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Montag, 17. Mai 2021

EMPYRIUM / "Über den Sternen" / Label: Prophecy Productions / 8 Tracks / 52:32 Min

Die Sterne sind nur der Vater deines Schicksals. Die Mutter ist deine eigene Seele. (Johannes Kepler)

Ganze sieben Jahre hat sich der zu gleichen Teilen kreative, wie umtriebige Markus Stock (alias Ulf Theodor Schwadorf)  Zeit gelassen, um mit seinem kongeniallen Partner Thomas Helm, den sechsten EMPYRIUM Longplayer zu gebären. 

Wobei es sich seit jeher empfiehlt Zeit einzuplanen, wenn man es sich in der traumwandlerischen Anderswelt von EMPYRIUM gemütlich machen möchte. Was aber nicht nur die Wartezeit zwischen zwei Veröffentlichungen betrifft, sondern vielmehr auch die Fähigkeit, den hektischen Alltag um sich herum einen Moment vergessen zu können - die innere Uhr etwas leiser ticken zu lassen, um mit den Kompositionen eins zu werden und dabei letztendlich Raum und Zeit zu vergessen.

Mit acht Tracks haben EMPYRIUM ihren neuesten Output versorgt - einer mehr, als beim 2014er Comeback-Album "The Turn of Tides" - und das ist gut so! Ist es doch gerade der achte, der letzte Track des Albums, der "Über den Sternen" zu einer runde Sache werden lässt. 

Kann man die vorher plazierten Titel durchaus als eine Art Retroperspektive der verträumten, mystisch angehauchten Neo-Folk/Dark-Folk Titel der letzten 25 Jahre ansehen, die, obwohl sie zum Ende hin gerne etwas an Fahrt aufnehmen, eher die gediegeneren Facette im Repertoire von Markus Stock widerspiegeln, brechen EMPYRIUM mit dem abschließenden Titel-Song "Über den Sternen" metallisch durchs schwarz eingefärbte Unterholz jeder noch so friedlich wirkenden Waldlichtung. Auf über zehn Minuten rufen EMPYRIUM hier nochmals ihre Frühwerke in Erinnerung, deren Strahlkraft bis heute nichts und niemand etwas anhaben konnte. 

Fazit: Seit Anbeginn ihrer Tage stehen EMPYRIUM für mystische Klänge - mal mehr, mal weniger schwarz angehaucht. Mit Waldpoesie hat Markus Stock die passende Bezeichnung für diese einzigartige musikalsiche Mischung im metallisches Kosmos selbst gefunden. Besser kann man EMPYRIUM bis heute nicht beschreiben. "Über den Sternen" darf durchaus als Vermächtnis dieser einzigartigen Waldpoesie verstanden werden - auch wenn es den gleichnamigen Album nicht ganz das Wasser reichen kann. Aber eben nicht nur. Denn "Über den Sternen" ist eindeutig mehr, als ein wehmütiger Blick zurück, ja sogar mehr, als eine kreative gegenwärtige Bestandsaufnahme. Es kann/darf auch als Blick in die Zukunft gewertet werden - und die steht bekanntermaßen in den Sternen. Oder in diesem Fall: Über den Sternen. (JK)

8 von 10

https://empyrium.bandcamp.com/

 
 

Dienstag, 16. Juni 2020

SECRETS OF THE MOON / "Black House" / Label: Prophecy Productions / 9 Tracks / 52:16 Min

Für das Leben und für das Sterben - vier Dinge gibt es zu werben: Für das Leben ein Haus, ein Kleid und ein Brot - und Gottes Huld für den bitteren Tod. (Friedrich Wilhelm Weber)


Dass der schwarzmetalische (Frei-)Geist bei SECRETS OF THE MOON im Sterben lag, hatte man schon längere Zeit auf dem Zettel, spätestens jedoch seit "Sun" (2015). Fünf weitere Jahre ließen Phil Jonas, Lars Plegge & Co einen dann noch im Ungewissen, ob sich der "Patient" erholen wird/darf. Alles Hoffen und Bangen half jedoch nichts - SECRETS OF THE MOON, so wie wir es kannten, sind von uns gegangen. Endgültig.
Nach kurzer Schockstarre und tiefer Trauer, ob des Verlustes, macht sich dann aber doch so etwas wie Freude über die Reinkarnation des Osnabrücker Quintetts breit: "Black House".
Wie der strahlende Phönix erhebt sich das 7. Machwerk von SECRETS OF THE MOON allerdings nicht aus der Asche. Dazu ist der musikalische/künstlerische Schnitt den SECRETS OF THE MOON vollzogen haben zu radikal ausgefallen. Es bedarf schon einiger Umdrehungen von "Black House", um damit warm zu werden. Ob aus dieser anfänglichen (erarbeiteten) Wärme dann eine zukünftige Liebe erwachsen wird, steht aber noch in den Sternen.
Fakt ist jedoch, dass das Album mit jeder Umdrehung an Eingängigkeit gewinnt und auch mehr und mehr in sich stimmig wirkt.
Eine Stimmigkeit, die auf den drei Säulen Post Rock, Goth Rock (manche dürften es Post Punk nennen) und dezentem Alternative Metal gründet. Wer was "Greifbares" benötigt, der darf sich einen Hybrid aus TIAMAT, ALCEST, KATATONIA und ALICE IN CHAINS - jeweils neueren Datums - vorstellen. Und wem FIELDS OF THE NEPHILIM nicht gänzlich unbekannt sind, darf auch diese noch hinzuzählen.
Um sich von der Qualität dieser ungewöhnlichen Melange überzeugen zu können, bedarf es allerdings zusätzlich zur Bereitschaft "Neues" zu entdecken, auch noch etwas Sitzfleisch. Muss man sich nämlich nicht nur in das Album hineinarbeiten, sondern auch noch bis zur zweiten Albumhälfte vordringen. "Verbergen" sich doch erst hier mit "Earth Hour", "Mute God" und "Heart" die Highlights der neuen Visitenkarte von SECRETS OF THE MOON.

Fazit: Schafft man es die Vergangenheit von SECRETS OF THE MOON auszublenden, geht "Black Moon" als gelungenes (Debüt-)Werk einer sowohl musikalisch, als auch technisch qualitativ hochwertig agierenden Truppe durch.
Wer diesen Erinnerungsschalter im Gehirn nicht umstellen kann, oder will, für den dürfte es schwer werden, den neu eingeschlagenen Weg gemeinsam mit SECRETS OF THE MOON zu gehen.
So dürften sich am Ende, die Personen, die "Black House" am liebsten einreißen würden, und derer, die sich im neu gestalteten "Black House" wohlfühlen, die Waage halten. (JK)

6.5 von 10

http://www.secretsofthemoon.de/
https://www.facebook.com/secretsofthemoonofficial/?_rdc=1&_rdr


Donnerstag, 4. Juni 2020

PERCHTA / "Ufång" / Label: Prophecy Productions / 10 Tracks / 39:07 Min

Es kommt alles zurück. Das Gute, das Böse, das Pech und das Glück - es kommt alles zurück. (Gebrüder Grimm - "Frau Holle")

Es begab sich vor gar nicht all zu langer Zeit, genauer gesagt anno 2017, dass sich zwei Seelenverwandte in den Tiroler Bergen unter dem Banner PERCHTA zusammenfanden, um mit den Zutaten Black Metal (weniger) und Folk Metal (mehr) zu experimentieren.
Bei den beiden Seelenverwandten handelt es sich um Fabio D'Amore (SERENITY) und um Lady Perchta. Letztere ist nicht nur Namensgeberin dieser Kollaboration, sondern zudem auch noch (namenstechnisch gesehen) das süddeutsche/österreichische Äquivalent einer gewissen Frau Holle - zumindest im mythologischen Sprachgebrauch dieser Region.
Mit "Ufång" liegt nun das erste vertonte Lebenszeichen von PERCHTA vor und wartet darauf erhört zu werden.
Allerdings will das Erhören des Albums erarbeitet werden, bewegen sich PERCHTA während des kompletten Lonplayers doch im breitesten Tiroler-Dialekt. Es ist also davon auszugehen, dass vor allem Bewohner nördlicher Bundesländer/Regionen ihre liebe Müh' damit haben werden, dem lyrischen Treiben von PERCHTA folgen zu können. Anderseits macht eben auch dieser unverfälschte Dialekt, einen (Teil-)Reiz dieser Veröffentlichung aus.
Aber nicht nur. Musikalisch hat "Ufång" nämlich auch einiges zu bieten.
Nach einem sehr ruhig gehaltenen Zitherintro, eröffenen PERCHTA ihren vertonten Beschwörungsritus, indem sie als erstes Element Erde anrufen. "Erdn", so der Originaltitel, ist dann auch zugleich der schwarzmetallischste Song des gesamten Albums. Neben einer allgegenwärtigen Härte, röchelt, schreit und kreischt sich Lady Perchta zudem nach allen Regeln der extrem-metallischen Kunst durch die Nummer.
"Åtem" (stellvertretend für das Element Luft) dagegen ist um einiges ruhiger gehalten. Bis auf wenige Schreie zum Ende des Songs hin, übt sich Lady Perchta hier zumeist in monotonem Sprechgesang. Zudem erinnern die Chöre im Hintergrund dezent an ENYA.
Bei "Gluat" (stellvertretend für das Element Feuer) spielen PERCHTA verstärkt mit wechselnden Rhythmen und stellen dabei die passenden Instrumente (Drums, Percussions, Bass), in den Vordergrund. Strukturell und stimmlich ist der Track zudem wieder um einiges näher am Black Metal bzw. Pagan Metal orientiert.
Bei "Wåssa" (Wasser) wird es dann episch. Neben einem dramaturgisch angelegten Songaufbau, der, je länger der Titel dauert, mehr und mehr an Fahrt aufnimmt, kann "Wåssa" mit einer melancholischen Grudstimmung auf sich aufmerksam machen. Die Vocals von Lady Perchta sind während der gesamten Nummer überwiegend "clean" gehalten.
Zwischen diesen vier Liedern reinigen, um im magischen / beschwörungstechnischen Jargon zu bleiben, PERCHTA die Luft jedesmal mit mehr oder weniger sehr ruhig gehaltenen Sprechpassagen und spärlicher Instrumentalisierung.
Ein kurzes Zither-Outro beendet "Ufång" genauso, wie alles begonnen hat - mystisch.

Fazit: Mit "Ufång" lassen PERCHTA ein Debütalbum auf die heidnische Gemeinde los, welches sicherlich nicht für jeden Black Metal Anhänger geeignet sein dürfte. Dazu ist "Ufång" einfach zu spirituell aufgebaut. Auch die hohe Anzahl sehr ruhig gehaltener Übergangstitel dürfte den ein oder anderen abschrecken.
Nichtsdestotrotz ist "Ufång" ein spannendes Album. Zumindest für all jene, die sich in der Schublade Ambient-Black-Metal bestens aufgehoben fühlen. (JK)

7 von 10

https://perchta.tirol/index.en.html
https://www.facebook.com/perchta.band/


Sonntag, 26. Januar 2020

NACHTMYSTIUM / "Resilient" / Label: Prophecy Productions / 4 Tracks (EP) / 25:03 Min

Wie ward ich oft gebrochen, brach mich selbst, und dennoch leb ich, unverwüstlich stark; was alles liegt in mir geknickt, verdorrt, doch unaufhaltsam wächst es drüber hin.(Christian Morgenstern)

Was eine Heroinabhängigkeit mit Menschen machen kann, ist spätenstens seit Christiane F. auch hierzulande bekannt. Ebenfalls bekannt sein dürfte, dass im Musik-Business der Umgang mit (harten) Drogen ebenfalls Tradition hat, was unzählige Todesopfer belegen.
Neu hingegen war, dass Musiker ihre eigenen Fans abzocken, um ihre Sucht zu finanzieren, indem sie sie dazu auffordern (online) Merchandise/Alben zu bestellen und selbstverständlich auch zu bezahlen, allerdings ohne Lieferabsicht.
Im Fall Blake Judd kam es wie es kommen musste. Der Schwindel flog auf und der kreative Kopf hinter NACHTMYSTIUM sah sich anschließend gezwungen sein Leben neu zu ordnen.
Die ersten Früchte, dieser "neuen" Ordnung im Leben des Blake Judd werden nun in Form der 4-Track-EP "Resilient" ausgeliefert.
Wobei aus der 4-Track-EP bei genauem Betrachten, ganz schnell eine 3-Track-EP wird. Es sein denn, man hat ein Faible für atmosphärisch angehauchte Intros. Falls nicht, wird es erst ab dem nächsten Track "Resilient" interessant - dafür dann aber gleich richtig! Beim Titelsong der EP hat Mr. Judd nämlich nahezu alle Ingredienzien in einen Zauberkessel geworfen, die NACHTMYSTIUM seit 2008 ausgezeichnet haben. Das Grundgerüst bildet gemäßigter Black Metal, der trotz nur spärlich eingebautem Doublebass-Gedonner eine Dynamik aufbaut, die man ansonsten eher im Depressive-Black-Metal antrifft. Zudem glänzt der Song  mit einer fragil wirkenden Post-Black-Metal-Note. Ohne Frage der beste Track der EP!
Die beiden anderen Titel "Silver Lanterns" (weniger) und "Desert Illumination" (mehr) fallen dagegen etwas ab, wobei jeder Song für sich alleine betrachtet, dennoch einges zu bieten hat.
"Silver Lanterns"  ist ebenfalls im Depressive-Black-Metal verwurzelt, fällt aber hauptsächlich durch sein Wechselspiel zwischen Raserei und spaciger Frischzellenkur auf. Braucht etwas Eingewöhnungszeit, lauft dann aber locker rein. Ebenfalls gelungen.
Ein anderes Bild hingegen bei "Desert Illumination". Hier braucht es nicht nur Durchhaltevermögen (der Track nimmt erst in der zweiten Hälfte Fahrt auf), sondern auch eine niedrige Hemmschwelle, was psychadelische Trips betrifft. Nicht gerade einfach, um Zugang dazu zu finden.

Fazit: Wieviel "Resilient" wert ist, kann erst in Zukunft vollständig beantwortet werden. Nämlich dann, wenn es Blake Judd gelingen sollte, ein komplettes Album fertigzustellen. Bis dahin kann die EP nur als Versuch gewertet werden, verloren gegangenes Vertauen wieder aufzubauen. Der erste Schritt ist gemacht. Es müssen aber noch einige mehr folgen, um NACHTMYSTIUM wieder zu dem zu machen, was sie vor Blake Judds Eskapaden einmal waren: Einer der verlässlichsten Innovations-Motoren des Black Metal. (JK)

7 von 10

https://nachtmystium.bandcamp.com/album/resilient




Donnerstag, 23. Januar 2020

SUN OF THE SLEEPLESS - CAVERNOUS GATE / "Sun of the Sleepless - Cavernous Gate" (Split) / Label: Prophecy Productions / 9 Tracks / 48:10 Min

Nebel, stiller Nebel über Meer und Land. Totenstill die Watten, totenstill der Strand. Trauer, leise Trauer deckt die Erde zu. Seele, liebe Seele, schweig und träum auch du.  (Christian Morgenstern)

Fünf Bands gleichzeitig am Leben zu erhalten ist ein Kunst für sich, die nicht nur organisatorisches Geschick, sondern vor allem auch musikalisches Talent verlangt. Einer dieser (wenigen) Künstler, die das Rüstzeug dazu haben, ist Markus Stock aka Schwadorf, der sich aktuell bei THE VISION BLEAK, NOEKK, EMPYRIUM, EWIGHEIM und eben auch SUN OF THE SLEEPLESS kreativ austobt.
Bei soviel Umtriebigkeit ist es logisch und verständlich, dass nicht immer genügend Zeit vorhanden ist, um einen kompletten Longplayer zu bestücken. Wohl dem, der in solch einer Situation die Telefonnummer eines Freundes/Musikerkollegen zur Hand hat, um eine gemeinsame Split einzutüten. Umso besser (für beide Seiten), wenn eben dieser Freund/Kollege momentan auch noch dabei ist eine neue Band aus der Taufe zu heben. Eine Win-win-Situation für beide Bands sozusagen. Der eine (Ulf Theodor Schwadorf) kann nach dem starken Debütalbum ("To the Elements") von SUN OF THE SLEEPLESS relativ schnell für musikalischen Nachschub sorgen, der andere (S.K./Sebastian Körkemeier aka Alsvartr von HELRUNAR) bekommt eine prominente Plattform, um sein Projekt promoten zu können.
SUN OF THE SLEEPLESS durften sich  auf der Split mit 5 Songs verewigen. Drei davon sind reine Instrumental-Tracks. Atmospherisch, verträumt, stimmungsvoll. Schwadorfs vertonte Naturromantik, wenn man so will. Gut gemacht, aber nicht wirklich spektakulär. Wesentlich interessanter sind die beiden Vocal-Tracks "The Lure of the Nyght" und "To the Moon on Summer Eves ". Hier schwingt Tausendsassa Markus Stock nämlich so gekonnt den Black Metal Taktstock, dass einem unweigerlich Norwegens grandiose Second Wave in den Sinn kommt. Doch damit nicht genug. In den gediegeneren Phasen beider Songs poppt ein Déjà-vu namens "Songs of Moors and Misty Fields" auf, so dass die drei Instrumental-Tracks plötzlich auch wieder stimmig wirken.
Einen nicht ganz so überzeugenden Eindruck hinterlassen hingegen CAVERNOUS GATE. Hier wirkt vieles noch wie Stückwerk. Nicht wirklich schlecht gemacht, aber eben auch nicht so, dass man in Jubelarien verfallen könnte/müsste. Lediglich "Those Who Walk the Fog" fällt (positiv) aus dem Rahmen. Hier schafft es S.K. sämtliche Zutaten (Doom, Death, Dungeon Synth), die er für CAVERNOUS GATE vorgesehen hat, zu einem homogenen Gesamtpaket zu verschnüren. Nach außen hin schroff und bedrohlich, im Inneren unendlich weit und mysteriös wirkend wie das Universum. Darauf gilt es in Zukunft aufzubauen.

Fazit. Der Schulterschluss von SUN OF THE SLEEPLESS und CAVERNOUS GATE ist ohne Frage ein interessantes Appetithäppchen, für die die Dinge die da (hoffentlich bald) kommen. Wobei SUN OF THE SLEEPLESS zweifelsohne den besseren Eindruck hinterlassen.
Auf S.K. und sein CAVERNOUS GATE wartet hingegen noch ein bisschen Arbeit. Ganz schlüssig ist das Konzept nämlich noch nicht, so dass der Hörer noch nicht genau definieren kann, wohin die Reise einmal gehen soll.

7 von 10

https://sun-of-the-sleepless.bandcamp.com/
https://www.facebook.com/cavernousgate/


Mittwoch, 4. Januar 2017

BETHLEHEM / "Bethlehem" / Prophecy Productions / 10 Tracks / 50:48 Min

Von den Toten auferstanden.
Das letzte Lebenszeichen von BETHLEHEM gab es im Jahr 2014, mit dem dritten und finalen Teil der Dark Metal Triologie. Wenige Monate nach dieser Veröffentlichung sah es so aus, als hätte Jürgen Bartsch seinem Suiziadelen Projekt den Garaus gemacht - teilte er doch mit, dass BETHLEHEM von nun an Geschichte seien. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt - "Bethlehem".
Und, BETHLEHEM hätten sich kein besseres Jahr für ihre Auferstehung aussuchen können, als das Krisenjahr 2016 - ist dieses Jahr doch mit großen Abstand das bekloppteste und selbstzerstörerischste seit langer Zeit - Kriege, Hungersnöte, Epedemien, Fluchtbewegungen um den halben Globus und ratlose Politiker wohin man schaut. Da ist es doch fast schon wie Balsam für die geschundene Seele, wenn man den lyrischen Ergüssen auf "Bethlehem" lauscht, und dabei für einen kurzen Moment vergisst, dass man sich eigentlich die Pulsadern aufritzen wollte.
Neben der wieder gefundenen Härte und einem kompositorischem Quantensprung, im Vergleich zu "A Sacrificial Offering ..." und "Hexa...", fällt vor allem auf, dass die Kollaboration von Jürgen Bartsch mit Onielar BETHLEHEM sehr gut zu Gesicht steht; bringt sie doch wieder jenes kranke Anlitz der Band zum Vorschein, welches BETHLEHEM seit "S.U.I.Z.I.D." Tagen verloren gegangen zu sein schien.
Neben den Texten, die selbst (seinerzeit) einen Klaus Kinski sprachlos und nachdenklich hinterlassen hätten, dürfte "Bethlehem" mit seiner depressiven Grundatmosphäre, der wilden Raserei, welche durch traurige Pianoparts und feine Melodien immer wieder eingefangen wird, jeden Fan der ersten Stunde wieder milde stimmen und ihm aufzeigen, dass man ab sofort seinen Blick nicht nur zur Weihnachtszeit gen BETHLEHEM richten sollte, wenn man seine Depression neu befeuern möchte. (JK)

8.5 von 10 

Anmerkung: "Bethlehem" ist als Digipack CD und als 2 CD-Box erhältlich. Die limitierte Box (500 Stk) enthält neben dem Digipack noch eine Bonus CD mit 4 exclusiven Tracks, ein Bonus-Booklet und ein Armband.

http://en.prophecy.de/artists/bethlehem/

Samstag, 24. September 2016

LES DISCRETS / "Virée Nocturne" / Prophecy Productions / 4 Tracks (EP) / 18:04 Min

Alles auf Null.
Wie im letzten Jahr angekündigt; Fursy Teyssier hat die Reset Taste bei LES DISCRETS gedrückt und ist dabei, die Band neu zu erfinden.
Einen Vorgeschmack auf das, was man in Zukunft von den "neuen" LES DISCRETS erwarten darf/kann, bietet die 4 Track EP "Virée Nocturne", die die Hörerschaft bis zur Veröffentlichung des neuen Albums "Prédateurs", welches Anfang 2017 erscheinen wird, bei Laune halten soll.
Um es vorweg nehmen zu wollen - ganz geräuschlos dürfte dieser "Neustart" bei einem Großteil der LES DISCRETS Anhängerschaft nicht von statten gehen. Dazu ist der Wandel, weg vom gitarrenorientierten Post-Rock/Post Black Metal, hin zum elektronisch geprägten Alternative-Rock ala MASSIVE ATTACK oder PORTISHEAD, teilweise zu gravierend ausgefallen.
Was aber nicht bedeutet, dass "Virée Nocturne" eine schlechte Veröffentlichung ist - keineswegs - noch immer schafft es Fursy Teyssier zu fesseln und zu verzaubern, nur eben in einem neu definierten Klang-Kosmos.
Im neuen Klang-Kosmos des Fursy Teyssier treffen ruhige Beats auf anregendes Trip-Hop Drumming und melancholische Shoegaze-Gittarren auf elektronische Klänge. Eine Kombination, die am deutlichsten bei "Capricorni.Virginis.Corvi" auf sich aufmerksam macht, die sich aber auch beim Titelsong der EP "Virée Nocturne" heraushören lässt. 
Damit die Reise von "Ariettes Oubliées…" hin zu "Prédateurs" nicht gänzlich als Kulturschock für labile Post Rock-/Post Black Metal-Geschöpfe ausfällt, enthält die EP mit "Le Reproche" zumindest einen Track (in der Demo-Version), der im weitesten Sinne noch dem Post Rock / Shoegaze alter Tage zuzuordnen ist. Hier entfachen LES DISCRETS dann auch am ehesten noch ein atmosphärisches Feuer, das die Hitze hat, um zumindest in die Nähe ruhigerer ALCEST Titel zu kommen.

Fazit: Die Metamorphose bei LES DISCRETS ist in vollem Gange - in welchen Farben die neuen musikalischen Flügel des Fursy Teyssier in Zukunft leuchten werden, ist abschließend noch nicht 100%ig zu beurteilen. Es bleibt also weiterhin spannend. (DE)

7 von 10

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit:
http://de.prophecy.de/kuenstler/les-discrets/les-discrets-vir-e-nocturne.html

Donnerstag, 1. September 2016

1476 / "Wildwood" / Prophecy Productions / 11 Tracks / 56:23 Min

Stilmix - Eine Frage der Einstellung.
Laut Labelinfo handelt es sich bei 1476 um das bestgehütete "Geheimnis" der USA, im Bereich des stimmungsvollen Art Rock.
Nun denn, liebes Label (Prophecy Records), ihr müsst jetzt ganz stak sein, da wir von metal-is-forever-alive, dieses Geheimnis von 1476 nun lüften und "Wildwood" mal genau auf den Zahn fühlen werden.
Bei 1476 handelt es sich um ein Duo (Robb Kavjian und Neil DeRosa) aus Neuengland/USA, das Elemente unterschiedlicher Genres vermischt, die in der Summe rockig, melancholisch und tanzbar sind.
Rockig wie THE CULT ("Black Cross / Death Rune"), melancholisch wie die Neo-Folk-Rocker von SONNE HAGAL ("Banners in Bohemia") und tanzbar wie SISTERS OF MERCY ("God Morning Blackbird"). Das ganze wird erweitert, mit atmosphärischen Samples und einer dezent "metallischen" Schlagseite, die man sich grob als folkige AGALLLOCH ("Shoreless") und SOLSTAFIR ("The Golden Alchemy") vorstellen darf. Bei "Bohemia Spires" lugen zudem noch DEAD CAN DANCE aus dem Unterholz hervor.
Wenn man so will, ist diese Melange ein kunstvolles Aufbegehren, gegen die Langeweile und das weitverbreitete Schubladendenken im Musikbusiness.
Dieser Langeweile und dem Schubladendenken, setzen Kavjian & DeRosa eingängige Melodien, knarzende Gitarrenwände und atmosphärische Songs entgegen, die, wenn es diese Musik schon damals gegeben hätte, mit großer Wahrscheinlichkeit Schriftsteller wie Edgar Allan Poe oder H.P. Lovecraft inspiriert hätte.
So passt es dann auch, dass die Musik zu jedem Zeitpunkt eine mystische Aura umgibt, die mal okkult, mal elegisch gefärbt sein kann.

Fazit:  Hier entsteht etwas Neues, ein Stil, der bisher noch keinen Namen hat, dafür aber schon ein Gefühl ausdrückt - Endlose Schönheit des vergänglichen Augenblicks. (JK)

9 von 10

Erhältliche Editionen:
- Digipak-2CD inkl. Bonus-CD mit "The Nightside"-EP
- Gatefold-2LP (180g-Vinyl, schwarz) inkl. "The Nightside"-EP, Poster, bedruckten Innenhüllen und PVC-Schutzhülle (500 Stück erhältlich)

http://de.prophecy.de/kaufen/1476-wildwood-the-nightside.html

Montag, 27. Juni 2016

THE VISION BLEAK / "The Unknown" / Prophecy Productions / 9 Tracks / 48:16 Min

Jede Geburt beendet ein Warten. Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei - was ungewiss war, bricht sich unwiderruflich Bahn. Und indem es sich Bahn bricht, nimmt es seinen Anfang. Auf zu neuen Ufern - es beginnt die Zeit von "The Unknown".
Treffender, als mit  diesem leicht abgewandelten Zitat von Paola Mastrocola kann man wohl kaum die Wandlung beschreiben, die bei THE VISION BLEAK stattgefunden hat. Eine Wandlung in konträre Richtungen - zum einen finden Schwadorf & Konstanz den Weg zurück, hin zu den Anfängen von THE VISION BLEAK - zum anderen, öffnet sich das Duo neuen Klangabenteuern.
Herausgekommen ist dabei das spannendste, abwechslungsreichste und kreativste Album in der 16-jährigen Geschichte von THE VISION BLEAK. Völlig losgelöst von den Kompositionsmustern der Vergangenheit finden so vermehrt (oder gar erstmals) Black Metal Elemente ("Spirits of the Dead", "From Wolf to Peacock"), Thrash-/Death Fragmente ("How Deep Lies Tartaros?"), Epic Metal Anleihen ("Into the Unknown") und Doom Strukturen ("Ancient Heart") den Weg in die neun Kompositionen auf "The Unknown".
Das größte Kunststück ist aber, dass das Album dabei, trotz aller Neuerungen, immer noch unverkennbar (obwohl Konstanz mit seinen Vocals gelegentlich die Schwelle hin zum Black Metal überschreitet) nach THE VISION BLEAK klingt. So finden sich immer noch viele mystische Momente und ruhige Passagen (inkl. Klavier und Akustikgitarre) im Goth-Rock Grundgerüst der beiden Bayern - wenn auch subtiler als zuvor.
 
Fazit: "The Unknown" klingt, trotz aller Neuerungen und der hinzugewonnenen Härte, absolut vertraut nach THE VISION BLEAK, sodass niemand Bedenken oder gar Angst vor dem Unbekannten ("The Unknown") haben muss. Wer sich darauf einlässt, erhält ein intensives Album, das sich zwischen Wildheit und Eleganz wohlfühlt und mit jeder Umdrehung im Player wächst. (JK)

9 von 10

Weitere Informationen: http://de.prophecy.de/the-vision-bleak-the-unknown.html

Donnerstag, 17. Dezember 2015

SECRETS OF THE MOON / "Sun" / Prophecy Productions / 7 Tracks / 52:45 Min

"Oh, wie ist es kalt geworden und so traurig, öd und leer. Raue Winde wehn von Norden, und die Sonne scheint nicht mehr (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben). Rechtzeitig zur bevorstehenden Wintersonnenwende bringen SECRETS OF THE MOON, mittels ihrer Definition von "Sun", Licht ins Dunkel der geschundenen Seele.
Schmerz, Verzweiflung und nicht enden wollende Melancholie bilden das Fundament, auf das SECRETS OF THE MOON ihr sechstes Studioalbum aufgebaut haben. Ein schwarzmetallisches Fundament, auf das SECRETS OF THE MOON einen musikalischen Gothic-Prachtbau gesetzt haben, der aktuell seinesgleichen suchen dürfte. Auf "Sun" hat die Osnarbrücker Band ihr musikalisches Spektrum, das ohnehin schon breit gefächert war, nochmals erweitert. Von FIELDS OF THE NEPHILIM und TIAMAT über WATAIN und TRYPTIKON bis hin zu IN SOLITUDE reicht jetzt die Bandbreite der Einflüsse, die SECRETS OF THE MOON in ihre Kompositionen mit einfließen lassen. Sieben Kompositionen, in denen sowohl erhabene, als auch hymnische Melodien dem beklemmenden Grundtenor der Songs dezent den Weg aus der Kälte weisen. Einer Kälte, die trotz des Albumtitels ("Sun") allgegenwärtig ist. SECRETS OF THE MOON haben es zudem geschafft, trotz der Verwendung von Klargesang (sorry keine Screams) eine komplett düstere Atmosphäre zu erschaffen, die einem nicht nur einmal kalte Schauer den Buckel rauf und runter jagen.
Ob der Moment, als die Band in das Grab ihrer Bassistin LSK schauen mussten, der alleinige Grund für den innovativen Wandel war, entzieht sich meiner Kenntniss. Fakt ist aber, dass sich SECRETS OF THE MOON zu einem großen Teil neu erfunden haben. Ein mutiger Schritt den sicherlich nicht alle mitgehen werden. Wer sich aber bewußt macht, dass die Sonne sowohl Quell wärmenden Lichts, als auch alles verschlingender Feuerball sein kann, kommt der Kraft, die von "Sun" ausgeht schon ziemlich nahe und wird mit großer Wahrscheinlichkeit Zugang dazu finden.

8 von 10


http://www.secretsofthemoon.de

Sonntag, 25. Oktober 2015

EIS / "Bannstein" / Prophecy Productions / 5 Tracks / 45:31 Min

Ein Bannstein absorbiert im magischen Sinne, in seiner Nähe, jegliche Magie und lässt das Wirken von Zaubersprüchen nicht zu. Trifft das hier auch auf das neue Album von EIS zu? Geht dem Album jeglicher Magie verloren, all das was EIS auf den Vorgängeralben ausgemacht hat? Nein, Gott sei Dank bzw Scheitan sei Dank, ist dem nicht so. Vier der fünf überlangen Songs auf "Bannstein" können verzaubern. Allen voran "Über den Bannstein", "Im Schloß der welken Blätter" und "Im Noktuarium". Bei diesen drei Tracks ziehen EIS alle Register der schwarzen Kunst: Hier verschmilzt das düstere Fundament aus nordischen Riffs und skandinavischer Melodieführung der EIS' schen Klangschmiede, abwechslungsreich und detailverliebt, zu einem in sich stimmigen Gesamtkunstwerk, ohne dabei überladen zu wirken. Oder anders ausgedrückt: Black Metal goes Art. Tempowechsel, Streicher, Akustik-Parts, Blastbeats und lyrisch verpackte Momente des Innehaltens. Alles zusammen nordisch kühl inszeniert und doch dabei homogen und warm präsentiert. Gänsehautmomente garantiert! Leider können EIS dieses Niveau nicht auf dem kompletten Album halten. Reicht "Fern von Jarichs Gärten" noch fast zu 100% an den Ideenreichtum und die süchtig machenden schwarz-magischen Momente der drei oben erwähnten Songs heran, verhält es sich mit dem Opener "Ein letztes Menetekel" anders. Dieser Song kann zu keinem Zeitpunkt den Bannstein überwinden. Obwohl handwerklich gut gemacht, wirkt er im Vergleich zu den anderen Songs, wie das hässliche Entlein im Teich. Doch mit viel Zuwendung (mehrmaliges Hören) verdient sich "Ein letztes Menetekel" letztendlich seine Daseinsberechtigung auf einem der besten Black Metal Alben des Jahres, dass das Gütesiegel "Made in Germany" trägt. (JK)

8.5 von 10

Dienstag, 28. Juli 2015

LES DISCRETS / Live at Roadburn / Prophecy Productions / 8 Tracks / 46:44 Min

Merci LES DISCRETS für zwei Alben ("Septembre et Ses Dernières Pensèes" und "Ariettes Oublièes"), bonne chance Fursy Teyssier für deinen weiteren musikalischen Weg. Selten war ein Live-Album sinnvoller als "Live at Roadburn" von LES DISCRETS, steht es doch für den Abschluß einer Epoche und die zukünftige Neuorientierung des Franzosen. Fursy Teyssier möchte sich ab dem kommenden Album musikalisch neu orientieren, was leider die Abkehr vom Metal/Post Rock bedeuten wird. "Live at Roadburn" ist sozusagen das Abschiedsgeschenk an die Fans der ersten Stunde, welches mit der Hoffnung verbunden sein dürfte, dass der Großteil der (hoffentlich zahlreichen) Käufer den weiteren Weg von Fursy Teyssier auch weiterhin verfolgen wird. Aufgenommen wurde dieses Live-Dokument am 19. April 2013 auf dem Roadburn Festival in den Niederlanden. Neben Fursy Teyssier standen an diesem Tag Neige, Winterhalter, Zero (alle ALCEST) gemeinsam als LES DISCRETS auf der Bühne und präsentierten dem anmutig lauschendem Publikum, wohl zum letzten mal, jene warme Melancholie und träumerische Sehnsucht, mit denen die Franzosen ihre Klangwände die letzten Jahre kunstvoll ausgestattet haben. Insgesamt wurden an diesem Tag acht Tracks zum besten gegeben, von denen jeder seine eigene spezielle Magie entwickelt. Ganz besonders gut funktioniert diese Magie bei den Live Versionen von "Le Mouvement perpetuel", "Les Feuilles de l'Olivier" und "Song for Mountains".

Fazit: Post Rock/Shoegaze at its best. (JK)

8 von 10

Donnerstag, 30. April 2015

HELRUNAR / Niederkunfft / Prophecy Productions / 8 Tracks / 56:26 Min

Die Kurskorrektur, die HELRUNAR mit "Sól" vor vier Jahren eingeleitet haben, findet auf "Niederkunfft" seine Fortsetzung. In bisher noch nicht gekanntem Ausmaß, setzt das Duo auf doomgeschwängerten Schwarzmetal, was zur Folge hat, dass HELRUNAR die nordische Raserei vergangener Tage auf ein Minimum reduziert haben und sich oftmals im Mid-Tempo bewegen. Hinzugefügt haben HELRUNAR zudem eine Prise Schweden-Tod, der mit den schwarzen Riffs harmoniert, die immer noch vorhanden sind. All dies zusammen gibt "Niederkunfft" eine düstere und bedrohlich wirkende Atmosphäre, die das Album tiefschwarz erdet, aber eben auch so eingängig macht, so wie es noch nie ein Album von HELRUNAR zuvor war. Ebenfalls neu, ist der (Teil-) Einzug der englischen Sprache (bei "Devils, Devils Everywhere" und "The Hiebner Prophecy"), was bei den Puristen sicherlich am meisten für Verstimmungen sorgen dürfte. Gerade aber "The Hiebner Prophecy" ist neben "Magdeburg brennt" und "Die Kirch ist umgekehret" eines der Highlights des Albums, welche "HELRUNAR 2015" in all seinen (neuen und alten) Facetten am besten präsentieren. 

Fazit: "Niederkunfft" ist ein durchdachtes, in sich stimmiges und gut komponiertes Album, das etwas Eingewöhnungszeit benötigt, mit der Zeit aber reift und letztendlich auch den letzten Zweifler mit seiner schwarzen Strahlkraft überzeugen dürfte.(JK)

8 von 10

Sonntag, 22. Februar 2015

DARKHER / The Kingdom Field / Prophecy Productions / 4 Tracks (EP) / 22:00 Min

Wem die letzten beiden Veröffentlichungen von SOLSTAFIR (hiervon die ruhigeren Titel) gefallen haben, wer auch was mit ENYA anfangen kann und ebenso dem Neo-Folk aufgeschlossen gegenübersteht, für den dürfte DARKHER ein interessanter Newcomer sein. Bei dem Newcomer handelt es sich eigentlich um eine Newcomerin: Jayn H. Wissenberg so der Name der Dame. Die Britin zeichnet sich für Gesang und Gitarre verantwortlich. Mit ihrer zerbrechlich wirkenden Stimme erzeugt Jayn H. Wissenberg mit jeder Note eine mysthisch, spirituelle Stimmung, die einen dazu verführt, sich in der Melancholie zu verlieren. "The Kingdom Field" ist definitiv kein Album für den schnellen Genuss im MP3-Player/iPod. Man sollte sich für die Musik von DARKHER Zeit nehmen, denn nur so kann man die Stimmung aufnehmen, die "The Kingdom Field" transportieren möchte. Waren die ersten beiden Songs noch am ehesten dem Neo-Folk bzw dem Dark-Ambient zuzuordnen, zeigen DARKHER bei "Foregone", dass sie die hohe Kunst, einen packenden Post-Rock Song zu schreiben, ebenfalls beherrschen und kommen hier dem übermächtigen Schatten von SOLSTAFIR am nähesten. Mit einem Instrumental-Track beenden DARKHER die EP, die Appetit auf mehr gemacht hat. Ein komplettes Album soll im Lauf des Jahres folgen. (JK)

8 von 10

Donnerstag, 4. Dezember 2014

BETHLEHEM / Hexakosioihexekontahexaphobia / Prophecy Productions / 12 Tracks / 63:09 Min


Seit der letzten vollwertigen Ver- öffentlichung von BETHLEHEM sind 10 Jahre ins Land ge- zogen. Nachdem vor vier Jahren zumindest eine EP den Fort- bestand der Band vermeldet hat, findet mit "Hexakosioihexe- kontahexaphobia" die Triologioe (nach "Schatten aus der Alexander Welt" von 2001 und "Mein Weg" von 2004) endlich ihren Abschluß. Vorausge- schickt sei aber: BETHLEHEM waren schon immer schwer greifbar und haben immer ihr eigenes Ding gemacht. Da stellt Album Nr. 6 ("Hexa") auch keine Ausnahme dar. Von der Black Metal Vergangenheit der Anfangstage ist außer der schwarzen Färbung der Texte und einigen gesanglichen Ausbrüchen von Sänger Guido Meyer de Voltaire nicht mehr allzuviel geblieben, obwohl "Spontaner Freitod" zumindest noch tendeziell die Frühwerke von BETHLEHEM in Erinnerung ruft. Ansonsten ist vielmehr eine gewisse Nähe zu THE VISION BLEAK nicht ganz von der Hand zu weisen. Gerne greift Jürgen Bartsch (und das nicht erst seit heute) auch Elemente des Industrial und des Dark Ambient auf. Schwere, langsam gespielte Riffs betonen die düstere Grundstimmung des Albums, die elekronischen Anteile tragen ebenso wie die Chor-Elemente dazu bei, "Hexakosioihexekontahexaphobia" als bedrohlich zu empfinden. Dadurch schaffen es BETHLEHEM immer noch, einen in tiefste Abgründe zu ziehen. Was will man mehr.

Fazit: "Hexakosioihexekontahexaphobia" braucht Zeit um zu Reifen, viel Zeit. Hat man aber einmal Zugang dazu gefunden, packt es einen und lässt einen nur schwer wieder los. (JK)

7.5 von 10 

Freitag, 27. Juni 2014

LANTLôS / Melting Sun / Prophecy Productions / 6 Tracks / 40.42 Min

Neige ist weg. Der Black Metal Faktor auch. Sind LANTLôS damit am Ende? Ja, wenn man die Musik durch eine depressive und schwarzmetalische Brille betrachtet. Nein, wenn man die Songs auf sich wirken lässt und die Scheibe für sich stehend bewertet. Schafft man es, die Vergangenheit von LANTLôS weitestgehend auszublenden, verwandelt sich das zuerst hässliche Entlein "Melting Sun" auf den zweiten Blick in einen prachtvollen (weißen) Schwan, der, wenn man nur genau genug hinschaut, unter all den hellen Federn immer noch leicht schwarze Haut hat. Im Gegensatz zur Hauptband von Neige; ALCEST, die, auf deren letzten Album ("Shelter") fast komplett dem Metal abgeschworen hat, finden sich bei LANTLôS auch weiterhin metalische Klänge, wenn auch in einer abgespeckten, doomigen und shoegaze-durchtränkten Version. "Melting Sun" verzaubert durch Klargesang anstatt Keifen und mit atmosphärischen Klangteppichen an Stelle von aggresiver Stimmung. Oder anders ausgedrückt: Markus "Herbst" Siegenhort goes Sommer.

Fazit: Getreu dem "Aleister Crowley" Motto: "Tu was du willst, sei das oberste Gesetz" hat sich Großmeister Herbst von fast allen schwarzmetalischen Ketten gelöst und ein mitreißendes Post-Rock Album erschaffen, das den Moment überdauern wird. (JK)

7.5 von 10