Die schönste List des Teufels ist es, uns zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt. (Charles Baudelaire)
Aus dem schönen Piemont flattert dieser Tage ENSIUMs sechste Veröffentlichung "Moth's Illusion" über die Alpen zu uns herüber. Als ENISUM 2006 als Ein-Mann-Instrumental-Projekt gegründet wurd, war noch nicht abzusehen, dass 13 Jahre später ein Quartett Longplayer Nr. 6 einspielen würde. Auch das ENISUM einmal Vocals zulassen würden, war zu Beginn alles andere als vorhersehbar. Ganz überraschend kommt die Entwicklung für alle, die ENISUM schon etwas länger auf dem Schirm hatten, dann aber doch nicht. Konnten doch die drei Alben vor "Moth's Illusion" bereits mit (gutturalem) Gesang und teilweise mit weiblichen Vocals aufwarten. Komplett neu hinzu gekommen ist anno 2019 allerdings männlicher Klargesang.
Eine Hinzunahme, mit der sich ENISUM allerdings verhoben haben. Nicht nur, dass Marcello Apolinari aka Lys bei den höheren Tönen versucht, die Tonleiter neu zu interpretieren (schiefe Töne en masse), auch die aberwitzige Idee, eine Ballade ("Petrichor") mit aufs Album zu nehmen, erweist sich als Rohrkrepierer.
Glücklicherweise haben ENISUM keine weiteren Überraschungen dieser Art auf "Moth's Album" versteckt, so dass das restliche Material ohne Schreckmomente reinläuft. Allerdings muss hier angemerkt werden, dass dies keinesfalls mit "alles im grünen Bereich" gleichzusetzen wäre.
Denn, bis auf wenige Ausnahmen ("Afframont", "Moth's Illusion", "A Forest's Refuge" und mit Abstrichen auch noch "Burned Valley") finden nämlich alle anderen Kompositionen ebenso ihren schnellen Tod.
Ähnlich wie man es in lauen Sommernächten an Strassenlaternen beobachten kann, ist "Moth's Illusion", wenn man so will, der Motte bzw. ENISUMs Verderben.
Flattert(n) sie doch so lange um die Strassenlaterne/Kompositionen herum, bis ihr/ihnen am Ende der Atem knapp wird und sie sich total verausgabt, ihrem Schicksal ergib(t)en, ohne ihr eigentliches Anliegen zu Ende gebracht zu haben
Fazit:"Moth's Illusion" ist eine zwiespältige Angelegenheit. Gespickt mit ein paar guten Songs, die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass das Album allgemein darunter leidet, dass ENSIUM zwar eine Vielzahl guter Ideen hatten, diese aber oftmals nicht zu Ende gedacht, oder suboptimal umgesetzt wurden.
5 von 10
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Mittwoch, 24. Juli 2019
Mittwoch, 6. Juli 2016
DROUGHT / "Rudra Bhakti" / Avantgarde Music / 4 Tracks (EP) / 24:29 Min
Italien ist voller Überraschungen.
Der Black Metal würde ohne das Christentum einen ganz wichtigen (den wichtigsten?) Effekt verlieren - fielen doch die ideologischen Reibungspunkte weg.
So weit so gut- neu ist (zumindest für mich), dass die Nummer auch auf Hindu-Ebene funktioniert.
DROUGHT kommen aus Italien, einem Land, dass bisher eher weniger auf der Black Metal Landkarte auftaucht ist und mit der Hindu Ideologie ungefähr soviel zu tun hat, wie der Papst mit einem Tattoostudio.
DROUGHT selbst beschreiben ihren Stil als "Black-Metal mit tantrischem Yoga Konzept". Das trifft den Nagel aber nicht ganz auf den Kopf , weil ein wichtiger Bestandteil im Sound von DROUGHT so unter Tisch fallen würde. Der Anteil des Sludge im Sound von DROUGHT ist dem des Black Metal mindestens ebenbürtig - meine Wengikeit würde deshalb das Dargebotene eher als Sludge/Black Metal Fussion mit spirituellem Touch deklarieren.
Los geht es mit einer rein meditativen Nummer "Suryanamaskara (Entering the Gate of Raging Sun)", die aber viel mehr Black Metal intus hat, als man es auf den ersten Blick vermuten mag. Stellt euch AGALLOCH mit Turban und indischen Gebetsglöckchen vor und ihr habt die ungefähre Richtung.
"Fire Breating (Urdva Kundali Arse)" hingegen ist eine hammerharte Sludge Walze mit DARKTHRONE Einflüssen. "Reveal the Unlight (Sudden Awareness)" ist die mit Abstand schwärzeste Nummer auf dem Album, kommt aber auch nicht ohne die typischen Sludge-Breaks aus.
Das Highlight jedoch kommt zum Schluß - "Collapse of Maya (Transfiguration of the Warrior)". Hier bricht die Apokalypse, in Form von GORGOROTH Disharmonien und Geknüppel (zu Beginn), mächtigen MASTODON Sludge Walzen und ruhigen SOLSTAFIR Parts über einen herein , bevor meditative Klänge im letzten Drittel den Puls wieder in seine normale Umlaufbahn bringen.
Fazit: Durchaus interessant, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Wer sich auf Klang-Experimente einlassen mag und auf der Suche nach Exoten ist, bekommt hier definitiv die volle Dröhnung.
Wie gesagt - Italien ist voller Überraschungen - und wer weiß, vielleicht ist ja sogar der Papst unter seiner weißen Soutane tätowiert. (JK)
6.5 von 10
https://avantgardemusic.bandcamp.com/album/rudra-bhakti
Der Black Metal würde ohne das Christentum einen ganz wichtigen (den wichtigsten?) Effekt verlieren - fielen doch die ideologischen Reibungspunkte weg.
So weit so gut- neu ist (zumindest für mich), dass die Nummer auch auf Hindu-Ebene funktioniert.
DROUGHT kommen aus Italien, einem Land, dass bisher eher weniger auf der Black Metal Landkarte auftaucht ist und mit der Hindu Ideologie ungefähr soviel zu tun hat, wie der Papst mit einem Tattoostudio.
DROUGHT selbst beschreiben ihren Stil als "Black-Metal mit tantrischem Yoga Konzept". Das trifft den Nagel aber nicht ganz auf den Kopf , weil ein wichtiger Bestandteil im Sound von DROUGHT so unter Tisch fallen würde. Der Anteil des Sludge im Sound von DROUGHT ist dem des Black Metal mindestens ebenbürtig - meine Wengikeit würde deshalb das Dargebotene eher als Sludge/Black Metal Fussion mit spirituellem Touch deklarieren.
Los geht es mit einer rein meditativen Nummer "Suryanamaskara (Entering the Gate of Raging Sun)", die aber viel mehr Black Metal intus hat, als man es auf den ersten Blick vermuten mag. Stellt euch AGALLOCH mit Turban und indischen Gebetsglöckchen vor und ihr habt die ungefähre Richtung.
"Fire Breating (Urdva Kundali Arse)" hingegen ist eine hammerharte Sludge Walze mit DARKTHRONE Einflüssen. "Reveal the Unlight (Sudden Awareness)" ist die mit Abstand schwärzeste Nummer auf dem Album, kommt aber auch nicht ohne die typischen Sludge-Breaks aus.
Das Highlight jedoch kommt zum Schluß - "Collapse of Maya (Transfiguration of the Warrior)". Hier bricht die Apokalypse, in Form von GORGOROTH Disharmonien und Geknüppel (zu Beginn), mächtigen MASTODON Sludge Walzen und ruhigen SOLSTAFIR Parts über einen herein , bevor meditative Klänge im letzten Drittel den Puls wieder in seine normale Umlaufbahn bringen.
Fazit: Durchaus interessant, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Wer sich auf Klang-Experimente einlassen mag und auf der Suche nach Exoten ist, bekommt hier definitiv die volle Dröhnung.
Wie gesagt - Italien ist voller Überraschungen - und wer weiß, vielleicht ist ja sogar der Papst unter seiner weißen Soutane tätowiert. (JK)
6.5 von 10
https://avantgardemusic.bandcamp.com/album/rudra-bhakti
Donnerstag, 21. April 2016
ASTRAL PATH / "An Oath to the Void" / Avantgarde Music / 5 Tracks / 40:07 Min
Bei ASTRAL PATH handelt es sich um ein Duo (Justin Bourdeau - Guitars, Vocals, Drums und Ana Dujakovic - Synth, Bass) aus Kanada, das sich dem Atmospheric/Ambient Black Metal hingezogen fühlt.
Das Album startet sehr ruhig, ja fast meditativ, mit (atmosphärischen) Synthieklängen, was zuerst Befürchtungen nährt, es könne sich bei ASTRAL PATH um ein weichgespültes Ambient Projekt im Black Metal Mäntelchen handeln. Doch weit gefehlt!
Mittels Meeresrauschen beendet das Duo, welches sich durch die Natur im Allgemeinen und das Kosmos im Speziellen inspiriert fühlt, die ruhige Einleitung und schlägt in der Folge eine eher raue, athmosphärische Richtung ein, die die Bezeichnung Black Metal definitiv verdient hat. Klargesang? Fehlanzeige! Stattdessen dominiert schwarzmetallisches Gekeife die gesamte Spieldauer über, die zumeist überlangen Songs. Instrumental gesehen agieren die Kanadier überwiegend melodisch, jedoch ohne dabei die Grenzen des Black Metal zu überschreiten.
Die besondere Stärke von "An Oath to the Void" ist jedoch die Tatsache, dass ASTRAL PATH, über das komplette Album gesehen, nicht nur den Spannungsbogen aufrecht halten können, sonder auch in der Lage sind, diesen vielfältig auszukleiden. So mischen sich ASTRAL PATH ihr eigenes Klangkosmos zusammen und erfüllen selbiges mit schwarzmetallischer Schönheit, depressivem Wehmut und post-metallischer Atmosphäre. Ein Klangkosmos, der vom ersten Moment an gefangen nimmt und dabei nicht nur einmal an die schwarzen Planeten WOLVES IN THE THRONE ROOM, LANTLOS, DRUDKH und HERETOIR erinnert. Eine wirklich reife Leistung! (JK)
8 von 10
Das Album startet sehr ruhig, ja fast meditativ, mit (atmosphärischen) Synthieklängen, was zuerst Befürchtungen nährt, es könne sich bei ASTRAL PATH um ein weichgespültes Ambient Projekt im Black Metal Mäntelchen handeln. Doch weit gefehlt!
Mittels Meeresrauschen beendet das Duo, welches sich durch die Natur im Allgemeinen und das Kosmos im Speziellen inspiriert fühlt, die ruhige Einleitung und schlägt in der Folge eine eher raue, athmosphärische Richtung ein, die die Bezeichnung Black Metal definitiv verdient hat. Klargesang? Fehlanzeige! Stattdessen dominiert schwarzmetallisches Gekeife die gesamte Spieldauer über, die zumeist überlangen Songs. Instrumental gesehen agieren die Kanadier überwiegend melodisch, jedoch ohne dabei die Grenzen des Black Metal zu überschreiten.
Die besondere Stärke von "An Oath to the Void" ist jedoch die Tatsache, dass ASTRAL PATH, über das komplette Album gesehen, nicht nur den Spannungsbogen aufrecht halten können, sonder auch in der Lage sind, diesen vielfältig auszukleiden. So mischen sich ASTRAL PATH ihr eigenes Klangkosmos zusammen und erfüllen selbiges mit schwarzmetallischer Schönheit, depressivem Wehmut und post-metallischer Atmosphäre. Ein Klangkosmos, der vom ersten Moment an gefangen nimmt und dabei nicht nur einmal an die schwarzen Planeten WOLVES IN THE THRONE ROOM, LANTLOS, DRUDKH und HERETOIR erinnert. Eine wirklich reife Leistung! (JK)
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