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Montag, 20. April 2020

RAGE / "Wings of Rage" / Label: Steamhammer - SPV / 12 Tracks / 54:36 Min

Allein musst du entfalten deine Schwingen, allein nach deinem Ideale jagen, allein dich auf die See des Lebens wagen, allein, allein nach deinem Himmel ringen. (Georg Herwegh)


Seit nunmehr 34Jahren gehören RAGE zu den verlässlichsten Konstanten im teutonischen Heavy Metal, wenn es darum geht in schöner Regelmäßigkeit (qualitativ hochwertige) Longplayer zu veröffentlichen. "Wings of Rage" ist die 23. Veröffentlichung und setzt genau dort an, wo "Seasons of Black" 2017 aufgehört hat.
Womit klar sein dürfte, dass die Zeit der "Experimente" bei RAGE nun endgültig ad acta gelegt wurden. So gut wie keine symphonischen Sperenzchen, kein aufgeblasener Sound, keine auf Harmonie gebürstete Produktion. RAGE kommen auf "Wings of Rage" ohne Umwege direkt auf den (Heavy Metal) Punkt. Dazu passt, dass Peavy und seine beiden Mitstreiter (Marcos Rodriguez und Vasilios Maniatopoulos) sich einen, wenn nicht gar den RAGE-Klassiker "Higher Than the Sky" nochmals zu Brust genommen haben und ihn eine etwas härtere Gangart verpasst haben.
Überhaupt präsentieren sich RAGE auf "Wings of Rage" um einiges härter, als noch zuvor. Nicht nur, dass RAGE wieder vermehrt an Thrash-Riffs Gefallen gefunden haben, auch der Gesang von Peavy hat einiges an Durchschlagskraft hinzugewonnen. Und das Beste daran: RAGE hören sich trotzdem noch 100%ig nach RAGE an. Soll heißen, alle Trademarks (u.a. feine Melodien und eingängige Refrains) sind weiterhin vollzählig vorhanden, so dass sich niemand Gedanken machen muss, ob der "neuen" Ausrichtung.
Selbst die Soli sind gut wie lange nicht mehr, so dass RAGE sich nun auch diesen Punkt betreffend, endgültig aus dem virtuosem Schatten von Victor Smolski freigeschwommen haben dürften.

Fazit: Mit "Wings of Rage" lassen RAGE ein Album vom Stapel, welches in dieser Stärke und Eingängigkeit, selbst kühnste Optimisten überraschen dürfte. Schon lange haben Peavy und seine Mannen nicht mehr so zwingend und frisch geklungen. Reife Leistung! Umso mehr, wenn man bedenkt, dass Herr Wagner vor kurzem "jugendliche" 55 Jahre alt geworden ist.
Absolutes Must-Have! (JK)

9 von 10

http://www.rage-official.com/
https://rageofficial.bandcamp.com/


Montag, 22. Januar 2018

Konzertbericht RAGE + FIREWIND + DARKER HALF - 9.1.2018 München / Backstage (Halle)

Von germanischer Heavy Metal Kunst, griechischen (Gitarren-) Göttern und vier Handlungsreisenden aus Down Under: SEASONS OF THE BLACK TOUR

Peavy Wagner erlebt momentan, zumindest musikalisch gesehen, seinen zweiten Frühling -  Live war die Truppe um den Hernener Sympathikus ja immer schon eine Wucht, nur im Studio schien es so, als habe man das Feuer etwas verloren, was letztendlich in vorhersehbaren Alben mündete. Mit dem Besetzungswechsel von 2015 hat man aber nochmals die Kurve bekommen, inzwischen sprühen die Veröffentlichungen von RAGE wieder vor Kreativität und Power.
Selbe Attribute sind auch FIREWIND kein Fremdwort, die ebenso wie die australischen Emporkömmlinge von DARKER HALF, nicht zweimal überlegen mussten, als die Anfrage kam, zusammen mit RAGE auf Tour zu gehen.

DARKER HALF

Los ging es um 19.45 Uhr mit dem Power-Metal-Quartett aus Sydney, das dem ein oder anderen von euch schon bekannt sein dürfte, waren DARKER HALF doch auch schon auf der letzten Tour von RAGE als Opening-Act gebucht.
Seitdem haben die Australier eine neue EP aufgenommen, und wie es scheint, an Performance und Stimmakrobatik gearbeitet, was sich im Vergleich zum letzten München Besuch (hier der Link zur Review von 2016) positiv bemerkbar macht.
DARKER HALF (© by metal-is-forever-alive)
So fällt nicht nur auf, dass Steven "Vo" Simpson inzwischen stimmlich wesentlich besser auf den Punkt kommt als noch zuvor, sondern hauptsächlich, dass DARKER HALF ihre Verehrung für die eisernen Jungfrauen, die bei der letzten Tour noch allgegenwärtig war, auf ein Minimum zusammengeschrumpft haben. So werden DARKER HALF heute wesentlich eigenständiger wahrgenommen als noch vor zwei Jahren, was nicht zuletzt auch daran liegt, das der Thrash Faktor der Anfangstage, im ansonsten vom Power-Metal dominierten Sound, etwas mehr Gewicht zugestanden wird.
So ist es dann auch keine Überraschung, dass gerade die flotteren Nummer, wie beispielsweise "Take the Plunge" oder "Aliens Exist", heute mit am besten ankommen. Aber auch "Heaven's Falling" kommt sehr gut an, was u.a. auch daran liegt, dass DARKER HALF hier den Aussie-Joker ("Back in Black" von AC/DC wird im Mittelteil integriert) ziehen.
Und so hinterlassen DARKER HALF heute Abend mit ihrem 35-minütigen Auftritt einen durchaus bleibenden Eindruck, was auch die Zuschauer in der gut gefüllten Halle finden, und dies durch Applaus bezeugen.  (JK)

FIREWIND

Schon Platon stellte fest, dass Musik und Rhythmus ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele finden.
Nach einer kurz gehaltenen Umbaupause kann dann jeder der Anwesenden sich selbst davon überzeugen, dass in der von Platon aufgestellten Behauptung viel Wahrheit liegt, zumindest wenn Gus G. und seine Mannen auf der Bühne stehen.
                                                                                 
FIREWIND (© by metal-is-forever-alive)
Wie kaum eine andere Combo im hart umkämpften Power-Metal Sektor, schaffen es FIREWIND, Melodie und Anspruch unter einen Hut zu bringen. Dieses Kunststück ist FIREWIND, wie schon siebenmal zuvor, auch auf dem aktuellen Album "Immortals" gelungen, was dazu führt, dass inzwischen viele bei den Griechen ihre musikalische Heimat bzw. ihren inneren Seelenfrieden gefunden haben.
Eine Begleiterscheinung dieser Entwicklung ist, dass es bei FIREWIND Konzerten in den ersten Reihen inzwischen genauso zugeht, wie bei den Münchner Verkehrsbetrieben: Es ist brechend voll, man hat wenig Bewegungsfreiheit und nahezu jeder brüllt so laut er kann. Einziger Unterschied zum MVV ist die Tatsache, dass sich FIREWIND pünktlich in Bewegung setzen.
Mit "Ode to Leonidas" und "We Defy" geht's dann los, zwei Songs vom letzten Longplayer, mit denen FIREWIND zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen - zum einen kann man sich davon überzeugen, wie das Material vom immer noch aktuellen Lonplayer live ankommt, und zum anderen darf der neue (wieder mal) Sänger mit zwei Titeln in das Set reinkommen, bei deren Entstehungsprozess er selbst mit eingebunden war.
FIREWIND (© by metal-is-forever-alive)
Beide Punkte können im Anschluß daran als gelungen abgebucht werden. FIREWIND werden heute Abend sogar so dermaßen derbe abgefeiert, dass man meinen könnte, bereits den Headliner vor sich zu haben - egal welcher Song gespielt wird, vom aktuellen Album oder von Alben vergangener Jahre, die Massen singen und jubeln. Selbst bei der Ballade "Lady of 1000 Sorrows" gönnt sich kaum einer ein Auszeit.  Gus G. freut es, scheint mit solch einer Begeisterung aber nicht gerechnet zu haben.
Stichwort Gus G.: Meistens hält sich der Meister dezent im Hintergrund, explodiert aber immer dann, wenn es nötig ist. Sein Gitarrenspiel ist über jeden Zweifel erhaben, geprägt von Souveränität und einer Nonchalance, die aktuell ihresgleichen suchen dürfte - doch niemals ist die Übermacht der Soli zu groß, immer steht der Song im Vordergrund. Großartig, wie übrigens die gesamte Show von FIREWIND, die nach "Falling to Pieces" ihr Ende findet. (JK)

RAGE

Als RAGE mit dem neuen Song "Justify" ihre Show eröffnen, fällt sofort der sehr klare Instrumentalsound auf. Trotz der hohen Lautstärke sind alle Instrumente deutlich zu hören. Leider wird dieser Eindruck etwas getrübt, als "Peavy" Wagner zu singen beginnt - denn von seiner Stimme ist zunächst kaum was zu hören. Doch schon im Refrain bessert sich dies ein wenig, außerdem erhält er tatkräftige Unterstützung aus dem Publikum.
                                                                                 
RAGE (© by metal-is-forever-alive)
Im Anschluß daran wird das Backstage in düster rotes Licht getaucht, es ertönt Glockengeläut, und Peavy formt seine Hände zu Teufelshörnern, die er sich an den Kopf hält. Da liegt der Gedanke nahe, dass nun "Send by the Devil" folgen könnte. Genau so ist es dann auch. Hier kann besonders Gitarrist Marcos Rodríguez glänzen. Einziger Nachteil: Als dieser Song veröffentlicht wurde hatten RAGE noch zwei Gitarren im Angebot - also kommt beim zweistimmigen Soloteil eine Gitarre vom Band, was aber nur kurzzeitig stört. 
Das folgende "From the Cradle to the Grave" bietet mit seinem groovigen Hauptriff guten Stoff zum Headbangen, was von den Fans auch rege genutzt wird. Im Folgenden bieten RAGE eine gute Mischung aus älteren ("Nevermore") und neueren Songs ("My Way", "Seasons of the Black"), wobei auffällt, dass die Victor Smolski-Ära (mit Ausnahme von "Straight to Hell") komplett ausgeklammert wird.
Insgesamt hat sich heute aber trotzdem einiges an älterem Songmaterial auf die Setlist geschlichen, was Marcos Rodríguez zu Witzen über sein, im Vergleich zu Peavy, deutlich jüngeres Alter animiert.
So kündigt er "End of All Days" mit den Worten an: „The next song is from 1996, the year I was born.“. So jung ist er natürlich nicht, aber er vermittelt zumindest manchmal wegen seiner Agilität und seines ausgiebigen Headbangings diesen Eindruck. Dass er bereits vor seinem Einstieg bei RAGE Erfahrung in einer RAGE-Coverband sammeln konnte, und somit die Riffs bestens beherrscht, merkt man ihm besonders bei "The Price of War" an, dessen Riff live deutlich besser klingt, als im Studio.
RAGE (© by metal-is-forever-alive)
Nach einem weiteren Song ("Blackened Karma“) vom aktuellen Album, folgt schon der letzte Song des Abends: "Don‘t Fear the Winter". 
Obwohl das Lied bereits 30 Jahre auf dem Buckel hat, ist es immer noch einer der ganz großen Höhepunkte eines jeden RAGE Konzertes. Dass das Publikum die Musiker danach natürlich nicht ohne "Higher Than the Sky" von der Bühne gehen lassen will, ist klar - in dessen langezogenen Mitsingpart in der Mitte, bauen RAGE noch einen kleinen Tribut an Ronnie James Dio (R.I.P.), in Form der angespielten Coverversionen von "Heaven and Hell" und "Holy Diver" mit ein. Gesungen wird dieser Part wie üblich von Marcos. Danach ist Schluß. (RH)

Diese Review wurde von Raphael (RH) und Jürgen (JK) verfasst. 
Die Zeilen über DARKER HALF und FIREWIND stammen aus der Feder von Jürgen, die über RAGE von Raphael.

Dienstag, 29. November 2016

Konzertbericht RAGE + MONUMENT + DARKER HALF - 17.11.2016 München/ Backstage (Halle)

The Devil Tours Again

Nachdem RAGE Anfang des Jahres auf der gemeinsamen Tour mit HELLOWEEN dermaßen derbe abgefeiert wurden, versprach Peavy Wagner, dass er und sein runderneuertes Ensemble sich schon bald wieder in München blicken lassen würden.
Gesagt, getan. Keine 10 Monate später fahren RAGE, diesmal als Headliner, eine eigene Europa-Tour durch Europa und legen wie angekündigt erneut einen Stopp in der bayerischen Landeshauptstadt ein.
Der Tourtross wird durch die Engländer von MONUMENT und DARKER HALF aus Australien komplettiert.

Den Anfang machen die Jungs aus Down Under, denen eine Affintät zu den eisernen Jungfrauen nicht abzusprechen ist.
DARKER HALF Live (© by metal-is-forever)
In der halben Stunde, in der sich das Quartett auf der Bühne austoben darf, bringen DARKER HALF nicht nur das ein oder andere IRON MAIDEN Gedächtniss-Riff in ihren flinken Power-Metal Songs unter, sondern wagen sich auch gleich noch an eine Coverversion des Maiden-Klassikers "Aces High" heran. Die musikalische Umsetzung des Songs kann man durchaus als gelungen bezeichnen - beim Gesang von Steven "Vo" Simpson allerdings scheiden sich die Geister. Die einen wollen den jungen Bruce Dickinson heraus gehört haben, die anderen (inkl. meiner Wenigkeit) war die stimmliche Performance, vor allem in den höheren Lagen, bei weitem noch nicht mit dem Piloten der Ed Force One vergleichbar. Wie dem auch sei, DARKER HALF haben sich trotz Abzügen in der B-Note, heute Abend mehr als redlich geschlagen, sodass man auf weitere Schandtaten gespannt sein darf.

Die folgenden MONUMENT sind ebenfalls, wie ihre australischen Kollegen zuvor, von der NWoBHM im Allgemeinen und IRON MAIDEN im Speziellen beeinflusst. Doch anders als bei ihren Vorgängern fühlt man sich hier nicht nur die Anfangstage der Jungfrauen erinnert, sondern mindestens genauso stark an ACCEPTund RUNNING WILD. 
MONUMENT Live (© by metal-is-forever)
Knapp 60 Minuten haben die Briten bei ihrem ersten München Besuch zur Verfügung und füllen diese Stunde mit einem ausgewogenen Mix aus ihren beiden bisher erschienen Alben ("Renegades" und "Hair of the Dog"), zu dem die Menge vor der Bühne vor allem bei "A Bridge Too Far", "Crusaders" und "Lionheart" richtig steil geht. Überhaupt können MONUMENT schon auf eine ziemlich breite Fanbasis zählen, die den heutigen Auftritt der Briten lautstark abfeiert. Der ein oder andere dürfte morgen sicherlich heiser sein. Beendet wird das gelungene Set mit dem flotten "Rock the Night", zu dem nochmal kräftig headbangen und mitsingen angesagt ist. Gelungene München Premiere von MONUMENT - Up the Horns!

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause, von gerade einmal 15 Minuten, entern Peavy Wagner und seine beiden neuen Mitstreiter die Bühne. War bei MONUMENT schon teilweise Stimmnung bis zum Abwinken vor der Bühne, reichen bei RAGE nun schon wenige Sekunden vom Opener "The Devil Strikes Again", um die ersten Reihen in ein Tohuwabohu zu verwandeln. Orkanartiger Begrüßungsjubel und in der Folge, fliegende Matten soweit das Auge reicht. Wenn man sich das ansieht, hat Peavy Wagner, mit seiner Entscheidung, einen "Back-to-the Roots-Neustart" zu wagen, definitv alles richtig gemacht.
RAGE Live (© by metal-is-forever)
Schon lange nicht mehr waren RAGE so frisch und heavy unterwegs, wie anno 2016. Vorallem der Wechsel weg von Victor Smolski, hin zu Marcos Rodriguez, hat festgefahrene Strukturen gesprengt und der Band musikalisch gesehen, wieder mehr Härte und Durchschlagskraft gegeben.
Wenn man so will, setzen RAGE 2016 dort an, wo sie mit "Black in Mind" (1995) bzw "End of All Days" (1996) aufgehört haben.
Passend dazu liefern RAGE heute Abend eine Setlist, die neben 4 Tracks vom aktuellen Album, größtenteils das Hauptaugenmerk auf die 1990er Jahre legt. So finden sich metallische Perlen wie "From the Cradle to the Grave und "Back in Time" in einträchtiger Harmonie mit live in letzter Zeit etwas "vernachlässigten" Kloppern wie z.B. "Medicine" oder "The Pit and the Pendulum".
RAGE liefern von der ersten, bis zur letzten Minuten richtig fett ab und rufen, bei dem ein oder aneren, längst vergessen geglaubte Zeiten in Erinnerung. Zeiten, die geschwängert waren von ehrlichem, hartem Heavy-Metal-Sound ohne viel Schnickschnack und technischem Plimborium.
Da aber früher oder später alles einmal ein Ende haben muss, läutet "Don't Fear the Winter" nach 70 Minuten das Ende des offiziellen Sets ein.
RAGE Live (© by metal-is-forever)
Die wenigen Momente, die RAGE von der Bühne gehen, reichen gerade dazu aus, um die Lungenflügel mit ein paar tiefen Zügen sauerstoffarmer und stickiger Hallenluft zu befüllen und sie damit in Sicherheit zu wiegen, bevor sie bei "Until I Die" und "Higher Than the Sky" nochmals Höchstarbeit zu verrichten haben.
Nachdem bei "Until I Die" schon die Lutzi derbe abging und der Song aus dutzenden Kehlen mitgesungen wurde, stimmt beim Refrain von "Higher Than the Sky" nun wirklich jeder mit ein, reckt die Pommesgabel empor und bringt die Halle nochmals zum toben.

Außer der etwas phantasielosen Lightshow beim Headliner, und der ausbaufähigen Gesangsleistung von Steven "Vo" Simpson (DARKER HALF) gab es wenig bis gar nichts zu meckern, sodass am Ende nur zufriedene Gesichter Richtung Ausgang eilen. (JK)

Donnerstag, 18. Februar 2016

HELLOWEEN + RAGE + CRIMES OF PASSION


HELLOWEEN Live (© by metal-is-forever)

Setlist 30.1.2016 / München

HELLOWEEN Live (© by metal-is-forever)

HELLOWEEN Live (© by metal-is-forever)

HELLOWEEN Live (© by metal-is-forever)

RAGE Live (© by metal-is-forever)

RAGE Live (© by metal-is-forever)

RAGE Live (© by metal-is-forever)

CRIMES OF PASSION Live (© by metal-is-forever)

CRIMES OF PASSION Live (© by metal-is-forever)

Mittwoch, 17. Februar 2016

Konzertbericht HELLOWEEN + RAGE + CRIMES OF PASSION 30.1.2016 München - Backstage

32 Jahre und kein bisschen leise. Die Kürbisköpfe aus Hamburg rollen wieder durch die weite Welt. Den Tourbus haben neben HELLOWEEN auch noch RAGE und CRIMES OF PASSION bestiegen. Der erste Stopp auf deutschem Boden führt HELLOWEEN samt Begleitung nach München in das Backstage - und hier selbstverständlich in die größte der drei Hallen. Als CRIMES OF PASSION um 19.45 Uhr den Abend eröffnen, ist die Halle schon relativ gut besucht, sodass vom ersten Ton an für Stimmung gesorgt ist. Die englische Power Metal Truppe nimmt den freundlichen Empfang wohlwollend zur Kenntnis, legt wie von der Taratel gestochen los und zieht in den folgenden 25 Minuten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, alle Register, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Posen, Headbangen, Gitarrensoli, Interaktion mit dem Publikum - CRIMES OF PASSION haben alles drauf - nun ja, fast alles - Sänger Dale Radcliffe hat heute (?) nicht seinen besten Tag erwischt, was das Finden der Töne auf der Tonleiter betrifft. Da München aber eine Weltstadt mit Herz ist, wird im Publikum großzügig darüber hinweggesehen (-gehört). Wer das nicht kann oder mag findet in den knapp 30 Minuten, die der Gig der Briten dauert, sein Seeleinheil weiter hinten im Backstage - an der Bar. Nach dem obligatorischen Foto "Band auf der Bühne, Publikum im Rücken" verabschieden sich CRIMES OF PASSION und machen Platz für RAGE.
Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause von unter 10 Minuten (wow) eröffnet das rundumerneuerte Power Metal Trio aus Herne kraftvoll mit "Black in Mind". Inzwischen ist das Backstage kurz vor "ausverkauft" -  die Masse tobt, Haare fliegen, es wird mitgegröhlt - Pommesgabelalarm. Peavy Wagner und seine neuen Mitstreiter Vassilios Maniatopoulos (Drums) und Marcos Rodriguez (Gitarre) sind bestens aufgelegt und kommen um einiges wuchtiger rüber, als in der jüngeren Vergangenheit. Da hat sich der Personalwechsel aber sowas von gelohnt! Spätestens ab "Back in Time" steht das inzwischen rappelvolle Backstage Kopf. Peavy schüttel mehrfach ungläubig den Kopf, ob der lautstarken Fanliebe, die ihm und seinem Lebenswerk entgegen gebracht wird und verspricht München bei zukünftigen Touren wieder öfters beehren zu wollen. Als zusätzliches Schmankerl kündigt er an, dass "Until I Die" heute mal wieder zu Live-Ehren kommt. Jubel brandet auf. Die Luft in der Halle kann inzwischen in Scheiben geschnitten werden und der Schweiß tropft leise von der Decke. Ekstase pur. "Don't Fear the Winter" und "Higher than the Sky" beenden (leider ohne Zugabe) wohl einen der besten Auftritte, die RAGE jemals in Bayern aufs Parkett gelegt haben.
Die Messlatte für HELLOWEEN liegt nach diesem Power Metal Feuerwerk verdammt hoch. Doch wer die deutsche Metal-Institution kennt, der weiß, dass sich die Hamburger Jungs von nichts so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Schließlich hat man das Genre mitbegründet und einen Berg von Hits angehäuft, die immer und überall auf der Welt funktionieren.
Und genau mit zwei dieser Monster-Hits eröffnen HELLOWEEN nach dem "Walls of Jerchio"-Intro, sodass nach "Eagle Fly Free" und "Dr. Stein" die Machtverhälnisse Ruck Zuck wieder zurecht gerückt wurden. Kurze Ansprache von Andi - weiter geht's mit dem ersten Song ("My God-Given Right") von aktuellen Album, welches mit insgesamt vier Titeln berücksichtigt wird. Die selbe Wertschätzung (ebenfalls vier Songs) erhält heute Abend übrigens das 1996er Album "The Time of the Oath". Zwischendurch verteilt Sascha Gerstner Plektren in rauen Mengen, darf sich Daniel Loeble als Soloartist verausgaben (Stichwort: Drumsolo), und Andi Deris erzählt von seinem Bemühen, ein paar Pfunde (um die Hüften herum) zu verlieren. Top Sound, eine bestens aufgelegte Band und eine ausgewogene Setlist lassen den Gig im Fluge vorbeigehen. Nach der Power-Ballade "Forever & One" und dem überlangen Medley ("Halloween"/"Sole Survivor"/"I Can"/"Are You Metal?"/"Keeper of the Seven Keys") ist dann auch erstmal Schicht im Schacht - HELLOWEEN gehen kurz von der Bühne. Wenige Momente und unzählige "Zugabe"-Rufe später, erhält die Party aber noch eine Verlängerung. Mit "Future World" und "I Want Out" setzen die Pumpkins den finalen Punkt hinter einem schweißtreibenden und hochklassigen Power-Metal Abend.  (JK)