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Freitag, 8. März 2019

Konzertbericht GAAHLS WYRD + TRIBULATION + UADA + IDLE HANDS 28.2.2019 München / Backstage (Halle)

Der Zoch kütt - Karneval der schwarzmetalischen Art: Northern Ghost Tour 2019.
Während im Rheinland die Narren mit Kamelle und Strüßje medienwirksam versuchen, den Winter auszutreiben, verhält sich die Sachlage in München etwas anders. So tanzen sich z.B. die Marktweiber am Faschingsdienstag auf dem Viktualienmarkt einen Wolf, nur um anschließend wieder ihr Obst und Gemüse zu horrenden Preisen an die Preißn zu verkaufen.
Auch interessant: Der traditionelle Rosenmontagsumzug findet in München über eine Woche vor dem Rosenmontag statt.
Wem das immer noch nicht narrisch genug ist, der konnte sich auf dem Marienplatz von Mickie Krause zeigen lassen, wie man mit einem Putzlappen auf dem Kopf, zu Playback, auf einer Bühne herumhüpft.
Gut, dass es in Münchens Metal Tempel, dem Backstage, eine Kontraveranstaltung zur christlichen Fastenvorbereitung gab.


IDLE HANDS

Manche Dinge erschließen sich einem erst nach geraumer Zeit, andere wiederum nie: Wie IDLE HANDS zu ihrem Slot als Openig-Act auf dieser Tour gekommen sind, war eine der am meisten diskutierten Fragen an diesem Donnerstag Abend in München. Letztendlich dürfte wohl die Tatsache, dass IDLE HANDS und UADA beide aus Portland/Oregon stammen und zudem auch beim selben Label (Eisenwald) beheimatet sind, die logischste Vermutung dafür sein, dass der Abend mit eher ungewohnten Klängen eröffnet wurde.
IDLE HANDS (© by metal-is-forever-alive)
Mit ihrem Mix aus Heavy Metal (NWoBHM) und Gothic Rock, sowie Okkult-Rock und 80er Jahre Wave Einflüssen sind sie definitiv nicht jedermanns Sache. Genausowenig wie der in den hohen Regionen schiefe Gesang von Gabriel Franco. Und trotzdem kommt der Auftritt der Jungspunde um einiges besser an, als man jetzt vermuten mag. Was zum einen an der jungendlich unbekümmerten Art des Newcomer-Quartetts gelegen haben mag, zum anderen und hauptsächlich aber daran, dass IDLE HANDS ein paar Songs im Angebot haben, die zwar meilenweit von Black Metal/Extrem Metal entfernt sind, denen man aber eine gewisse Aura trotzdem nicht absprechen kann. Dennoch wären sie auf einer "gemäßigteren" Tour mit ähnlich gelagerten Bands um einiges besser aufgehoben, als hier und heute. So gibt es am Ende nur Höfflichkeitsapplaus.


UADA

Nach einer überraschend kurz gehaltenen Umbauspause entern Portlands bekannteste Kapuzenträger die Bühne und eröffnen mit "Natus Eclipsm" kraftstrotzend. Diffuse Beleuchtung und eine konstant vor sich hin arbeitende Nebelmaschine geben dabei den passenden Begleitrahmen zum hämmernden Sound der amerikanischen Newcomer.
UADA (© by metal-is-forever-alive)
Neben den jungen osteuropäischen Vertetern dieser Zunft gibt es momentan nur noch wenige Black Metal Bands (neueren Datums), die das ursprüngliche, rohe Anlitz der dunklen Künste gekonnt mit zeitgemäßen Strukturen verbinden. UADA sind eine davon. Dementsprechend groß ist das Standing, das sich die Truppe innerhalb kürzester Zeit in der Szene erarbeitet hat. Und so wird jeder der fünf überlangen Songs während der Präsentation metaltypisch (Haareschütteln, Devilhorns) abgefeiert und anschließend großzügig beklatscht. Einziger Wermutstropfen heute Abend, der Bass ist etwas zu unspektakulär abgemischt, so dass dem dreiviertelstündigen, hypnotischen Reigen etwas die Wucht genommen wird. "Black Autumn, White Spring" beendet einen Auftritt, der wie üblich in der Schnittmenge von Dynamik und Monotonie (nicht despektierlich gemeint) beheimatet war und den Hype um UADA weiterhin befeuern dürfte.


TRIBULATION

Wie schon zuvor bei IDLE HANDS, kann man sich auch bei TRIBULAION den gesamten Auftritt über den Eindruck nicht erwehren, dass auch diese Herren auf dieser Tour etwas fehl am Platz wirken. Da hilft die Corpsepaint-Schminke im Gesicht der Protagonisten genauso wenig, wie die Nonnenmaskerade von Jonathan Hultén. Letzterer erinnert in seinem Kostüm und mit seinen übertrieben wirkenden Verenkungen sogar mehr an die Mutter von Brian aus "Monty Python's Life of Brian", als an eine vom Weg abgekommene Ordensschwester. Da wir heute aber Weiberfastnacht (Wieverfastelovend) haben, kann man dem ganzen zumindest eine belustigende Art und Weise nicht absprechen. 
TRIBULATION (© by metal-is-forever-alive)
Musikalisch ist die Messe auch schnell gelesen: Spätesten ab dem dritten Song "Lament" stellt sich Langeweile ein, da ein Song wie der andere aufgebaut ist und auch ansonsten nichts überraschendes auf der Bühne passiert, lässt man mal Brians Mutter und ihren Regentanz außen vor. Nur dann, wenn TRIBULATION sich daran erinnern, dass man das Gaspedal auch mal durchtreten darf und ein paar "Death Metal" Zitate miteinarbeiten, rechtfertigen sie ihren Slot als Co-Headliner auf dieser Tour. Und so fällt es zumindest mir nicht schwer, festzulegen, auf was ich in der Fastenzeit (und darüber hinaus) verzichten werde.


GAAHLS WYRD

Die kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Lonplayers stehenden GAAHLS WYRD eröffnen heute, anders als vor 14 Monaten, nicht mit der epischen TRELLDOM Nummer "Steg", sondern mit GORGOROTHs "Sign of an Open Eye". Womit die Richtung, wohin die (musikalische) Reise heute Abend gehen soll, gleich zu Beginn vorgegeben wird: Straight into Hell.
GAAHLS WYRD (© by metal-is-forever-alive)
Passend dazu servieren Gaahl und seine Mitstreiter, dem ohnehin schon ekstatisch aufgeladenem Publikum, ein feines Oldschool-Brett, welches allein schon durch die Präsenz von sechs GORGOROTH Nummer, diesen Namen auch verdient hat.
Obwohl die Setlist nur unwesentlich von der des letzten Besuches abweicht, entwickelt sich heute Abend dennoch ein total unterschiedliches Konzerterlebnis, als noch Ende 2017. Befand man sich seinerzeit von Anfang bis Ende in einem tranceähnlichen Zustand, ob der Magie, die von Gaahl ausging, lässt man sich heute bereitwillig zu einer schwarzen Masse formen, die sich headbangend total verausgabt, während Gaahl auf der Bühne mit seinem schamanischem Auge stets alles im Blick und unter Kontrolle hat. 
GAAHLS WYRD (© by metal-is-forever-alive)
                          Nur beim einzig neuen Song ("Ghosts Invited"), den GAAHLS WYRD heute Abend präsentieren und bei "Incipit Satan", kommt die Szenerie einen Moment zum ruhen und lauscht andächtig den Worten des Meisters. Spätestens zu "Wound Upon Wound" nimmt das wilde Treiben jedoch wieder Fahrt auf und befeuert damit von neuem das lodernde Höllenfeuer der Black Metal Nostalgie. 


Ein satanisches Halleluja für einen Konzertabend, der abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Von ungewohnten Klängen (IDLE WINDS), über brachiale Kapuzenmänner (UADA) und einer Nonne im falschen Film (TRIBULATION), bis hin zum anbetungswürdigen Gaahl, der zusammen mit seinen WYRDs, einmal mehr eindrucksvoll gezeigt hat, dass es für eine rundum gelungene Black Metal Show etwas mehr braucht, als das inzwischen bei den meisten Bands übliche Brimborium (Feuer, Räucherstäbchen, Tierblut) - nämlich Charisma und Hingabe. Beides davon hat Gaahl im Überfluss. (JK)


Sonntag, 15. April 2018

DARK EASTER METAL MEETING 2018 - 31.3. + 1.4.2018 München/Backstage



Corpsepaint, Menschenmassen und brennende Vorhänge: DARK EASTER METAL MEETING 2018


Ostern. Über die Herkunft des deutschen Wortes gibt es verschiedene Theorien: Im 8. Jahrhundert hat Beda Venerabilis die Herkunft auf die angelsächsische Morgengöttin Eostra zurückgeführt. Eine weitere Theorie verdächtigt die phönizische Fruchtbarkeitsgöttin Astarte, die der babylonischen Göttin Ischtar entsprach. Andere wiederum behaupten, dass nur der Eier hat, der am Wochenende nach Karfreitag ins Backstage pilgert, um, wie es seit Jahren Tradition ist, seine schwarzmetallischen Götter zu huldigen.
Wie dem auch sei, die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz, oder in diesem Fall auf der Bühne. Erstmals werden auf dem Dark Easter Metal Meeting (DEMM) drei Bühnen an beiden Tagen bespielt. Dieser Umstand und ein Billing der Extraklasse haben wohl (mit) dazugeführt, dass das Festival schon Wochen vor Beginn restlos ausverkauft war.



TAG 1 - Samstag


EWIGEIS

Mit dem halbstündigen Auftritt von EWIGEIS eröffnet das Dark Easter Metal Meeting 2018.
Was für das Festival der Startschuß ist, bedeutet für das Duo aus Schwabhausen das Ende - ist es heute doch der letzte Auftritt von EWIGEIS, die sich im Anschluß daran auflösen. Zehn Jahre haben sich Saat und Angsul durch den schwarzmetallischen Untergrund gerumpelt - ohne dabei für Furore zu sorgen. Ähnlich verhält es sich heute: Es wird geknüppelt, es wird gekrächzt und die Riffs sind nordisch angehaucht - doch Stimmung will nicht so richtig im Club aufkommen. Zu belanglos wirkt das Ganze, sodass höchstwahrscheinlich nur Die-Hard-Fans dem Duo eine Träne nachweinen werden. (JK)


UNLIGHT

Ganz anders als noch zuvor bei EWIGEIS verhält sich nun die Sachlage bei UNLIGHT. Mit ihrem feinem Mix aus Black Metal und Thrash treffen die Schwarzwälder bei den meisten der Anwesenden, wie es scheint, voll ins Schwarze. War zu Beginn des Sets noch eine leicht abwartende Haltung des Pulikums auszumachen, steigt die Zustimmung nun minütlich.
UNLIGHT (© by metal-is-forever-alive)
Zum ersten Mal am heutigen Tag gibt es lautstarke Beifallsbekundungen zwischen den Liedern, auch sieht man vereinzelt fliegende Matten, sodass nun auch von Festivalstimmung gesprochen werden kann. Leider kann der Sound mit der Performance auf der Bühne nicht ganz Schritt halten - zu leise (vor allem die Gitarren) und insgesamt zu verwaschen. Der Tontechniker hatte definiv nicht seinen besten Tag erwischt. Dennoch gestalten sich die 40 Minuten, nicht zuletzt wegen dem Abwechslungsreichtum der Songs, zu einer kurzweiligen Angelegenheit. (JK)


LEBENSSUCHT

Als nächstes folgt im Club eine kleine Premiere: LEBENSSUCHT spielen zum allerersten Mal in München. Dementsprechend voll ist es - brechend voll genauer gesagt! Geboten wird Depressive Black Metal und ganz viel Blut.
LEBENSSUCHT (© by metal-is-forever-alive)
Echtes (Rinder)Blut wohlgemerkt, das sich Frontfrau S Caedes in rauen Mengen beim Schlachthof ihres Vertrauens online bestellt, und in welchem sie vor Showbeginn zu baden scheint. Und so hinterlassen ihre nackten Füsse, unzählige rote Tapser auf der Bühne während dem halbstündigen Gig. Passend zum Outfit und zum Titel der Debüt-EP ("Fucking My Knife") fuchtelt die Dame fortdauernd theatralisch mit einem großem Messer auf der Bühne herum. Allerdings kann der musikalische Inhalt der Show, mit dem optischen Spektakel nicht ganz Schritt halten, da die Lieder meistens kaum voneinander zu unterscheiden sind - hier sollte (muss) in Zukunft noch nachgearbeitet werden. Trotzdem kann man dem Ganzen einen gewissen Reiz nicht absprechen. (JK)


DARK FORTRESS

Mit DARK FORTESS folgt nun das erste schwarzmetallische Highlight des noch jungen Tages. Die Truppe aus Landshut hat nicht nur wegen ihres Gitarristen V. Santura, der auch bei TRIPTYKON sechs Saiten bespielt, bei den meisten Schwarzkitteln einen Stein im Brett.

DARK FORTRESS (© by metal-is-forever-alive)
Schon der Opener "I Am the Jigsaw of a Mad God" brachte die Fans voll auf Betriebstemperatur.  Eindrucksvoll.  
In der Folge gibt es einen repräsentativen Querschnitt aus zwei Dekaden DARK FORTRESS auf die Lauscher. Als besonderes Festival-Schmankerl gibt es mit "Misanthropic Invocation" und "Blood of the Templars" sogar zwei ältere Perlen zu hören, die in letzter Zeit eher selten bis gar nicht mehr auf einer Setlist zu finden waren. Und so gestalten sich die insgesamt 40 Minuten zu einem kleinen Siegeszug von DARK FORTESS in München, bei dem es nur zu bemängeln gab, dass der Sound nicht über Mittelmaß hinaus kam. (JK)


SUN OF THE SLEEPLEES

Vor zwei Jahren war Schwadorf (Markus Stock) noch mit THE VISION BLEAK auf dem DEMM, heuer beehrt er mit SUN OF THE SLEEPLESS die bayerische Landeshauptstadt. Als vor einigen Monaten endlich der erste Longplayer dieses Projekts veröffentlicht wurde, war die Begeisterung, ob des starken Materials, bei Fans und Presse groß. Und so ist es kein Wunder, dass die Halle schon Minuten vor Beginn der Show aus allen Nähten platzt. Als besonderen Blickfang haben SUN OF THE SLEEPLESS mehrere Fakeln auf der Bühne und einen am Bühnerand platzierten Kerzenleuchter samt Räucherschale ausgewählt.
SUN OF THE SLEEPLESS (© by metal-is-forever-alive)
Besonders letztgenannte Utensilien sollten gegen Ende der Show noch eine bedeutende Rolle spielen.
Das Hauptaugenmerk der insgesamt beeindrukenden Show legen SUN OF THE SLEEPLESS auf "To the Elements", was fast komplett dargeboten wurde. Der Höhepunkt des Auftritts (positiv wie negativ) waren allerdings die letzten Minuten der Show, in denen zum einen SUN OF THE SLEEPLESS "Phoenix Rise" gänsehautmäßig zockten und zum anderen, ein nicht mehr ganz so nüchternes weibliches (!) Wesen Aufmerksamkeit bekam. Zuerst ging von ihr in der ersten Reihe eine Keilerei aus, und im Anschluß daran wollte sie seelenruhig zuvor erwähnte Bühnedeko als Souvenir einkassieren. Das Ende vom Lied: Bühnenvorhang in Flammen, hektisches Hantieren mit Feuerlöschern auf der Bühne und ein Gig der definitiv in Erinnerung bleiben wird. (JK)


BETHLEHEM

Ohne kokelnde Vorhänge geht es nun im Werk mit den ungekrönten Königen der deutschen Depressive Black Metal Szene weiter: BETHLEHEM.

BETHLEHEM (© by metal-is-forever-alive)
Seitdem sich Onielar zu Jürgen Bartsch hinzugesellt hat, läuft der Laden wieder. Vegessen sind die ein oder andere diskussionswürdige Veröffentlichung und die kurzzeitige Ankündigung, sich auflösen zu wollen. Mit ihrem letzten Album ("Bethlehem") hat sich die neuformierte Truppe um Mastermind Jürgen Bartsch eindrucksvoll zurückgemeldet. Da ist es fast schon selbstverständlich, dass sich BETHLEHEM heute Abend ausgiebig mit diesem Album beschäftigen. Von den acht Tracks, die es auf die Setlist geschafft haben, stammen immerhin vier Titel ("Fickselbomber Panzerplauze", "Kalt' Ritt in leicht faltiger Leere", "Die Dunkelheit darbt", "Wahn schmiedet Sarg") vom aktuellen Longplayer. Selbstverständlich hatten BETHLEHEM aber auch einige Klassiker im Angebot:"Aphel - Die schwarze Schlange", "Gestern starb ich schon heute" und "Tagebuch einer Totgeburt". 
Am Ende steht das Backstage zwar nicht Kopf, ist aber immerhin zu großen Teilen aus dem Häuschen, was letztendlich an der beeindruckenden stimmlichen Darbietung von Onielar lag und an der edel zusammengestellten Setlist. (JK)


SHINING

Im selben Takt geht es weiter, nun aber auf schwedisch und mit noch viel mehr selbstzerstörerischer Lyrik, als noch zuvor bei BETHLEHEM. Niklas Kvarforth, der mit seiner Truppe für TAAKE, die im Vorfeld abgesagt hatten, eingesprungen ist, weiß definitiv die Klaviatur des fleischgewordenen Wahnsinns eindrucksvoll zu spielen - eigentlich. Keine Ahnung was Kvarforth im Vorfeld des Festivals getrieben hat (Töpfern? - Schwimmen mit Delphinen? - Kreuzworträtsel?), Fakt ist, so handzahm (für seine Verhältnisse) wie heute, hat man ihn selten erlebt.
SHINING (© by Sabine Thiele Foto)
Bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Whiskey über einen Fotografen kippen), konnte man meinen, einen Doppelgänger vor sich zu haben. Keine Spuckattacken, kein Schlagen nach Fotografen, kein Aschen auf Fans in der ersten Reihe -  nichts, absolut nichts. Erfreulicher Nebenaspekt dieser "Ich-kann-auch-mal-anders" Haltung, die Musik rückte in den Vordergrund. Und mit der überzeugen SHINING schon seit geraumer Zeit. Auch der letzte Output ("X - Varg utan flock") gehört zweifelsohne in die Belle Etage des Genres. Mit dem zu gleichen Teilen knüpplhartem, wie eingängigem "Han som lurar inom " von besagtem Album, legen SHINING heute Abend den Grundstein, für eine in allen Belangen überzeugende Performance. Bei besten Soundverhältnissen dringt Kvarforth dabei, den ganzen Auftritt über, intensiv und glaubhaft in die Abgründe seiner Seele vor, und lässt die Zuschauer dabei an einer weiteren sehr persönlichen Therapiesitzung teilhaben und seinen Schmerz mitfühlen - für die einen zu viel des Guten, für die anderen das Non-Plus-Ultra. (JK)


ENISUM

Während sich ein paar Meter weiter bei AGRYPNIE die Zuschauermassen stapeln, ist es bei ENISUM im kleinen Club noch halbwegs erträglich, zumindest was das Thema Bewegungsfreiheit betrifft. Musikalisch dagegen bieten die Italiener Black Metal der schwer verdaulicheren Art an. Mal atmsophärisch, mal episch, dann wieder vertrackt und beinhart - ENISUM verbinden verschiedenste Puzzelteile zu einem Gesamtbild, was den Zugang dazu aber nicht unbedingt einfacher macht. Auch die Vocals sind alles andere als Konfektionsware. Passend zum textlichen Kontext der Songs haben ENISUM das Thema Natur auch bei der Bühnendeko aufgegriffen, was das ein oder andere Ast eines ehemals stolzen Baumes auf der Bühne bezeugen kann. (JK)



BLOODBATH

Als Headliner des ersten Tages sind BLOODBATH gesetzt. Da sich die Supergroup des Death Metal, die sich aus Musikern von KATATONIA, OPETH und PARADISE LOST zusammensetzt, in der Regel realtiv rar macht, was Live-Auftritte betrifft, ist der Publikumsandrang groß.
                                                               
BLOODBATH (© by metal-is-forever-alive)
Dass oftmals trotzdem nicht so richtig Stimmung aufkommen will, mag der Tatsache geschuldet sein, dass sich viele Schwarzkittel im Werk befinden, die sich zwar die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollen, BLOODBATH einmal live zu sehen, aber mehrheitlich mit Death Metal nicht wirklich was anfangen können. Auch Nick Holmes Zeitlupen-Stageacting ist alles andere als hifreich dabei, wenn es darum geht, als Vorturner, die Massen zum Mitmachen zu animieren. Und trotzdem ist das, was BLOODBATH hier abliefern à la bonne heure! Wann hat man schon die Gelegenheit, sich von  Krachern wie "So You Die", "Bathe in Blood" oder "Eaten" live die Rübe abschrauben zu lassen. (JK)


AURA NOIR

Was hatten wir heute noch nicht? Thrash! Also schnell rüber in die mittlere Halle, um gemeinsam mit AURA NOIR diese Bildungslücke zu schließen. Wobei die Norweger selbstverständlich keinen lupenreinen Thrash-Metal zocken.
AURA NOIR (© by metal-is-forever-alive)
Das Trio um ex IMMORTAL Mitglied Apollyon benutzt vielmehr die Thrashkeule, um ihren Black'n'Roll (DARKTHRONE und VENOM lassen grüßen) das besondere Etwas zu verleihen. Allerdings können sie heute das zahlreich erschienene Publikum zu vorgerückter Stunde nicht mehr aus der Reserve locken. Zu erschöpft sind die meisten nach diesem 10-stündigem Konzertmarathon, nur in den ersten beiden Reihen ist noch High Life angesagt. Ob es bei den ürsprünglich für diesen Slot eingeplanten HELHEIM anders ausgesehen hätte, sei mal dahingestellt. Und trotzdem sind AURA NOIR wie gemacht, um den ersten Festivaltag in geordneten Bahnen zu Ende zu bringen und die Spannung auf den morgigen Tag aufrecht zu erhalten. Als Gute Nacht Gruß geben AURA NOIR der schwarzen Gemeinde sogar noch einen musikalischen Ausblick auf ihr in Kürze erscheinendes sechstes Studioalbum mit auf den Heimweg. (JK)


TAG 2 - Sonntag


IMPURE WILHELMINA

Für uns von metal-is-forever-alive beginnt der zweite Festivaltag mit der wohl ungewöhnlichsten Band im diesjährigen Lineup: IMPURE WILHELMINA
Die Schweizer, obwohl schon seit 1996 aktiv, dürften sich bei den meisten der Anwesenden bis vor kurzem unter dem Radar bewegt haben, was hauptsächlich an der musikalischen Ausrichtung der Truppe liegen dürfte. Anfänglich spielten die Schweizer nämlich "nur" einen Mix aus Sludge und (Post-)Hardcore. Inzwischen haben IMPURE WILHELMINA ihren Stilmix aber noch um die Zutaten Doom, Alternative Rock und Black Metal (in homöopatischen Dosen) erweitert.
IMPURE WILHELMINA (© by metal-is-forever-alive)
Der Lohn: Ein Plattenvertrag bei Season of Mist (was einen Ritterschlag gleich kommt) und ein gut besuchter Gig heute Nachmittag. Nach einem kurzen Intro, eröffnen die vier Eidgenossen mit "Great Falls Beyond Death" vom aktuellen Album und lassen dann mit "Torn" den eingängisten Track vom selben Album folgen. Wer darauf gehofft hatte, einen repräsentativen Querschnitt aus allen Alben von IMPURE WILHELMINA geboten zu bekommen, wurde allerdings enttäuscht. Denn, bis auf "The Enemy" gab es ausschließlich Material vom 2017er Album ("Radiation") zu hören. Trotzdem dürften die Schweizer am Ende den ein oder anderen Fan hinzugewonnen haben, was nicht zuletzt an einer überzeugenden Bühnenperformance gelegen haben dürfte. (JK)


NOVEMBRE

Als nächstes steht das erste Doomerlebnis des Festivals an. Die Italiener von NOVEMBRE kann man ohne zu übertreiben, als Dinosaurier der europäischen Szene bezeichnen. Immerhin existieren sie schon seit 1993, bzw. seit 1990, damals allerdings noch unter anderem Namen (CATACOMB). Ob es am aus der Zeit gefallenen Bühneoutfit von Carmelo Orlando (kleidungstechnisch irgendwo in der Mitte von Guildo Horn und Ronnie James Dio) lag, dass kaum Stimmung im Publikum aufkommen wollte, ist spekulativ. Musikalisch hätte die 45-minütige Darbietung auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit und Hingabe seitens der Festivalbesucher verdient gehabt. So aber bleiben NOVEMBRE am Ende für alle, die den Weg ins Werk gefunden hatten (nicht allzu viele), ein Erlebnis außer Konkurrenz. (JK)


ANOMALIE

Hatte man eben im Werk noch so viel Platz, wie man wollte, stehen hier in der Halle die Massen nun wieder dicht an dicht. Die Österreicher genießen (überregional) einen vorzüglichen Ruf, auch als Live-Band.
ANOMALIE (© by metal-is-forever-alive)
Zu den Klängen eines atmosphärischen Intros betreten ANOMALIE, pünktlich wie vorgesehen (an dieser Stelle mal ein großes Kompliment für die Organisatoren des Festivals), geschlossen die Bühne. Selbige spiegelt ähnlich, wie zuvor auch schon bei ENISUM, das Thema Natur wieder. Blickfang dabei ist das riesige Backdrop, welches einen Birkenwald zeigt. Zudem lodern an allen möglichen Stellen auf der Bühne Kerzen und Fakeln und auch frisch verglühter Weihrauch darf nicht fehlen. Alleine schon für die in sich stimmige Optik haben ANOMALIE die Höchstnote verdient. Was den 40-minütigen Auftritt der Österreicher aber in die Top 3 des diesjährigen Festivals katapultiert, ist die Musik und deren Umsetzung. Leidenschaftlich präsentiert, technisch anspruchsvoll umgesetzt und dabei immer auf der Höhe der Zeit. Diesen Auftritt kann man mur mit einem Wort beschreiben: Gänsehaut. (JK)


SECRETS OF THE MOON

Als zweiter Act am heutigen Sonntag dürfen SECRETS OF THE MOON im großen Werk auf die Bühne. Wie wandlungsfähig man als Band sein kann und dabei dennoch seine schwarzen Wurzeln nicht verleugnen muss, beweisen die Osnabrücker nicht erst seit ihrem letzten Output "Sun". Mit ihrem atmosphärisch angehauchtem Black Metal, der auch immer wieder die entspannten Randgebiete der Zunft mit einbezieht, hat sich die Truppe um sG in den letzten Jahren eine breite Fanbasis erspielt. Auch heute präsentiert sich das Werk sehr gut gefüllt, als SECRETS OF THE MOON um 17.20 Uhr beginnen.
Die Stimmung bleibt allerdings (zumeist) hinter den Erwartungen zurück, was daran gelegen haben mag, dass SECRETS OF THE MOON größtenteils auf neueres, anspruchsvolleres Material gesetzt hatten. Ein Umstand, der dazu führte, dass weniger die Mähnen geschüttelt wurden, sondern die Zuhörerschaft dazu "gezwungen" wurde, sich mehr auf die Musik zu konzentrieren. Meiner Meinung nach eine etwas gewagte Aktion, bei einer Nettospielzeit von gerade einmal 50 Minuten, auf einem Festival, bei dem sich das Publikum überwiegend den Ohrenschmalz aus den Lauschern pusten lassen möchte. Kurz vor Ende der Show hauen SECRETS OF THE MOON dann allerdings noch "Lucifer Speaks" raus und versöhnen damit, den ein oder anderen Fan der Frühwerke. (JK)


NAGLFAR

Anschließend wird es am zweiten Festivaltag zum ersten Mal richtig kultig: NAGLFAR geben sich die Ehre. Wie es scheint, sind die Schweden für viele der Anwesenden der heimliche Headliner des Tages. Bis auf den letzten Platz (und darüber hinaus) ist das Werk gefüllt, und sämtliche Zuschauer bis in die Haarspitzen motiviert.
NAGLFAR (© by metal-is-forever-alive)
Zu jedem Moment der folgenden 50 Minuten kann man spüren (und sehen), dass die Meute unendlich viel Bock auf NAGLFAR hat. Ganze 12 Jahre haben sich die Schweden nicht mehr in München blicken lassen. Los geht's mit "Feeding Moloch". Es dauert nur wenige Momente, und der Schuppen kocht. In der Folge verschmelzen Band und Publikum zu einer Einheit, die sich, bei besten Soundverhältnissen auf der Bühne, gegenseitig pushen. "The Mirrors of My Soul", "And the World Shall Be Your Grave", "The Darkest Road", "Bring Out Your Dead", "Black God Aftermath", "Odium Generis Humani", "Blades", "A Swarm of Plagues" - NAGLFAR hauen einen Hit nach dem anderen raus. Am Ende bleibt unterm Strich nicht weniger, als der (bisher) beste Auftritt des gesamten Festivals übrig. (JK)


THAW

Im kleineren Rahmen, dafür nicht weniger intensiv, geht es nun im Club weiter. Bereits Minuten vor Beginn der Show von THAW strömen die Zuschauer in die kleine Location. Ein Umstand, der etwas überrascht. Immerhin spielen zeitgleich DOOL nebenan. Wie es scheint, haben die Polen ein Standing in der Szene, was so nicht zu erwarten war. Verspricht ihr sperrig anmutender Noise/Sludge/ Black Metal Mix doch keineswegs einfach zu konsumierende Kost. Wer gekommen ist, hat sich, wie es scheint, die Polen mit voller Absicht ausgesucht und weiß dementsprechend auch, was ihn erwartet. So stören sich auch die wenigsten daran, dass black-metal-unüblich, Synthesizer und andere technische Spielereien auf der Bühne die Hauptrolle spielen. Mit ihren mächtigen Riffs und den teils hypnotisch wirkenden Soundelemten schaffen es THAW vielmehr, den knapp 40-minütigen Auftritt so zu gestallten, dass im Club eine elektrisiernde Stimmung aufkommt, die mal beschwörend, mal vernichtend, Geist und Körper alles abverlangt. Kurz bevor es für die Zuschauer zu anstrengend werden droht, ziehen THAW den Stecker und gönnen dem Publikum einige Momente zum durchatmen, bevor es im Werk mit dem nächsten Highlight weitergeht. (JK)


BELPHEGOR

Mit dem Auftritt der diabolsichen Österreicher bekommt das DEMM nun einen Auftritt verpasst, der zum Festival passt, wie die berühnte Faust auf's Auge - nihilistisch, durchweg satansich und dabei keine Scheu, die Death Metal Sau rauszulassen, oder anders ausgedrückt - pure fuckin' BELPHEGOR.
Weil sich die Truppe um Zeremonienmeister Helmuth auf deuschen Bühnen in letzter Zeit realtiv rar gemacht hat, ist der Fanandrang nun gewaltig. Gefühlt jeder Ticketinhaber strömt nun ins Werk, um sich von BELPHEGOR eine akustische und visuelle Abreibung abzuholen. Als Startschuß für das ketzerische Osterritual jagen BELPHEGOR "Totenritual" durch die Boxen und lassen damit von Beginn an keinen Zweifel daran, wer nun Herr im Haus ist. Die Botschaft von Helmuth: "...God is not here tonight" unterstreicht dies zudem noch. In den folgenden 50 Minuten knüppeln sich BELPHEGOR durch 25 Jahre Bandgeschichte und lassen dabei das Herz eines jeden Extrem Metal Fans aufgehen. Kurz vor Ende der Show kommt dann auf einmal Unruhe im Publikum auf und viele verlassen fluchtartig das Werk. Dieses despektierliche Verhalten hatte aber in keinster Weise etwas mit dem erstklassigen Auftritt von BELPHEGOR zu tun, sondern war einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass nebenan UADA in den Startlöchern standen. Also schnell den alten Helden applaudiert und sich der Massenwanderung, hin zur Halle, angeschlossen. (JK)


UADA

Mit tief über den Kopf und das Gesicht gezogenen Kapuzen betreten UADA um kurz vor 22 Uhr die Bühne in der brechend vollen Halle, der mittleren Location im Backstage.
UADA (© by Sabine Thiele Foto)
                                                           
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist vor einigen Monaten die Debüt-EP ("Devoid of Light") der Amerikaner in die schwarze Gemeinde eingeschlagen. Dass der Hype um die Kapuzenmänner aus Oregon/USA keine Eintagsfliege zu werden droht, kann man schon jetzt vorhersagen. Denn selten hat man eine Newcomer-Band so souverän auftreten sehen: Neben einem perfekt aufeinander abgestimmten Stageacting (selbstverständlich konform zur Black Metal Attitüde) und einer minimalistischen Lightshow, verstanden es UADA, mit einer an Perfektion grenzender Leichtigkeit, die teils überlangen Tracks ihrer beiden Veröffentlichungen (die Setlist zierten auch Tracks vom kommenden Longplayer "Cult of a Dying Sun") genauso druckvoll und detailverliebt umzusetzen, dass einem, im von der Bühne ausgehenden Dauerfeuer, vor Begeisterung oftmals die Spucke wegblieb. (JK)


PARADISE LOST

Wer jetzt noch stehen konnte, den zog es zum zweiten Treffen mit Nick Holmes innerhalb von zwei Tagen ins große Werk. Überraschenderweise waren dies aber bei weitem nicht soviel Metalheads, wie man im Vorfeld annehmen konnte. Größere Lücken waren im Auditorium zwar nicht auszumachen, dennoch hatten alle Zuschauer während des Auftritts der Briten soviel Bewegungsfreiheit, wie selten zuvor an diesem Wochenende.
PARADISE LOST (© by Sabine Thiele Foto)
Ob es daran lag, dass PARADISE LOST sich erst vor einem halben Jahr in München haben blicken lassen, oder daran, dass Doom, wenn auch der etwas härteren Gangart, nicht unbedingt dazu geeignet ist, zu vorgerückter Stunde, müden Geistern einen Energieschub zu verpassen, sei mal dahingetsellt. Fakt ist, dass der Gig von PARADISE LOST alles andere als einschläfernd war. Das lag vor allem daran, dass Holmes, Mackintosh & Co die Setlist bunt durchgemischt hatten, also auch älteres Material (u.a. "Eternal" und "Hallowed Land") gespielt wurde, aber auch daran, dass die Briten diesmal nicht ganz so statisch aufgetreten sind, wie noch in jüngerer Vergangenheit zuvor. (JK)

Wie dem auch sein, nach dem Gig von PARADISE LOST fällt im Werk der finale Vorhang für das DEMM 2018. Nur im Club und in der Halle gibt es anschließend noch die Möglichkeit, ein letztes Mal für dieses Jahr, die österliche Sau rauszulassen.
Während in der Halle DESASTER ihrem Ruf als exzellente Live-Abrissbirne gerecht wurden, setzten im Club WOLVES DEN mit Lokalmatador Helge Stang am Mikro, den Schlusspunkt hinter einem ereignisreichem, hochklassigem Festival, dass einmal mehr bewiesen hat, dass München eine Weltstadt mit schwarzmetallischem Herzen ist.

Bleibt nur noch anzumerken, dass sich das DARK EASTER METAL MEETING (was sich im letzten Jahr schon angedeutet hat), still und (un)heimlich, zu einem Indoor-Spektakel entwickelt hat, welches sich nicht nur in Deutschland zur Top-Adresse für Black/Death/Doom Liebhaber entwickelt hat, sondern inzwischen auch den internationalen Vergleich mit ähnlich gelagerten Festivals nicht mehr zu scheuen braucht.
Unzählige Fans aus dem näherem Ausland, aber auch vermeintlich exotische Gäste (u.a. aus Brasilien, Russland und der Ukraine) bestätigen diese Aussage und lassen das DEMM in eine glorreiche Zukunft blicken.
Schon jetzt dürfte sich abzeichen, dass auch das DARK EASTER METAL MEETING 2019 lange vor Beginn ausverkauft sein wird. Wer sich also auch im kommenden Jahr dem österlichen Segen des Vatikans ("Urbi et orbi") entziehen möchte, tut gut daran, sich schön in Bälde um Karten zu bemühen. Auch deshalb, weil dann, die für dieses Jahr angekündigten TAAKE und HELHEIM, ihre Gigs nachholen werden.
See You Next Year - Hail DARK EASTER METAL MEETING ! (JK)


Vom diesjährigen Dark Easter Metal Meeting berichtet Jürgen (JK) als Einzelkämpfer für metal-is-forever-alive.

Abschließend auch noch ein großes Dankschön an die Veranstalter des DEMM und an Sabine Thiele Foto !