Der Pilz ist der Parvenü der Pflanzen. (Christian Morgenstern)
In letzter Zeit sprießen Retro Bands wie Pilze aus dem Boden.
Doch, wie im wahren Leben, ist auch im Musikregal beim Pilzesammeln Vorsicht geboten. Zum einen, weil verwertbare und ungenießbare Pilze sich ähneln können, und zum anderen, weil nicht jeder Pilz geschmacklich das hält, was er auf den ersten Blick verspricht.
Bei KING WITCH handelt es sich um einen schottischen Röhrenpilz, der ursprünglich ausschließlich in der Gegend um Edinburgh in Flora und Fauna anzutreffen war, vor Kurzem aber auch schon auf dem europäischen Festland oder gar auf Malta (Doom-Festival) gesichtet wurde.
Da es sich beim KING WITCH Schwammerl um eine relativ neue Gattung handelt (gegründet 2015), dürften die wenigsten von euch bisher auf ihn gestoßen sein - deshalb hier eine kleine Warenkunde.
Der KING WITCH Röhrenpilz setzt sich aus vier Einzelteilen zusammen: Dem Stiel (Lyle Brown / Drums), dem Ring (Joe Turner / Bass), dem Hut (Joe Turner / Bass) und der Röhrenschicht (Laura Donnelly / Vocals).
Geschmacklich erinnert das "Under the Mountain"-Gewächs an rifflastige Heavy Metal Kost mit starker Doom Würze und kitzelt den Gaumen zudem mit leichter Psychadelic Raffinesse im Abgang.
Wie die meisten Neuzüchtungen dieser Gattung sucht auch der KING WITCH Röhrenpilz im trockenen Doomunterholz liebend gern die Nähe zu Vertretern der Gattung Fungus BLACK SABBATH und Amanita CANDLEMASS, was aber aufgrund der eigenen (zumeist) mittelmäßigen Songstruktur nur äußerst selten zu ernsthaften Verwechslungen führt.
Vergiftungsgefahr geht vom KING WITCH Pilz keine aus, auch wenn einem der ein oder andere Song, wegen fehlender Eingängigkeit, sauer aufstößt.
Nachhaltig in Erinnerung bleibt nach dem Genuß aber definitiv das feine Aroma der schmackhaften Röhrenschicht Laura Donnelly, die nicht nur mit ihrer kräftigen Stimme überzeugen kann, sondern auch mit Ausdruck und Wiedererkennungswert.
Fazit: KING WITCH können längst noch nicht mit der Güteklasse 1 auf dem Viktualienmarkt der Doom-Eitelkeiten konkurrieren, auch wenn sie das Rüstzeug dazu haben, in Zukunft eventuell in diese Spähren vordringen zu können.
Aktuell bleibt nach dem Verzehr des Albums bis auf "Approaching the End" und "Carnal Sacrifice" relativ wenig bleibend in Erinnerung. Dennoch ist der Longplayer alles andere als ungenießbar und dürfte deshalb dem Magic Mushroom Liebhaber den ein oder anderen Pfifferling wert sein. (JK)
6.5 von 10
https://www.facebook.com/kingwitch
https://kingwitchband.bandcamp.com/releases
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Donnerstag, 5. September 2019
Montag, 3. April 2017
LOCK UP / "Demonization" / Listenable Records / 14 Tracks / 41:21 Min
Es genügt nicht, die Arbeit einfach nur zu tun, man muss sich auch noch dafür interessieren und mit Leidenschaft bei der Sache sein (Charles Bukowski).
Sechs lange Jahre haben sich LOCK UP Zeit gelassen, um den "Necropolis Transparent"-Nachfolger auf den Weg zu bringen.
Ganz untätig waren die Herren Embury, Barker und Reisenegger jedoch nicht, haben sie doch mit ihren Hauptarbeitgebern (NAPALM DEATH, BRUJERIA, CRIMINAL) in dieser Zeit das ein oder andere nackenbrechende Album veröffentlicht und ganz nebenbei auf diversen Touren, die jeweiligen Hallen zum beben gebracht. Zudem gab es einen Wechsel am Mikro. Den Job als Gift und Galle spuckender Brüllwürfel hat auf "Demoization" Kevin Sharp (VENOMOUS CONCEPT, ex-BRUTAL TRUTH) übernommen, da Tomas Lindberg dem Lockruf der reaktivierten AT THE GATES gefolgt ist.
An der Ausrichtung hat sich deswegen aber nicht viel geändert. Auch mit neuem Shouter am Mikro heißt die Devise bei LOCK UP weiterhin: Voll auf die Zwölf!
Aber, um es mit dem eingangs erwähnten Charles Bukowski zu sagen - LOCK UP machen nicht nur ihren Job (wofür sie alleine schon bewundert werden), sondern (was ihnen Respekt einbringt), sie füllen ihre Tätigkeit mit Leidenschaft.
Eine Leidenschaft, die LOCK UP auf "Demonization", man mag es kaum glauben, mit Abwechslung und Innovation zelebrieren. Wobei Abwechslung und Innovation, im eng gesteckten Rahmen des Grind-Grundgesetzes, nur in therapeutisch unbedenklicher Dosierung wirken, aber eben doch vorhanden sind.
Zwischen all den Blastbeats (Nick Barker ist das absolute Tier hinter den Kesseln) und Monster-Riffs lassen LOCK UP immer mal wieder Fünfe gerade sein und bremsen ihren Geschwindigkeitsrausch (kurzzeitig) ab, um "Demonization" mit langsameren Passagen, sowie mit Crust- und Groove-Ausflügen, in eine Sphären zu heben, die einer Supergroup gerecht wird.
So hat man ständig das Gefühl, dass LOCK UP mit ihrer ungestümen Rohheit einem den Schädel spalten, dies aber mit Stil und Anstand geschieht.
Mit dieser Gewissheit im Hinterkopf machen Abrissbirnen wie beispielsweise "The Plague That Stalks the Darkness", "Blood and Emptiness" oder "Locust" dann auch gleich doppelt soviel Spass - weiß man doch, dass LOCK UP das (Grind-)Rad nicht neu erfunden haben, dies aber problemlos könnten, wenn man sie zwingen würde.
Fazit: "Demonization" ist verteufelt gutes Album, auf das es sich gelohnt hat, sechs Jahre warten zu müssen, das zwar nicht mehr ganz so angepisst rüberkommt, wie der unmittelbare Vorgänger, aber dennoch einiges auf dem Kasten hat. (JK)
8 von 10
http://www.listenable.net/
Sechs lange Jahre haben sich LOCK UP Zeit gelassen, um den "Necropolis Transparent"-Nachfolger auf den Weg zu bringen.
Ganz untätig waren die Herren Embury, Barker und Reisenegger jedoch nicht, haben sie doch mit ihren Hauptarbeitgebern (NAPALM DEATH, BRUJERIA, CRIMINAL) in dieser Zeit das ein oder andere nackenbrechende Album veröffentlicht und ganz nebenbei auf diversen Touren, die jeweiligen Hallen zum beben gebracht. Zudem gab es einen Wechsel am Mikro. Den Job als Gift und Galle spuckender Brüllwürfel hat auf "Demoization" Kevin Sharp (VENOMOUS CONCEPT, ex-BRUTAL TRUTH) übernommen, da Tomas Lindberg dem Lockruf der reaktivierten AT THE GATES gefolgt ist.
An der Ausrichtung hat sich deswegen aber nicht viel geändert. Auch mit neuem Shouter am Mikro heißt die Devise bei LOCK UP weiterhin: Voll auf die Zwölf!
Aber, um es mit dem eingangs erwähnten Charles Bukowski zu sagen - LOCK UP machen nicht nur ihren Job (wofür sie alleine schon bewundert werden), sondern (was ihnen Respekt einbringt), sie füllen ihre Tätigkeit mit Leidenschaft.
Eine Leidenschaft, die LOCK UP auf "Demonization", man mag es kaum glauben, mit Abwechslung und Innovation zelebrieren. Wobei Abwechslung und Innovation, im eng gesteckten Rahmen des Grind-Grundgesetzes, nur in therapeutisch unbedenklicher Dosierung wirken, aber eben doch vorhanden sind.
Zwischen all den Blastbeats (Nick Barker ist das absolute Tier hinter den Kesseln) und Monster-Riffs lassen LOCK UP immer mal wieder Fünfe gerade sein und bremsen ihren Geschwindigkeitsrausch (kurzzeitig) ab, um "Demonization" mit langsameren Passagen, sowie mit Crust- und Groove-Ausflügen, in eine Sphären zu heben, die einer Supergroup gerecht wird.
So hat man ständig das Gefühl, dass LOCK UP mit ihrer ungestümen Rohheit einem den Schädel spalten, dies aber mit Stil und Anstand geschieht.
Mit dieser Gewissheit im Hinterkopf machen Abrissbirnen wie beispielsweise "The Plague That Stalks the Darkness", "Blood and Emptiness" oder "Locust" dann auch gleich doppelt soviel Spass - weiß man doch, dass LOCK UP das (Grind-)Rad nicht neu erfunden haben, dies aber problemlos könnten, wenn man sie zwingen würde.
Fazit: "Demonization" ist verteufelt gutes Album, auf das es sich gelohnt hat, sechs Jahre warten zu müssen, das zwar nicht mehr ganz so angepisst rüberkommt, wie der unmittelbare Vorgänger, aber dennoch einiges auf dem Kasten hat. (JK)
8 von 10
http://www.listenable.net/
Freitag, 24. Oktober 2014
KRUGER / Adam & Steve / Listenable Records / 8 Tracks / 47: 25 Min
Wer rumpelt denn hier so schön durchs Post-Metal Gehölz? Es sind die schweizer Sludge-/Post-Metal/Noise-Rock Künstler von KRUGER. "A&S" ist mittlerweile das fünfte Album des Quintetts, welches mit jeder zusätzlichen Umdrehung im Player an Größe gewinnt. KRUGER lassen auf "Adam & Steve" das Riffmonster von der Leine, bauen Noise-Rock-Wände auf, um sie in nächsten Moment einzureißen und verknüpfen Harmonie und Disharmonie zu einem angenehmen Sound- teppich. Als Produzent haben die Schweizer diesmal einen dicken Fisch an Land gezogen: Magnus Lindberg (CULT OF LUNA).
Wer NEUROSIS, (alte) MASTODON und GOJIRA mag, dem sei der neueste KRUGER Output wärmstens ans Herz gelegt.
Fazit: Für alle, die sich im geordneten Chaos zurechtfinden, für alle, die gerne die soundtechnische Apokalypse heraufbeschwören, für alle, die Musik mögen, die alles andere als "Mainstream" ist. (JK)
7.5 von 10
Wer NEUROSIS, (alte) MASTODON und GOJIRA mag, dem sei der neueste KRUGER Output wärmstens ans Herz gelegt.
Fazit: Für alle, die sich im geordneten Chaos zurechtfinden, für alle, die gerne die soundtechnische Apokalypse heraufbeschwören, für alle, die Musik mögen, die alles andere als "Mainstream" ist. (JK)
7.5 von 10
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