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Dienstag, 29. Januar 2019

SACRED LEATHER / "Ultimate Force" / Label: Cruz Del Sur Music / 7 Tracks / 41:29 Min

Noch ehe man Respekt genießt, muss man ihn sich verdienen. Und um ihn zu verdienen, darf man sich ihn nicht wünschen. (Leo Tolstoi)

Dieser Spruch des großen Leo Tolsoi drückt genau jenes Dilemma aus, in welchem sich Bands befinden, die nach der Blütezeit (1980er/90er) des Metal/Hard Rock gegründet wurden. Zum einen versucht man auf den Pfaden seiner Helden/Idole zu wandeln, zum anderen muss/soll man sich dabei seine eigenen Sporen verdienen.
Und genau diese Zerrissenheit, zwischen altbewährtem und eigenen Ideen, spürt man auch dem Debütalbum "Ultimate Force" von SACRED LEATHER zu jedem Zeitpunkt an.
Angetreten mit der Mission, die Botschaft des riff-orientierten Heavy Metals alter Schule, im Hier und Jetzt, zu neuer Blüte zu verhelfen, haben sich SACRED LEATHER 2014 in Indiana/USA gegründet.
Und nicht nur musikalisch, auch optisch füllen die 5 Herren jede Klischeeschublade aus: Komplett in Leder gekleidet, mit Nietenarmbändern und Ketten aufgehübscht und auf den muskulösen Armen haufenweise Tattoos in die Haut gestochen - Ähnlichkeiten zu JUDAS PRIEST, MERCYFUL FATE und WILD DOGS sind kein Zufall, sondern Programm. Nur die Vollbärte wollen nicht so richtig ins Bild passen.
Vom optischen Gesichtspunkt hätten SACRED LEATHER also perfekt auf jedes Poster im Metal Hammer der 1980er Jahre gepasst. Teil 1 der Mission wurde damit schonmal mit Bravour erfüllt.
Kommen wir nun zu Teil 2 der Mission, den Worten ("Since the incarnation of Sacred Leather, it has been this band’s mission to return the true essence of heavy metal to the masses" O-Ton SACRED LEATHER) auch musikalische Taten folgen zulassen.
Doch leider können SACRED LEATHER hier nicht ganz so überzeugen wie beim Styling, was natürlich tragisch ist, da sich Musik nun mal hauptsächlich (vor allem im Metal) über den musikalsichen Wert einer Veröffentlichung verkauft und nicht über das Outfit einer Truppe.
Von den 7 Tracks, die SACRED LEATHER für ihr Erstlingswerk ausgesucht haben, können, wenn man ehrlich ist, gerade einmal zwei Songs ("Ultimate Force", "Dream Searcher") vollständig überzeugen. Der Rest ist gut gemachte Durchschnittsware - nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Eigentlich schade, da die Jungs definitiv großes Potenzial haben. Aber das haben andere auch.
Bands wie beispielsweise ENFORCER, RAM oder STRIKER bringen neben feinen Leadgitarren und ausdruckstarkem Gesang, zudem auch noch Melodiösität und Eingängigkeit mit. Eigenschaften die nicht nur plakativ, sondern überlebenswichtig sind, wenn man heutzutage nachhaltig auf sich aufmerksam machen möchte.

Fazit: Was SACRED LEATHER hier abliefern, bekommt man von ähnlich gelagerten Bands (s.o.) oftmals um einiges flüssiger und eingängiger dargeboten.
Zwei gute Songs reichen einfach nicht, um auf breiter Front Werbung für sich machen zu können. Schon gar nicht bei einem Debütalbum.
Und so dürften sich SACRED LEATHER früher oder später auf den Wühltischen der einschlägigen Händler wiederfinden, wo sie gemeinsam mit vielen anderen (ehemals) hoffnungsvollen Talenten, ihr Dasein fristen werden. (JK)

5.5 von 10

www.facebook.com/leathersacredleather/


Mittwoch, 14. Dezember 2016

HAMMER KING / "King is Rising" / Cruz Del Sur Music / 13 Tracks / 63:40 Min

Erwarte nichts. Es kommt doch, wie's kommt. Ist es nicht herrlich, sich überraschen zu lassen? (Ernst Penzoldt).
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass das Debütalbum "Kingdom of the Hammer King" von HAMMER KING seinerzeit an mir vorbei gegegangen ist.
So beginnt das Kapitel HAMMER KING für mich erst mit dieser Veröffentlichung, was aber den Vorteil hat, dass ich völlig unvoreingenommen an "King is Rising" herangehen kann.
Also die "Play"-Taste gedrückt und los geht's.
Und was meine Lauscher dann zu hören bekommen, kann man glatt als als Power-Metal Ohrgasmus bezeichnen. Was alle Jubeljahre nur einmal vorkommt, dass ein Album, und zwar von vorne bis hinten, beim ersten Hördurchlauf komplett hängen bleibt, und einen anschließend dazu zwingt auf die Knie zu fallen und dem Stromgitarrengott für diese Gabe zu danken, das ist HAMMER KING mit "King is Rising" geglückt.
Zwar bedienen sich HAMMER KING über Gebühr im Pathos-Giftschrank (MANOWAR, MAJESTY und Konsorten lassen grüßen), loten die Schmerzgrenze bei den "Ahaaaaaaaa"- und "Wohoooooo"-Refrains bei jedem Song aufs Neue aus und bedienen sich zudem schamlos bei jeder noch so ausgelutschen Power-Metal-Phrase; und denoch konnte mich seit ewig langer Zeit kein Album aus diesem Genre mehr so begeistern wie dieses hier. Die letzten Longplayer, die dies geschafft haben, waren HAMMERFALLs "Glory to the Brave" und DREAM EVILs "Dragon Slayer".
Was HAMMER KING jedoch signifikant von diesen beiden Bands und anderen relevanten Bands wie z.B. FREEDOM CALL und RUNNING WILD unterscheidet, ist die Tatsache, dass die Pfälzer das Ganze mit mehr als nur einem ironisch zwinkernden Auge versehen haben, sodass das Album fast schon als Genre-Satire durchgehen könnte.
Dass neben dem Spaßfaktor der musikalische Genuß nicht zu kurz kommt, dafür sorgen feine Leads und Hooks, eingängige Refrains, auf den Punkt gespielte Soli und energisch treibende Rhythmen. 

Fazit: Wer bei den Worten "Pathos" und "Bombast" nicht gleich Brechreiz bekommt, wer hören will, wie sich eine Songeinleitung mit Blockflöte anhört und zudem auch nichts gegen den Einsatz von Kastagnetten im Metal einzuwenden hat, wer über einen Spanisch-Anfängerkurs nicht hinausgekommen ist, wer von galoppieren IRON MAIDEN Riffs nicht genug bekommen kann, wer einem Sänger in den ganz hohen Lagen auch mal einen schiefen Ton verzeihen kann und wer von sich behauptet kann, zum Lachen nicht in den Keller gehen zu müssen, der bekommt mit "King is Rising" ein Album geliefert, das mit Ohrwürmern gespickt ist und unter Garantie in der heimischen Anlage in Dauerrotation laufen wird! (AS)

9 von 10

http://www.hammer-king.com/

Mittwoch, 9. März 2016

RAVENSIRE / "The Cycle Never Ends" / Cruz Del Sur Music / 8 Tracks / 42:17 Min

Man kann es drehen und wenden wie man will - Portugal ist bisher auf dem internationalen Metal Parkett nicht wirklich überproportional vertreten. Dementsprechend dürften es für die meisten von euch schon schwierig werden, außer MOONSPELL (die aber für diese Review irrelevant sind) noch eine weitere portugiesische Band zu benennen. Eigentlich schade, den das Land hat einen kleinen, aber feinen Underground, der einiges zu bieten hat. Eine dieser bisher relativ unbekannten Bands ist die Epic Metal Formation RAVENSIRE, die mit "The Cycle Never Ends" bereits ihren zweiten Longplayer (das Debüt "We March Forward" erschien 2013) veröffentlicht. Wie es sich für Epic Metal gehört, handeln die Texte bei den Portugiesen von antiken Göttern, Königen und Kriegern, aber nicht nur - so erzählen RAVENSIRE in ihrem 3-teiligen Epos "White Pillar" z.B. von der Stadt Sintra und ihrer geschichtlichen/archäologischen Vergangenheit. Musikalisch bewegen sich RAVENSIRE irgendwo in der Schnittmenge von OMEN, BATTLEROAR, RUNNING WILD, GRAND MAGUS und den ersten beiden IRON MAIDEN Veröffentlichungen, sodass sich die Keep It True Fangemeinde auf feine Rhythmus-/Tempowechsel, melodische Gitarrenläufe, einen markanten Sänger (Rick Thor) und das ein oder andere MAIDEN Gedächtnis Riff freuen darf.

Fazit: Obwohl das Album in der Mitte etwas schwächelt, geht "The Cycle Never Ends"insgesamt gut ins Ohr. Vor allem die beiden Songs zu Beginn "Cromlech Revelations" und "Crosshaven", sowie das 3-teilige "White Pillar" machen eindrucksvoll auf sich aufmerksam, sodass jeder, der von sich behauptet Epic-/Heavy Metal zu mögen, die Portugiesen zumindest mal angetestet haben sollte. (AS)

7.5 von 10 

Freitag, 16. Oktober 2015

KING HEAVY / "King Heavy" / Cruz Del Sur Music / Tracks / 45:22 Min

Dass Doom nicht nur unter der nördlichen Hemisphäre funktioniert, beweißen KING HEAVY aus Chile mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum. Sieben Tracks voll düsterer Schwere, die sich irgendwo zwischen DANZIG und PENTAGRAM positionieren, dürften dem geneigten Musikliebhaber einmal mehr aufzeigen, dass der Underground immer noch brodelt, wenn auch nicht mehr ganz so heiß, wie noch in den 70er / 80er Jahren. KING HEAVY stehen für den Geist dieser Zeit, verschließen sich aber nicht gänzlich anderen musikalischen Einflüssen (Psychadelic Rock) und Epochen des Düstersounds (90er Jahre Epic-Doom). Das Ganze natürlich schön rifflastig, mit wummerndem Bass und einem Sänger, wie es ihn eigentlich nur im Doom geben kann, nämlich mit dem Hang zur Extravaganz. Zudem versuchen KING HEAVY die Schwere der Songs durch die Soli aufzulockern, was zumeist gelingt. Alles zusammen ergibt eine interessante Mischung, welche ihre Höhepunkte in "Wounds", "Thirteen Chosen Ones" und "He Who Spoke in Tongues" hat. Soundtechnisch hat sich  allerdings der "Fehlerteufel" eingeschlichen. Der Bass und auch das Schlagzeug hätten für meinen Geschmack eine Portion mehr Druck vertragen können.

Fazit: An vergangene Großtaten der Szene-Platzhirsche reicht das Debütalbum von KING HEAVY nicht heran. Dennoch macht das Album, hier vor allem die zweite Hälfte, einiges her. (JK)

7 von 10
 
www.cruzdelsurmusic.com
www.facebook.com/kingheavydoom

 www.cruzdelsurmusic.com 




Montag, 14. Juli 2014

STEEL PROPHET / OMNISCIENT / Cruz del Sur Music / 14 Tracks / 62.28 Min

Das Warten hat ein Ende. Zehn Jahre nach "Beware" veröffentlichen STEEL PROPHET endlich wieder neues Material. Doch wie gut ist das neue Album geworden? Die Rückkehr von Rick Mythiasin ließ zumindest im Vorfeld die Erwartungen bei einigen Fans ins Unermessliche steigen. Doch wenn man "Omniscient" ohne die Fanbrille betrachtet, stellt man relativ schnell fest, dass STEEL PROPHET zwar nichts verlernt haben, aber eben auch aus den "Fehlern" der Vergangenheit nichts gelernt haben. So bleibt alles beim Alten. Immer dann, wenn STEEL PROPHET zu sehr in verschrobene Prog-Gefilde abdriften, nehmen sie sich selbst den Wind aus den Segeln ("1984", "Transformation Staircase", "Through Time And Space"). Zudem ist die Cover-Version von QUEENs "Bohemian Rhapsody" mehr als grenzwertig. Wenn man die Stimme von Freddy Mercury im Ohr hat und dann das hier hört ... Rick Mythiasin kackt dagegen um Längen ab. Es gibt Songs, die sollte man nicht covern. Zum Glück haben STEEL PROPHET aber auf "Omniscient" auch eine Reihe von saumäßig-starken Songs gepackt, in denen die Balance zwischen US-Power Metal, Prog und Thrash Riffing stimmt (neben den drei Tracks die unter Anspiel-Tipps genannt werden, sind das noch "Chariots of The Gods" und "Aliens, Spaceships and Richard M. Nixon"), so dass man unterm Strich von keinem überragenden, aber von einem mehr als ordentlichen Album und somit von einem gelungenen Comeback sprechen kann. Welcome back! (AS) 

Anspiel-Tipps: "Trickery of the Scourge", "Funeral for Art", "911"

7 von 10

Dienstag, 1. Juli 2014

VESTAL CLARET / The Cult of Vestal Claret / Cruz Del Sur Music / 9 Tracks / 55.19 Min

VESTAL CLARET ist ein satanisch angehauchtes Duo (Phil Swanson  und Simon Tuozzoli), das einen Mix mit leicht kauziger Note aus Doom Metal, Heavy Metal und Okkult Rock (COVEN seien hier erwähnt) sein Eigen nennt. Beim Namen Phil Swanson dürfte es bei dem ein oder anderen Doom-Experten klingeln, war er doch bei Bands wie z.B. HOUR OF 13 oder SEAMOUNT aktiv. "The Cult of Vestal Claret" ist die zweite Veröffentlichung von VESTAL CLARET. Man braucht aber schon ein paar Momente, um mit "The Cult of the Vestal Claret" warm zu werden, da die Stimme von Phil nicht gerade 08/15 Konfektionsware ist, sondern dieses "Spezielle und leicht Schräge" in den Stimmbändern hat, was auch Ozzy Osbourne zu Glanzzeiten bei BLACK SABBATH hatte. Überhaupt BLACK SABBATH; neben den schon erwähnten "besonderen" Vocals, dürfte Riff-Goldhändchen Tony Iommi bei VESTAL CLARET die Inspiration schlechthin sein. Doch damit nicht genug. Mit "Who Are You?" hat es auch ein Cover-Song der Doom-Götter auf das Album von VESTAL CLARET geschafft. Trotz alledem findet sich aber auf "The Cult of Vestal Claret" genug Eigenständigkeit und Abwechslung, um nie Plagiatsvorwürfen ausgesetzt zu werden. Bestes Beispiel dafür ist der göttliche 16 Minuten Epos "Black Priest", der, trotz der Länge, keine Langeweile aufkommen lässt und alles vereint, was die Okkult-Musik der 70s ausmacht(e).

Fazit: Wer Doom und Okkult-Rock mag, wer die 70s/8os genial findet und wer den Underground bevorzugt, für den dürfte "The Cult of Vestal Claret" eine lohnende Anschaffung sein. (JK)

Anspiel-Tipps: "Black Priest", "Great Goat God", "The Demon and the Deceiver"

7 von 10

Montag, 10. März 2014

DARK FOREST / The Awakening / Cruz del Sur Music / 9 Tracks / 53.40 Min

1997, also vor 17 Jahren, gab es eine Band, die den traditionellen Heavy Metal wiederbelebte: HAMMERFALL. Die Geschichte dürfte bekannt sein. Anno 2014 gibt es wieder eine Band, die ähnliches zu leisten im Stande sein dürfte: DARK FOREST. Aber anders als die o.g. Schweden, die sich im Power-Metal austoben, praktizieren die Briten von DARK FOREST eine Mischung aus NWoBHM und traditionellem Epic Metal, die man grob als IRON MAIDEN meets FALCONER meets SATAN klassifizieren kann. Album Nr 3 in der Vita von DARK FOREST strotzt nur so vor genialen Gitarrenläufen, ist vollgepackt mit Melodien zum niederknien und Songs, die schon jetzt das Potenzial zum Klassiker haben. Wie auch bei IRON MAIDEN haben DARK FOREST ihren Sänger zum dritten Album getauscht. Ebenso wie "The Number of the Beast" beginnt "The Awakening" mit einem gesprochenem Zitat (hier aus einem Gedicht von Percy Shelly) und wie auch die "Jungfrauen" seinerzeit, haben DARK FOREST ihre Gitarrenarbeit so perfektioniert, dass innerhalb der Puristen-Szene nur offene Münder zurückbleiben dürften. Doch genug der Lobhudelei. Besorgt euch das Teil und werdet selbst Zeuge wie Geschichte geschrieben wird.
Anspiel-Tipps: "Immortal Remains", "Sons of England" und "The Awakening"

Fazit: Früher hieß es über Album Nr 3 einer Band: "Make It or Break It!" Album Nr 3 von DARK FOREST ist dermaßen stark, dass es schon mit dem Leibhaftigen zugehen müsste, wenn die Briten nicht über kurz oder lang zu den Top Acts in der Kategorie "(traditioneller) Heavy Metal" aufschließen sollten. In diesem Sinne: "Up the Irons!" (JK)

9 von 10