Firepower - JUDAS PRIEST bringen München zum Schwitzen
Wenn die Metal Gods in der Stadt sind, dann pilgert die in schwarze Leibchen gehüllte Gefolgschaft in Massen zum Veranstaltungsort. Das war schon in den 1970er/-80er Jahren so, daran hat sich auch heutzutage nichts geändert. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass, ob des diesjährigen Rekord-Sommers, bereits die Anreise bei schwülen 33° Celcius an die Substanz geht. Der richtige Metal-Fan sorgt sowieso vor. Nicht nur, dass im Vorfeld des Konzerts schon das ein oder andere Hopfenkaltgetränk der Abkühlung halber gezischt wurde, nein, auch die Eintrittskarte wurde (in weiser Voraussicht) schon Wochen/Monate vorher besorgt.
Wer erst auf den letzten Drücker in die Puschen kommt hat Pech - "ausverkauft" prangert am Kassenhäuschen!
Wer es nach Warteschlange (in der prallen Sonne) und Einlasskontrolle (auch kein Zuckerschlecken für die Security, Tausende verschwitze Körper abzutasten) endlich in die abgedunkelte Halle geschafft hat und sich davon etwas Abkühlung versprach, der hatte die Rechnung ohne die Venue gemacht. Ist das Zenith doch seit jeher für zwei Dinge berühmt: Für seinen mittelmäßigen Sound und eine Lüftungsanlage, die den Namen nicht verdient.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Als BLACK STAR RIDERS überpünktlich in ihr Set mit "All Hell Breaks Loose" einsteigen, interessiert sich kaum jemand dafür. Nur ein paar Hundert Metalheads lassen sich vom Geschehen auf der Bühne beeindrucken. Der Großteil verzieht sich, kaum dass er es in die Halle geschafft hat, sofort wieder in den schattigen (!) Außenbereich (es wurden wohl noch nie soviele Nichtraucher in diesem Bereich gesichtet wie heute Abend), oder an die Bar, um sich mit Flüssigkeit einzudecken. An diesem Bild ändert sich die nächsten 60 Minuten kaum etwas, so dass sich BLACK (THIN) STAR (LIZZY) RIDERS nahezu unbemerkt auf der Bühne austoben.
Zum finalen Dreierschlag ("The Boys Are Back in Town", "Kingdom of the Lost", "Bound for Glory") wird es dann urplötzlich voll in der Halle. Ob es letztendlich am prominentem Liedgut, oder an der "Angst", bei Priest keinen guten Platz zu haben lag, ist abschließend nicht aufzuklären.
Als BLACK STAR RIDERS anschließend von der Bühne gehen, bekommen sie von versammelter Mannschaft (ca 6000 Menschen) Applaus. Und das, obwohl kaum einer mehr als 10 Minuten vom Auftritt mitbekommen hat. Sachen gibt's.
Nach einer halbstündigen Umbaupause, in der sich die gefühlte Temperatur in der Halle von "tropischer Nacht", hin zu "ambitioniertem Saunagang" gesteigert hat, eröffnen JUDAS PRIEST passenderweise mit "Firepower". Doch damit nicht genug - auch optisch wird eingeheizt. Auf der überdimensionalen Videoinstallation, die anstelle eines Backdrop montiert wurde, lodern die Flammen meterhoch der Hallendecke entgegen.
Spätestens jetzt sehne ich Badeshorts, Tank-Top und Flip-Flops herbei. Sekunden später reißt mich "Grinder" aus meinem Baggerseetraum, in dem ich unter einem schattigen Baum liegend, die Füsse in eiskaltes Wasser getaucht, entspannt die untergehende Sonne am Horizont beobachte.
Wie sich wenige Momente später herausstellt, ist die "Sonne" aus meinem Tagtraum in Wirklichkeit die polierte Glatze von Rob Halford auf der Bühne, und meine Füsse sind leider auch nicht in eiskaltes Wasser getaucht, auch wenn es sich so anfühlt. Jemand hatte nur seinen vollen Bierbecher auf meinen Schuhen entsorgt. Von nun an wollte ich aufmerksamer sein und den Helden auf der Bühne endlich die Aufmerksamkeit entgegen bringen, die sie verdient haben. Es sollte sich lohnen!
Lange schon hat man Rob Halford nämlich nicht mehr so agil erlebt wie heute. Wohlgemerkt, der Mann ist inzwischen 67 Jahre alt, steckt aber von der Ausstrahlung her und stimmlich gesehen immer noch das gesamte Genre locker in die Tasche. Im Vergleich zur letzten Tour ist er inzwischen auch wieder besser zu Fuss unterwegs.
Die Frischzellkur mit Ritchie Faulkner steht den Priestern nach Anlaufschwierigkeiten nun ebenfalls gut zu Gesicht, auch wenn Downing und Tipton natürlich nicht vollwertig zu ersetzen sind. Wobei der an Parkinson erkrankte Tipton zumindest nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden ist: Beim Zugabenblock taucht er nämlich aus dem sprichwörtlichen Nichts auf. Spätestens jetzt rücken sämtliche (hitzebedingten) Begleitumstände bei allen in den Hintergrund und kollektives Gänsehaut-Feeling macht sich breit.
Gemeinsam, nun als Sextett, zocken JUDAS PRIEST "Metal Gods", "Breaking the Law" und "Living After Midnight" und schenken München damit einen jener Momente, an die man sich auch noch Jahre später gerne zurück erinnert. (JK)
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Konzertbericht 1. Mai 2012 JUDAS PRIEST / THIN LIZZY Düsseldorf Mitsubishi Electric Halle
Bevor sich die britische Metal Legende JUDAS PRIEST in den Ruhestand zurückzieht, bereist man nochmals den Globus und beehrt im Rahmen der Epitaph Farewell Tour auch die Landeshauptstadt NRWs. Im Gefolge der Metal Gods befinden sich die nicht minder in die Jahre gekommenen THIN LIZZY. Und da beide Bands wenn man so will den Heavy Metal mit auf den Weg gebracht und entscheidend mitgeprägt haben, verwundert es dann auch nicht dass die Mitsubishi Electric Halle (welch bescheuerter Name) bei diesem Package sehr gut gefüllt ist. Als erstes "stürmen" dann THIN LIZZY die Bühne und begeistern mit schön altmodischen Hard Rock Hymnen der Marke "Jailbreak", "Whiskey in the Jar" oder "Cowboy Song". Mit respektabler Spielfreude und glasklarem Sound schaukeln sich Band und Publikum, mit überraschend vielen jüngeren Semestern in seinen Reihen, gegenseitig hoch und haben sichtlich Spass an der Darbietung. Nach ca 45 Minuten und dem abschließenden "The Boys are back in Town" macht man unter verdientem Applaus dann Platz für Halford, Tipton und Co. Und was JUDAS PRIEST im Anschluß dann in ca. 150 !!! Minuten, da würden manch jüngere Bands nach Luft japsend schon in der Ecke liegen, vom Stapel lassen ist einfach nur phänomenal. Perfekter Sound, geile Light-Show (incl. Laser), Rauch- und Feuersäulen und Hit nach Hit...das volle Programm. Los geht die Reise durch fast 40 Jahre Priest Historie mit "Rapid Fire" bevor Rob Halford bei "Metal Gods" die letzten Zweifler davon überzeugen kann dass er die Screams, in leicht abgewandelter Form, immer noch drauf hat...Gänsehaut. Neben den üblichen Set-List-Verdächtigen bei einem JUDAS PRIEST Konzert können sich die Zuschauer/hörer auch an einigen Perlen erfreuen, die Live bisher weniger bedacht wurden, wie z.B. "Starbreaker" oder "Never Statisfied". Und die Frischzellenkur mit Richie Faulkner macht sich nicht nur optisch bei den Briten sehr gut. Der Ersatz für K.K. Downing bringt sich nicht nur durch sein gutes Gitarrenspiel ein, er legt auch alleine soviel Weg zurück wie der Rest der Band zusammen...Tribut des Alters...wir werden ja alle nicht jünger. Und im Vergleich mit Ozzy Osbourne bewegt sich Rob Halford noch immer mit Lichtgeschwindigkeit. Doch davon abgesehen erlebt Düsseldorf einen grandiosen Auftritt, der im regulären Set seine Höhepunkte in "Night Crawler", dem im Erscheinungsjahr 1986 viel gescholtenen "Turbo Lover", "Breaking the Law" und dem Übersong "Painkiller" findet. Nach "Hell Bent for Leather" ist erstmal Schluß bevor man sich noch zweimal zu je einer Zugabe den nach mehr gierenden Massen zeigt. Unter minutenlangen Judas Priest Rufen findet der Abend dann kurz vor Mitternacht mit "Living after Midnight"sein endgültiges Ende. (JK)
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