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Mittwoch, 6. November 2019

Konzertbericht NILE + HATE ETERNAL + VITRIOL + OMOPHAGIA + FALLCIE - 16.9.2019 München/Backstage"A Vile Desolate Sands Tour 2019"

A Vile Desolate Sands Tour 2019

Die amerikanischen Pharaonen-Verehrer von NILE stehen kurz vor der Veröffentlichung ihres neunten Studioalbums. Um den Fans ägyptischer Mythologie und harter Klänge die Zeit bis zum anvisierten VÖ (1.11.2019) zu verkürzen, brechen Karl Sanders & Co kurzerhand ein ungeschriebenes Metal-Gesetz (erst das Album, dann die Tour) und promoten ihr neues Album auf einer ausgedehnten Europatour, ohne dass der Longplayer die Ohren der Fans in seiner Gesamtheit je erreicht hat. Ein Wagnis, was die Ticketverkäufe angeht? Nicht für NILE! Die Truppe genießt nicht umsonst in der Death Metal Szene eine vorzüglichen Ruf, was die Livequalitäten betrifft. Logische Konsequenz: Es kommt eine ansehnliche Schar an diesem Montag Abend im Backstage zusammen, die sich die Ohren durchpusten lassen möchte.


FALLCIE

Der Opening-Act des heutigen Abend, FALLCIE aus St. Petersburg bekommt mit voller Härte das Resultat von frühen Konzertanfangszeiten unter der Woche präsentiert: Gerade einmal 4 Dutzend (großzügig) durchgezählte Metalheads lassen sich weder vom frühen Beginn (18.30 Uhr), noch von den spätsommerlichen Außentemeraturen davon abringen, dem gewöhnungsbedürftigen Stilmix des russischen Quartetts beizuwohnen.
FALLCIE (© by metal-is-forever-alive)
Dürften Metalcoreklänge für (Technical) Death Metal gewohnte Fanohren schon eine arge Herausforderung darstellen, setzen FALLCIE mit Nu Metal Sound und LACUNA COIL-ähnlichen Vibes noch einen obendrauf. Die Quittung nach 30 Minuten: Null Stimmung, kaum Applaus und der "Ansturm" auf dem Merchstand blieb ebenfalls aus. FALLCIE nehmen es sportlich - dabei sein ist alles!


OMOPHAGIA

Inzwischen hat sich die Anzahl derer, die sich jetzt schon in die Halle trauen, etwas mehr als verdoppelt, so dass sich dem zweiten Act des Abends, mit nun ca. 100 Anwesenden, ein wesentlich erfreuerliches Bild beim Blick von der Bühne bietet, als eben noch zuvor den russischen Kollegen. Auch das musikalische Gewicht der heutigen Veranstaltung gewinnt durch den Auftritt von OMOPHAGIA enorm an Wertigkeit.
                                                                                                   
OMOPHAGIA (© by metal-is-forever-alive)
Wo eben noch Ratlosigkeit, ob des auf der Bühne Dargebotenen herrschte, manifestiert sich nun endlich jene Brachialität und technische Reife, die einem Konzertabend wie diesem würdig ist. Nicht nur, dass das Schlagzeug- und Bassspiel bei OMOPHAGIA einem gekonntem Schlag in den Magen gleichkommt, auch der Rest der Truppe fügt sich nahtlos in das in sich stimmige Gesamtkonzept ein. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute auch vor der eigenen Haustür beheimatet sein kann - in diesem Fall in der Schweiz. Nach intensiven 30 Minuten gibt es dafür dann auch ordentlich Applaus.


VITRIOL

Nach dem europäischen (Doppel-)Horsd’œuvre, eröffnen nun VITRIOL aus Portland (Oregon) den us-amerikanischen Drei-Gänge-Hauptgang. Die Band um Tattoo- Fanatiker Kyle Rasmussen hat sich mit Leib und Seele dem Death Metal Verschrieben, allerdings in einer Hochgeschwindigkeitsversion. Verschnaufpausen sind weder angedacht noch erwünscht.
VITRIOL (© by metal-is-forever-alive)
Und so fliegen die rasiermeserscharfen Riffs den (inzwischen reichlich erschienen) Zuschauer ohne Rast entgegen, wie eine aufpeitschende Gischt an einem stürmischen Tag an der Küste. VITRIOL werden mit dieser Attitude sicherlich niemals einen Preis für Abwechslungsreichtum gewinnen, eines jedoch kann man ihnen schon jetzt (nach nur einem Longplayer) zusprechen: technsich gehobenes Niveau und eine Dynamik, die ihresgleichen sucht. Und so war es wohl nie treffender als heute, zu behaupten, die Zeit (ca. 40 Minuten) ist rasend schnell vorbei gegangen. Beeindruckend.


HATE ETERNAL

Ebenfalls rasant, wenn auch ungemein filigraner, geht es nun mit dem Florida-Dampfhammer HATE ETERNAL weiter. Es gibt innerhalb der Death Metal Szene nur wenige Gitarristen, die so detailverliebt und abwechslungsreich (vor allem bei den Soli) wie Erik Rutan vorgehen. Damit hätten HATE ETERNAL eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal, welches die Aufmerksamkeit der Zielgruppe erhöhen sollte. Doch Fanliebe bzw. -Ignoranz ist nicht immer nachvollziehbar und manchmal (so auch hier) manchmal eben auch surreal. Und so fristen HATE ETERNAL immer noch ein Nischendasein - zwar ein gern gesehener Gast auf den Bühnen, die Verkaufszahlen der Alben lassen aber nach wie vor zu wünschen übrig.
HATE ETERNAL (© by metal-is-forever-alive)

Diese Diskrepanz ist auch heute Abend zu beobachten.Während die ersten Reihen zu Songs wie "Bringer of Storms", "All Hope Destroyed" oder "I, Monarch" steil gehen, spart sich der hintere Teil der Halle seine Kräfte für den Headliner auf. Wer diese skurril anmutende Hallenaufteilung ausblenden kann, der bekommt eine komplette Stunde lang eine energiegeladene Show geliefert, die zum Ende hin, auch noch Temperaturen in der Halle beinhaltet, die Florida hitzemäßig alle Ehre gemacht haben.



NILE

Nach einer etwas zu lang ausgefallenen Umbaupause präsentiert Karl Sanders gegen 22.30 Uhr München seinen zur Hälfte (Brad Parris nimmt den Platz für Todd Ellis am Tieftöner ein und Brian Kingsland ersetzt Dallas Toler-Wade an der Gitarre) erneuerten Pyramidenforschungstrupp. Wer im Vorfeld gedacht hatte, dass vor allem der Verlust von Dallas Toler-Wade kaum zu kompensieren wäre, sah sich nun einem souverän auftretenden und fingerfertig agierenden Brian Kingsland gegenüberstehen und konnte seine (unbegründeten) Sorgen um die technische Extraklassevon NILE innerhalb von Minuten ad acta legen.
NILE (© by metal-is-forever-alive)
Wenn es überhaupt einen Grund für die ein oder andere (minimale) Sorgenfalte an diesem Abend gab, dann nur wegen des teilweise etwas sperrig wirkenden neuen Liedmaterials ("Long Shadows of Dread", "Vile Nilotic Rites", "Snake Pit Mating Frenzy"), welches Karl Sanders & Co geschickt unter die repräsentative Setlist gemischt hatten. Ob diese Momentaufnahme bestand hat, kann erst nach Veröffentlichung von "Vile Nilotic Rites" abschließend beantwortet werden. Bis dahin kann man sich an den wertigen Pharaonengaben wie beispielsweise "The Blessed Dead", "Kafir!", "Kheftiu Asar Butchiu", "The Howling of the Jinn", "Sarcophagus" erfreuen und sich dabei von Anubis und seinen Wächtern der Unterwelt amtlich die Rübe abschrauben lassen. Das letzte Wort des Abends haben aber die "Black Seeds of Vengeance", mit denen NILE zu später Stunde (für einen Montag Abend), den Punkt hinter eine langes, schweißtreibendes Afterwork-Death-Metal-Event setzen.


Über den Sinn/Unsinn von frühen Konzertanfangszeiten unter der Woche wurde bereits an anderen Stellen ausführlich diskutiert, deshalb wollen wir an dieser Stelle nicht noch ein weiteres Fass aufmachen. Die Frage, ob es allerdings fünf Bands an einem Abend braucht, kann ich mir aber nicht verkneifen. Zumal der Opening-Act (wie so oft) eher als PA- Tester zu werten war, als ernstzunehmnder Einheizer. Neverthelees: Ein insgesamt mehr als zufriedenstellender Konzertabend, der einmal mehr gezeigt hat, dass gut gemachter Death Metal immer noch begeistern kann. (JK)



Dienstag, 15. September 2015

NILE / SUFFOCATION / BLOODTRUTH / TRUTH CORRODED


NILE Live (© by metal-is-forever)

NILE Live (© by metal-is-forever)

NILE Live (© by metal-is-forever)

SUFFOCATION Live (© by metal-is-forever)

SUFFOCATION Live (© by metal-is-forever)

BLOODTRUTH Live (© by metal-is-forever)

BLOODTRUTH Live (© by metal-is-forever)

Konzertbericht NILE / SUFFOCATION / BLOODTRUTH / TRUTH CORRODED 3.9.2015 München Backstage (Werk)

Death Metal Feiertag in München. Die Hochkaräter NILE und SUFFOCATION in einem Billing. Wow. Doch damit nicht genug. Komplettiert wird die kleine (donnerstägliche) Nachtmusik durch BLOODTRUTH aus Italien und die Australier von TRUTH CORRODED. Los geht`s Punkt 19 Uhr mit TRUTH CORRODED. Die Jungs haben heute Abend, was die Anzahl der Zuschauer betrifft, mal so richtig die Arschkarte gezogen. Großzügig geschätzt befinden sich, als die Australier ihren Gig beginnen, ca 50 "Frühaufsteher" im Backstage. Immerhin 20 davon machen es sich direkt vor der Bühne gemütlich, der Rest zieht es vor, sich an der Bar häuslich einzurichten. TRUTH CORRODED lassen sich vom mauen Publikumsinteresse aber nicht die Petersilie verhageln. Augen zu und durch. Die nächsten 30 Minuten füllen TRUTH CORRODED mit Modern Thrash/Death Metal, der gelegentlich an MALEVOLENT CREATION erinnert. Eigentlich nichtmal schlecht gemacht, interessiert aber trotzdem kaum einen. Da es offentsichlich aber auch niemanden gestört hat, gibt es nach 30 Minuten sogar vereinzelt Applaus. Kurze Umbaupause, in der sich das Backstage (Werk) etwas mehr füllt, wobei noch immer nicht von einem Ansturm gesprochen werden kann. Immerhin lassen sich sich aber jetzt mehr Todesblei-Fetischisten im Bereich direkt vor der Bühne blicken, sodass BLOODTRUTH wirklich das Gefühl haben konnten, vor Publikum zu spielen. Ebenso wie TRUTH CORRODED haben auch BLOODTRUTH nur eine halbe Stunde Zeit, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Im Gegensatz zum straighten Thrash/Death ihrer Vorgänger, frönen BLOODTRUTH dem technisch versierten Death Metal. Obwohl die Italiener erst ein Album am Start haben, wirken sie dennoch realtiv routiniert. Das bleibt auch dem Publikum nicht verborgen, indem, sogar vereinzelt, die ersten Headbanger gesichtet werden. Da die Italienier die Balance zwischen technischem Anspruch und brutaler Härte bevorzugen, muss auch keiner Frikel-Orgien und überlange Soli über sich ergehen lassen, sodass die 30 Minuten schnell vorübergehen, und man sich im Anschluß daran endlich dem widmen kann, weshalb wohl der Großteil der inzwischen zahlreicher Erschienenen heute Abend hier ist: NILE und SUFFOCATION. Doch bevor die Pharaonen München zum beben bringen, darf sich erstmal die New Yorker Death Metal Institution SUFFOCATION austoben. Hobbs & Co haben sich im Lauf der Jahre eine breite Fanbasis erspielt, dementsprechend frenetisch werden SUFFOCATION begrüßt. Allerdings erst nachdem das endlos erscheinende Rap-Intro (das wohl nur Amerikaner "lustig" finden können) überstanden war. Der Einstieg mit "Thrones of Blood" entschädigt aber sofort dafür und gibt die Richtung für die nächsten 60 Minuten vor: Pure Fucking Death Metal. Wer hier auf technische Raffinessen wartet, der ist jetzt definitiv fehl am Platz. SUFFOCATION (Co-Headliner) fahren heute überwiegend eine Setlist, die den ersten Alben huldigt. Allein vom Debütalbum werden heute 4 Songs zum besten gegeben, vom aktuellen Album "Pinnacle of Bedlam" hingegen wird nur "As Grace Descends" präsentiert. Auch wenn, wie es scheint, früher alles besser war, die 60 Minuten ticken gnadenlos runter, und nach "Infecting the Crypts" ist ohne Zugabe Schluß. Die folgende Umbaupause zieht sich dann etwas in die Länge. Kurz nach 22 Uhr erlischt dann endlich das Licht und unter den Klängen von "Ushabti Reanimator" finden sich NILE auf der Bühne ein. "Sacrifice Unto Sebeck" eröffnet den 90-minütigen geschichtlichen Rundgang durch das alte Ägypten. Das ganze wird natürlich wie gewohnt mit majestätischen Riffs, technisch höchst anspruchsvollem Drumming und den entsprechenden Texten serviert und schraubt jedem Hobby-Ägyptologen die Birne runter. "Kafir!", "The Blessed Death", "The Howling of the Jinn", "Sarcophagus", NILE im allgemeinen ("Don't Break Your Drums, George") und Karl Sanders im speziellen, laufen in Verlauf des Abends zur Höchstform auf. Das Publikum steht dem nun in nichts nach, sodass der verhaltene Beginn des Abends längst ad acta gelegt wurde. München huldigt den alten Ägyptern und feiert NILE. Das technische Feuerwerk (Made in South Carolina), welches NILE abgefeuert haben, findet, leider ohne Zugabe,  mit "Lashed to the Slave Stick" und Black Seeds of Vengeance" sein Ende. (JK)