Deshalb schnell weiter zum nächsten Act.


GEHENNA

Im großen Werk kann man sich bereits zu früher Stunde (15.45 Uhr) von den Schminkkünsten norwegischer Black Metal Größen überzeugen. Die Truppe um Sanrabb hat selbstverständlich aber noch mehr drauf, als ihr nordisches Anlitz, mit Unmengen von farblich aufeinander abgestimmten (schwarz/weiß ist immer noch en vogue) Gesichtspflegecremes aufzuhübschen - nämlich harsche Riffs mit doomig anmutenden Tempowechseln zu verbinden.
GEHENNA (© by sabine thiele foto)
Doch irgendwie will der Funke heute nicht gänzlich überspringen. Ob es am frühen Slot lag, am, für Norweger eher ungewohnt mediteran-heißen Tag, oder doch, am ebenfalls nicht optimalen Sound, bleibt im Dunkeln. Fakt ist: GEHENNA wirken die ganzen 45 Minuten ihrer Show total angepisst. Passt doch, Black Metal eben, werdet ihr jetzt sagen. Attitude und lustlos am Mikro rumstehen sind zwei verschiedene Paar Stiefel, erwidere ich dann. Immerhin konnten GEHENNA mit ihrer Setlist überzeugen, auch wenn die Präsentation der Songs ein klein wenig mehr Dynamik der Protagonisten nicht geschadet hätte. So bleibt am Ende ein solider Auftritt der Norweger in Erinnerung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.


SEAR BLISS

Der nächste Programmpunkt genießt innerhalb der Szene immer noch Exotenstatus, was nicht zuletzt dem Einsatz einer Posaune geschuldet ist. Dabei ist es gerade der, für Black Metal Ohren, ungewohnte Klang eines Blechblasinstruments, der SAER BLISS aus dem oftmals relativ ähnlich strukturiertem Extrem Metal Sektor hervorhebt. Trotzdem, oder gerade deswegen präsentiert sich die mittlere Halle im Backstage sehr gut besucht, als SEAR BLISS um kurz nach 18 Uhr in ihr Set mit "Two Worlds Collide" einsteigen. In den folgenden 50 Minuten arbeiten sich SEAR BLISS durch ihre Setlist, die insgesamt 8 Tracks bereit hält. Relativ schnell kristallisiert sich allerdings heraus, dass die Ungarn anscheinend eine Kleinigkeit auf der heutigen Setlist "vergessen" haben: Songs der ersten drei Alben. Schade, aber verschmerzlich, da SEAR BLISS das Liedgut der neueren Alben leidenschaftlich rüberbringen und der letzte Song des Auftritts "1100 Years Ago" doch noch Oldschool-Feeling versprüht. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings dann doch noch: der Soundmann ist ausgerechnet der Posaune nicht besonders wohl gesonnen, zieht sie doch gegen die Übermacht der Saitenintrumente öfters den Kürzeren. Dennoch: Thumbs Up - guter Auftritt!


GOATH / ESSENZ / MORD 'A' STIGMATA

Die beste Musik gibt es im Club, so die allgemeine Tendenz. Hier passt wirklich alles. Geniale Newcomer-Bands und Szene Geheim-Tipps, (zumeist) guter Sound und eine Videoinstallation über der Bühne, die passend zur jeweiligen Band, den perfekten (visuellen) Rahmen bildet. Leider (für den Verfasser dieser Zeilen) sehen dies, nach relativ kurzer Zeit, etliche Festivalbesucher ebenso, so dass ein guter Platz während der Gigs nur äußerst selten zu ergattern ist. Und auch die Tatsache, dass meine Wenigkeit alleine auf dem Festival unterwegs ist und unmöglich alles abdecken kann, macht erfinderisch. So werden an dieser Stelle drei Konzerte kurz zusammengefasst.
GOATH ziehen sich im klassischen Black Metal Outfit (Corpsepaint, Nieten, Leder) mit ihren tiefschwarz gefärbten Death Metal, passabel aus der Affäre. Nicht die leichteste Aufgabe. Immerhin müssen sie gegen URN und ADVENT SORROW anspielen, die in den größeren Hallen den Besuchern einheizen.
Mein Kurzbesuch bei ESSENZ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen: verdammt wenig Stimmung beim Auftritt der Berliner. Und dass, obwohl hier eine der geilsten Riffmaschinen des deutschen Undergrounds auf der Bühne steht. Zum anderen: Sänger/Bassist G.ST. ist lädiert. Wie ein Häufchen Elend sitzt er auf einem Hocker und müht sich (vergeblich) ab, in dieser Position eine gute Figur zu machen.
MORD'A'STIGMATA  hingegen geben in jedem relevanten Punkt (Songmaterial, Bühnenpräsenz, Atmosphäre) eine gute Figur ab. Mit ihrem Post Black Metal ziehen sie nicht nur eine stattliche Anzahl von Zuhörern an, sondern sorgen auch dafür, dass selbige total fokusiert das Geschehen auf der Bühne verfolgen. Reife Leistung der Polen.


TSJUDER

Das erste ganz große Highlight des ersten Festivaltages folgt auf den Fuss: TSJUDER. Es gibt wohl kaum eine Black Metal Band auf diesem unheiligen Planeten, die die hohe Kunst der (konstanten) Blastbeat-Attacke so beherrscht, wie die Truppe um Nag. Weil dies jedoch nicht jedermanns Sache ist, fliegen die Norweger, obwohl bereits seit 1993 aktiv, bei einigen immer noch unter dem Radar. Nicht aber heute Abend. Brechend voll ist die Halle, als Drummer AntiChristian leicht verspätet auf die Bühne hetzt und ohne lange Anlaufzeit die "Knüppel-aus-dem-Sack-Darbietung" mit "The Deamon Throne" eröffnet. Wie es sich für wilde, norwegische Pandas gehört, verziehen TSJUDER während der 50-minütigen Show (kaum) eine Miene. Stattdessen überbieten sich die Herren gegenseitig, im grimmig dreinschauen und fies rüberkommen. Einfach nur herrlich, diesem Oldschool-Spektakel beiwohnen zu dürfen. Der Höhepunkt des Auftritts war jedoch das BATHORY Cover "Sacrifice", welches für kollektives Gänsehaut-Feeling sorgte. 


TIAMAT

Zum Abschluß des ersten Festivaltages strömen die Massen ins große Werk, der größten der drei Hallen im Backstage, um die wohl am meisten polarisierende Band des gesamten Festivals zu begutachten. Für die einen sind TIAMAT eine der abwechslungsreichsten Bands der nördlichen Hemisphäre, die Dank ihrer frühen 1990er Jahre Alben perfekt zum Festival passen, für die anderen sind die Schweden nichts anderes, als eine weichgespülte Majorlabel Truppe. Die Wahrheit liegt, wie so oft, auch hier in der Mitte.
Tiamat (© by sabine thiele foto)
Wohlwissend um die, in dieser Frage, gespaltenen Fanlager, wurde von der Festivalleitung, vor Verpflichtung von TIAMAT für das DEMM, auf ein (zu großen Teilen) Oldschool-Set bestanden. Da die egozentrischen Flegeljahre eines Johan Edlund bereits einige Jährchen zurückliegen, wird zumindest diese Bookinggrundlage während der nun folgenden 75 Minuten strikt eingehalten ... nahezu. Bis auf "Vote for Love" vom "Judas Christ"-Album (2002) und "Divided" vom Prey"-Album (2003) kredenzen TIAMAT ansonsten nur Songs der beiden Alben "Clouds" (1992) und "Wildhoney" (1994). Passt also.
Was nicht ganz passen mag, ist hingegen der als misslungen zu wertende Versuch von Johan Edlund, der Bühnenshow durch sein Outfit ("Corpsepaint", Pepita Hut, Sonnenbrille) eine besonders grimmig wirkende Note zu verleihen. Hatte in Wahrheit aber eher etwas von "Freddy Krüger auf Kaffeefahrt".
Keine Angriffsfläche hingegen bot die Setlist, die gekonnt den Spagat zwischen Death Metal und Gothic-Metal hinbekam und für (nahezu) jeden Geschmack etwas in petto hatte.
Mit "Gaia" geht der erste Festivaltag ruhig zu Ende und gönnt dem Trommelfell etwas Erholung, bevor es morgen mit der vollen Dröhnung wieder weitergeht.


TAG 2 - Sonntag


WALDGEFLÜSTER

Der zweite Festival Tag beginnt (für uns) genauso wie der erste, mit heimatlichen Klängen. Welchen Stellenwert sich WALDGEFLÜSTER aus München in den letzten Jahren innerhalb der schwarzen Gemeinde erarbeitet hat, sieht man alleine schon an der Tatsache, dass die Halle heute aus allen Nähten platzen zu droht. Da bietet es sich doch an, den Massen den vor wenigen Tagen erschienenen fünften Longplayer ("Mondscheinsonaten") live vorzustellen - zumindest Teile davon. Da WALDGEFLÜSTER aber dafür bekannt sind, sich innerhalb der einzelnen Songs nicht gerade kurz zu fassen, passen gerade einmal 5 Lieder auf die Setlist: 3 vom neuen Album und jeweils eines vom "Ruinen"-Album ("Weltenwanderer") bzw. "Femundsmarka"-Album ("Fichtenhain"). Es ist durchaus verständlich, dass eine Band ihr neues Album vorstellen und promoten will, aber es muss auch die Frage erlaubt sein, ob dies bei einem Festival-Kurzauftritt in dieser Fülle sein muss. However.
Was es aksutisch auf die Ohren und visuell zu bestaunen gab, war aller Ehren wert. Und so gab es nach 50 schweißtreibenden Minuten (eine Luft zum Schneiden) großzügige Beifallsbekundungen seitens des Publikums.


INFESTUS

Zeitgleich zur Hitzeschlacht bei WALDGEFLÜSTER in der Halle fand im kleinen Club ein nahezu intimes Konzert statt. Währnd der Großteil der Festivalbesucher sich offensichtlich bei WALDGEFLÜSTER herumtreibt oder sich vor den Gigs der Headliner mit Speis und Trank versorgt, findet man bei INFESTUS ausreichend Platz, um sich in wohltemperierter Umgebung dem kreativen Black Metal der deutsch-österreichischen Truppe hingeben zu können.
INFESTUS (© by metal-is-forever-alive)
Wer nicht gekommen ist, dürfte sich hinterher in den Allerwertesten gebissen haben, gab es doch den (meiner Meinung nach) besten Auftritt im Club beim diesjährigen DEMM zu bewundern. INFESTUS können nämlich nicht nur auf perfekte Soundverhältnisse zurückgreifen, sondern haben auch den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Nicht wenige dürften bei INFESTUS nur vorbeigeschaut haben, weil nebenan in der Halle zeitweise kein Einlass mehr gewährt wurde und wurden dann vom dynamischen INFESTUS Gig förmlich umgeblasen. Nicht unwesentlich "schuld" daran war die beeindruckende Performance von Sänger Andreas, der einen absoluten Sahnetag erwischt hatte und mit seinen abwechslungsreichen Vocals der Show den perfekten Rahmen gab.


TAAKE

Nach diesem unerwartetem Highlight im Club folgt auf dem Fuße der von vielen sehnlichst erwartete Nachhol-Gig von TAAKE, die im letzten Jahr kurzfristig ihren Auftritt auf dem DEMM absagen mussten. Um die Vorfreude auf den heuteigen Auftritt noch zu steigern, wurde eine Oldschhool-Setlist angekündigt, ausschließlich mit Songs der ersten drei Alben. Doch Hoest wäre nicht Hoest, wenn er nicht für Überraschungen gut wäre - im positiven wie im negativen Sinne.
                                                                                       
TAAKE (© by sabine thiele foto)
Zuerst die positiven Eindrücke zusammengefasst. Selten durfte man einen so ausgelichen wirkenden und zu Kommunikation aufgelegten Hoest auf der Bühne erleben wie heute. Auch stimmlich ist Hoest voll auf der Höhe und seine Truppe liefert ebenfalls ordentlich ab - sehr zur Freude der Fanmassen.
Weniger erfreulich, bis sehr ärgerlich, die negativ belegten Eindrücke der 50-minütigen Show. Sound: durchwachsen. Lightshow: nicht zufriedenstellend (O-Ton Hoest). Setlist: nicht das versprochene/angekündigte Oldschool-Set. Nur drei der insgesamt sieben gespielten Songs haben ihren Ursprung vor dem Jahre 2005, so dass sich manch einer (zurecht) wie im falschen Film vorkam.
So bleibt am Ende ein Auftritt, der weder Fisch noch Fleisch war und die Fan-Gemüter noch einige Zeit beschäftigen dürfte.


UNLEASHED

Da kommt der Auftritt der kultigen Schweden von UNLEASH gerade recht, um sich den Frust über entgangene Oldschool-Freuden bei TAAKE, headbangend zu entledigen.
UNLEASHED (© by metal-is-forever-alive)
Nicht nur, dass die Mannen um Hauptwikinger Johnny Hedlund in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum begehen und dementsprechend bis in die Harrspitzen der langen Matten motiviert sind, machen die folgenden 50 Minuten zu einen Start Ziel Genuß.
Auch der Umstand, dass dort wo UNLEASHED drauf steht, auch Oldschool drin ist, spielt allen Beteiligten (Band und Publikum) in die Karten. Und so entwickelt sich in der Folge ein Death Metal Abriss, der jeden, der ihm beiwohnen darf, in seinen Bann zieht und nach dem unvermeidlichem Schlußpunkt "Into Glory Ride" schweißgebadet zurücklässt.


LIK

Der Übergang von UNLEASHED hin zu LIK geht fließend von statten - spielen doch beide feinsten Oldschool Death Metal, schwedischer Prägung. Eine Stilrichtung, die auf dem diesjährigen DEMM ansonsten unterrepräsentiert ist. Dementsprechend groß ist der Andrang.
LIK (© by metal-is-forever-alive)
Zu groß für den kleinen Club, der bereits wenige Minuten nach Showbeginn seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Rien ne va plus - nichts geht mehr. Dafür aber umso mehr auf der Bühne!
Gnadenlos trümmern sich LIK durch ihr energiegeladenes Set, welches von rohen und rasanten Riffs nur so strotzt, so dass nicht wenige LIK, als die einzig wahren Kronprinzen des schwedischen Todesstahl-Dreigestirns (BLOODBATH, DISMEMBER, UNLEASHED) ausrufen. Schaut man sich während des 40-Minuten-Gigs im Publikum um, kann man dem nur beipflichten. Fliegende Matten allenthalben und greckte Fäuste alle paar Meter - LIK rule!


TRIPTYKON

Nach der heftigen Death Metal Abreibung eben, kommen die Schweizer Hohepriester von TRIPTYKON mit ihrem tiefschwarzen Doom Metal gerade recht, um das Kräfteverhältnis zwischen aufstrebenden Newcomern und Ikonen des Metal wieder zurechtzurücken.
TRIPTYKON (© by metal-is-forever-alive)
Obwohl die Uhr gnadenlos Richtung Mitternacht tickt, füllt sich das Werk nochmals bis zum Anschlag, so dass Tom G. Warrior und sein TRIPTYKON den würdigen Rahmen, seinem Stauts entsprechend, geliefert bekommt. Ehre wem Ehre gebührt. Immerhin sprechen wir von keinem Geringeren, als dem "Erfinder" des Extrem-Metal.
Flankiert zwischen zwei riesigen Kreuzen auf der Bühne, lassen TRIPTYKON eine Setlist vom Stapel, die den Bogen zwischen Vergangenheit (CELTIC FROST) und Gegenwart (TRIPTYKON) ausgewogen spannt, und nicht wenige damit glücklich macht. "Synagoga Satanae" eröffnet die 75-minütige Reise durch den schwarzen Abgrund und lässt gleich zu Beginn erahnen, dass TRIPTYKON gewillt (und in der Lage) sind, das Publikum nochmals so richtig zu elektrisieren.
TRIPTYKON (© by metal-is-forever-alive)
Wenn auch die Glieder inzwischen schwer geworden sind und der Nacken anfängt zu schmerzen, nahezu jeder gibt sich den tonnenschweren Riffs hin. Und so entwickelt sich eine erinnerungswürdige Osterzeremonie, die alles ist, nur nicht stille Andacht. "Circle of Tyrants", "Tree of Suffocating Souls" und "Procreation (of the Wicked)" werden dementsprechend lautstark abgefeiert
Dass diese Art von Musik, zu vorgerückter Stunde, jedoch ihren Tribut fordert, liegt in der Sache der zähfließenden Doom-Natur. Und so leert sich noch vor den Finale grandioso ("Dethroned Emperor", "The Prolonging") das Werk sichtbar. Wer jedoch bis zum Ende aushält, kann in sein imaginieres Festival-Tagebuch notieren: TRIPTYKON: erhaben - mächtig - unvergleichlich.


DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT

Wer jetzt immer noch stehen kann, der gibt sich der kleinen Nachtmusik von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT hin. Wobei "Nachtmusik" nicht wirklich passend ist, wenn Onielar involviert ist. Mit ihren fiesen Vocals könnte sie (höchstwahrscheinlich) Tote aufwecken. Auch der Old-School-Black-Metal, norwegischer Prägung,  den DNS spielen, trägt sein übriges dazu bei, dass Hypnos bzw. Somnus noch keine Chance haben. Um den Reiz der Abschlußveranstaltung (im kleinen Club läuft zeitgleich der Gig von DAWN OD DISEASE) des diesjährigen Dark Easter Metal Meetings noch zu erhöhen, haben Onielar & Co angekündigt, auch Material vom brandneuen Album "Mardom" zu spielen. Gesagt, getan: mit "Mardom - Echo Zmory", "Exaudi Domine", A Beseechment Twofold" und "Imperishable Soulless Gown" finden sich dann auch vier Tracks von besagtem Album.
DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT (© by sabine thiele foto)
Die restliche Setlist setzt sich (logischerweise) aus älteren, aber nicht minder bluttriefenden Tracks der Schlachter-Innung zusammen. Höhe- und Schlußpunkt der Show von DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT und des DEMM zugleich, ist das österliche Giveaway von Onielar, in Form von frischem Tierblut, welches sich spukender Weise über die ersten Reihen "ergießt". Mit dieser Herausforderung für jede Waschmaschine endet das DEMM und der schwarzgekleidete (Zuschauer-)Tross begibt sich Richtung Parkplatz oder zur S-Bahn, wo er zu später Stunde noch für den ein oder anderen ungläubigen Blick bei seinen nichtmetallischen Mitmenschen verantwortlich ist. Herrlich!

Acht Jahre gibt es das DARK EASTER METAL MEETING nun schon. Acht Jahre, in denen sich das Festival, bis weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus, einen vorzüglichen Ruf in der Extrem-Metal-Welt erarbeitet hat. Zum dritten Mal nacheinander war das Festival ausverkauft!
Ein Umstand, der nicht zuletzt der vorzüglichen Bandauswahl geschuldet ist. Lokale Bands. Newcomer. Top-Acts. Das DEMM hat ganz offentsichtlich die passende (Erfolgs-)Formel für den ereignis- und abwechslungsreichen Festivalgenuss gefunden. Weiter so!
Kein Genuss hingegen war das feilgebotene Essen auf dem Gelände. Hier lässt das Preis-Leistungs-Verhältnis noch arg zu Wünschen übrig.
Sieht man aber von diesem Problem ab und lässt auch den teilweise nicht zufriedenstellenden Sound außer Acht, ist Münchens österliche Kontraveranstaltung ansonsten über jeden Zweifel erhaben.
Wo sonst, als beim DEMM, bekommt man zu fairen Ticketpreisen (80 € + Gebühr), ein gut organisiertes 2-Tages-Festival dieser Größe (34 Bands) geboten. Noch dazu in einem der besten Metalclubs des Landes, mit eigenem Biergarten, mehreren Bars und kurzen Laufwegen zwischen den einzelnen Gigs.
So darf man schon jetzt auf die kommende Bandzusammenstellung gespannt sein und sich auf Ostern 2020 in der bayerischen Landeshauptstadt freuen! In diesem Sinne: Urbi et Orbi. (JK)


metal-is-forever-alive bedankt sich bei SABINE THIELE FOTO !


Freitag, 3. Mai 2019

DEVOUROR / "Slay for Satan" / Label: Metal Zone Records / 4 Tracks (EP) / 14:00 Min

Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier. (William Shakespeare)

DEVOUROR aus Singapur hauen aus dem Stand eine Debüt-EP raus, die unter Garantie, für mächtig Wirbel im Extrem-Metal-Sektor sorgen wird.
Nicht nur, dass "Slay for Satan" mit sämtlichen unchristlichem Zutaten der Hölle aufwarten kann, auch das Tempo, mit dem DEVOUROR durch die vier Tracks pflügen, ist nahezu unmenschlich.
Auf der druckvoll produzierten 4-Track-EP verschreibt sich die Truppe mit Haut und Haaren dem Blackened-Death-Metal, scheut aber auch nicht davor zurück, gelegentlich mit dem ein oder anderen Thrash-Metal Zitat zu spielen. So überrascht es dann auch nicht, dass sich DEVOUROR am besten in der Schnittmenge von SARCOFAGO, BLASPHEMY, AMPÜTATOR, MARDUK und SODOM verorten lassen.
So weit, so gut.
Was "Slay for Satan" jedoch so hörenswert/empfehlenswert macht, ist zum einen, die Eingängigkeit der einzelnen Songs (ein wahres Kunststück bei bei diesem Tempo) und zum anderen, die Fingerfertigkeit an den Instrumenten.
Ganz so überraschend kommt dies alles dann aber doch nicht: Hat sich mit Fronter Antichristo Xul, Klampfer Shyaithan und Drummer Dizazter doch ein illustrer Haufen zusammengefunden, der schon seit Jahren Erfahrung in diversen Bands (u.a. IMPIETY, INFERNAL EXECRATOR ) gesammelt hat und sich auch schon außerhalb der eigenen Landesgerenzen seine Sporen verdient hat.

Fazit: Wer zur Abwechslung mal Lust auf eine asiatische Schlachtplatte hat, kann sich ganz ohne Glutamat oder andere Allergene "Slay for Satan" munden lassen. DEVOUROR glückt eine Debüt-Veröffentlichung, die definitiv Appetit auf mehr macht. Unbedingt antesten! (JK)

9 von 10

https://www.facebook.com/Devouror666/
https://devouror.bandcamp.com/releases


Donnerstag, 11. April 2019

IMHA TARIKAT / "Tara Ihalas" / Label: Vendetta Records / 8 Tracks / 41:46 Min

Er fiel ... an einem Tage, der so ruhig und still war an der ganzen Front, dass der Heeresbericht sich nur auf einen Satz beschränkte: "Im Westen sei nichts Neues zu melden!" (Erich Maria Remarque)

Im Westen nichts Neues? Mitnichten!
Nachdem es vor kurzem mit ULTHA aus Köln eine vielversprechende Truppe geschafft hat, den Kopf aus den Niederungen der lokalen Black Metal Szene zu erheben, steht nun mit IMHA TARIKAT aus Mühlheim/Ruhr der nächste Kandidat in den Startlöchern.
Anders als die Kölner Emporkömmlinge, die etwas subtiler und abwechslungsreicher zu Werke gehen, kennen IMHA TARIKAT nahezu nur eine Devise: Attake!
Nicht nur, dass die Blast-Beat-Maschine wie geschmiert läuft, auch die Riffs strotzen nur so vor (schwarzmetallischer) Kraft. Am ehesten lässt sich das ganze im traditionellen Black Metal skandinavischer Prägung veroten, aber auch (akustische) Ausflüge nach Polen (MGLA) und Oregon/USA (UADA) haben ihre Spuren hinterlassen.
Um das schwarzmetallische Multi-Kulti-Konglomerat zu komplettieren sei auch noch erwähnt, dass es sich bei IMHA TARIKAT um ein türkisch-deutsches Duo handelt.
Ebenfalls interessant: Das textliche Konzept bezieht sich auf ein Gebet aus dem Koran. Wo andere Black Metal Bands versuchen, sich im Satanischen-Kontext zu übertreffen, gehen IMHA TARIKAT andere Wege und sorgen sich um das Seelenheil Verstorbener.
Das Debüt-Album von IMHA TARIKAT hat immer dann seine besten Momente, wenn Ruhsuz Cellat & Prowler ein klein wenig aus ihrem Standard-Songwritingprozess ausbrechen. Beste Beispiele hierfür sind "II-II: Katarsis Vaazı (Catharsis Sermon)" und "III-I: Şafaksız Rüya (Dawnless Dream)", die beide durch diverse Tempowechsel und abwechslungsreiche Soli herausstechen.
Überhaupt die Soli auf "Tara Ihalas": Selten hat man auf einem tradiotionell geschmiedetem Stück Black Metal solche Eingängigkeit und Melodiösität (bei aller Härte) an der Gitarre zu hören bekommen, wie hier. Fast ist man versucht zu behaupten, dass der Ursprung dieser Soli im Death Metal zu suchen ist. Aber eben nur fast. Letztendlich fügen sich die Soli sehr gut in die jeweilige Songstruktur ein. Und das ist es, worauf es ankommt.

Fazit:Innovativ oder gar revolutionär ist das, was IMHA TARIKAT abliefern, nicht. Dennoch lässt sich eine gewisse Faszination, die vom Debütalbum der Mühlheimer ausgeht, nicht absprechen. Unterm Strich bleibt ein über weite Phasen recht passabeles Album übrig, das für den Moment aber nicht für den großen Wurf reichen wird, aber als Versprechen für die Zukunft zu werten ist: Von IMHA TARIKAT wird noch zu hören sein! (JK)

7 von 10

https://imhatarikat.bandcamp.com/releases
https://www.facebook.com/imhatarikat/



KING KOBRA / "Sweden Rock Live" / Label: Metalville - Rogh Trade / 13 Tracks / 56:15 Min

Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler. (William Shakespeare)


Dass Livealben ihren Reiz haben können, wissen wir seit "Made in Japan (DEEP PURPLE), "...Exit...Stage Left (RUSH)" und "Live After Death" (IRON MAIDEN)".
Die seit fünf Jahren wieder aktiven KING KOBRA wollen sich da nicht hintenanstellen und hauen mit "Sweden Rock Live" ebenfalls einen Live-Silberling raus - den ersten der Karriere. Auch wenn es "Sweden Rock Live" nicht mit den zuvor genannten Premium-Live-Veröffentlichungen aufnehmen kann, darf man Carmine Appice und seiner Truppe dennoch zu diesem Live-Dokument (aufgenommen am 11. Juni 2016 beim legendären Sweden Rock Festival) gratulieren.
Nicht nur, dass KING KOBRA an besagtem Tag, bis in die toupierten Haarspitzen motiviert wirken, nein, auch die Songauswahl kann sich sehen lassen. Neben den unverzichtbaren Klassikern ("Ready to Strike", "Hunger", "Shadow Rider", "Raise Your Hands to Rock") und dem ein oder anderen Song der Neuzeit ("Tear Down the Walls", The Ballad of Johnny Rod, "Turn Up the Good Times") finden sich auf dem Album zudem eine musikalische Verneigung vor Ronnie James Dio ("Heaven and Hell"), ein Ausflug zum vorherigen Betätigungsfeld (W.A.S.P.) von Basser Johnny Rod in Form von "Wild Child" und ein progressiv interpretiertes Gitarrensolo, das seinen Ursprung im Jahr 1972 hatte - "Highway Star" (DEEP PURPLE).
Selbstverständlich darf auch ein (kurzgehaltenes) Drumsolo nicht fehlen - immerhin sprechen wir hier von Carmine Appice.
So weit, so gut!
Nicht optimal, wenn auch verschmerzbar ist die Tatsache, dass sich einige Songs z.B. "Monsters and Heroes" nicht auf dem Album wiederfinden, obwohl sie am Aufnahmetag gespielt wurden.
Etwas schade ist zudem, dass das Publikum an manchen Stellen etwas arg in den Hintergrund gemischt wurde, was dazu führt, dass die Authentizität etwas abhanden kommt.

Fazit: Hauptzielgruppe für "Sweden Rock Live" dürften jene Semester sein, die mit Carmine Appice bzw. KING KOBRA  groß geworden sind. Aber auch jüngere Anhänger von melodischem Hard Rock dürften sich hier heimisch fühlen. (JK)

7.5 von 10

https://www.facebook.com/KingKobraOfficial/

ACE FREHLEY / "Spaceman" / Label: eOne/SPV / 9 Tracks / 37:08 Min

Es schadet niemals, sich für alle Lebensabschnitte ein Stück Jugend zu bewahren, und es ist immer besser, im Alter jugendfrisch zu sein, als greisenhaft in jungen Jahren. (Wilhelm Heinrich Riehl)

Man mag über Paul Daniel Frehley, besser bekannt als ACE FREHLEY denken wie man will, aber es gibt nicht mehr viele von seinem Schlag: Ein (Rock-)Relikt, dass nahezu die gesamte Entwicklung der härteren Rockmusik, von Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts bis heute miterlebt und -geprägt hat.
Unvergessen natürlich seine aktive Zeit bei KISS, als er (mit Unterbrechungen) 25 Jahre lang den gitarrenverückten Spaceman auf der Bühne gab.
Aber auch sein Privatleben war stets immer eine Schlagzeile wert: Sex, Drugs & Rock'n'Roll - ACE FREHLEY hat alles davon exzessiv ausgelebt.
Inzwischen geht er einige Dinge entschieden zurückhaltender an, nur beim Thema Rock'n'Roll gibt er immer noch Vollgas.
Auf seinem nunmehr fünften Soloalbum (Live-Alben, Coveralben oder Compilationen nicht mit eingerechnet) bietet ACE FREHLEY seinen Fans genau das an, was sie von ihm hören wollen: Schmissigen Hard Rock mit der ein oder amderen Gitarrenfeinheit.
Das inoffizielle Motto des Albums könnte aber "Back to Roots" lauten. Denn, nie zuvor hat sich ACE FREHLEY musikalsich so nah an sein erstes Solo-Album von 1978 herangewagt, wie diesesmal. Logische Konsequenz: "Spacemann" hört sich fast durchgängig nach der 1973 in New York gegründeten Truppe mit dem Faible für Schminke und Plateausteifel an. Glaubt ihr nicht? Dann hört euch "Rockin' with the Boys", "Pursuit of Rock'n'Roll" oder "Bronx Boy" an.
Immer noch nicht überzeugt? Bei "Without You I'm Nothing" und "Your Wish is My Command" zupft ein gewisser Cahim Witz aka Gene Simmons die Saiten am Bass und auf dem kompletten Album ist Anton Fig am Schlagzeug zuhören.
Anton Fig? Der Mann hat u.a. die beiden Alben "Dynasty" und "Unmasked" für KISS im Studio eingespielt
Es kommt aber noch besser. Bei "Your Wish is My Command" tritt Gene Simmons sogar als Co-Autor in Erscheinung!
Einziger Unterschied zum ehemaligen Betätigungsfeld, ist der Umstand, dass nicht Paul am Mikro steht, sonder Ace selbst singt.

Fazit: Mit "Spaceman" lässt ACE FREHLEY eine musikalische Retroperspektive vom Stapel, die so nicht zu erwarten war. Auch wenn sich nicht alle Songs auf dem selben Niveau bewegen, ist es dennoch aller Ehren wert, was der Rockveteran mit 67 Jahren noch auf der Pfanne hat. (JK)

7 von 10

http://www.acefrehley.com/