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Samstag, 7. Juli 2018

ONKEL TOM / "Zwischen Emscher & Lippe" / Label: Steamhammer - SPV / 4 Tracks (EP) / 20:02 Min

Fussball ist wie Schach, nur ohne Würfel. (Lukas Podolski)

Nachdem sich Tom Angelripper in der Vergangenheit immer mal wieder als ONKEL TOM zu Wort gemeldet hat, um die deutsche Sauf- und Schunkelkultur in Form von zumeist hochprozentigen Liedern, am Leben zu erhalten, "beglückt" er uns diesmal mit einer Hommage an seine blau-weiße Heimat.
Startet die EP mit dem namensgebenden Track "Zwischen Emscher & Lippe" (eine entschleunigte Nummer mit Schifferklavier, Orgel und feinster Ruhrpottromantik im Text) noch recht vielversprechend, geht der Veröffentlichung in der Folge dann allerdings recht schnell Luft aus. Und zwar so dramatisch, als würde sich Reiner Calmund mit vollem Gewicht auf einen Fußball setzen.
Womit wir auch schon beim allgegenwärtigen Thema vom "Zwischen Emscher & Lippe" wären: Fussball im Allgemeinen und Schalke 04 im Speziellen.
Viele von euch dürften spätestens jetzt aus der Nummer raus sein, vor allem die Dortmunder. Der blau-weiße Rest darf sich bei "Für die Ewigkeit" und "Die Erben des S04" zumindest über fantypische (textliche) Plattitüden freuen.
Betrachtet man allerdings auch die musikalischen Seite der beiden Nummern, dürfte selbst diese Gruppierung relativ schnell die Lust an Dargebotenem verlieren. Da hilft es auch dann auch nicht mehr viel, dass Torben Höffgen von KÄRBHOLZ bei einer Nummer seinen Senf dazu gibt.
So bleibt am Ende (fast) nichts als Schulterzucken übrig und die Frage, warum diese EP über ein renommiertes Plattenlabel vertrieben wird und nicht über den Fanschop von S04.

Fazit: Bis auf den ersten Titel der 4 Track-EP kann man sich als ordinärer Rock- bzw. Metal-Fan diese ONKEL TOM Veröffentlichung komplett sparen. Einzige Ausnahme, man sieht die (Fussball-)Welt durch eine blau-weiße Brille und kann sich in seinem Leben nichts schöneres vorstellen, als in der Arena auf Schalke "Attacke" zu rufen. (JK)

3 von 10
                                                                                                           
www.onkeltomband.de

Dienstag, 3. Juli 2018

NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++ NEWS +++

Am 10. August bringen die A-Cappella-Metaller von VAN CANTO ihr siebtes Studioalbum auf den Markt. "Trust in Rust", so der Titel des Albums, wird via Napalm Records veröffentlicht +++ KILLSWITCH ENGAGE haben bei Metal Balde Records eine neue Labelheimat gefunden. Die erste Veröffentlichung der Collaboration ist für 2019 geplant +++ASTRAL DOORS stehen ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung eines neuen Albums. Der 9. Longplayer der Schweden soll ab November erhältlich sein, ein Titel steht aber noch nicht fest +++ Tour-Dates: GRAVE DIGGER + BURNING WITCHES 11.1.19 Hannover/Musik Zentrum, 12.1. Andernach/JUZ, 14.1. München/Backstage, 15.1. Aschaffenburg/ Colos-Saal, 16.1. Saarbrücken/Garage, 17.1 Bochum/Zeche, 18.1. Glauchau/Alte Spinnerei, 19.1. Neuruppin/Kulturhaus, 22.1. Hamburg/Markthalle, 23.1. Berlin/Lido, 24.1. Bamberg/ Live Musik Club, 25.1. Regensburg/Eventhalle Airport, 26.1. Memmingen/Kaminwerk, 27.1. Ludwigsburg/Rockfabrik +++ Tour-Dates: NECROWRETCH + CEMETERY URN 7.9. Hamburg / Bambi Galore, 8.9. Chemnitz / Nikola Tesla, 12.9. Basel (CH) / Hirscheck, 13.9. Wolfsburg / Jugendhaus Ost, 15.9. Berlin / Swamp Fest, 21.9. Wermelskirchen / NRW Death Fest +++

Donnerstag, 31. Mai 2018

Konzertbericht ENSIFERUM + EX DEO + WIND ROSE - 4.5.2018 Backstage/München



ENSIFERUM'S Path to Glory mit Stopp im Münchner Backstage: Drei Bands (WIND ROSE & EX DEO & ENSIFERUM) + drei Themen (Mittelerde, Rom, Pagansism = dreifacher Gewinn für alle Beteiligten


Den Abend eröffnen dürfen heute die fünf Italiener von WIND ROSE. Allerdings erwecken sie eher den Eindruck, direkt aus Mittelerde zu kommen, genauer gesagt, vom Berg Erebor, als aus dem Stiefelland. Laut Bandpage hat sich die Band komplett den Zwergenthema aus Tolkiens "Der Hobbit" verschrieben. Musikalisch setzen WIND ROSE das Ganze mit epischen Folk Metal um, und können damit relativ schnell das Münchner Publikum auf ihre Seite ziehen.
WIND ROSE (© by metal-is-forever-alive)
Da ist es dann auch egal, ob eine symphonische Schlachtenhymne ("Rebel and Free"), oder ein fröhliches Trinklied ("Drunken Dwarves") angeboten wird, hier für jeden etwas dabei. Eine insgesamt energiegeladene Performance trägt ihr übriges dazu bei, dass die Zwerge zwischen jedem Song mit tosendem Applaus belohnt werden. Den haben sie sich aber auch mehr als verdient, alleine schon deswegen, weil sie der brütenden Hitze in der Halle in ihren schweren fellbepackten Rüstungen trotzen und von Anfang bis Ende Gas geben. Gegen Ende der Show werden dann auch noch die Fans der etwas härteren Gangart bedient, gibt es bei "To Erebor" doch nun auch noch ein paar Growls zu hören. Als die Band ihren kurzweiligen 40 Minuten Auftritt mit "The Breed of Durin" beendet, haben sie ihren Job als Anheizer aller Ehren wert erfüllt. (RH)


Nachdem die wildgewordene Dwarf Horde aus Pisa ihren Gig beendet hat, setzt sofort emsiges Treiben auf der Bühne ein, gibt es nun doch viel zu erledigen. Binnen Minuten soll/muss nun das Kunststück vollbracht werden, die Bühne von "Mittelerde" in "Ancient Rome" zu verwandeln. Überraschenderweise kann relativ schnell Vollzug gemeldet werden, sodass die Legionäre von EX DEO bereits um kurz nach 19.30 Uhr einmarschieren können.
EX DEO (© by metal-is-forever-alive)
Als Startfanfare für die 50-minütige (musikalische) Schlacht haben sich EX DEO heute für "The Rise of Hannibal" vom aktuellen Album entschieden. Nicht nur der Opening-Track, auch das riesige Backdrop, welches das Cover-Artwork vom "The Immortals Wars" Album eindrucksvoll wiedergibt, lässt erahnen, was der Schlachtplan von Maurizio Iacono und seinen Mannen für den heutigen Abend sein wird: Das Publikum mit einer Vielzahl von neuen Songs (insgesamt fünf an der Zahl) warmzuschießen und zwischendurch bzw abschließend mit den großen Hits in helle Begeisterung zu versetzen. Ein Plan der aufgeht, auch deshalb, weil sich ziemlich viele Bandshirtträger der Kanadier unter das Viking- und Pagan-Metal Volk gemischt haben. Wer vor Konzertbeginn evtl leichte Zweifel hatte, ob EX DEO in diesem Tourpackage wirklich gut aufgehoben sind, der wurde ruck zuck eines Besseren belehrt. Überwiegend war die Stimmung sogar genauso frenetisch und lautstark wie beim finnischen Headliner. Letztendlich konnten EX DEO heute Abend für "I, Caligvla", "Ad Victoriam (The Battle of Zama)", "Romulus" und "The Final War" den meisten Applaus einheimsen. Zu letztgenanntem Song gab es auch noch eine prächtige Wall of Death zu bestauen - Metalfan was willst du mehr. (JK)


Zu den Klängen des Intros "Ajattomasta Unesta" betreten nun ENSIFERUM die Bühne. Dabei steht Gitarrist Markus Toivonen im Mittelpunkt, während sich die anderen Bandmitglieder noch im Hintergrund halten.
ENSIFERUM (© by metal-is-forever-alive)
Nach dem Übergang zum ersten vollwertigen Song "For Those About to Fight for Metal" nehmen nun alle ihre vorgesehenen Plätze ein. Der Track erweist sich dabei als absoluter Livehit, der im Refrain von lauten Publikumschören begleitet wird. Ein toller Einstieg! Genauso geht es mit dem Titeltrack des neuen Albums "Two Paths" weiter. Live funktioniert dieses Stück sogar noch besser, als auf Platte. Das konstant hohe Niveau wird mit "Heathen Horde" und "King of Storms" problemlos gehalten. Im Anschluß daran gönnt sich Growler/Gitarrist Petri Lindroos erstmal eine kleine Pause und, und reicht den Staffelstab an den Sami Hinkka und Markus Toivonen weiter, die dann auch gleich mit "Wanderer" den vorläufigen Höhepunkt der Show setzen. Die Publikumsreaktionen sind dabei so euphorisch, dass die beiden im Refrain zeitweise von den mitsingenden Fans übertönt werden. Wie soll man das noch übertreffen? Aber ENSIFERUM haben das wohl mit einkalkuliert, und direkt danach "Twilight Tavern" in der Setlist platziert. Damit bringen sie die Menge nun endgültig zum kochen. Spätestens bei "Lai Lai Hei" wird deutlich, dass ENSIFERUM heute ausschließlich Hits spielen, und es dabei doch tatsächlich schaffen, sich mit jeden Song erneut zu übertreffen.
ENSIFERUM (© by metal-is-forever-alive)
Die erste kleine "Verschnaufpause" wird in Form des epischen 13-Minüters "The Longest Journey (Heathen Throne, Part II)" serviert. Nachdem die Energiereserven wieder aufgefüllt sind, geht es mit dem harten "Way of the Warrior", nun wieder mit voller Geschwindigkeit, weiter. Leider kündigt Petri Lindroos danach mit "Into Battle" auch schon den letzten Song an. Doch so schnell wollen die Fans ENSIFERUM natürlich noch nicht gehen lassen und holen die Band mit unermüdlichen Zugaberufen wieder zurück auf die Bühne. Petri erlaubt sich dabei noch einen kleinen Spaß, und erscheint, passend zum heutigen Star-Wars-Day (May the 4th), im Chewbacca-Kostüm. Anschließend wird dann noch das unverzichtbare "Iron" gespielt, welches von den üblichen „Da-da-da-da“-Chören aus dem Publikum begleitet wird. Als Rausschmeißer gibt es dann noch eine verkürzte Coverversion von GUNS N ROSES "Sweet Child o‘ Mine". (RH)

Mit dem letzten Akkord vom  GUNS N ROSES Gassenhauer im Ohr endet für sämtliche Beteiligten (Bands und Zuschauer), ein in allen belangen positiver Konzertabend, dem in dieser Konstellation am Ende nur ein paar Zuschauer (weit entfernt von ausverkauft) mehr gefehlt haben, um als eines der großen Live-Erlebnisse des Jahres 2018 in die Annalen einzugehen. (JK)

Die Heathen Horde live vor Ort haben Jürgen (JK) und Raphael (RH) begutachtet.


Konzertbericht SCHWARZER ENGEL + THE FRIGHT - 19.3. 2018 München/Backstage


Schwarz ist die Nacht, schwarz deine Seele, schwarz- braun ist hoffentlich nicht die Gesinnung dahinter - SCHWARZER ENGEL in München.


                                                                        



Um kurz vor 7 Uhr haben sich schon recht viele Menschen vor dem Münchner Backstage versammelt. Das lässt auf ein gut besuchtes Konzert für SCHWARZER ENGEL hoffen. Leider stellt sich relativ schnell raus, dass fast alle dieser Leute auf Einlass für ein Deathcore-Konzert in der Halle nebenan gewartet haben.
Und so muss die Vorband THE FRIGHT mit unspektakulären 20 Zuschauern auskommen. Das scheint die Musiker aber überhaupt nicht zu stören, als sie mit "Wander Alone" in ihren 45-minütigen Set einsteigen. Die eingängige Mischung aus Classic Rock und Gothic Rock kommt bei den Zuschauern gut an. Leider ist der Gesang von Frontmann Lon Fright wenig bis gar nicht zu hören, was natürlich suboptimal ist, auch weil die Band mit Liedern wie "Edward" oder "Drowned in Red" ein paar Songs im Programm hat, die eigentlich mit ihren schönen düsteren Gesangspassagen punkten. THE FRIGHT bieten heute Abend eine ausgewogene Mischung von älteren ("Beloved Night") und neueren Songs ("Oblivion"), wobei das aktuellen Album "Canto V" mit sechs Stücken klar die Nase vorne hat. In der Zwischenzeit sind auch ein paar Zuschauer mehr gekommen, sodass THE FRIGHT ihre letzten beiden Songs "Bonfire Night" und "Suicide Sun" nun vor sensationellen 40 Zuschauern spielen können.
Während der folgenden Umbaupause werden es auch nicht mehr, sodass der Veranstalter und die Bands am Ende wohl mit einem Minus im Portemonnaie nach Hause gehen werden. Trotzdem werden SCHWARZER ENGEL von den Anwesenden gespannt erwartet. Leider werden diese Erwartungen gleich beim ersten Song "Krähen an die Macht" auf eine harte Probe gestellt. Denn das Auftreten von Frontmann Dave Jason wirkt heute, ob bewusst, oder unbewusst, ziemlich faschomäßig. Seine Frisur erinnert ein wenig an den bekloppten Österreicher mit dem Oberlippenbart, und dass Dave Jason dabei wie ein Politiker an einem Rednerpult steht, macht die Sache dabei auch nicht unbedingt besser. Auch weil der zweideutige Songtext missinterpretiert werden kann. Auch bei den folgenden Tracks, die überwiegend vom neuen Album stammen, kann dieser Eindruck leider nicht gänzlich ausgeräumt werden, auch wenn bei Tracks wie "Sinnflut" oder "Gott ist im Regen" wenigstens keine textlichen Brücken gebaut werden.. Zum ersten Mal Licht ins Dunkel kommt mit "Schwarze Sonne", welches von den meisten Fans mitgesungen wird. Inzwischen hat sich Daves Frisur, vermutlich durch den Schweiß, ein wenig gelockert, was dazu führt, dass nun auch optisch etwas durchgeatmet werden darf. Nach "Himmelwärts" und "Unheil"gibt es einen fliegenden Bühnenumbau, auch das Rednerpult wird nun entfernt. Auch tritt Dave Jason ab jetzt wieder wie gewohnt auf. Dadurch, dass jetzt auch viel mehr Platz auf der kleinen Bühne ist, können nun auch die anderen Bandmitglieder etwas in den Vordergrund treten. Musikalisch geht es nun Schlag auf Schlag. Ein Hit "Hymne für den Tod", "Geister und Dämonen", "Der schwarze Engel (Herr der Krähen)" folgt auf den anderen "Traum einer Nacht". Mittlerweile kommuniziert Dave nun auch "normal" mit dem Publikum, und man sieht ihm den Spaß dabei an. Erstaunlich, wie sich seine Personality in so kurzer Zeit, so stark ändern kann! Nach ein paar neueren Songs (u.a. "Futter für die See") und wenigen älteren Songs (u.a. "Psycho-Path"), ertönt mit "Ritt der Toten" nun bereits der letzte Song des Abends. Den Zuschauern ist das natürlich noch lange nicht genug. Die Band lässt sich nicht lange bitten, und die Instrumentalfraktion erscheint zügig wieder auf der Bühne. Da jedoch Sänger Dave noch nicht wieder da ist, gibt es erst mal ein Basssolo zu hören. Mit "Krähenzeit" folgt dann (wieder komplett) einer ihrer härtesten Songs. Da es nun aber wirklich auf das Ende der Show zugeht, passt auch ein trauriger Song, wie "Wenn mein Herz zerbricht" perfekt ins Bild. Ohne die "Königin der Nacht" kann natürlich kein SCHWARZER ENGEL Konzert enden, und so gibt es diesen Klassiker auch noch zu hören. Gleich danach findet sich die komplette Band am Merch-Stand ein, um mit den Fans Fotos zu machen, und Autogramme zu geben. (RH)

Einer der wenigen Anwesenden bei diesem Gig war unser Raphael (RH)

Donnerstag, 17. Mai 2018

LEE AARON / "Diamond Baby Blues" / Label: Metalville - Rough Trade / 12 Tracks / 51:03 Min

Männer wollen immer die erste Liebe einer Frau sein. Frauen haben in diesen Dingen mehr Gefühl: Sie möchten die letzte Liebe eines Mannes sein. (Oscar Wilde)

Karen Lynn Greening, der fleischgewordene feuchte Traum männlicher Metal-Teenager der 1980er Jahre, meldet sich mit "Diamond Baby Blues", dem zweiten Longplayer nach ihrem Comeback zurück und legt dabei nicht nur ihre rockige, sondern, wie es schon der Albumtitel vermuten lässt, auch ihre bluesige Seite offen.
Wer der Werdegang der Kanadierin in letzter Zeit mitverfolgt hat, für den ist "Diamond Baby Blues" zudem der zweite Beweis (nach "Fire and Gasoline") dafür, dass die ehemalige Metal-Queen den Spaß an rockigen Klängen für sich wiederentdeckt hat und (gottlob) nicht länger mehr gewillt ist, Jazz-Klänge auf die Menschheit loszulassen.
Im Kern ist "Diamond Baby Blues", wie schon erwähnt, also ein bluesig angehauchtes Album, welches aber auch verschiedenste Einflüsse und Epochen der Rockmusik miteinander verbindet.
Richtig rockig geraten sind beispielsweise die ersten beiden Tracks ("Diamond Baby", "Mistreated") des Albums, bei denen LEE AARON nicht nur zeigen kann, dass sie es stimmlich immer noch drauf hat, sondern auch noch in der Lage ist, Fans ihrer Frühwerke zufrieden zu stellen. Vor allem bei ihrer Version der DEEP PURPLE Nummer "Mistreated" zeigt sich, dass LEE AARON im Lauf der Jahre nichts von dem verlernt hat, was sie in den 1980er Jahren bekannt gemacht hat.
Überhaupt kann man das gesamte Album als in den 1960er/-70er/-80er Jahren geerdet bezeichnen. So finden sich neben einer typisch 80er Jahre angehauchten Ballade ("Best Thing") auch noch weitere Coverversionen auf dem Album, die ihren Ursprung allesamt in den rockigen Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts haben.
Als da wären: "I'm a Woman" (KOKO TYLOR), "My Babe" (LITTLE WALTER), "You're No Good (LINDA RONSTADT), "Hard Road" (STEVIE WRIGHT) und "Black Cat" (JANET JACKSON).
Da auch die meisten der wenigen Eigenkompositionen ihren Charme haben, wie beispielsweise "American High",  kann man LEE AARON nun endgültig wieder jedem (gemäßigten) Rock Fan empfehlen, ohne dafür die Jazz-Krätze an den Hals gewünscht zu bekommen. (JK)

7 von 10

http://www.leeaaron.com/


Sonntag, 6. Mai 2018

DRUDKH / "They Often See Dreams About the Spring" / Label: Season of Mist / 5 Tracks / 43:30 Min

Horch! Wie brauset der Sturm und der schwellende Strom in der Nacht hin! Schaurig süßes Gefühl! Lieblicher Frühling, du nahst" (Ludwig Uhland)

Manche Bands meinen, dass die Knüppel-aus-dem-Sack Methode am ehesten zum Black Metal passen würde, andere hingegen meinen, dass es nicht schaden kann, wenn man subtiler zu Werke geht.
Beide Lager haben ihre Anhänger. Selten aber finden beide Seiten zusammen, sodass es in sich stimmig ist und den Augenblick überlebt. Allerdings bestätigen wie üblich auch hier ein paar Ausnahmen die Regel: Als Paradebeispiel dürfen ENSLAVED herhalten.
Aber auch das mysteriöse Quartett aus Charkiw in der Ukraine, von dem weder Interviews noch Bildmaterial existiert, kann man diesem elitären Zirkel zurechnen: DRUDKH
Ähnlich wie ENSLAVED verstehen es die Ukrainer verschiedenste Elemente so zusammenzufügen, dass am Ende eines jeden Hördurchgangs, nichts als Begeisterung beim Hörer zurückbleibt.
Hymnische Momente treffen auf melodiöse Leichtigkeit, düsteres Black Metal Riffing auf wohl durchdachte progressive Strukturen. Verbindendes Element ist allenthalben, eine mal drückende, mal fordernde Atmosphäre, die latent an die besten Momente von BURZUM erinnert.
Durch das Zurückfahren der Folkelemente, die bei vorherigen Veröffentlichungen eine noch größere Rolle gespielt haben, ist es DRUDKH diesmal zudem gelungen, mehr Intensivität in die Songs zu trasportieren, was letztendlich dazu geführt hat, dass "They Often See Dreams About the Spring" deutlich mehr schwarzmetallische Kraft in sich birgt.
Trotzdem bleiben ausgiebige Doublebassattacken eher die Ausnahme, was aber nicht bedeutet, dass DRUDKH es sich diesmal im Mid-Tempo gemütlich gemacht hätten. Keineswegs.
Bester Beleg dafür ist "Bilyavyi Den Vtomyvsya I prytykh (Білявий день втомився і притих)", das jenen Spirit atmet, der Anfang der 1990er Jahre die norwegische Szene groß gemacht hat.
Ihre lyrische Inspiration für das Album haben sich DRUDKH wie üblich, bei ukrainischen Dichtern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts geholt. Hier wären vor allem Bohdan Ihor Antonych, Majk Herwasijowytsch Johansen und Pawlo Petrowytsch Fylypowytsch zu nennen.

Fazit: "They Often See Dreams About the Spring" ist ein kraftvolles Statement der musikalischen Klasse von DRUDKH. (JK)

9 von 10

https://www.facebook.com/Drudkh.Official
https://drudkh.bandcamp.com/

Sonntag, 29. April 2018

Konzertbericht PRIMORDIAL + MOONSORROW + DER WEG EINER FREIHEIT - 25.4.2018 München / Backstage



Heathen Crusade Tour - PRIMORDIAL gemeinsam mit MOONSORROW und DER WEG EINER FREIHEIT auf Seelenfang im Backstage

Während gefühlt halb München an diesem Mittwochabend dem fußballerischen Highlight Bayern München gegen Real Madrid entgegenfieberte und deswegen den Arsch von der heimischen Couch nicht hochbekam, gaben ca. 600 Schwarzkittel im Backstage ein "sportliches" Statement gegen das Couchpotatotum ab. Denn nirgendwo sonst als hier konnte man an diesem Abend mit der Kombi frische Luft (An- und Abreise), Bewegung (Power-Headbanging), erstklassige Unterhaltung (s.o.) punkten - schon gar nicht in der Arena, in der Marcelo und Asensio den Bayern die Petersilie verhagelten.

Ohne Petersilie, dafür mit der hochbegabten Würzburger Truppe DER WEG EINER FREIHEIT eröffnet der Heathen Crusade Tourtross die mittwöchliche Kontraveranstaltung.
DER WEG EINER FREIHEIT (© by metal-is-forever-alive)

Die hauen mit "Einkehr" dann auch gleich zu Beginn kraftvoll auf die Pauke. Rasende Drumbeats und flirrende Gitarren machen gleich zu beginn deutlich, dass der neue bayerische Ministerpräsident Söder (El Marco) mit seiner "In jeden Raum gehört ein christliches Kreuz"-Kampagne hier auf taube Ohren stoßen würde. Wer daran zweifeln sollte, bekommt als nächstes mit "Skepsis Part I" die passende (musikalische) Antwort darauf geliefert. Weiter im Text bzw. auf der Setlist geht es mit "Zeichen", mit dem DER WEG EINER FREIHEIT selbiges setzen, weil kraftvoll, wenn auch nicht mit perfektem Sound, dargeboten. Mit "Requiem" kehren Nikita Kamprad & Co anschließend nochmals zum 2015er Album "Stellar" zurück, bevor mit "Aufbruch" auch schon der letzte Song der 45-minütigen Vorstellung ertönt.

Während der nun folgenden Umbaupause bekommen die Fussballfans zu Hause einen ersten spanischen Nadelstich (Gegentor) verpasst, der dazu führen könnte, dass der diesjährige Tripletraum vorzeitig ausgeträumt sein wird. Im Backstage lebt der Tripletraum jedoch weiter, steht nun doch Teil 2 des heidnischen Dreierleis an: MOONSORROW

Wer die Finnen schon einmal live erleben durfte, der weiß welch' epische Urgewalt die Sorvali Cousins und ihre heidnische Truppe auf die Bühne bringen können. Fellwesten, Trinkhörner, Sackpfeife oder sonstige Kirmesutensilien sucht man hier vergebens - Odin sei Dank! Auch der Flötenschlumpf hat bei MOONSORROW Hausverbot. Ein Umstand, den inzwischen nicht wenige zu schätzen wissen. Dementsprechend lautstark werden die Finnen empfangen, die mit "Pimeä" in ihr Set einsteigen. Es gibt im Metal Business nicht viele Bands, die die Eier haben, mit einem 14 Minuten Track einen Gig zu eröffnen - MOONSORROW jedoch können es sich erlauben, solch einen ausufernden Song zum warm werden anzubieten.
MOONSORROW (© by metal-is-forever-alive)
Aber, was sollen sie auch sonst machen, ist ihre Discographie doch überwiegend mit überlangen Liedern gespickt.
Es dauert nur wenige Momente und bei den meisten der Anwesenden im Publikum wird der Grundstein für den morgigen Nackenmuskelkater gelegt. In den folgenden 65 Minuten wechseln sich wildes Headbanging und andächtiges Lauschen ab. Auf Konversation wird weitesgehend verzichtet. MOONSORROW zählen ohne Frage sowieso zu der Sorte von Bands, die ihre Musik für sich sprechen lassen können: "Ruttolehto sis. Päivättömän päivän kansa", "Suden tunti", "Kivenkantaja", "Mimisbrunn" und "Kuolleiden maa" haben jeden Menge zum erzählen, der musikalischen Art.  Und so werden MOONSORROW nach Ende ihrer Show genauso verabschiedet, wie sie gekommen sind - lautstark.

Während die Fussballfans zuhause, sofern sie Bayern Anhänger sind, ob des zweiten Gegentores, in Schockstarre verfallen sein dürften, kennt die Vorfreude und Euphorie im Backstage keine Grenzen, steht mit PRIMORDIAL doch nun der Headliner in den Startlöchern.

Über PRIMORDIAL muss man wohl nicht viele Worte verlieren, stehen sie doch seit mehr als zwei Jahrzehnten für Qualität, sowohl auf der Bühne, als auch auf Platte.
Ihr letzter Output "Exile Amongst the Ruins" kam erst vor wenigen Tagen auf den Markt, ist aber trotzdem schon in aller Munde. So auch der Opener ("Nail Their Tongues") von besagtem Album, der heute als Opening-Track des heutigen Auftritts ausgesucht wurde und von Anfang an, aus unzähligen Kehlen, leidenschaftlich mitgegröhlt wird.
PRIMORDIAL (© by metal-is-forever-alive)
Wer meint, dass damit schon das Nonplusultra des Stimmungbarometers erreicht worden wäre, der wurde vom Begeisterungsorkan umgeblasen, der während des nächsten Titels ("Gods to the Godless") in den Äther geschickt wurde. Solch ein Empfang muss natürlich belohnt werden, in Form einer dezent angedeuteten höfischen Verbeugung (Kratzfuß) von Alan Averill vor dem Publikum.
Überhaupt dreht A.A. Nemtheanga heute auf, wie selten zuvor. Zu seiner von jeher bewegungsfreudigen Art und Weise, gesellt sich heute zudem auch noch die ein oder andere eher ungewohnte Showeinlage (sitzenderweise am Bühnenrand singen, Kniefall, Mikrofonständer verbiegen usw.). Keine Ahnung von welchem Leprechaun der Whiskey gebraut wurde, den Alan heute getrunken haben mag, Fakt ist, die Wirkung ist auf jeden Fall eindrucksvoll. Auch stimmlich wirkt A.A. Nemtheanga heute gefestigter als sonst. Alles zusammen lässt nur einen Schluß zu: PRIMORDIAL sind auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angekommen.
Das sehen scheinbar auch sämtliche heute hier Anwesenden so. Egal ob PRIMORDIAL neues Material ("To Hell or the Hangman", "Stolen Years", "Upon Our Spiritual Deathbed") oder die ganz großen Bandhymnen ("As Rome Burns", "The Coffin Ships","Heathen Tribes") raushauen, eines ist ihnen gewiss: Begeisterung.
Nach schweißtreibenden 90 Minuten und dem finalen "Empire Falls", brandet an diesem Mittwoch Abend ein letztes Mal (lautstarker) Applaus auf, während sich die Protagonisten von der Bühne zurückziehen.

Während im Backstage an diesem Abend, ob der hochklassigen Bandauswahl keine Mähne ungeschüttelt blieb und die Besucher der Heathen Crusade Tour zufrieden den Heimweg antreten, dürfte weiter nördlich, in der Münchner Fussball-Arena, die Glückshormone nicht ganz so großzügig ausgeschüttet worden sein.
Den in Rot gewandeten Fussballern bleibt aber immerhin noch das Rückspiel, um die Sache umzubiegen, und damit ihre Anhänger auch in jenen freudigen Zustand zu versetzen, der Metal Fans von jeher Eigen ist. (JK) 


Donnerstag, 26. April 2018

Vorankündigung: ENSIFERUM + EX DEO + WIND ROSE - 4.5.2018 Backstage / München

http://www.backstage.info/

Konzertbericht ANGRA + GEOFF TATE'S OPERATION: MINDCRIME + HALCYON WAY + RAVENSCRY - 13.4.2018 München/Backstage



Isarstrand statt Copacabana: ANGRA - Omni Worldtour 2018


Was der Titel des neuesten ANGRA Albums bereits andeutet, die Brasilianer wollen auf der Omni Worldtour "Alles und Jeden" dazu einladen, einem der wenigen Deutschland-Gigs beizuwohnen und mit ihnen zu feiern. 
Soweit die Theorie. Die Realität sah jedoch etwas anders aus. 
Da half dann auch die Dreifach-Unterstützung in Form von Geoff Tate's OPERATION: MINDCRIME, HALCYON WAY und RAVENSCRY nicht mehr viel, um die Tour in einem hellem Licht erstrahlen zu lassen. Erstgenannter stahl ihnen am Ende gar komplett die Show.


Den Abend eröffnen dürfen heute jedoch die Mailänder RAVENSCRY. Sie spielen sehr harten Progressive Metal mit starken Metalcore-Einflüssen. Sängerin Giulia Stefani greift aber interessanterweise trotz der harten Musik ausschließlich auf klaren Gesang zurück. Dies allerdings auf verschiedenste Art und Weise. 
RAVENSCRY (© by metal-is-forever-alive)
Von rockigen Passagen bis Operngesang ist hier alles vertreten. Auch die Instrumentalisten haben einiges zu bieten. Denn die oftmals sehr komplexen Stücke sind gefüllt mit Dissonanzen und komplizierten Rythmen. Insbesondere Rhythmus-Gitarrist Federico Schiavoni kann hierbei seine achtsaitige Gitarre voll ausnutzen. Lediglich die gelegentlich auftretenden Breakdowns und der schlechte Sound trüben den Gesamteindruck etwas. Dennoch spielen RAVENSCRY eine respektable Show. Leider sind zu so früher Stunde aber noch kaum Zuschauer anwesend und so fällt der Applaus entsprechend mau aus. (RH)

Das ändert sich bei HALCYON WAY, der zweiten Band des Abends, jedoch schlagartig. Denn die fünf Amerikaner scheinen genau zu wissen, wie man bei Fans und Zuschauern die bestmöglichen Reaktionen hervorrufen kann. Wie große Rockstars stürmen sie auf die Bühne und steigen sofort in ihren Set ein, der heute zu einem nicht unerheblichen Teil aus neuen, noch unveröffentlichen Songs besteht. Man sieht ihnen den Spaß zu jeder Sekunde der Show an.
HALCYON WAY (© by metal-is-forever-alive)
Und so werden es mit jedem Lied mehr Fans in der Halle. Das ist aber auch kein Wunder, denn HALCYON WAY können auch musikalisch voll überzeugen. Der thrashige Progressive Metal kommt beim Publikum zu großen Teilen bestens an. Lediglich die Stimme von Frontmann Steve Braun ist zu Beginn etwas zu leise, und geht zwischen dem mehrstimmigen Background-Gesang der beiden Gitarristen und den unterstützenden Growls von Bassist Skyler Moore etwas unter. Nach einem Hinweis aus dem Publikum wird das aber unkompliziert behoben, und so können HALCYON WAY ihre Show bei besten Soundverhältnissen zu Ende spielen. Nach diesem gelungenen Auftritt dürften sie sicher den ein oder anderen Fan dazugewonnen haben. (RH)

Das haben Geoff Tate und seine OPERATION: MINDCRIME Truppe gar nicht mehr nötig. Und so wird es schon lange vor Beginn ihrer Show schon richtig eng in den ersten Reihen. Inzwischen ist es auch weiter hinten in der Halle recht gut gefüllt. Gleich beim ersten Song "Revolution Calling" merkt man, dass die Band um ex-QUENNSRYCHE Sänger Geoff Tate heutzutage niemand mehr von sich überzeugen muss. Lautstarker Jubel unterstreicht dies. Da heute das 1988er Album "Operation: Mindcrime" nahezu in voller Länge aufgeführt wird, ist den Fans das Song-Material natürlich bestens bekannt - und so werden nicht nur die Refrains lautstark mitgesungen. Im Mittelpunkt der Show steht natürlich Frontmann Geoff Tate, der heute wirklich fantastisch singt. 
OPERATION:MINDCRIME (© by metal-is-forever-alive)
Selbst die höchsten Töne trifft er perfekt. Die anderen Musiker treten dabei etwas in den Hintergrund und stehen meist in einem Rechteck um Geoff herum. Nur wenn Gitarrist/Keyboarder Bruno Sa sich hinter sein drehbares Keyboard stellt, kommt etwas Abwechslung und Bewegung in die Runde. Das scheint aber niemanden zu stören, die Band wird einfach nach jedem Song euphorisch abgefeiert. Und das obwohl OPERATION: MINDCRIME mit ihrer Hard Rock-lastigen Musik stilistisch in eine ganz andere Richtung gehen, als die anderen Bands des heutigen Abends! 
Um "Suite Sister Mary" möglichst authentisch rüberzubringen, lässt sich Geoff bei diesem Track von einer Gastsängerin unterstützen. Bei eingängigen Songs wie "The Needle Lies" oder "Breaking the Silence" konzentriert sich die Band aber wieder voll auf sich und stellt die Songs wieder in den Mittelpunkt. Für die wenigen, die mit den Songs nicht ganz so vertraut sind, treten gegen Ende der Show allerdings ein paar Längen auf, da Geoff Tate weitesgehend auf Ansagen und Konversation verzichtet. Da der Großteil der heute Anwesenden aber Fans von QUEENSRYCHE und/oder OPERATION: MINDCRIME zu sein scheint, spielt dies keine Rolle. Der tosende Applaus nach "Eyes of a Stranger" zollt nicht nur der stimmlichen Höchstleistung eines Geoff Tate Tribut, sondern stellt zudem die nun folgenden ANGRA vor eine Herkulesaufgabe. (RH)

Denn nach so viel Nostalgie, ist es jetzt nicht unbedingt leicht, den Schwenk zu bekommen. Aber ANGRA sind glücklicherweise auch kein unbeschriebenes Blatt und stehen zudem ebenfalls für Qualität - und das auch schon seit 1991!
ANGRA (© by metal-is-forever-alive)
Allem Anschein nach, sehen das aber nicht alle so. Wie sonst ließe sich erklären, dass ca 1/3 der Zuschauer nach Geoff Tate und seinem OPERATION: MINDCRIME den Rückzug in hintere Hallenbereiche vorzieht oder gar den Heimweg antritt. Den Fans der Brasilianer kann es aber nur recht sein, gibt es deswegen doch etwas mehr Platz in den vorderen Reihen.
Auch Rafael Bittencourt, Fabio Lione & Co lassen sich vom Zuscherschwund wenig beeindrucken, zumindest äußerlich.
Mit "Nothing to Say" hauen ANGRA zu Beginn dann auch geich mal einen Track raus, der einem keine Zeit mehr lässt, darüber nachzudenken, warum der heutige Auftritt nicht mehr Zuschauer angelockt hat.
Immerhin machen zumindest diejenigen, die den Weg in die Venue gefunden haben und nicht nacht OPERATION: MINDCRIME abgehauen sind, einigermaßen Alarm. Im Vergleich zu den südamerikanischen Jubelarien, welche ANGRA von Konzerten in ihrer brasilianischen Heimat gewohnt sein dürften, ist es aber dennoch nur ein laues Lüftchen, was ihnen hier und heute an Begeisterung entgegengebracht wird. Und so gestalten sich die folgenden knapp 90 Minuten zu einem realtiv zähem Konzerterlebnis, zumindest für jeden, der nicht Die-Hard Fan der Brasilianer ist. Nicht ganz schuldlos an diesem Umstand sind aber keineswegs nur die nicht zahlreich vorhandenen Fans, sondern eben auch ANGRA selbst.
ANGRA (© by metal-is-forever-alive)
Oftmals wirkt die Show nämlich viel zu routiniert, um nicht unterkühlt zu sagen. Auch die Zusammenstellung der Setlist ist alles andere als gegeignet, um den Schuppen zum kochen zu bringen. Warum nahezu komplett auf schnellere Songs verzichtet wurde, bleibt ein Rätsel.
Und so gibt es bis auf "Acid Rain" und dem Drumsolo vor "Insania" relativ wenig Höhepunkte, die während dem regulären Part der Show Anlass dazu böten, den heutigen Gig der Brasilianer länger in Erinnerung zu behalten.
Was möglich gewesen wäre, zeigt der exzellente Zugabenblock, der mit dem wohl besten ANGRA Song "Rebirth", dem gänsehautmäßigen QUEENSRYCHE Cover "Silent Lucidity" (gemeinsam mit Geoff Tate) und dem flotten Doppelschlag "Carry On" / "Nova Era" hinten raus all das vereint, was zuvor leider oftmals gefehlt hat. (JK)

Der Abend mit vier sowohl unterschiedlich ausgerichteten, als auch differenziert wahrgenommenen Bands, wurde für euch von Raphael (RH) und Jürgen (JK) unter die Lupe genommen.

DEVASTATIÖN / "Drink With the Devil" / Label: Empire Records / 5 Tracks (EP) / 15:24 Min

Vielleicht ist Leben Tod und Tod Leben, und essen und trinken nur ein Selbstbetrug der Sinne. Denn was ist anderes der Tod als ein ewiger Schlaf, und ist das Leben nicht alles ein Essen und Trinken? (Aristophanes)

Die belgischen Thrash Rabauken DEVASTATIÖN haben bei Empire Records eine neue Labelheimat gefunden. Als ersten Arbeitsnachweis beim ebenfalls aus Belgien stammenden Palattenlabel jagen DEVASTATIÖN eine 5-Track EP durch den Äther: "Drink Withthe Devil".
Geboten wird, wie schon auf den beiden vorangegangenen Alben ("Lether Jack Maniac" von 2011 und "Pussy Juice Blues" von 2015) ein rifflastiger Mix aus Old-School Thrash, etwas Black Metal und dem ein oder anderen Querverweis zur NWoBHM.
Songs wie "Society Will Die", "Drink With the Devil" oder "Defillement" sind zwar allesamt nicht innovationspreisverdächtig, machen aber trotzdem jede Menge Spaß.
Das liegt zum einen daran, dass DEVASTATIÖN nur seltenst den Fuß vom Gaspedal nehmen, aber eben auch daran, dass es die Belgier schaffen, mit Abwechslung (im kleinen Rahmen) und mit eingängigen Refrains (allgegenwärtig) den Hörer bei Laune zu halten.
Wem ehrwürdige Bands wie beispielweise MANDATOR, HALLOWS EVE oder SADUS heutzutage noch was sagen, der dürfte mit DEVASTATIÖN einen fetten Fisch an Land ziehen.
Wem das immer noch nicht genügt, dem sein gesagt, dass auch der deutsche Michel in Form von (frühen) KREATOR auf "Drink With the Devil" durchgängig sein Unwesen treibt.

Fazit: Kurz, knackig, kompromisslos - DEVASTATIÖN lassen die 80er Jahre aufleben. (JK)

7.5 von 10


LINE-UP
Matthieu Brasseur – Vocals
Tim Matthijs – Guitars
Maarten De Zutter - Bass
Tom Heynssens - Drums

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