Advent, Advent...
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von König
Lemmy ausging, dass bald Weihnachten zu sein habe, wenn
MOTÖRHEAD in Deutschland touren. Und jedermann pilgerte im November/Dezember in die heiligen Konzerthallen seiner Ortschaft, um dem Worten des Königs zu lauschen. Und es waren zusätzlich Metal-Priester in der Stadt, die den Auftritt des Auserwählten ankündigten. Bei der letzten
MOTÖRHEAD Audienz waren dies
Kim McAuliffe (
GIRLSCHOOL) und
Biff Byford (
SAXON).
Kinder, wie die Zeit vergeht.
Lemmy spielt inzwischen im Himmel an den Glocken und Hupen der Engel, der weiblichen selbstverständlich, herum und an den Weihnachtsmann glaubt sowieso niemand mehr.
Da aber des Königs treue Wegbegleiter
Biff und
Phil der Meinung waren, dass man diesen vorweihnachtlichen Brauch weiter leben lassen sollte, sprachen sie zu den Jüngern des Auserwählten: "Fürchtet euch nicht! Siehe wir verkünden euch große Freude, die allem Metal-Volk widerfahren wird; euch wird dieser Tage eine Tour gegeben, die ganz im Geiste von
Lemmy, den heiligen Gral des Rock n Roll hochhalten wird."
Also schnell die Kerzen am Adventskranz gelöscht und ab nach München ins Backstage.
Die ganze Vorfreude war allerdings schnell dahin, als man sich in die ca 50 Meter lange Warteschlange einreihen musste. Glücklichweiese wurde der kurzfristig vorverlegte Beginn (19.30 Uhr), ursprünglich war 20 Uhr angegeben, wieder nach hinten verlegt, sodass, als
PHIL CAMPBELL und seine drei
BASTARD SONS (plus Sänger
Neil Starrs) ihren Gig gegen 19.45 Uhr beginnen, der Großteil der Karteninhaber (die Show war ausverkauft) seinen Platz in der Halle schon gefunden hatte. (JK)
PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS
Wer in das, vor einigen Tagen erschienene, erste Lebenszeichen ("Phil Campbell and the Bastard Sons") des Kurzzeit-Arbeitslosen
Phil Campbell schon reingehört hatte, der wußte, dass der ehemalige
MOTÖRHEAD Klampfer mit seinem neuen Projekt, sich nicht allzu fern (musikalisch) von seinem ehemaligen Arbeitgeber entfernt hatte.
Also, einem Mix aus Old-School-Metal und Blues Rock, mit bratenden Riffs und bluesig angehauchten Soli.
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PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS Live (© by metal-is-forever) |
Mit den beiden besten Songs ("Big Mouth" und "Spiders") der Debüt EP eröffnen
PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS ihren 45 Minuten Gig, der realtiv schnell erzählt ist, da neben diesen beiden Tracks nur noch mit "Take Aim" eine weitere Eigenkomposition zu live Ehren kommt. Die restliche Zeit wird mit Coverversionen gefüllt, die bis auf "Sweet Leaf" (
BLACK SABBATH) allesamt aus dem Kilmister Erinnerungsfundus stammen. Im Prinzip gab es nicht viel an den gut umgesetzten Coverversionen rumzumäkeln, doch so dicht nach
Lemmys letzter Tour, wo noch jeder sein persönliches Bild von ihm mit sich herum trägt, funktionieren sie eben auch nicht 100%ig. Und so war ich sicherlich nicht der einzige, der innerlich, bei "Born to Raise Hell", "Ace of Spades", "Killed by Death", eine Träne verdrückt hat. (JK)
SAXON
Als nach der recht langen Umbaupause endlich die ersten Töne vom ankündigenden Intro "It's a Long Way to the Top" (
AC/DC) ertönen, schwellen innerhalb kürzester Zeit, die "Saxon" Rufe, zu einem phonetischen Orkan an, worauf sich die Band nicht lange bitten lässt und noch während des Intros ansatzlos in "Battering Ram" einsteigt.
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SAXON Live (© by metal-is-forever) |
Auf diesen Song lassen sie direkt den Klassiker „Heavy Metal Thunder“ folgen. Generell konzentrieren sich die Briten heute eher auf ältere Songs, die Phase zwischen 1990 und 2011 wird komplett ausgeklammert. Die Band ist hochmotiviert und hat sichtlich Spaß an ihrem Auftritt, was durch das Publikum mit häufigen Anfeuerungsrufen belohnt wird. Schnell fliegen auch erste Kutten und sogar ein BH auf die Bühne.
Biff zieht sich sogar für ein paar Songs eine der Kutten an, bevor diese wieder an den Besitzer zurückgegeben wird. Nachdem nun ein jeder wieder die Kleidugsstücke trägt, mit denen er gekommen ist, nur die Besitzerin des BHs war nicht zu ermitteln, blasen
SAXON eine ausgewogene Mischung aus Klassikern und Songs neueren Datums, dem Publikum und der büstenhalterlosen Dame und deren freiheitsliebenden Möpsen um die Ohren. Sogar das lang nicht mehr gespielte „Stand Up and Be Counted“ haben sie für diese Tour wieder ausgepackt. Nach „Strong Arm of the Law“ lässt Frontmann
Biff Byford das Publikum zwischen „The Eagle Has Landed“, „Broken Heroes“ und „Power & the Glory“ entscheiden. Da der Applaus bei den letzteren beiden gleich laut ist, spielen sie zur Freude der Fans einfach beide, wobei „Broken Heroes“ dem verstorben
Lemmy Kilmister gewidmet wird. Anschließend kündigt
Biff einen langsamen Song an, da die Bandmitglieder ja nicht mehr die Jüngsten seien. Was dann folgt, ist aber „20.000 Ft.“, einer der schnellsten
SAXON-Songs überhaupt - britischer Humor ala
SAXON.
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SAXON Live (© by metal-is-forever) |
Mit dem epischen Stampfer „Queen of Hearts“ spielen sie dann doch noch einen langsamen, aber nicht weniger harten Song, bevor mit „Wheels of Steel“ auch schon der Vorhang für den ersten Akt der
SAXON Show fällt. Natürlich haben weder Band noch Publikum jetzt schon genug, und so lassen sich
Biff & Co nicht lange bitten und spielt mit „Let Me Feel Your Power“ und „747 (Strangers in the Night)“ noch zwei weitere Songs. Danach gehen
SAXON erneut von der Bühne. Obwohl die Hitze vor der Bühne nach dieser Häufung von Bandklassikern langsam fast unerträglich wird, fordern die Fans noch eine zweite Zugabe. Die Band hat natürlich damit gerechnet, und
Biff Byford lässt die Fans noch einmal einmal einen Song aussuchen. Diesmal zur Wahl: „Denim and Leather“ und „Crusader“. Diese Entscheidung fällt dann im Gegensatz zu vorher, recht deutlich zugunsten von „Crusader“ aus, und so bleibt „Denim and Leather“ heute leider ungespielt. Den Schlusspunkt setzt, hinter einen in allen Belangen grandiosen Auftritt von
SAXON, das unverwüstliche „Princess of the Night“. (RH)
Anmerkung: Bei diesem Konzert waren der Jürgen (JK) und der Raphael (RH) für euch vor Ort.
Weitere Pics vom SAXON Auftritt gibt es hier:
https://www.facebook.com/metalisforever.womm