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Donnerstag, 31. Mai 2018

Konzertbericht ENSIFERUM + EX DEO + WIND ROSE - 4.5.2018 Backstage/München



ENSIFERUM'S Path to Glory mit Stopp im Münchner Backstage: Drei Bands (WIND ROSE & EX DEO & ENSIFERUM) + drei Themen (Mittelerde, Rom, Pagansism = dreifacher Gewinn für alle Beteiligten


Den Abend eröffnen dürfen heute die fünf Italiener von WIND ROSE. Allerdings erwecken sie eher den Eindruck, direkt aus Mittelerde zu kommen, genauer gesagt, vom Berg Erebor, als aus dem Stiefelland. Laut Bandpage hat sich die Band komplett den Zwergenthema aus Tolkiens "Der Hobbit" verschrieben. Musikalisch setzen WIND ROSE das Ganze mit epischen Folk Metal um, und können damit relativ schnell das Münchner Publikum auf ihre Seite ziehen.
WIND ROSE (© by metal-is-forever-alive)
Da ist es dann auch egal, ob eine symphonische Schlachtenhymne ("Rebel and Free"), oder ein fröhliches Trinklied ("Drunken Dwarves") angeboten wird, hier für jeden etwas dabei. Eine insgesamt energiegeladene Performance trägt ihr übriges dazu bei, dass die Zwerge zwischen jedem Song mit tosendem Applaus belohnt werden. Den haben sie sich aber auch mehr als verdient, alleine schon deswegen, weil sie der brütenden Hitze in der Halle in ihren schweren fellbepackten Rüstungen trotzen und von Anfang bis Ende Gas geben. Gegen Ende der Show werden dann auch noch die Fans der etwas härteren Gangart bedient, gibt es bei "To Erebor" doch nun auch noch ein paar Growls zu hören. Als die Band ihren kurzweiligen 40 Minuten Auftritt mit "The Breed of Durin" beendet, haben sie ihren Job als Anheizer aller Ehren wert erfüllt. (RH)


Nachdem die wildgewordene Dwarf Horde aus Pisa ihren Gig beendet hat, setzt sofort emsiges Treiben auf der Bühne ein, gibt es nun doch viel zu erledigen. Binnen Minuten soll/muss nun das Kunststück vollbracht werden, die Bühne von "Mittelerde" in "Ancient Rome" zu verwandeln. Überraschenderweise kann relativ schnell Vollzug gemeldet werden, sodass die Legionäre von EX DEO bereits um kurz nach 19.30 Uhr einmarschieren können.
EX DEO (© by metal-is-forever-alive)
Als Startfanfare für die 50-minütige (musikalische) Schlacht haben sich EX DEO heute für "The Rise of Hannibal" vom aktuellen Album entschieden. Nicht nur der Opening-Track, auch das riesige Backdrop, welches das Cover-Artwork vom "The Immortals Wars" Album eindrucksvoll wiedergibt, lässt erahnen, was der Schlachtplan von Maurizio Iacono und seinen Mannen für den heutigen Abend sein wird: Das Publikum mit einer Vielzahl von neuen Songs (insgesamt fünf an der Zahl) warmzuschießen und zwischendurch bzw abschließend mit den großen Hits in helle Begeisterung zu versetzen. Ein Plan der aufgeht, auch deshalb, weil sich ziemlich viele Bandshirtträger der Kanadier unter das Viking- und Pagan-Metal Volk gemischt haben. Wer vor Konzertbeginn evtl leichte Zweifel hatte, ob EX DEO in diesem Tourpackage wirklich gut aufgehoben sind, der wurde ruck zuck eines Besseren belehrt. Überwiegend war die Stimmung sogar genauso frenetisch und lautstark wie beim finnischen Headliner. Letztendlich konnten EX DEO heute Abend für "I, Caligvla", "Ad Victoriam (The Battle of Zama)", "Romulus" und "The Final War" den meisten Applaus einheimsen. Zu letztgenanntem Song gab es auch noch eine prächtige Wall of Death zu bestauen - Metalfan was willst du mehr. (JK)


Zu den Klängen des Intros "Ajattomasta Unesta" betreten nun ENSIFERUM die Bühne. Dabei steht Gitarrist Markus Toivonen im Mittelpunkt, während sich die anderen Bandmitglieder noch im Hintergrund halten.
ENSIFERUM (© by metal-is-forever-alive)
Nach dem Übergang zum ersten vollwertigen Song "For Those About to Fight for Metal" nehmen nun alle ihre vorgesehenen Plätze ein. Der Track erweist sich dabei als absoluter Livehit, der im Refrain von lauten Publikumschören begleitet wird. Ein toller Einstieg! Genauso geht es mit dem Titeltrack des neuen Albums "Two Paths" weiter. Live funktioniert dieses Stück sogar noch besser, als auf Platte. Das konstant hohe Niveau wird mit "Heathen Horde" und "King of Storms" problemlos gehalten. Im Anschluß daran gönnt sich Growler/Gitarrist Petri Lindroos erstmal eine kleine Pause und, und reicht den Staffelstab an den Sami Hinkka und Markus Toivonen weiter, die dann auch gleich mit "Wanderer" den vorläufigen Höhepunkt der Show setzen. Die Publikumsreaktionen sind dabei so euphorisch, dass die beiden im Refrain zeitweise von den mitsingenden Fans übertönt werden. Wie soll man das noch übertreffen? Aber ENSIFERUM haben das wohl mit einkalkuliert, und direkt danach "Twilight Tavern" in der Setlist platziert. Damit bringen sie die Menge nun endgültig zum kochen. Spätestens bei "Lai Lai Hei" wird deutlich, dass ENSIFERUM heute ausschließlich Hits spielen, und es dabei doch tatsächlich schaffen, sich mit jeden Song erneut zu übertreffen.
ENSIFERUM (© by metal-is-forever-alive)
Die erste kleine "Verschnaufpause" wird in Form des epischen 13-Minüters "The Longest Journey (Heathen Throne, Part II)" serviert. Nachdem die Energiereserven wieder aufgefüllt sind, geht es mit dem harten "Way of the Warrior", nun wieder mit voller Geschwindigkeit, weiter. Leider kündigt Petri Lindroos danach mit "Into Battle" auch schon den letzten Song an. Doch so schnell wollen die Fans ENSIFERUM natürlich noch nicht gehen lassen und holen die Band mit unermüdlichen Zugaberufen wieder zurück auf die Bühne. Petri erlaubt sich dabei noch einen kleinen Spaß, und erscheint, passend zum heutigen Star-Wars-Day (May the 4th), im Chewbacca-Kostüm. Anschließend wird dann noch das unverzichtbare "Iron" gespielt, welches von den üblichen „Da-da-da-da“-Chören aus dem Publikum begleitet wird. Als Rausschmeißer gibt es dann noch eine verkürzte Coverversion von GUNS N ROSES "Sweet Child o‘ Mine". (RH)

Mit dem letzten Akkord vom  GUNS N ROSES Gassenhauer im Ohr endet für sämtliche Beteiligten (Bands und Zuschauer), ein in allen belangen positiver Konzertabend, dem in dieser Konstellation am Ende nur ein paar Zuschauer (weit entfernt von ausverkauft) mehr gefehlt haben, um als eines der großen Live-Erlebnisse des Jahres 2018 in die Annalen einzugehen. (JK)

Die Heathen Horde live vor Ort haben Jürgen (JK) und Raphael (RH) begutachtet.


Konzertbericht SCHWARZER ENGEL + THE FRIGHT - 19.3. 2018 München/Backstage


Schwarz ist die Nacht, schwarz deine Seele, schwarz- braun ist hoffentlich nicht die Gesinnung dahinter - SCHWARZER ENGEL in München.


                                                                        



Um kurz vor 7 Uhr haben sich schon recht viele Menschen vor dem Münchner Backstage versammelt. Das lässt auf ein gut besuchtes Konzert für SCHWARZER ENGEL hoffen. Leider stellt sich relativ schnell raus, dass fast alle dieser Leute auf Einlass für ein Deathcore-Konzert in der Halle nebenan gewartet haben.
Und so muss die Vorband THE FRIGHT mit unspektakulären 20 Zuschauern auskommen. Das scheint die Musiker aber überhaupt nicht zu stören, als sie mit "Wander Alone" in ihren 45-minütigen Set einsteigen. Die eingängige Mischung aus Classic Rock und Gothic Rock kommt bei den Zuschauern gut an. Leider ist der Gesang von Frontmann Lon Fright wenig bis gar nicht zu hören, was natürlich suboptimal ist, auch weil die Band mit Liedern wie "Edward" oder "Drowned in Red" ein paar Songs im Programm hat, die eigentlich mit ihren schönen düsteren Gesangspassagen punkten. THE FRIGHT bieten heute Abend eine ausgewogene Mischung von älteren ("Beloved Night") und neueren Songs ("Oblivion"), wobei das aktuellen Album "Canto V" mit sechs Stücken klar die Nase vorne hat. In der Zwischenzeit sind auch ein paar Zuschauer mehr gekommen, sodass THE FRIGHT ihre letzten beiden Songs "Bonfire Night" und "Suicide Sun" nun vor sensationellen 40 Zuschauern spielen können.
Während der folgenden Umbaupause werden es auch nicht mehr, sodass der Veranstalter und die Bands am Ende wohl mit einem Minus im Portemonnaie nach Hause gehen werden. Trotzdem werden SCHWARZER ENGEL von den Anwesenden gespannt erwartet. Leider werden diese Erwartungen gleich beim ersten Song "Krähen an die Macht" auf eine harte Probe gestellt. Denn das Auftreten von Frontmann Dave Jason wirkt heute, ob bewusst, oder unbewusst, ziemlich faschomäßig. Seine Frisur erinnert ein wenig an den bekloppten Österreicher mit dem Oberlippenbart, und dass Dave Jason dabei wie ein Politiker an einem Rednerpult steht, macht die Sache dabei auch nicht unbedingt besser. Auch weil der zweideutige Songtext missinterpretiert werden kann. Auch bei den folgenden Tracks, die überwiegend vom neuen Album stammen, kann dieser Eindruck leider nicht gänzlich ausgeräumt werden, auch wenn bei Tracks wie "Sinnflut" oder "Gott ist im Regen" wenigstens keine textlichen Brücken gebaut werden.. Zum ersten Mal Licht ins Dunkel kommt mit "Schwarze Sonne", welches von den meisten Fans mitgesungen wird. Inzwischen hat sich Daves Frisur, vermutlich durch den Schweiß, ein wenig gelockert, was dazu führt, dass nun auch optisch etwas durchgeatmet werden darf. Nach "Himmelwärts" und "Unheil"gibt es einen fliegenden Bühnenumbau, auch das Rednerpult wird nun entfernt. Auch tritt Dave Jason ab jetzt wieder wie gewohnt auf. Dadurch, dass jetzt auch viel mehr Platz auf der kleinen Bühne ist, können nun auch die anderen Bandmitglieder etwas in den Vordergrund treten. Musikalisch geht es nun Schlag auf Schlag. Ein Hit "Hymne für den Tod", "Geister und Dämonen", "Der schwarze Engel (Herr der Krähen)" folgt auf den anderen "Traum einer Nacht". Mittlerweile kommuniziert Dave nun auch "normal" mit dem Publikum, und man sieht ihm den Spaß dabei an. Erstaunlich, wie sich seine Personality in so kurzer Zeit, so stark ändern kann! Nach ein paar neueren Songs (u.a. "Futter für die See") und wenigen älteren Songs (u.a. "Psycho-Path"), ertönt mit "Ritt der Toten" nun bereits der letzte Song des Abends. Den Zuschauern ist das natürlich noch lange nicht genug. Die Band lässt sich nicht lange bitten, und die Instrumentalfraktion erscheint zügig wieder auf der Bühne. Da jedoch Sänger Dave noch nicht wieder da ist, gibt es erst mal ein Basssolo zu hören. Mit "Krähenzeit" folgt dann (wieder komplett) einer ihrer härtesten Songs. Da es nun aber wirklich auf das Ende der Show zugeht, passt auch ein trauriger Song, wie "Wenn mein Herz zerbricht" perfekt ins Bild. Ohne die "Königin der Nacht" kann natürlich kein SCHWARZER ENGEL Konzert enden, und so gibt es diesen Klassiker auch noch zu hören. Gleich danach findet sich die komplette Band am Merch-Stand ein, um mit den Fans Fotos zu machen, und Autogramme zu geben. (RH)

Einer der wenigen Anwesenden bei diesem Gig war unser Raphael (RH)

Donnerstag, 17. Mai 2018

LEE AARON / "Diamond Baby Blues" / Label: Metalville - Rough Trade / 12 Tracks / 51:03 Min

Männer wollen immer die erste Liebe einer Frau sein. Frauen haben in diesen Dingen mehr Gefühl: Sie möchten die letzte Liebe eines Mannes sein. (Oscar Wilde)

Karen Lynn Greening, der fleischgewordene feuchte Traum männlicher Metal-Teenager der 1980er Jahre, meldet sich mit "Diamond Baby Blues", dem zweiten Longplayer nach ihrem Comeback zurück und legt dabei nicht nur ihre rockige, sondern, wie es schon der Albumtitel vermuten lässt, auch ihre bluesige Seite offen.
Wer der Werdegang der Kanadierin in letzter Zeit mitverfolgt hat, für den ist "Diamond Baby Blues" zudem der zweite Beweis (nach "Fire and Gasoline") dafür, dass die ehemalige Metal-Queen den Spaß an rockigen Klängen für sich wiederentdeckt hat und (gottlob) nicht länger mehr gewillt ist, Jazz-Klänge auf die Menschheit loszulassen.
Im Kern ist "Diamond Baby Blues", wie schon erwähnt, also ein bluesig angehauchtes Album, welches aber auch verschiedenste Einflüsse und Epochen der Rockmusik miteinander verbindet.
Richtig rockig geraten sind beispielsweise die ersten beiden Tracks ("Diamond Baby", "Mistreated") des Albums, bei denen LEE AARON nicht nur zeigen kann, dass sie es stimmlich immer noch drauf hat, sondern auch noch in der Lage ist, Fans ihrer Frühwerke zufrieden zu stellen. Vor allem bei ihrer Version der DEEP PURPLE Nummer "Mistreated" zeigt sich, dass LEE AARON im Lauf der Jahre nichts von dem verlernt hat, was sie in den 1980er Jahren bekannt gemacht hat.
Überhaupt kann man das gesamte Album als in den 1960er/-70er/-80er Jahren geerdet bezeichnen. So finden sich neben einer typisch 80er Jahre angehauchten Ballade ("Best Thing") auch noch weitere Coverversionen auf dem Album, die ihren Ursprung allesamt in den rockigen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts haben.
Als da wären: "I'm a Woman" (KOKO TYLOR), "My Babe" (LITTLE WALTER), "You're No Good (LINDA RONSTADT), "Hard Road" (STEVIE WRIGHT) und "Black Cat" (JANET JACKSON).
Da auch die meisten der wenigen Eigenkompositionen ihren Charme haben, wie beispielsweise "American High",  kann man LEE AARON nun endgültig wieder jedem (gemäßigten) Rock Fan empfehlen, ohne dafür die Jazz-Krätze an den Hals gewünscht zu bekommen. (JK)

7 von 10

http://www.leeaaron.com/


Sonntag, 6. Mai 2018

DRUDKH / "They Often See Dreams About the Spring" / Label: Season of Mist / 5 Tracks / 43:30 Min

Horch! Wie brauset der Sturm und der schwellende Strom in der Nacht hin! Schaurig süßes Gefühl! Lieblicher Frühling, du nahst" (Ludwig Uhland)

Manche Bands meinen, dass die Knüppel-aus-dem-Sack Methode am ehesten zum Black Metal passen würde, andere hingegen meinen, dass es nicht schaden kann, wenn man subtiler zu Werke geht.
Beide Lager haben ihre Anhänger. Selten aber finden beide Seiten zusammen, sodass es in sich stimmig ist und den Augenblick überlebt. Allerdings bestätigen wie üblich auch hier ein paar Ausnahmen die Regel: Als Paradebeispiel dürfen ENSLAVED herhalten.
Aber auch das mysteriöse Quartett aus Charkiw in der Ukraine, von dem weder Interviews noch Bildmaterial existiert, kann man diesem elitären Zirkel zurechnen: DRUDKH
Ähnlich wie ENSLAVED verstehen es die Ukrainer verschiedenste Elemente so zusammenzufügen, dass am Ende eines jeden Hördurchgangs, nichts als Begeisterung beim Hörer zurückbleibt.
Hymnische Momente treffen auf melodiöse Leichtigkeit, düsteres Black Metal Riffing auf wohl durchdachte progressive Strukturen. Verbindendes Element ist allenthalben, eine mal drückende, mal fordernde Atmosphäre, die latent an die besten Momente von BURZUM erinnert.
Durch das Zurückfahren der Folkelemente, die bei vorherigen Veröffentlichungen eine noch größere Rolle gespielt haben, ist es DRUDKH diesmal zudem gelungen, mehr Intensivität in die Songs zu trasportieren, was letztendlich dazu geführt hat, dass "They Often See Dreams About the Spring" deutlich mehr schwarzmetallische Kraft in sich birgt.
Trotzdem bleiben ausgiebige Doublebassattacken eher die Ausnahme, was aber nicht bedeutet, dass DRUDKH es sich diesmal im Mid-Tempo gemütlich gemacht hätten. Keineswegs.
Bester Beleg dafür ist "Bilyavyi Den Vtomyvsya I prytykh (Білявий день втомився і притих)", das jenen Spirit atmet, der Anfang der 1990er Jahre die norwegische Szene groß gemacht hat.
Ihre lyrische Inspiration für das Album haben sich DRUDKH wie üblich, bei ukrainischen Dichtern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts geholt. Hier wären vor allem Bohdan Ihor Antonych, Majk Herwasijowytsch Johansen und Pawlo Petrowytsch Fylypowytsch zu nennen.

Fazit: "They Often See Dreams About the Spring" ist ein kraftvolles Statement der musikalischen Klasse von DRUDKH. (JK)

9 von 10

https://www.facebook.com/Drudkh.Official
https://drudkh.bandcamp.com/

Sonntag, 29. April 2018

Konzertbericht PRIMORDIAL + MOONSORROW + DER WEG EINER FREIHEIT - 25.4.2018 München / Backstage



Heathen Crusade Tour - PRIMORDIAL gemeinsam mit MOONSORROW und DER WEG EINER FREIHEIT auf Seelenfang im Backstage

Während gefühlt halb München an diesem Mittwochabend dem fußballerischen Highlight Bayern München gegen Real Madrid entgegenfieberte und deswegen den Arsch von der heimischen Couch nicht hochbekam, gaben ca. 600 Schwarzkittel im Backstage ein "sportliches" Statement gegen das Couchpotatotum ab. Denn nirgendwo sonst als hier konnte man an diesem Abend mit der Kombi frische Luft (An- und Abreise), Bewegung (Power-Headbanging), erstklassige Unterhaltung (s.o.) punkten - schon gar nicht in der Arena, in der Marcelo und Asensio den Bayern die Petersilie verhagelten.

Ohne Petersilie, dafür mit der hochbegabten Würzburger Truppe DER WEG EINER FREIHEIT eröffnet der Heathen Crusade Tourtross die mittwöchliche Kontraveranstaltung.
DER WEG EINER FREIHEIT (© by metal-is-forever-alive)

Die hauen mit "Einkehr" dann auch gleich zu Beginn kraftvoll auf die Pauke. Rasende Drumbeats und flirrende Gitarren machen gleich zu beginn deutlich, dass der neue bayerische Ministerpräsident Söder (El Marco) mit seiner "In jeden Raum gehört ein christliches Kreuz"-Kampagne hier auf taube Ohren stoßen würde. Wer daran zweifeln sollte, bekommt als nächstes mit "Skepsis Part I" die passende (musikalische) Antwort darauf geliefert. Weiter im Text bzw. auf der Setlist geht es mit "Zeichen", mit dem DER WEG EINER FREIHEIT selbiges setzen, weil kraftvoll, wenn auch nicht mit perfektem Sound, dargeboten. Mit "Requiem" kehren Nikita Kamprad & Co anschließend nochmals zum 2015er Album "Stellar" zurück, bevor mit "Aufbruch" auch schon der letzte Song der 45-minütigen Vorstellung ertönt.

Während der nun folgenden Umbaupause bekommen die Fussballfans zu Hause einen ersten spanischen Nadelstich (Gegentor) verpasst, der dazu führen könnte, dass der diesjährige Tripletraum vorzeitig ausgeträumt sein wird. Im Backstage lebt der Tripletraum jedoch weiter, steht nun doch Teil 2 des heidnischen Dreierleis an: MOONSORROW

Wer die Finnen schon einmal live erleben durfte, der weiß welch' epische Urgewalt die Sorvali Cousins und ihre heidnische Truppe auf die Bühne bringen können. Fellwesten, Trinkhörner, Sackpfeife oder sonstige Kirmesutensilien sucht man hier vergebens - Odin sei Dank! Auch der Flötenschlumpf hat bei MOONSORROW Hausverbot. Ein Umstand, den inzwischen nicht wenige zu schätzen wissen. Dementsprechend lautstark werden die Finnen empfangen, die mit "Pimeä" in ihr Set einsteigen. Es gibt im Metal Business nicht viele Bands, die die Eier haben, mit einem 14 Minuten Track einen Gig zu eröffnen - MOONSORROW jedoch können es sich erlauben, solch einen ausufernden Song zum warm werden anzubieten.
MOONSORROW (© by metal-is-forever-alive)
Aber, was sollen sie auch sonst machen, ist ihre Discographie doch überwiegend mit überlangen Liedern gespickt.
Es dauert nur wenige Momente und bei den meisten der Anwesenden im Publikum wird der Grundstein für den morgigen Nackenmuskelkater gelegt. In den folgenden 65 Minuten wechseln sich wildes Headbanging und andächtiges Lauschen ab. Auf Konversation wird weitesgehend verzichtet. MOONSORROW zählen ohne Frage sowieso zu der Sorte von Bands, die ihre Musik für sich sprechen lassen können: "Ruttolehto sis. Päivättömän päivän kansa", "Suden tunti", "Kivenkantaja", "Mimisbrunn" und "Kuolleiden maa" haben jeden Menge zum erzählen, der musikalischen Art.  Und so werden MOONSORROW nach Ende ihrer Show genauso verabschiedet, wie sie gekommen sind - lautstark.

Während die Fussballfans zuhause, sofern sie Bayern Anhänger sind, ob des zweiten Gegentores, in Schockstarre verfallen sein dürften, kennt die Vorfreude und Euphorie im Backstage keine Grenzen, steht mit PRIMORDIAL doch nun der Headliner in den Startlöchern.

Über PRIMORDIAL muss man wohl nicht viele Worte verlieren, stehen sie doch seit mehr als zwei Jahrzehnten für Qualität, sowohl auf der Bühne, als auch auf Platte.
Ihr letzter Output "Exile Amongst the Ruins" kam erst vor wenigen Tagen auf den Markt, ist aber trotzdem schon in aller Munde. So auch der Opener ("Nail Their Tongues") von besagtem Album, der heute als Opening-Track des heutigen Auftritts ausgesucht wurde und von Anfang an, aus unzähligen Kehlen, leidenschaftlich mitgegröhlt wird.
PRIMORDIAL (© by metal-is-forever-alive)
Wer meint, dass damit schon das Nonplusultra des Stimmungbarometers erreicht worden wäre, der wurde vom Begeisterungsorkan umgeblasen, der während des nächsten Titels ("Gods to the Godless") in den Äther geschickt wurde. Solch ein Empfang muss natürlich belohnt werden, in Form einer dezent angedeuteten höfischen Verbeugung (Kratzfuß) von Alan Averill vor dem Publikum.
Überhaupt dreht A.A. Nemtheanga heute auf, wie selten zuvor. Zu seiner von jeher bewegungsfreudigen Art und Weise, gesellt sich heute zudem auch noch die ein oder andere eher ungewohnte Showeinlage (sitzenderweise am Bühnenrand singen, Kniefall, Mikrofonständer verbiegen usw.). Keine Ahnung von welchem Leprechaun der Whiskey gebraut wurde, den Alan heute getrunken haben mag, Fakt ist, die Wirkung ist auf jeden Fall eindrucksvoll. Auch stimmlich wirkt A.A. Nemtheanga heute gefestigter als sonst. Alles zusammen lässt nur einen Schluß zu: PRIMORDIAL sind auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angekommen.
Das sehen scheinbar auch sämtliche heute hier Anwesenden so. Egal ob PRIMORDIAL neues Material ("To Hell or the Hangman", "Stolen Years", "Upon Our Spiritual Deathbed") oder die ganz großen Bandhymnen ("As Rome Burns", "The Coffin Ships","Heathen Tribes") raushauen, eines ist ihnen gewiss: Begeisterung.
Nach schweißtreibenden 90 Minuten und dem finalen "Empire Falls", brandet an diesem Mittwoch Abend ein letztes Mal (lautstarker) Applaus auf, während sich die Protagonisten von der Bühne zurückziehen.

Während im Backstage an diesem Abend, ob der hochklassigen Bandauswahl keine Mähne ungeschüttelt blieb und die Besucher der Heathen Crusade Tour zufrieden den Heimweg antreten, dürfte weiter nördlich, in der Münchner Fussball-Arena, die Glückshormone nicht ganz so großzügig ausgeschüttet worden sein.
Den in Rot gewandeten Fussballern bleibt aber immerhin noch das Rückspiel, um die Sache umzubiegen, und damit ihre Anhänger auch in jenen freudigen Zustand zu versetzen, der Metal Fans von jeher Eigen ist. (JK) 


Donnerstag, 26. April 2018

Vorankündigung: ENSIFERUM + EX DEO + WIND ROSE - 4.5.2018 Backstage / München

http://www.backstage.info/

Konzertbericht ANGRA + GEOFF TATE'S OPERATION: MINDCRIME + HALCYON WAY + RAVENSCRY - 13.4.2018 München/Backstage



Isarstrand statt Copacabana: ANGRA - Omni Worldtour 2018


Was der Titel des neuesten ANGRA Albums bereits andeutet, die Brasilianer wollen auf der Omni Worldtour "Alles und Jeden" dazu einladen, einem der wenigen Deutschland-Gigs beizuwohnen und mit ihnen zu feiern. 
Soweit die Theorie. Die Realität sah jedoch etwas anders aus. 
Da half dann auch die Dreifach-Unterstützung in Form von Geoff Tate's OPERATION: MINDCRIME, HALCYON WAY und RAVENSCRY nicht mehr viel, um die Tour in einem hellem Licht erstrahlen zu lassen. Erstgenannter stahl ihnen am Ende gar komplett die Show.


Den Abend eröffnen dürfen heute jedoch die Mailänder RAVENSCRY. Sie spielen sehr harten Progressive Metal mit starken Metalcore-Einflüssen. Sängerin Giulia Stefani greift aber interessanterweise trotz der harten Musik ausschließlich auf klaren Gesang zurück. Dies allerdings auf verschiedenste Art und Weise. 
RAVENSCRY (© by metal-is-forever-alive)
Von rockigen Passagen bis Operngesang ist hier alles vertreten. Auch die Instrumentalisten haben einiges zu bieten. Denn die oftmals sehr komplexen Stücke sind gefüllt mit Dissonanzen und komplizierten Rythmen. Insbesondere Rhythmus-Gitarrist Federico Schiavoni kann hierbei seine achtsaitige Gitarre voll ausnutzen. Lediglich die gelegentlich auftretenden Breakdowns und der schlechte Sound trüben den Gesamteindruck etwas. Dennoch spielen RAVENSCRY eine respektable Show. Leider sind zu so früher Stunde aber noch kaum Zuschauer anwesend und so fällt der Applaus entsprechend mau aus. (RH)

Das ändert sich bei HALCYON WAY, der zweiten Band des Abends, jedoch schlagartig. Denn die fünf Amerikaner scheinen genau zu wissen, wie man bei Fans und Zuschauern die bestmöglichen Reaktionen hervorrufen kann. Wie große Rockstars stürmen sie auf die Bühne und steigen sofort in ihren Set ein, der heute zu einem nicht unerheblichen Teil aus neuen, noch unveröffentlichen Songs besteht. Man sieht ihnen den Spaß zu jeder Sekunde der Show an.
HALCYON WAY (© by metal-is-forever-alive)
Und so werden es mit jedem Lied mehr Fans in der Halle. Das ist aber auch kein Wunder, denn HALCYON WAY können auch musikalisch voll überzeugen. Der thrashige Progressive Metal kommt beim Publikum zu großen Teilen bestens an. Lediglich die Stimme von Frontmann Steve Braun ist zu Beginn etwas zu leise, und geht zwischen dem mehrstimmigen Background-Gesang der beiden Gitarristen und den unterstützenden Growls von Bassist Skyler Moore etwas unter. Nach einem Hinweis aus dem Publikum wird das aber unkompliziert behoben, und so können HALCYON WAY ihre Show bei besten Soundverhältnissen zu Ende spielen. Nach diesem gelungenen Auftritt dürften sie sicher den ein oder anderen Fan dazugewonnen haben. (RH)

Das haben Geoff Tate und seine OPERATION: MINDCRIME Truppe gar nicht mehr nötig. Und so wird es schon lange vor Beginn ihrer Show schon richtig eng in den ersten Reihen. Inzwischen ist es auch weiter hinten in der Halle recht gut gefüllt. Gleich beim ersten Song "Revolution Calling" merkt man, dass die Band um ex-QUENNSRYCHE Sänger Geoff Tate heutzutage niemand mehr von sich überzeugen muss. Lautstarker Jubel unterstreicht dies. Da heute das 1988er Album "Operation: Mindcrime" nahezu in voller Länge aufgeführt wird, ist den Fans das Song-Material natürlich bestens bekannt - und so werden nicht nur die Refrains lautstark mitgesungen. Im Mittelpunkt der Show steht natürlich Frontmann Geoff Tate, der heute wirklich fantastisch singt. 
OPERATION:MINDCRIME (© by metal-is-forever-alive)
Selbst die höchsten Töne trifft er perfekt. Die anderen Musiker treten dabei etwas in den Hintergrund und stehen meist in einem Rechteck um Geoff herum. Nur wenn Gitarrist/Keyboarder Bruno Sa sich hinter sein drehbares Keyboard stellt, kommt etwas Abwechslung und Bewegung in die Runde. Das scheint aber niemanden zu stören, die Band wird einfach nach jedem Song euphorisch abgefeiert. Und das obwohl OPERATION: MINDCRIME mit ihrer Hard Rock-lastigen Musik stilistisch in eine ganz andere Richtung gehen, als die anderen Bands des heutigen Abends! 
Um "Suite Sister Mary" möglichst authentisch rüberzubringen, lässt sich Geoff bei diesem Track von einer Gastsängerin unterstützen. Bei eingängigen Songs wie "The Needle Lies" oder "Breaking the Silence" konzentriert sich die Band aber wieder voll auf sich und stellt die Songs wieder in den Mittelpunkt. Für die wenigen, die mit den Songs nicht ganz so vertraut sind, treten gegen Ende der Show allerdings ein paar Längen auf, da Geoff Tate weitesgehend auf Ansagen und Konversation verzichtet. Da der Großteil der heute Anwesenden aber Fans von QUEENSRYCHE und/oder OPERATION: MINDCRIME zu sein scheint, spielt dies keine Rolle. Der tosende Applaus nach "Eyes of a Stranger" zollt nicht nur der stimmlichen Höchstleistung eines Geoff Tate Tribut, sondern stellt zudem die nun folgenden ANGRA vor eine Herkulesaufgabe. (RH)

Denn nach so viel Nostalgie, ist es jetzt nicht unbedingt leicht, den Schwenk zu bekommen. Aber ANGRA sind glücklicherweise auch kein unbeschriebenes Blatt und stehen zudem ebenfalls für Qualität - und das auch schon seit 1991!
ANGRA (© by metal-is-forever-alive)
Allem Anschein nach, sehen das aber nicht alle so. Wie sonst ließe sich erklären, dass ca 1/3 der Zuschauer nach Geoff Tate und seinem OPERATION: MINDCRIME den Rückzug in hintere Hallenbereiche vorzieht oder gar den Heimweg antritt. Den Fans der Brasilianer kann es aber nur recht sein, gibt es deswegen doch etwas mehr Platz in den vorderen Reihen.
Auch Rafael Bittencourt, Fabio Lione & Co lassen sich vom Zuscherschwund wenig beeindrucken, zumindest äußerlich.
Mit "Nothing to Say" hauen ANGRA zu Beginn dann auch geich mal einen Track raus, der einem keine Zeit mehr lässt, darüber nachzudenken, warum der heutige Auftritt nicht mehr Zuschauer angelockt hat.
Immerhin machen zumindest diejenigen, die den Weg in die Venue gefunden haben und nicht nacht OPERATION: MINDCRIME abgehauen sind, einigermaßen Alarm. Im Vergleich zu den südamerikanischen Jubelarien, welche ANGRA von Konzerten in ihrer brasilianischen Heimat gewohnt sein dürften, ist es aber dennoch nur ein laues Lüftchen, was ihnen hier und heute an Begeisterung entgegengebracht wird. Und so gestalten sich die folgenden knapp 90 Minuten zu einem realtiv zähem Konzerterlebnis, zumindest für jeden, der nicht Die-Hard Fan der Brasilianer ist. Nicht ganz schuldlos an diesem Umstand sind aber keineswegs nur die nicht zahlreich vorhandenen Fans, sondern eben auch ANGRA selbst.
ANGRA (© by metal-is-forever-alive)
Oftmals wirkt die Show nämlich viel zu routiniert, um nicht unterkühlt zu sagen. Auch die Zusammenstellung der Setlist ist alles andere als gegeignet, um den Schuppen zum kochen zu bringen. Warum nahezu komplett auf schnellere Songs verzichtet wurde, bleibt ein Rätsel.
Und so gibt es bis auf "Acid Rain" und dem Drumsolo vor "Insania" relativ wenig Höhepunkte, die während dem regulären Part der Show Anlass dazu böten, den heutigen Gig der Brasilianer länger in Erinnerung zu behalten.
Was möglich gewesen wäre, zeigt der exzellente Zugabenblock, der mit dem wohl besten ANGRA Song "Rebirth", dem gänsehautmäßigen QUEENSRYCHE Cover "Silent Lucidity" (gemeinsam mit Geoff Tate) und dem flotten Doppelschlag "Carry On" / "Nova Era" hinten raus all das vereint, was zuvor leider oftmals gefehlt hat. (JK)

Der Abend mit vier sowohl unterschiedlich ausgerichteten, als auch differenziert wahrgenommenen Bands, wurde für euch von Raphael (RH) und Jürgen (JK) unter die Lupe genommen.

DEVASTATIÖN / "Drink With the Devil" / Label: Empire Records / 5 Tracks (EP) / 15:24 Min

Vielleicht ist Leben Tod und Tod Leben, und essen und trinken nur ein Selbstbetrug der Sinne. Denn was ist anderes der Tod als ein ewiger Schlaf, und ist das Leben nicht alles ein Essen und Trinken? (Aristophanes)

Die belgischen Thrash Rabauken DEVASTATIÖN haben bei Empire Records eine neue Labelheimat gefunden. Als ersten Arbeitsnachweis beim ebenfalls aus Belgien stammenden Palattenlabel jagen DEVASTATIÖN eine 5-Track EP durch den Äther: "Drink Withthe Devil".
Geboten wird, wie schon auf den beiden vorangegangenen Alben ("Lether Jack Maniac" von 2011 und "Pussy Juice Blues" von 2015) ein rifflastiger Mix aus Old-School Thrash, etwas Black Metal und dem ein oder anderen Querverweis zur NWoBHM.
Songs wie "Society Will Die", "Drink With the Devil" oder "Defillement" sind zwar allesamt nicht innovationspreisverdächtig, machen aber trotzdem jede Menge Spaß.
Das liegt zum einen daran, dass DEVASTATIÖN nur seltenst den Fuß vom Gaspedal nehmen, aber eben auch daran, dass es die Belgier schaffen, mit Abwechslung (im kleinen Rahmen) und mit eingängigen Refrains (allgegenwärtig) den Hörer bei Laune zu halten.
Wem ehrwürdige Bands wie beispielweise MANDATOR, HALLOWS EVE oder SADUS heutzutage noch was sagen, der dürfte mit DEVASTATIÖN einen fetten Fisch an Land ziehen.
Wem das immer noch nicht genügt, dem sein gesagt, dass auch der deutsche Michel in Form von (frühen) KREATOR auf "Drink With the Devil" durchgängig sein Unwesen treibt.

Fazit: Kurz, knackig, kompromisslos - DEVASTATIÖN lassen die 80er Jahre aufleben. (JK)

7.5 von 10


LINE-UP
Matthieu Brasseur – Vocals
Tim Matthijs – Guitars
Maarten De Zutter - Bass
Tom Heynssens - Drums

https://www.facebook.com/devastation.be
https://www.facebook.com/empirerecordsbe

Sonntag, 15. April 2018

DARK EASTER METAL MEETING 2018 - 31.3. + 1.4.2018 München/Backstage



Corpsepaint, Menschenmassen und brennende Vorhänge: DARK EASTER METAL MEETING 2018


Ostern. Über die Herkunft des deutschen Wortes gibt es verschiedene Theorien: Im 8. Jahrhundert hat Beda Venerabilis die Herkunft auf die angelsächsische Morgengöttin Eostra zurückgeführt. Eine weitere Theorie verdächtigt die phönizische Fruchtbarkeitsgöttin Astarte, die der babylonischen Göttin Ischtar entsprach. Andere wiederum behaupten, dass nur der Eier hat, der am Wochenende nach Karfreitag ins Backstage pilgert, um, wie es seit Jahren Tradition ist, seine schwarzmetallischen Götter zu huldigen.
Wie dem auch sei, die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz, oder in diesem Fall auf der Bühne. Erstmals werden auf dem Dark Easter Metal Meeting (DEMM) drei Bühnen an beiden Tagen bespielt. Dieser Umstand und ein Billing der Extraklasse haben wohl (mit) dazugeführt, dass das Festival schon Wochen vor Beginn restlos ausverkauft war.



TAG 1 - Samstag


EWIGEIS

Mit dem halbstündigen Auftritt von EWIGEIS eröffnet das Dark Easter Metal Meeting 2018.
Was für das Festival der Startschuß ist, bedeutet für das Duo aus Schwabhausen das Ende - ist es heute doch der letzte Auftritt von EWIGEIS, die sich im Anschluß daran auflösen. Zehn Jahre haben sich Saat und Angsul durch den schwarzmetallischen Untergrund gerumpelt - ohne dabei für Furore zu sorgen. Ähnlich verhält es sich heute: Es wird geknüppelt, es wird gekrächzt und die Riffs sind nordisch angehaucht - doch Stimmung will nicht so richtig im Club aufkommen. Zu belanglos wirkt das Ganze, sodass höchstwahrscheinlich nur Die-Hard-Fans dem Duo eine Träne nachweinen werden. (JK)


UNLIGHT

Ganz anders als noch zuvor bei EWIGEIS verhält sich nun die Sachlage bei UNLIGHT. Mit ihrem feinem Mix aus Black Metal und Thrash treffen die Schwarzwälder bei den meisten der Anwesenden, wie es scheint, voll ins Schwarze. War zu Beginn des Sets noch eine leicht abwartende Haltung des Pulikums auszumachen, steigt die Zustimmung nun minütlich.
UNLIGHT (© by metal-is-forever-alive)
Zum ersten Mal am heutigen Tag gibt es lautstarke Beifallsbekundungen zwischen den Liedern, auch sieht man vereinzelt fliegende Matten, sodass nun auch von Festivalstimmung gesprochen werden kann. Leider kann der Sound mit der Performance auf der Bühne nicht ganz Schritt halten - zu leise (vor allem die Gitarren) und insgesamt zu verwaschen. Der Tontechniker hatte definiv nicht seinen besten Tag erwischt. Dennoch gestalten sich die 40 Minuten, nicht zuletzt wegen dem Abwechslungsreichtum der Songs, zu einer kurzweiligen Angelegenheit. (JK)


LEBENSSUCHT

Als nächstes folgt im Club eine kleine Premiere: LEBENSSUCHT spielen zum allerersten Mal in München. Dementsprechend voll ist es - brechend voll genauer gesagt! Geboten wird Depressive Black Metal und ganz viel Blut.
LEBENSSUCHT (© by metal-is-forever-alive)
Echtes (Rinder)Blut wohlgemerkt, das sich Frontfrau S Caedes in rauen Mengen beim Schlachthof ihres Vertrauens online bestellt, und in welchem sie vor Showbeginn zu baden scheint. Und so hinterlassen ihre nackten Füsse, unzählige rote Tapser auf der Bühne während dem halbstündigen Gig. Passend zum Outfit und zum Titel der Debüt-EP ("Fucking My Knife") fuchtelt die Dame fortdauernd theatralisch mit einem großem Messer auf der Bühne herum. Allerdings kann der musikalische Inhalt der Show, mit dem optischen Spektakel nicht ganz Schritt halten, da die Lieder meistens kaum voneinander zu unterscheiden sind - hier sollte (muss) in Zukunft noch nachgearbeitet werden. Trotzdem kann man dem Ganzen einen gewissen Reiz nicht absprechen. (JK)


DARK FORTRESS

Mit DARK FORTESS folgt nun das erste schwarzmetallische Highlight des noch jungen Tages. Die Truppe aus Landshut hat nicht nur wegen ihres Gitarristen V. Santura, der auch bei TRIPTYKON sechs Saiten bespielt, bei den meisten Schwarzkitteln einen Stein im Brett.

DARK FORTRESS (© by metal-is-forever-alive)
Schon der Opener "I Am the Jigsaw of a Mad God" brachte die Fans voll auf Betriebstemperatur.  Eindrucksvoll.  
In der Folge gibt es einen repräsentativen Querschnitt aus zwei Dekaden DARK FORTRESS auf die Lauscher. Als besonderes Festival-Schmankerl gibt es mit "Misanthropic Invocation" und "Blood of the Templars" sogar zwei ältere Perlen zu hören, die in letzter Zeit eher selten bis gar nicht mehr auf einer Setlist zu finden waren. Und so gestalten sich die insgesamt 40 Minuten zu einem kleinen Siegeszug von DARK FORTESS in München, bei dem es nur zu bemängeln gab, dass der Sound nicht über Mittelmaß hinaus kam. (JK)


SUN OF THE SLEEPLEES

Vor zwei Jahren war Schwadorf (Markus Stock) noch mit THE VISION BLEAK auf dem DEMM, heuer beehrt er mit SUN OF THE SLEEPLESS die bayerische Landeshauptstadt. Als vor einigen Monaten endlich der erste Longplayer dieses Projekts veröffentlicht wurde, war die Begeisterung, ob des starken Materials, bei Fans und Presse groß. Und so ist es kein Wunder, dass die Halle schon Minuten vor Beginn der Show aus allen Nähten platzt. Als besonderen Blickfang haben SUN OF THE SLEEPLESS mehrere Fakeln auf der Bühne und einen am Bühnerand platzierten Kerzenleuchter samt Räucherschale ausgewählt.
SUN OF THE SLEEPLESS (© by metal-is-forever-alive)
Besonders letztgenannte Utensilien sollten gegen Ende der Show noch eine bedeutende Rolle spielen.
Das Hauptaugenmerk der insgesamt beeindrukenden Show legen SUN OF THE SLEEPLESS auf "To the Elements", was fast komplett dargeboten wurde. Der Höhepunkt des Auftritts (positiv wie negativ) waren allerdings die letzten Minuten der Show, in denen zum einen SUN OF THE SLEEPLESS "Phoenix Rise" gänsehautmäßig zockten und zum anderen, ein nicht mehr ganz so nüchternes weibliches (!) Wesen Aufmerksamkeit bekam. Zuerst ging von ihr in der ersten Reihe eine Keilerei aus, und im Anschluß daran wollte sie seelenruhig zuvor erwähnte Bühnedeko als Souvenir einkassieren. Das Ende vom Lied: Bühnenvorhang in Flammen, hektisches Hantieren mit Feuerlöschern auf der Bühne und ein Gig der definitiv in Erinnerung bleiben wird. (JK)


BETHLEHEM

Ohne kokelnde Vorhänge geht es nun im Werk mit den ungekrönten Königen der deutschen Depressive Black Metal Szene weiter: BETHLEHEM.

BETHLEHEM (© by metal-is-forever-alive)
Seitdem sich Onielar zu Jürgen Bartsch hinzugesellt hat, läuft der Laden wieder. Vegessen sind die ein oder andere diskussionswürdige Veröffentlichung und die kurzzeitige Ankündigung, sich auflösen zu wollen. Mit ihrem letzten Album ("Bethlehem") hat sich die neuformierte Truppe um Mastermind Jürgen Bartsch eindrucksvoll zurückgemeldet. Da ist es fast schon selbstverständlich, dass sich BETHLEHEM heute Abend ausgiebig mit diesem Album beschäftigen. Von den acht Tracks, die es auf die Setlist geschafft haben, stammen immerhin vier Titel ("Fickselbomber Panzerplauze", "Kalt' Ritt in leicht faltiger Leere", "Die Dunkelheit darbt", "Wahn schmiedet Sarg") vom aktuellen Longplayer. Selbstverständlich hatten BETHLEHEM aber auch einige Klassiker im Angebot:"Aphel - Die schwarze Schlange", "Gestern starb ich schon heute" und "Tagebuch einer Totgeburt". 
Am Ende steht das Backstage zwar nicht Kopf, ist aber immerhin zu großen Teilen aus dem Häuschen, was letztendlich an der beeindruckenden stimmlichen Darbietung von Onielar lag und an der edel zusammengestellten Setlist. (JK)


SHINING

Im selben Takt geht es weiter, nun aber auf schwedisch und mit noch viel mehr selbstzerstörerischer Lyrik, als noch zuvor bei BETHLEHEM. Niklas Kvarforth, der mit seiner Truppe für TAAKE, die im Vorfeld abgesagt hatten, eingesprungen ist, weiß definitiv die Klaviatur des fleischgewordenen Wahnsinns eindrucksvoll zu spielen - eigentlich. Keine Ahnung was Kvarforth im Vorfeld des Festivals getrieben hat (Töpfern? - Schwimmen mit Delphinen? - Kreuzworträtsel?), Fakt ist, so handzahm (für seine Verhältnisse) wie heute, hat man ihn selten erlebt.
SHINING (© by Sabine Thiele Foto)
Bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Whiskey über einen Fotografen kippen), konnte man meinen, einen Doppelgänger vor sich zu haben. Keine Spuckattacken, kein Schlagen nach Fotografen, kein Aschen auf Fans in der ersten Reihe -  nichts, absolut nichts. Erfreulicher Nebenaspekt dieser "Ich-kann-auch-mal-anders" Haltung, die Musik rückte in den Vordergrund. Und mit der überzeugen SHINING schon seit geraumer Zeit. Auch der letzte Output ("X - Varg utan flock") gehört zweifelsohne in die Belle Etage des Genres. Mit dem zu gleichen Teilen knüpplhartem, wie eingängigem "Han som lurar inom " von besagtem Album, legen SHINING heute Abend den Grundstein, für eine in allen Belangen überzeugende Performance. Bei besten Soundverhältnissen dringt Kvarforth dabei, den ganzen Auftritt über, intensiv und glaubhaft in die Abgründe seiner Seele vor, und lässt die Zuschauer dabei an einer weiteren sehr persönlichen Therapiesitzung teilhaben und seinen Schmerz mitfühlen - für die einen zu viel des Guten, für die anderen das Non-Plus-Ultra. (JK)


ENISUM

Während sich ein paar Meter weiter bei AGRYPNIE die Zuschauermassen stapeln, ist es bei ENISUM im kleinen Club noch halbwegs erträglich, zumindest was das Thema Bewegungsfreiheit betrifft. Musikalisch dagegen bieten die Italiener Black Metal der schwer verdaulicheren Art an. Mal atmsophärisch, mal episch, dann wieder vertrackt und beinhart - ENISUM verbinden verschiedenste Puzzelteile zu einem Gesamtbild, was den Zugang dazu aber nicht unbedingt einfacher macht. Auch die Vocals sind alles andere als Konfektionsware. Passend zum textlichen Kontext der Songs haben ENISUM das Thema Natur auch bei der Bühnendeko aufgegriffen, was das ein oder andere Ast eines ehemals stolzen Baumes auf der Bühne bezeugen kann. (JK)



BLOODBATH

Als Headliner des ersten Tages sind BLOODBATH gesetzt. Da sich die Supergroup des Death Metal, die sich aus Musikern von KATATONIA, OPETH und PARADISE LOST zusammensetzt, in der Regel realtiv rar macht, was Live-Auftritte betrifft, ist der Publikumsandrang groß.
                                                               
BLOODBATH (© by metal-is-forever-alive)
Dass oftmals trotzdem nicht so richtig Stimmung aufkommen will, mag der Tatsache geschuldet sein, dass sich viele Schwarzkittel im Werk befinden, die sich zwar die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, BLOODBATH einmal live zu sehen, aber mehrheitlich mit Death Metal nicht wirklich was anfangen können. Auch Nick Holmes Zeitlupen-Stageacting ist alles andere als hifreich dabei, wenn es darum geht, als Vorturner, die Massen zum Mitmachen zu animieren. Und trotzdem ist das, was BLOODBATH hier abliefern à la bonne heure! Wann hat man schon die Gelegenheit, sich von  Krachern wie "So You Die", "Bathe in Blood" oder "Eaten" live die Rübe abschrauben zu lassen. (JK)


AURA NOIR

Was hatten wir heute noch nicht? Thrash! Also schnell rüber in die mittlere Halle, um gemeinsam mit AURA NOIR diese Bildungslücke zu schließen. Wobei die Norweger selbstverständlich keinen lupenreinen Thrash-Metal zocken.
AURA NOIR (© by metal-is-forever-alive)
Das Trio um ex IMMORTAL Mitglied Apollyon benutzt vielmehr die Thrashkeule, um ihren Black'n'Roll (DARKTHRONE und VENOM lassen grüßen) das besondere Etwas zu verleihen. Allerdings können sie heute das zahlreich erschienene Publikum zu vorgerückter Stunde nicht mehr aus der Reserve locken. Zu erschöpft sind die meisten nach diesem 10-stündigem Konzertmarathon, nur in den ersten beiden Reihen ist noch High Life angesagt. Ob es bei den ürsprünglich für diesen Slot eingeplanten HELHEIM anders ausgesehen hätte, sei mal dahingestellt. Und trotzdem sind AURA NOIR wie gemacht, um den ersten Festivaltag in geordneten Bahnen zu Ende zu bringen und die Spannung auf den morgigen Tag aufrecht zu erhalten. Als Gute Nacht Gruß geben AURA NOIR der schwarzen Gemeinde sogar noch einen musikalischen Ausblick auf ihr in Kürze erscheinendes sechstes Studioalbum mit auf den Heimweg. (JK)


TAG 2 - Sonntag


IMPURE WILHELMINA

Für uns von metal-is-forever-alive beginnt der zweite Festivaltag mit der wohl ungewöhnlichsten Band im diesjährigen Lineup: IMPURE WILHELMINA
Die Schweizer, obwohl schon seit 1996 aktiv, dürften sich bei den meisten der Anwesenden bis vor kurzem unter dem Radar bewegt haben, was hauptsächlich an der musikalischen Ausrichtung der Truppe liegen dürfte. Anfänglich spielten die Schweizer nämlich "nur" einen Mix aus Sludge und (Post-)Hardcore. Inzwischen haben IMPURE WILHELMINA ihren Stilmix aber noch um die Zutaten Doom, Alternative Rock und Black Metal (in homöopatischen Dosen) erweitert.
IMPURE WILHELMINA (© by metal-is-forever-alive)
Der Lohn: Ein Plattenvertrag bei Season of Mist (was einen Ritterschlag gleich kommt) und ein gut besuchter Gig heute Nachmittag. Nach einem kurzen Intro, eröffnen die vier Eidgenossen mit "Great Falls Beyond Death" vom aktuellen Album und lassen dann mit "Torn" den eingängisten Track vom selben Album folgen. Wer darauf gehofft hatte, einen repräsentativen Querschnitt aus allen Alben von IMPURE WILHELMINA geboten zu bekommen, wurde allerdings enttäuscht. Denn, bis auf "The Enemy" gab es ausschließlich Material vom 2017er Album ("Radiation") zu hören. Trotzdem dürften die Schweizer am Ende den ein oder anderen Fan hinzugewonnen haben, was nicht zuletzt an einer überzeugenden Bühnenperformance gelegen haben dürfte. (JK)


NOVEMBRE

Als nächstes steht das erste Doomerlebnis des Festivals an. Die Italiener von NOVEMBRE kann man ohne zu übertreiben, als Dinosaurier der europäischen Szene bezeichnen. Immerhin existieren sie schon seit 1993, bzw. seit 1990, damals allerdings noch unter anderem Namen (CATACOMB). Ob es am aus der Zeit gefallenen Bühneoutfit von Carmelo Orlando (kleidungstechnisch irgendwo in der Mitte von Guildo Horn und Ronnie James Dio) lag, dass kaum Stimmung im Publikum aufkommen wollte, ist spekulativ. Musikalisch hätte die 45-minütige Darbietung auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit und Hingabe seitens der Festivalbesucher verdient gehabt. So aber bleiben NOVEMBRE am Ende für alle, die den Weg ins Werk gefunden hatten (nicht allzu viele), ein Erlebnis außer Konkurrenz. (JK)


ANOMALIE

Hatte man eben im Werk noch so viel Platz, wie man wollte, stehen hier in der Halle die Massen nun wieder dicht an dicht. Die Österreicher genießen (überregional) einen vorzüglichen Ruf, auch als Live-Band.
ANOMALIE (© by metal-is-forever-alive)
Zu den Klängen eines atmosphärischen Intros betreten ANOMALIE, pünktlich wie vorgesehen (an dieser Stelle mal ein großes Kompliment für die Organisatoren des Festivals), geschlossen die Bühne. Selbige spiegelt ähnlich, wie zuvor auch schon bei ENISUM, das Thema Natur wieder. Blickfang dabei ist das riesige Backdrop, welches einen Birkenwald zeigt. Zudem lodern an allen möglichen Stellen auf der Bühne Kerzen und Fakeln und auch frisch verglühter Weihrauch darf nicht fehlen. Alleine schon für die in sich stimmige Optik haben ANOMALIE die Höchstnote verdient. Was den 40-minütigen Auftritt der Österreicher aber in die Top 3 des diesjährigen Festivals katapultiert, ist die Musik und deren Umsetzung. Leidenschaftlich präsentiert, technisch anspruchsvoll umgesetzt und dabei immer auf der Höhe der Zeit. Diesen Auftritt kann man mur mit einem Wort beschreiben: Gänsehaut. (JK)


SECRETS OF THE MOON

Als zweiter Act am heutigen Sonntag dürfen SECRETS OF THE MOON im großen Werk auf die Bühne. Wie wandlungsfähig man als Band sein kann und dabei dennoch seine schwarzen Wurzeln nicht verleugnen muss, beweisen die Osnabrücker nicht erst seit ihrem letzten Output "Sun". Mit ihrem atmosphärisch angehauchtem Black Metal, der auch immer wieder die entspannten Randgebiete der Zunft mit einbezieht, hat sich die Truppe um sG in den letzten Jahren eine breite Fanbasis erspielt. Auch heute präsentiert sich das Werk sehr gut gefüllt, als SECRETS OF THE MOON um 17.20 Uhr beginnen.
Die Stimmung bleibt allerdings (zumeist) hinter den Erwartungen zurück, was daran gelegen haben mag, dass SECRETS OF THE MOON größtenteils auf neueres, anspruchsvolleres Material gesetzt hatten. Ein Umstand, der dazu führte, dass weniger die Mähnen geschüttelt wurden, sondern die Zuhörerschaft dazu "gezwungen" wurde, sich mehr auf die Musik zu konzentrieren. Meiner Meinung nach eine etwas gewagte Aktion, bei einer Nettospielzeit von gerade einmal 50 Minuten, auf einem Festival, bei dem sich das Publikum überwiegend den Ohrenschmalz aus den Lauschern pusten lassen möchte. Kurz vor Ende der Show hauen SECRETS OF THE MOON dann allerdings noch "Lucifer Speaks" raus und versöhnen damit, den ein oder anderen Fan der Frühwerke. (JK)


NAGLFAR

Anschließend wird es am zweiten Festivaltag zum ersten Mal richtig kultig: NAGLFAR geben sich die Ehre. Wie es scheint, sind die Schweden für viele der Anwesenden der heimliche Headliner des Tages. Bis auf den letzten Platz (und darüber hinaus) ist das Werk gefüllt, und sämtliche Zuschauer bis in die Haarspitzen motiviert.
NAGLFAR (© by metal-is-forever-alive)
Zu jedem Moment der folgenden 50 Minuten kann man spüren (und sehen), dass die Meute unendlich viel Bock auf NAGLFAR hat. Ganze 12 Jahre haben sich die Schweden nicht mehr in München blicken lassen. Los geht's mit "Feeding Moloch". Es dauert nur wenige Momente, und der Schuppen kocht. In der Folge verschmelzen Band und Publikum zu einer Einheit, die sich, bei besten Soundverhältnissen auf der Bühne, gegenseitig pushen. "The Mirrors of My Soul", "And the World Shall Be Your Grave", "The Darkest Road", "Bring Out Your Dead", "Black God Aftermath", "Odium Generis Humani", "Blades", "A Swarm of Plagues" - NAGLFAR hauen einen Hit nach dem anderen raus. Am Ende bleibt unterm Strich nicht weniger, als der (bisher) beste Auftritt des gesamten Festivals übrig. (JK)


THAW

Im kleineren Rahmen, dafür nicht weniger intensiv, geht es nun im Club weiter. Bereits Minuten vor Beginn der Show von THAW strömen die Zuschauer in die kleine Location. Ein Umstand, der etwas überrascht. Immerhin spielen zeitgleich DOOL nebenan. Wie es scheint, haben die Polen ein Standing in der Szene, was so nicht zu erwarten war. Verspricht ihr sperrig anmutender Noise/Sludge/ Black Metal Mix doch keineswegs einfach zu konsumierende Kost. Wer gekommen ist, hat sich, wie es scheint, die Polen mit voller Absicht ausgesucht und weiß dementsprechend auch, was ihn erwartet. So stören sich auch die wenigsten daran, dass black-metal-unüblich, Synthesizer und andere technische Spielereien auf der Bühne die Hauptrolle spielen. Mit ihren mächtigen Riffs und den teils hypnotisch wirkenden Soundelemten schaffen es THAW vielmehr, den knapp 40-minütigen Auftritt so zu gestallten, dass im Club eine elektrisiernde Stimmung aufkommt, die mal beschwörend, mal vernichtend, Geist und Körper alles abverlangt. Kurz bevor es für die Zuschauer zu anstrengend werden droht, ziehen THAW den Stecker und gönnen dem Publikum einige Momente zum durchatmen, bevor es im Werk mit dem nächsten Highlight weitergeht. (JK)


BELPHEGOR

Mit dem Auftritt der diabolsichen Österreicher bekommt das DEMM nun einen Auftritt verpasst, der zum Festival passt, wie die berühnte Faust auf's Auge - nihilistisch, durchweg satansich und dabei keine Scheu, die Death Metal Sau rauszulassen, oder anders ausgedrückt - pure fuckin' BELPHEGOR.
Weil sich die Truppe um Zeremonienmeister Helmuth auf deuschen Bühnen in letzter Zeit realtiv rar gemacht hat, ist der Fanandrang nun gewaltig. Gefühlt jeder Ticketinhaber strömt nun ins Werk, um sich von BELPHEGOR eine akustische und visuelle Abreibung abzuholen. Als Startschuß für das ketzerische Osterritual jagen BELPHEGOR "Totenritual" durch die Boxen und lassen damit von Beginn an keinen Zweifel daran, wer nun Herr im Haus ist. Die Botschaft von Helmuth: "...God is not here tonight" unterstreicht dies zudem noch. In den folgenden 50 Minuten knüppeln sich BELPHEGOR durch 25 Jahre Bandgeschichte und lassen dabei das Herz eines jeden Extrem Metal Fans aufgehen. Kurz vor Ende der Show kommt dann auf einmal Unruhe im Publikum auf und viele verlassen fluchtartig das Werk. Dieses despektierliche Verhalten hatte aber in keinster Weise etwas mit dem erstklassigen Auftritt von BELPHEGOR zu tun, sondern war einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass nebenan UADA in den Startlöchern standen. Also schnell den alten Helden applaudiert und sich der Massenwanderung, hin zur Halle, angeschlossen. (JK)


UADA

Mit tief über den Kopf und das Gesicht gezogenen Kapuzen betreten UADA um kurz vor 22 Uhr die Bühne in der brechend vollen Halle, der mittleren Location im Backstage.
UADA (© by Sabine Thiele Foto)
                                                           
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist vor einigen Monaten die Debüt-EP ("Devoid of Light") der Amerikaner in die schwarze Gemeinde eingeschlagen. Dass der Hype um die Kapuzenmänner aus Oregon/USA keine Eintagsfliege zu werden droht, kann man schon jetzt vorhersagen. Denn selten hat man eine Newcomer-Band so souverän auftreten sehen: Neben einem perfekt aufeinander abgestimmten Stageacting (selbstverständlich konform zur Black Metal Attitüde) und einer minimalistischen Lightshow, verstanden es UADA, mit einer an Perfektion grenzender Leichtigkeit, die teils überlangen Tracks ihrer beiden Veröffentlichungen (die Setlist zierten auch Tracks vom kommenden Longplayer "Cult of a Dying Sun") genauso druckvoll und detailverliebt umzusetzen, dass einem, im von der Bühne ausgehenden Dauerfeuer, vor Begeisterung oftmals die Spucke wegblieb. (JK)


PARADISE LOST

Wer jetzt noch stehen konnte, den zog es zum zweiten Treffen mit Nick Holmes innerhalb von zwei Tagen ins große Werk. Überraschenderweise waren dies aber bei weitem nicht soviel Metalheads, wie man im Vorfeld annehmen konnte. Größere Lücken waren im Auditorium zwar nicht auszumachen, dennoch hatten alle Zuschauer während des Auftritts der Briten soviel Bewegungsfreiheit, wie selten zuvor an diesem Wochenende.
PARADISE LOST (© by Sabine Thiele Foto)
Ob es daran lag, dass PARADISE LOST sich erst vor einem halben Jahr in München haben blicken lassen, oder daran, dass Doom, wenn auch der etwas härteren Gangart, nicht unbedingt dazu geeignet ist, zu vorgerückter Stunde, müden Geistern einen Energieschub zu verpassen, sei mal dahingetsellt. Fakt ist, dass der Gig von PARADISE LOST alles andere als einschläfernd war. Das lag vor allem daran, dass Holmes, Mackintosh & Co die Setlist bunt durchgemischt hatten, also auch älteres Material (u.a. "Eternal" und "Hallowed Land") gespielt wurde, aber auch daran, dass die Briten diesmal nicht ganz so statisch aufgetreten sind, wie noch in jüngerer Vergangenheit zuvor. (JK)

Wie dem auch sein, nach dem Gig von PARADISE LOST fällt im Werk der finale Vorhang für das DEMM 2018. Nur im Club und in der Halle gibt es anschließend noch die Möglichkeit, ein letztes Mal für dieses Jahr, die österliche Sau rauszulassen.
Während in der Halle DESASTER ihrem Ruf als exzellente Live-Abrissbirne gerecht wurden, setzten im Club WOLVES DEN mit Lokalmatador Helge Stang am Mikro, den Schlusspunkt hinter einem ereignisreichem, hochklassigem Festival, dass einmal mehr bewiesen hat, dass München eine Weltstadt mit schwarzmetallischem Herzen ist.

Bleibt nur noch anzumerken, dass sich das DARK EASTER METAL MEETING (was sich im letzten Jahr schon angedeutet hat), still und (un)heimlich, zu einem Indoor-Spektakel entwickelt hat, welches sich nicht nur in Deutschland zur Top-Adresse für Black/Death/Doom Liebhaber entwickelt hat, sondern inzwischen auch den internationalen Vergleich mit ähnlich gelagerten Festivals nicht mehr zu scheuen braucht.
Unzählige Fans aus dem näherem Ausland, aber auch vermeintlich exotische Gäste (u.a. aus Brasilien, Russland und der Ukraine) bestätigen diese Aussage und lassen das DEMM in eine glorreiche Zukunft blicken.
Schon jetzt dürfte sich abzeichen, dass auch das DARK EASTER METAL MEETING 2019 lange vor Beginn ausverkauft sein wird. Wer sich also auch im kommenden Jahr dem österlichen Segen des Vatikans ("Urbi et orbi") entziehen möchte, tut gut daran, sich schön in Bälde um Karten zu bemühen. Auch deshalb, weil dann, die für dieses Jahr angekündigten TAAKE und HELHEIM, ihre Gigs nachholen werden.
See You Next Year - Hail DARK EASTER METAL MEETING ! (JK)


Vom diesjährigen Dark Easter Metal Meeting berichtet Jürgen (JK) als Einzelkämpfer für metal-is-forever-alive.

Abschließend auch noch ein großes Dankschön an die Veranstalter des DEMM und an Sabine Thiele Foto !



Mittwoch, 4. April 2018

Konzertbericht MAGNUM + REDS'COOL - 21.3.2018 München / Muffatwerk (Ampere)

Forever Young - MAGNUM rocken München

Nicht nur dass der Großteil ihrer Hits nicht zu altern scheint, auch den fünf Musikern aus Birmingham kann die Zeit scheinbar nur optisch (Stichwort: Falten) was anhaben.
Kreativ und produktiv wie eh und je, das kongenaile Duo Clarkey & Catley erlebt momentan erfolgstechnisch nicht nur seinen zweiten Frühling (Platz 8 in den deutschen Album-Charts mit "Lost on the Road to Eternity"), sondern befindet sich momentan auch auf ausgedehnter Europa-Tournee, um besagtes Album zu promoten.
Für den Großteil der diesjährigen Tour bekamen wie schon 2016 REDS'COOL aus St.Petersburg den Zuschlag, als Opening-Act das Feld für für MAGNUM zu bestellen.

Pünktlich wie die Maurer, beginnen REDS'COOL, auf die Sekunde genau, um 20 Uhr ihren Gig im ausverkauften Ampere zu München.

Allerdings dauert es einige Momente, bis die Russen sich sortiert haben, da die sehr kleinen Bühne kaum Platz für die fünf Musiker bietet, da selbige zur Hälfte vom monströsen (abgedeckten) MAGNUM Drumkit zugestellt ist, und der restliche Platz nahezu komplett vom eigenen Schlagzeug beansprucht wird. Nachdem jeder seinen Platz gefunden hat, legen REDS'COOL dann auch direkt los.
Wer einmal schon einen Auftritt der Russen gesehen hat, der weiß was ihn erwartet: Melodiöser Hardrock, der sich irgendwo zwischen WHITESNAKE und GOTTHARD heimisch fühlt.
Mit ihrem erdigen Mix, der stellenweise auch minimale Ausflüge hin zum AOR zulässt, sind die 5 Jungs für die undankbare Aufgabe eines Anheizers für eine Kultband wie MAGNUM perfekt geeignet. Auch deshalb, weil REDS'COOL niemanden weh tun. Soll heißen: Ihre Songs rocken schön, die Performance ist ansprechend (hier wäre vor allem Sänger Slava Spark zu nennen), und die Zuschauer fühlen sich für den Moment gut unterhalten. Nur leider bleibt kaum was hängen, da den Songs ein paar (die entscheidenden) Prozent fehlen, was Eingängigkeit der Hooks und Refrains betrifft. Trotzdem kommt die Show heute Abend beim Publikum gut an - es werden Fäuste gereckt, es wird mitgesungen, es wird applaudiert. Nach 45 Minuten haben REDS'COOL ihre Aufgabe, die Zuschauer auf Betriebstemperatur zu bringen, erfüllt und überlassen die Bühne nun einem halben Dutzend fleißigen Helfern, die in der nächsten halben Stunde die technischen Grundlagen für MAGNUM schaffen.

Ebenfalls auf die Minute pünktlich, um 21 Uhr, betreten MAGNUM die Bretter, die die Welt bedeuten, und werden von Anbeginn frenetisch abgefeiert. Nach einer kurzen Begrüßung starten MAGNUM ihr heutiges Hitfeuerwerk mit "When We Were Younger".
                                                                      
MAGNUM (© by metal-is-forever-alive)
Ein Titel, der nicht passender hätte ausgesucht werden können, um die heutige Show zu eröffnen, behandelt er textlich doch die Themen "Rückblick" und "Altern".
Zurückblicken können MAGNUM inzwischen auf eine über 45-jährige Karriere. Viereinhalb Jahrzehnte voller Leidenschaft für die Musik, in denen die Band zusammen mit ihren Fans in Würde gealtert ist. Obwohl Catley und Clarkin  jeweils schon über 70 (!) Jahre alt sind, merkt man beiden das "Alter" nur bedingt an. Zwar fallen die Bewegungen auf der Bühne inzwischen etwas gemächlicher aus und das Haar ist schütterer geworden (bei Clarkin sowieso), was aber kaum ins Gewicht fällt, da Clarkins Gitarrenspiel und Gespür für Harmonien immer noch zu begeistern wissen und Catleys Stimme sowieso mit zum Besten gehört, was das Genre hergibt.
MAGNUM (© by metal-is-forever-alive)

Songs wie "How Far Jerusalem", "Les Morts Dansant" oder "All England's Eyes" haben zudem bis heute nichts von ihrem Reiz verloren und werden heute Abend genauso frisch und knackig serviert wie anno dazumal, als das dazugehörige Album ("On a Storyteller's Night") herauskam - und das ist mittlerweile auch schon 33 Jahre her.
Überhaupt ist die Spielfreude heute Abend unglaublich.
Den Vogel schießen aber Al Barrow und Bob Catley ab. Der eine (Al Barrow) turnt zu "Don't Wake the Lion (Too Old to Die Young)" bassspielenderweise minutenlang auf einer Lautsprecherboxen herum, und den anderen (Bob Catley) hat man lange schon nicht mehr so aufgedreht erlebt, wie heute Abend. Ständig sucht er Kontakt zu den Zuschauern und schüttelt dabei unzählige Hände. Doch damit nicht genug, die letzte halbe Stunde entdeckt Bob das Stageacting wieder neu für sich.
                                                 
MAGNUM (© by metal-is-forever-alive)

Mal tänzelt er leichtfüßig über die Bühne, mal bedient er das Tamburin (Schellenkranz) mindestens genauso elegant wie Steven Tyler, dann wieder legt er einen "Sprint" vom rechten, zum linken Bühnenrand hin, nur um im nächsten Moment mittig den Einpeitscher und Vorsänger zu "Vigilante" zu geben. Respekt.

Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass MAGNUM noch recht lange auf der Road to Eternity unterwegs sind und der Tag, an dem der letzte Vorhang fällt, noch ein oder zwei weitere Tourneen entfernt sein wird - mindestens.  (JK)