Während im Rheinland die Narren mit Kamelle und Strüßje medienwirksam versuchen, den Winter auszutreiben, verhält sich die Sachlage in München etwas anders. So tanzen sich z.B. die Marktweiber am Faschingsdienstag auf dem Viktualienmarkt einen Wolf, nur um anschließend wieder ihr Obst und Gemüse zu horrenden Preisen an die Preißn zu verkaufen.
Auch interessant: Der traditionelle Rosenmontagsumzug findet in München über eine Woche vor dem Rosenmontag statt.
Wem das immer noch nicht narrisch genug ist, der konnte sich auf dem Marienplatz von Mickie Krause zeigen lassen, wie man mit einem Putzlappen auf dem Kopf, zu Playback, auf einer Bühne herumhüpft.
Gut, dass es in Münchens Metal Tempel, dem Backstage, eine Kontraveranstaltung zur christlichen Fastenvorbereitung gab.
IDLE HANDS
Manche Dinge erschließen sich einem erst nach geraumer Zeit, andere wiederum nie: Wie IDLE HANDS zu ihrem Slot als Openig-Act auf dieser Tour gekommen sind, war eine der am meisten diskutierten Fragen an diesem Donnerstag Abend in München. Letztendlich dürfte wohl die Tatsache, dass IDLE HANDS und UADA beide aus Portland/Oregon stammen und zudem auch beim selben Label (Eisenwald) beheimatet sind, die logischste Vermutung dafür sein, dass der Abend mit eher ungewohnten Klängen eröffnet wurde.
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IDLE HANDS (© by metal-is-forever-alive) |
UADA
Nach einer überraschend kurz gehaltenen Umbauspause entern Portlands bekannteste Kapuzenträger die Bühne und eröffnen mit "Natus Eclipsm" kraftstrotzend. Diffuse Beleuchtung und eine konstant vor sich hin arbeitende Nebelmaschine geben dabei den passenden Begleitrahmen zum hämmernden Sound der amerikanischen Newcomer.
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UADA (© by metal-is-forever-alive) |
TRIBULATION
Wie schon zuvor bei IDLE HANDS, kann man sich auch bei TRIBULAION den gesamten Auftritt über den Eindruck nicht erwehren, dass auch diese Herren auf dieser Tour etwas fehl am Platz wirken. Da hilft die Corpsepaint-Schminke im Gesicht der Protagonisten genauso wenig, wie die Nonnenmaskerade von Jonathan Hultén. Letzterer erinnert in seinem Kostüm und mit seinen übertrieben wirkenden Verenkungen sogar mehr an die Mutter von Brian aus "Monty Python's Life of Brian", als an eine vom Weg abgekommene Ordensschwester. Da wir heute aber Weiberfastnacht (Wieverfastelovend) haben, kann man dem ganzen zumindest eine belustigende Art und Weise nicht absprechen.
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TRIBULATION (© by metal-is-forever-alive) |
GAAHLS WYRD
Die kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Lonplayers stehenden GAAHLS WYRD eröffnen heute, anders als vor 14 Monaten, nicht mit der epischen TRELLDOM Nummer "Steg", sondern mit GORGOROTHs "Sign of an Open Eye". Womit die Richtung, wohin die (musikalische) Reise heute Abend gehen soll, gleich zu Beginn vorgegeben wird: Straight into Hell.
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GAAHLS WYRD (© by metal-is-forever-alive) |
Obwohl die Setlist nur unwesentlich von der des letzten Besuches abweicht, entwickelt sich heute Abend dennoch ein total unterschiedliches Konzerterlebnis, als noch Ende 2017. Befand man sich seinerzeit von Anfang bis Ende in einem tranceähnlichen Zustand, ob der Magie, die von Gaahl ausging, lässt man sich heute bereitwillig zu einer schwarzen Masse formen, die sich headbangend total verausgabt, während Gaahl auf der Bühne mit seinem schamanischem Auge stets alles im Blick und unter Kontrolle hat.
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GAAHLS WYRD (© by metal-is-forever-alive) |
Ein satanisches Halleluja für einen Konzertabend, der abwechslungsreicher nicht hätte sein können. Von ungewohnten Klängen (IDLE WINDS), über brachiale Kapuzenmänner (UADA) und einer Nonne im falschen Film (TRIBULATION), bis hin zum anbetungswürdigen Gaahl, der zusammen mit seinen WYRDs, einmal mehr eindrucksvoll gezeigt hat, dass es für eine rundum gelungene Black Metal Show etwas mehr braucht, als das inzwischen bei den meisten Bands übliche Brimborium (Feuer, Räucherstäbchen, Tierblut) - nämlich Charisma und Hingabe. Beides davon hat Gaahl im Überfluss. (JK)