Blood, Sweat and Beers
Vor ein paar Monaten gab es gute Kunde für alle
NACHTBLUT-Fans. Nach dem Ausstieg von Keyboarderin Lymania, die ja
schon seit Jahren live nicht mehr von der Partie war, wurde mit Amelie endlich
eine neue Keyboarderin gefunden. Und so sollte die Apostasie-Tour die
erste seit langem werden, bei der NACHTBLUT zu fünft auftreten.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Leider wurde Neu-Keyboarderin Amelie kurz vor Tourbeginn von einem
Auto angefahren und brach sich das Handgelenk. Deshalb müssen
Nachtblut auch die aktuelle Tour wie gewohnt zu viert bestreiten.
Ganz anders die erste Vorband: ENTER TRAGEDY betreten die Bühne zu
siebt. Darunter befinden sich aber "nur" sechs Musiker. Denn, während
des Intros wird so etwas wie eine Hinrichtung mit einer Axt
inszeniert. Der Verurteilte muss dann während der gesamten Spielzeit
auf der Bühne knien, während die Band ihre Show beginnt.
Kurz darauf betritt der Sänger die Bühne, zunächst in einer Diktatorenuniform, und singt von
einem selbstgebauten Rednerpult aus. Sein teils gescreamter, teils
gegrowlter Gesang passt dabei sehr gut zur düsteren Musik, die
bereits nach kurzer Zeit eine phantastische Atmosphäre entfaltet.
Mit prüfendem Blick inspiziert er seine Mitmusiker, bevor er seine
Uniform auszieht. Darunter kommt ein blutbeflecktes Hemd zum
Vorschein. Zu diesem Zeitpunkt ändert er auch seine Performance. War
er vorher eher ernst und ruhig, kann er jetzt zeigen, welchen Spaß
er an seiner Musik hat.
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ENTER TRAGEDY (© by metal-is-forever-alive) |
Zwischen den Songs punktet er auch mit
humorvollen Ansagen, die aber trotzdem nicht im Widerspruch zur Musik
stehen. Nach einigen Songs fällt allerdings auf, dass der
Leadgitarrist bei seinen Melodien häufig aus dem Takt kommt.
Die wenigsten scheinen sich aber daran zu stören und so
ernten ENTER TRAGEDY am Ende ihrer halbstündigen Show ordentlich
Applaus.
Die folgende Band KRANKHEIT ist dann reine Geschmackssache. Während
ein Teil des Publikums, dem die Band bereits von den letzten beiden
NACHTBLUT-Touren bekannt ist, vorsorglich die Halle verlässt, feiert
der verblieben Teil die Band wie einen Headliner.
Wobei es mir absolut
rätselhaft ist, wie die Band es geschafft hat, so viele Fans zu
bekommen. Besteht ihre Musik doch hauptsächlich aus monotonen,
sich immer wiederholenden Gitarrenriffs und elektronischen oder
symphonischen Einspielungen vom Band. Darüber schreit der Sänger
scheinbar völlig sinnfreie Texte. Dazu gibt es seltsame Verrenkungen
des Gitarristen und eine "SM-artige" Show des Sängers, bei der er sich
immer wieder vom Gitarristen an verschiedenen Stellen ablecken lässt.
Das soll wohl irgendwie gruselig wirken, und sie von anderen Bands
abheben, wirkt aber eher peinlich und aufgesetzt. Es scheint aber zumindest den Fans zugefallen, und
so gibt es von selbigen Applaus. Nach 40 Minuten verlassen KRANKHEIT blitzeblank geleckt die Bühne.
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KRANKHEIT (© by metal-is-forever-alive) |
Nächster Programmpunkt: NACHTBLUT
Die Osnabrücker steigen mit dem Song "Multikulturell" in ihr Set
ein und ernten trotz des provozierenden Textes gleich ordentlich
Applaus. Im Gegensatz zu KRANKHEIT ist es jetzt brechend voll, und
nicht wenige singen textsicher mit. Das ändert sich auch beim
Klassiker "Die Blutgräfin" nicht, hier lässt Frontmann
Askeroth das Publikum sogar einige Zeilen alleine singen.
Anschließend folgen wieder einige Songs vom neuen Album, welches
heute fast komplett gespielt wird. Besonders "Amok" und das
elektrolastige "Scheinfromm" kommen dabei besonders gut an. Aber
auch an älteren Songs wie "Kreuzigung" oder "Hexe" wird
nicht gespart. Morbide wird es bei "Kalt wie ein Grab", welches
Askeroth mit den Worten „Im nächsten Song geht es um Sex. Im Wald.
Mit einer Leiche!“ ankündigt.
Das es auch spaßig geht, beweisen
NACHTBLUT mit der Black-Metal-Parodie "Der Tod ist meine Nutte". Etwas später erfüllt Askeroth dem neuen Bassisten Ablaz einen Wunsch,
indem er es ihm ermöglicht, während des Spielens crowdzusurfen, was
ihm offensichtlich viel Spaß bereitet. Dass er nicht nur Bass
spielen, sondern auch singen kann, zeigt Ablaz beim rasanten "Kreuzritter", während nun Askeroth in die Menge springt und einen
Moshpit beginnt.
Selbstverständlich darf auch die obligatorische Blutspuckaktion von Askeroth
bei "Ich trinke Blut" nicht fehlen. Kurz bevor NACHTBLUT das erste Mal
die Bühne verlassen, bringt Akeroth ein echtes Herz auf die Bühne, welches er zu "Mein Herz in ihren Händen" in zwei Teile zerbeißt
und anschließend an das Publikum weiterreicht. Mahlzeit.
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NACHTBLUT (© by metal-is-forever-alive) |
Nach lauten und anhaltenden
Zugaberufen kehrt die Band dann nochmals zurück und
präsentiert eine echte Überraschung: "Des kleinen Herzens
letzter Schlag" vom allerersten Album, das in
einer völlig neuen Version präsentiert wird. Damit hätte wohl niemand
gerechnet. Nach einem weiteren neuen Song ("Lied für die Götter"),
wird es aber nun Zeit für den unvermeintlichen Schlußakkord: Das PRINZEN Cover "Alles nur geklaut". Beim Chorus steigt das Publikum lautstark mit ein und brüllt den "Eo Eo"-Part inbrünstig mit. Die Fischerchöre, ein Scheiß dagegen!
Im Anschluß daran wird die Band mit
tosendem Applaus verabschiedet.
Mit dieser chweißtreibenden Show haben NACHTBLUT gezeigt,
dass sie auch zu viert absolut überzeugend auftreten können. In
dieser Form dürfen sie jederzeit wiederkommen - gerne aber mit anderen Opening-Acts. (RH)
Im blutigen Moshpit vor Ort war unser Raphael (RH).