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Dienstag, 27. November 2018
Donnerstag, 22. November 2018
URZE DE LUME / "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" / Label: Equilibrium Music / 12 Tracks / 50:44 Min
Und ob die Brust auch blutet, nur vorwärts in der Bahn! Du weißt, am vollsten flutet Gesang dem schönsten Schwan. (Emanuel Geibel)
Ein Album komplett ohne Gesang und Starkstromgitarren, kann das funktionieren?
Ja, es kann. Allerdings sollte der Konsument ein Faible für Melancholie und atmospherische Akustik-Gitarrenkläng haben und die Grenzen innerhalb seines metallischen Kosmos nicht all zu eng gezogen haben.
Auch kann es nicht schaden, wenn man vorab schon mal Kontakt mit DORNENREICH, EMPYRIUM und vorallem LOREENA McKENNITT hatte. Zudem kann man "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" eine gewisse Nähe zu mittelalterlichen Klängen (ausgeprägt z.B. bei "Encruzilhadas") und zur traditionellen Folklore der Iberischen Halbinsel bescheinigen. Und dass die wenigen Passagen, die mit einem gesprochenen Text versehen sind, komplett auf portugiesisch gehalten sind, macht die Sache, für die Headbanging-Gesellschaft auch nicht einfacher.
Alles zusammen lässt nur eine Schlußfolgerung zu: "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" wird mit Sicherheit in keinem Jahrespoll auftauchen, die Musiker nicht mit Reichtum überhäufen und auch nicht welberühmt machen. Auch dürften es URZE DE LUME schwer haben, einen Slot auf einem Festival zu ergattern oder als Openig-Gig für eine Tour gebucht zu werden.
Und trotzdem, oder gerade deswegen ist "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" für all jene ein hörenswertes Album, die die ruhigen Momente an einem Lagerfeuer genießen können, für alle, die ein gutes Glas Rotwein in entspannter Atmosphäre zu schätzen wissen und für all die Unverbesserlichen, die das Träumen noch nicht verlernt haben. (JK)
6.5 von 10
www.urzedelume.com
Ein Album komplett ohne Gesang und Starkstromgitarren, kann das funktionieren?
Ja, es kann. Allerdings sollte der Konsument ein Faible für Melancholie und atmospherische Akustik-Gitarrenkläng haben und die Grenzen innerhalb seines metallischen Kosmos nicht all zu eng gezogen haben.
Auch kann es nicht schaden, wenn man vorab schon mal Kontakt mit DORNENREICH, EMPYRIUM und vorallem LOREENA McKENNITT hatte. Zudem kann man "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" eine gewisse Nähe zu mittelalterlichen Klängen (ausgeprägt z.B. bei "Encruzilhadas") und zur traditionellen Folklore der Iberischen Halbinsel bescheinigen. Und dass die wenigen Passagen, die mit einem gesprochenen Text versehen sind, komplett auf portugiesisch gehalten sind, macht die Sache, für die Headbanging-Gesellschaft auch nicht einfacher.
Alles zusammen lässt nur eine Schlußfolgerung zu: "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" wird mit Sicherheit in keinem Jahrespoll auftauchen, die Musiker nicht mit Reichtum überhäufen und auch nicht welberühmt machen. Auch dürften es URZE DE LUME schwer haben, einen Slot auf einem Festival zu ergattern oder als Openig-Gig für eine Tour gebucht zu werden.
Und trotzdem, oder gerade deswegen ist "As Árvores Estão Secas e Não Têm Folhas" für all jene ein hörenswertes Album, die die ruhigen Momente an einem Lagerfeuer genießen können, für alle, die ein gutes Glas Rotwein in entspannter Atmosphäre zu schätzen wissen und für all die Unverbesserlichen, die das Träumen noch nicht verlernt haben. (JK)
6.5 von 10
www.urzedelume.com
Freitag, 26. Oktober 2018
Konzertbericht EMPYRIUM + HELRUNAR + SUN OF THE SLEEPLESS - 2.10.2018 München / Backstage
Heralds of the Fall - EMPYRIUM hauchen den Geistern der Vergangenheit neues (Bühnen-)Leben ein.
Lange musste man darauf warten, ehe Wunsch und Wirklichkeit zusamenfanden: EMPYRIUM gehen zum allerersten Mal auf ausgedehnte Tour. Angekündigt war zudem ein Oldschool-Set, mit Schwerpunkt auf das 1997er Meisterwerk "Songs of Moors & Misty Fields". Da sollte man doch annehmen können, dass die Black Metal Szene alle Hebel in Bewegung setzt, um an Karten zu kommen und die Hütte einrennen wird. Doch weit gefehlt. München verpennt (zu großen Teilen) mal wieder einen erinnerungswürdigen Abend, zu dem neben EMPYRIUM auch SUN OF THE SLEEPLESS und HELRUNAR ihren Anteil dauzu beitrugen.
SUN OF THE SLEEPLESS
Mit ca. 15 Minuten Verspätung, zum auf den Eintrittskarten angekündigten Beginn, eröffnen SUN OF THE SLEEPLESS mit "Motions" den Abend.
Anders als vor 6 Monaten beim Dark Easter Metal Meeting Auftritt, als man Mühe hatte, sich einen Platz in der Halle zu sichern, hat heute jeder, der zu "früher" Stunde erschienen ist, genügend Bewegungsfreiheit und von (fast) überall in der Halle freie Sicht zur Bühne. Des einen Freud des anderen Leid: Schwadorf hätte sich sicherlich über den einen oder anderen zahlenden Zuschauer mehr gefreut. Sei's drum. Das schroffe Kontrastprogramm, im Vergleich zum Headliner, aus der schwarzen Musikküche Schwadorfs, überzeugt auch in kleinerem Rahmen.
Nicht ganz schuldlos an dieser Tatsache ist, neben dem Songmaterial des Debütalbums und einer auf das Minimum reduzierten Bühnenshow, vor allem Jochen Stock, besser bekannt als Eviga (DORNENREICH) an der Gitarre. Nach 45 Minuten und dem grandiosen "Phoenix Rise" verabschieden sich SUN OF THE SLEEPLESS und gönnen Schwadorf eine kurze Verschnaufpause, bevor er auch noch mit dem Headliner die Bühne heute Abend besteigen wird.
HELRUNAR
Bevor es jedoch soweit ist, darf sich die Münsteraner Black Metal Combo HELRUNAR auf der selbigen austoben. Mit "Saturnus" steigen die Westfalen in ihr Set ein und bestätigen damit Marcel "Skald Draugir" Dreckmann eindrucksvoll, der während der Show trocken anmerkt, dass HELRUNAR für jeden, der es noch nicht gemerkt hat, mit Pagan Metal nichts am Hut haben. In der Tat: Herumhüpfende Freizeit-Trolle mit Fellwesten und Kunststofftrinkhörner Made in China, würden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Dazu ist das Material, das HELRUNAR seit jeher und logischerweise auch heute Abend durch die Boxen jagen, zu nihilistisch.
Dominiert wird die Setlist heute Abend mit vier Tracks vom gerade eben erst erschienenen Longplayer "Vanitas Vanitatvm". Neben dem bereits erwähnten "Saturnus" verlieren zudem auch noch "Als die Welt zur Nacht sich wandt", "Da brachen aus böse Blättern, am Mensch und am Vieh" und "Blutmond" ihre Jungfräulichkeit auf der Bühne. Aber auch an die Freunde älterer Schandtaten der Truppe wurde gedacht, gibt es doch mit "Devils Devils Everywhere!", "Nebelspinne", "Raune mit der Tiefe", "Magdeburg brennt!" und "Landsknecht" einen wilden Ritt durch nahezu alle Phasen des Schaffens von HELRUNAR. Nur mit Material vom "Frostnacht" Album wurde gegeizt. Und fast wäre es auch dabei geblieben. Zu schnell verhallte der Applaus nach Showende, sodass HELRUNAR (berechtigterweise) irritiert waren. Nur einer handvoll Die-Hard-Fans ist es zu verdanken, dass HELRUNAR noch für eine Zugabe auf die Bühne zurückkehrten. Und so kommt auch noch "Älter als das Kreuz" zu Live-Ehren.
EMPYRIUM
Nachdem es in den letzten zwei Stunden mehr oder weniger heftig auf die Mütze gegeben hat, lassen EMPYRIUM den Abend nun etwas moderater ausklingen.
Vor gar nicht all zu langer Zeit schien es noch unmöglich, dass EMPYRIUM jemals im größeren Stil auf Tour gehen würden. Die Erfolge lagen zu weit zurück, um abschätzen zu können, ob es sich für beide Seiten noch (oder schon wieder) lohnen könnte. Das "neue" Album ("The Turn of the Tides" / 2014), sowie der Auftritt beim Prophecy Fest 2015 in der Balver Höhle 2015 incl. der allenthalben positiven Resonanz darauf, müssen Schwadorf letztendlich doch davon überzeugt haben, eine Tour zu fahren.
Inzwischen haben sich auch die Reihen im Publikum sichtlich gefüllt, sodass die finanziellen Schäfchen in trockenen Tüchern sein dürften. Musikalisch gesehen ist der Auftritt ohnehin über jeden Zweifel erhaben. So setzt sich beispielsweise die Setlist auschließlich aus Songs der ersten beiden Longplayer und des Demos "... der wie ein Blitz vom Himmel fiel ..." zusammen, was dem heutigen (schwarzmetallischen) Rahmen mehr als gerecht wird, auch wenn vor allem die ruhigeren, folkigen Passagen für die Extraportion Gänsehaut sorgen.
Nur ein penetranter Zwischenrufer mit scheinbar mehr alkoholischen Umdrehungen im Blut als Gehirnzellen im Oberstübchen, stört mehrfach das kollektive Schwelgen in Erinnerungen. Letztendlich schafft aber auch er es nicht, die mystische Atmosphäre nachhaltig zu stören. Mit "Ode to Melancholy" und "A Gentle Grieving Farewell Kiss" geht ein hochklassiger Konzertabend mit viel Gefühl und verglühendem Weihrauch im Räuchertöpfchen zu Ende, der nur ein Resümee zulässt: Wer zu spät (oder wie in diesem Fall erst gar nicht) kommt, der verpasst oftmals, so auch heute, Momente, die mit Geld nicht zu bezahlen sind. (JK)
Lange musste man darauf warten, ehe Wunsch und Wirklichkeit zusamenfanden: EMPYRIUM gehen zum allerersten Mal auf ausgedehnte Tour. Angekündigt war zudem ein Oldschool-Set, mit Schwerpunkt auf das 1997er Meisterwerk "Songs of Moors & Misty Fields". Da sollte man doch annehmen können, dass die Black Metal Szene alle Hebel in Bewegung setzt, um an Karten zu kommen und die Hütte einrennen wird. Doch weit gefehlt. München verpennt (zu großen Teilen) mal wieder einen erinnerungswürdigen Abend, zu dem neben EMPYRIUM auch SUN OF THE SLEEPLESS und HELRUNAR ihren Anteil dauzu beitrugen.
SUN OF THE SLEEPLESS
Mit ca. 15 Minuten Verspätung, zum auf den Eintrittskarten angekündigten Beginn, eröffnen SUN OF THE SLEEPLESS mit "Motions" den Abend.
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| SUN OF THE SLEEPLESS (© by metal-is-forever-alive) |
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| SUN OF THE SLEEPLESS (© by metal-is-forever-alive) |
HELRUNAR
Bevor es jedoch soweit ist, darf sich die Münsteraner Black Metal Combo HELRUNAR auf der selbigen austoben. Mit "Saturnus" steigen die Westfalen in ihr Set ein und bestätigen damit Marcel "Skald Draugir" Dreckmann eindrucksvoll, der während der Show trocken anmerkt, dass HELRUNAR für jeden, der es noch nicht gemerkt hat, mit Pagan Metal nichts am Hut haben. In der Tat: Herumhüpfende Freizeit-Trolle mit Fellwesten und Kunststofftrinkhörner Made in China, würden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Dazu ist das Material, das HELRUNAR seit jeher und logischerweise auch heute Abend durch die Boxen jagen, zu nihilistisch.
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| HELRUNAR (© by metal-is-forever-alive) |
EMPYRIUM
Nachdem es in den letzten zwei Stunden mehr oder weniger heftig auf die Mütze gegeben hat, lassen EMPYRIUM den Abend nun etwas moderater ausklingen.
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| EMPYRIUM (© by metal-is-forever-alive) |
Inzwischen haben sich auch die Reihen im Publikum sichtlich gefüllt, sodass die finanziellen Schäfchen in trockenen Tüchern sein dürften. Musikalisch gesehen ist der Auftritt ohnehin über jeden Zweifel erhaben. So setzt sich beispielsweise die Setlist auschließlich aus Songs der ersten beiden Longplayer und des Demos "... der wie ein Blitz vom Himmel fiel ..." zusammen, was dem heutigen (schwarzmetallischen) Rahmen mehr als gerecht wird, auch wenn vor allem die ruhigeren, folkigen Passagen für die Extraportion Gänsehaut sorgen.
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| EMPYRIUM (© by metal-is-forever-alive) |
Samstag, 20. Oktober 2018
SCHUBERT IN ROCK / "Commander of Pain" / Label: Pure Steel Records / 13 Tracks / 70:10 Min
Das Suchen und der Weg ist wichtiger, als dass man wirklich etwas findet. (Yehudi Menuhin)
Nachdem Klaus Schubert, seines Zeichens Gitarrist bei NO BROS, bereits vor fünf Jahren mit der Debüt-Veröffentlichung seines Nebenprokets SCHUBERT IN ROCK um die Ecke kam, kehrt der Österreicher nun ein zweites Mal solo zurück.
Wobei "solo" meilenweit danebengegriffen ist, schart der Mann doch mehr oder weniger erneut die (gefühlt) halbe Beletage des 70er/80er Jahre Hard Rock Business um sich. Zu den internationalen Gast-Stars wie Don Airey (DEEP PURPLE), Dan McCafferty und Carl Sentance (beide NAZARETH), Doogie White (RAINBOW, Michael Schenker's TEMPLE OF ROCK), Jeff Scott Soto (TSO, JOURNEY), Marc Storace (KROKUS), Michael Vescera (YNGWIE MALMSTEEN, LOUDNESS) und Jennifer Batten (JEFF BECK), gesellen sich zudem noch die nationalen Altstars Ewald "Sunny" Pfleger (OPUS), Martin Seimen (SUPERFEUCHT) und Gery Moder (HANS SÖLLNER).
Soweit so gut. Einen gravierenden Unterschied zum Erstlingswerk gibt es jedoch zu vermelden: Haben sich vor fünf Jahren noch die Stars die Klinke in die Hand gegeben, um die alten Hits von NO BROS in neuem Licht erstrahlen zu lassen, wartet "Commander of Pain" diesmal ausschließlich mit neu komponierten Songs auf.
Ein Unterfangen, dass mal gut, mal weniger überzeugend über die Ziellinie geht. Während Tracks wie "Little Boy" (mit Walter Stuefer), "Too Late" (mit Dan McCafferty) und "It's Our World" (mit Dan McCafferty und Jennifer Batten), sowie mit kleinen Abstrichen auch noch "Burning Heart" (mit Marc Storace) und "My Name is Judas" (mit Doogie White ) überzeugen können, muss man bei den restlichen Kompositionen Ausdauer aufbringen, um mit ihnen warm zu werden.
Bei "Empathy" und "World Without No Tomorrow", "Forgive Me When I Fall" hilft aber selbst dies nicht.
So bleibt unterm Strich ein Album, dass zwar erneut mit den Namen der Gaststars (heuer leider ohne Biff Byford, Tony Martin und Joe Lynn Turner) glänzen kann, aber im Gegensatz zum Erstlingswerk, nur bedingt mit dem Songmaterial.
Was aber nicht heißen soll, dass sich "Commander of Pain" trotzdem den Weg in die Herzen der Hard Rock Liebhaber bahnen könnte. Ausnahmekünstler wie Doogie White, Jeff Scott Soto und Carl Sentance werten nämlich selbst die mittelmäßigsten Songs so auf, dass man nie Gefahr läuft, die Skip Taste drücken zu wollen (JK)
6.5 von 10
www.facebook.com/SchubertInRock/
Nachdem Klaus Schubert, seines Zeichens Gitarrist bei NO BROS, bereits vor fünf Jahren mit der Debüt-Veröffentlichung seines Nebenprokets SCHUBERT IN ROCK um die Ecke kam, kehrt der Österreicher nun ein zweites Mal solo zurück.
Wobei "solo" meilenweit danebengegriffen ist, schart der Mann doch mehr oder weniger erneut die (gefühlt) halbe Beletage des 70er/80er Jahre Hard Rock Business um sich. Zu den internationalen Gast-Stars wie Don Airey (DEEP PURPLE), Dan McCafferty und Carl Sentance (beide NAZARETH), Doogie White (RAINBOW, Michael Schenker's TEMPLE OF ROCK), Jeff Scott Soto (TSO, JOURNEY), Marc Storace (KROKUS), Michael Vescera (YNGWIE MALMSTEEN, LOUDNESS) und Jennifer Batten (JEFF BECK), gesellen sich zudem noch die nationalen Altstars Ewald "Sunny" Pfleger (OPUS), Martin Seimen (SUPERFEUCHT) und Gery Moder (HANS SÖLLNER).
Soweit so gut. Einen gravierenden Unterschied zum Erstlingswerk gibt es jedoch zu vermelden: Haben sich vor fünf Jahren noch die Stars die Klinke in die Hand gegeben, um die alten Hits von NO BROS in neuem Licht erstrahlen zu lassen, wartet "Commander of Pain" diesmal ausschließlich mit neu komponierten Songs auf.
Ein Unterfangen, dass mal gut, mal weniger überzeugend über die Ziellinie geht. Während Tracks wie "Little Boy" (mit Walter Stuefer), "Too Late" (mit Dan McCafferty) und "It's Our World" (mit Dan McCafferty und Jennifer Batten), sowie mit kleinen Abstrichen auch noch "Burning Heart" (mit Marc Storace) und "My Name is Judas" (mit Doogie White ) überzeugen können, muss man bei den restlichen Kompositionen Ausdauer aufbringen, um mit ihnen warm zu werden.
Bei "Empathy" und "World Without No Tomorrow", "Forgive Me When I Fall" hilft aber selbst dies nicht.
So bleibt unterm Strich ein Album, dass zwar erneut mit den Namen der Gaststars (heuer leider ohne Biff Byford, Tony Martin und Joe Lynn Turner) glänzen kann, aber im Gegensatz zum Erstlingswerk, nur bedingt mit dem Songmaterial.
Was aber nicht heißen soll, dass sich "Commander of Pain" trotzdem den Weg in die Herzen der Hard Rock Liebhaber bahnen könnte. Ausnahmekünstler wie Doogie White, Jeff Scott Soto und Carl Sentance werten nämlich selbst die mittelmäßigsten Songs so auf, dass man nie Gefahr läuft, die Skip Taste drücken zu wollen (JK)
6.5 von 10
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Mittwoch, 22. August 2018
CHRIS CAFFERY / "The Jester's Court" / Label: Metalville - Rough Trade / 12 Tracks / 58:03 Min
Das ganze Leben besteht in einem ständigen Neubeginn. (Hugo von Hofmannsthal)
Chris Caffery, ein Name, der in der Heavy Metal Szene immer noch einen guten Ruf genießt - auch abseits der Großkaliber SAVATAGE und TRANS SIBERIAN ORCHESTRA. Drei Jahre nach seinem letzten Soloalbum ("Your Heaven Is Real") meldet sich der Mann aus dem Bundesstaat New York nun mit neuem Material zurück.
Wie schon auf dem letzten Album, wird Caffery von Drummer Brian Tichy (ehemals WHITESNAKE) begleitet. Auch seine sonstigen Mitstreiter können sich sehen (und hören) lasssen. So konnte auch noch Keyboarder Alessandro Del Vecchio (JORN, VOODOO CIRCLE) verpflichtet werden - genauso wie diverse Gastmusiker (u.a. Jane Mangini [DEE SNIDER] und Joel Hoekstra [NIGHT RANGER, WHITESNAKE]), die aber im Gegensatz zu den beiden zuvor genannten, nur bei einzelnen Titeln ihr Können unter Beweis stellen können.
Womit wir bei der musikalischen Wertigkeit dieser Veröffentlichung wären. Und hier kann (leider) nicht mehr ganz so prominent, wie bei den musikalischen Mitstreitern, mit Pfunden gewuchert werden. Ob dieser Umstand letztendlich an der zumindest diskusionswürdigen Produktion des Albums oder hauptsächlich am oftmals keineswegs hochklassigen Songwriting liegt, mag ein Jeder bitte für sich selbst entscheiden.
Fakt ist jedoch: "The Jester's Court" hat nur ein paar wenige Songs im Köcher, die nachhaltig in Erinnerung bleiben - Produktion hin oder her.
Neben "1989" sowie "Protect My Soul" sind dies vor allem "Upon the Knee" und "The Feeling of a White Lie".
Das restliche Material schwankt zwischen solider Hausmannskost und fadem Kantinenessen.
Fazit:Mit "The Jester's Court" stellt Chris Caffery ein Album ins Schaufenster, welches kompositorisch und soundtechnisch nicht ganz ausgereift erscheint.
So bleibt am Ende eine Veröffentlichung, die nur in Fankreisen für zarte Begeisterung sorgen dürfte. (JK)
6 von 10
http://www.chriscaffery.com/
Chris Caffery, ein Name, der in der Heavy Metal Szene immer noch einen guten Ruf genießt - auch abseits der Großkaliber SAVATAGE und TRANS SIBERIAN ORCHESTRA. Drei Jahre nach seinem letzten Soloalbum ("Your Heaven Is Real") meldet sich der Mann aus dem Bundesstaat New York nun mit neuem Material zurück.
Wie schon auf dem letzten Album, wird Caffery von Drummer Brian Tichy (ehemals WHITESNAKE) begleitet. Auch seine sonstigen Mitstreiter können sich sehen (und hören) lasssen. So konnte auch noch Keyboarder Alessandro Del Vecchio (JORN, VOODOO CIRCLE) verpflichtet werden - genauso wie diverse Gastmusiker (u.a. Jane Mangini [DEE SNIDER] und Joel Hoekstra [NIGHT RANGER, WHITESNAKE]), die aber im Gegensatz zu den beiden zuvor genannten, nur bei einzelnen Titeln ihr Können unter Beweis stellen können.
Womit wir bei der musikalischen Wertigkeit dieser Veröffentlichung wären. Und hier kann (leider) nicht mehr ganz so prominent, wie bei den musikalischen Mitstreitern, mit Pfunden gewuchert werden. Ob dieser Umstand letztendlich an der zumindest diskusionswürdigen Produktion des Albums oder hauptsächlich am oftmals keineswegs hochklassigen Songwriting liegt, mag ein Jeder bitte für sich selbst entscheiden.
Fakt ist jedoch: "The Jester's Court" hat nur ein paar wenige Songs im Köcher, die nachhaltig in Erinnerung bleiben - Produktion hin oder her.
Neben "1989" sowie "Protect My Soul" sind dies vor allem "Upon the Knee" und "The Feeling of a White Lie".
Das restliche Material schwankt zwischen solider Hausmannskost und fadem Kantinenessen.
Fazit:Mit "The Jester's Court" stellt Chris Caffery ein Album ins Schaufenster, welches kompositorisch und soundtechnisch nicht ganz ausgereift erscheint.
So bleibt am Ende eine Veröffentlichung, die nur in Fankreisen für zarte Begeisterung sorgen dürfte. (JK)
6 von 10
http://www.chriscaffery.com/
EUPHOREON / "Ends of the Earth" / Label: Self-Released / 7 Tracks / 47:57 Min
Den besten Gebrauch von seinem Leben, macht derjenige, der es einer Sache widmet, die ihn überdauert. (William James)
Was passiert, wenn zwei stoische Einzelgänger zusammentreffen? Entweder man schweigt sich an, oder wie im Fall von EUPHOREON, man entdeckt einen gemeinsamen Nenner und geht vortan als (musikalsiches) Duo durchs Leben.
In real existiert das musikalisches Duo Matt Summerville und Eugen Dodenhoeft, so die Namen der beiden Protagonisten, allerdings zumeist nur im Cyberspace, liegt zwischen den Wohnorten der beiden Musiker doch eine Distanz von ca 18.000 km.
Das erste Lebenszeichen der Zusammenarbeit erblickte 2011 das Licht der Metalwelt, sieben Jahre später folgt mit "Ends of the Earth" nun endlich der zweite Lonplayer von EUPHOREON. Geboten wird feinster Melo-Death, der sich in den selben Gefilden heimisch fühlt, wie beispielsweise WINTERSUN, KALMAH, BE'LAKOR oder FAR BEYOND, was übrigens das zweite Betätigungsfeld von Eugen Dodenhoeft ist.
Nach relativ verhaltenem Beginn (im Vergleich zum Rest des Albums), steigert sich "Ends of the Earth" in der Folge von "solide" hin zu "erstklassig" und nimmt dabei so mächtig an Fahrt auf, dass oben genannte Bands Gefahr laufen könnten, ins Hintertreffen zu geraten.
Mit enormer Leidenschaft komponieren/spielen sich Summerville und Dodenhoeft durch die energiegeladenen Kompositionen und loten dabei die Ballance von Melodie und Härte jedesmal aufs neue aus.
Großartige Melodien, in sich stimmige orchestrale Arrangements und Chöre, die im Hintergrund fleißig mitarbeiten, tragen zudem dazu bei, dass "Ends of the Earth" erhaben über die erschaffenen epischen Klanglandschaften schwebt und so jedem Anhänger dieser Stilrichtung das Herz aufgehen lassen.
Abwechslung wird auch geboten, wenn auch nur marginal. Meistens drehen die Beiden nur ein klein wenig an den Stellschrauben der einzeln Songs, dies aber so gekonnt und mit viel Phantasie, um dem jeweiligen Track genügend Eigenständigkeit mitzugeben, dass er ein eigenes Gesicht bekommt und trotzdem als passendes Puzzelteil für das Gesammtbild erhalten bleibt.
Fazit: Sieben Jahre nach ihrem Debütalbum melden sich EUPHOREON mit "Ends of the Earth" eindrucksvoll zurück und setzen die Konkurrenz damit kräftig unter Druck. Wer auf Melo-Death mit Folk und Pagan Tendenzen steht, sollte EUPHOREON unbedingt mal antesten. Es lohnt sich! (JK)
Anspiel-Tipps: "The Grand Becoming", "Mirrors", "Ends of the Earth"
8.5 von 10
http://www.euphoreon.com
Was passiert, wenn zwei stoische Einzelgänger zusammentreffen? Entweder man schweigt sich an, oder wie im Fall von EUPHOREON, man entdeckt einen gemeinsamen Nenner und geht vortan als (musikalsiches) Duo durchs Leben.
In real existiert das musikalisches Duo Matt Summerville und Eugen Dodenhoeft, so die Namen der beiden Protagonisten, allerdings zumeist nur im Cyberspace, liegt zwischen den Wohnorten der beiden Musiker doch eine Distanz von ca 18.000 km.
Das erste Lebenszeichen der Zusammenarbeit erblickte 2011 das Licht der Metalwelt, sieben Jahre später folgt mit "Ends of the Earth" nun endlich der zweite Lonplayer von EUPHOREON. Geboten wird feinster Melo-Death, der sich in den selben Gefilden heimisch fühlt, wie beispielsweise WINTERSUN, KALMAH, BE'LAKOR oder FAR BEYOND, was übrigens das zweite Betätigungsfeld von Eugen Dodenhoeft ist.
Nach relativ verhaltenem Beginn (im Vergleich zum Rest des Albums), steigert sich "Ends of the Earth" in der Folge von "solide" hin zu "erstklassig" und nimmt dabei so mächtig an Fahrt auf, dass oben genannte Bands Gefahr laufen könnten, ins Hintertreffen zu geraten.
Mit enormer Leidenschaft komponieren/spielen sich Summerville und Dodenhoeft durch die energiegeladenen Kompositionen und loten dabei die Ballance von Melodie und Härte jedesmal aufs neue aus.
Großartige Melodien, in sich stimmige orchestrale Arrangements und Chöre, die im Hintergrund fleißig mitarbeiten, tragen zudem dazu bei, dass "Ends of the Earth" erhaben über die erschaffenen epischen Klanglandschaften schwebt und so jedem Anhänger dieser Stilrichtung das Herz aufgehen lassen.
Abwechslung wird auch geboten, wenn auch nur marginal. Meistens drehen die Beiden nur ein klein wenig an den Stellschrauben der einzeln Songs, dies aber so gekonnt und mit viel Phantasie, um dem jeweiligen Track genügend Eigenständigkeit mitzugeben, dass er ein eigenes Gesicht bekommt und trotzdem als passendes Puzzelteil für das Gesammtbild erhalten bleibt.
Fazit: Sieben Jahre nach ihrem Debütalbum melden sich EUPHOREON mit "Ends of the Earth" eindrucksvoll zurück und setzen die Konkurrenz damit kräftig unter Druck. Wer auf Melo-Death mit Folk und Pagan Tendenzen steht, sollte EUPHOREON unbedingt mal antesten. Es lohnt sich! (JK)
Anspiel-Tipps: "The Grand Becoming", "Mirrors", "Ends of the Earth"
8.5 von 10
http://www.euphoreon.com
Samstag, 18. August 2018
Konzertbericht JUDAS PRIEST + BLACK STAR RIDERS - 31.7. 2018 München / Zenith
Firepower - JUDAS PRIEST bringen München zum Schwitzen
Wenn die Metal Gods in der Stadt sind, dann pilgert die in schwarze Leibchen gehüllte Gefolgschaft in Massen zum Veranstaltungsort. Das war schon in den 1970er/-80er Jahren so, daran hat sich auch heutzutage nichts geändert. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass, ob des diesjährigen Rekord-Sommers, bereits die Anreise bei schwülen 33° Celcius an die Substanz geht. Der richtige Metal-Fan sorgt sowieso vor. Nicht nur, dass im Vorfeld des Konzerts schon das ein oder andere Hopfenkaltgetränk der Abkühlung halber gezischt wurde, nein, auch die Eintrittskarte wurde (in weiser Voraussicht) schon Wochen/Monate vorher besorgt.
Wer erst auf den letzten Drücker in die Puschen kommt hat Pech - "ausverkauft" prangert am Kassenhäuschen!
Wer es nach Warteschlange (in der prallen Sonne) und Einlasskontrolle (auch kein Zuckerschlecken für die Security, Tausende verschwitze Körper abzutasten) endlich in die abgedunkelte Halle geschafft hat und sich davon etwas Abkühlung versprach, der hatte die Rechnung ohne die Venue gemacht. Ist das Zenith doch seit jeher für zwei Dinge berühmt: Für seinen mittelmäßigen Sound und eine Lüftungsanlage, die den Namen nicht verdient.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Als BLACK STAR RIDERS überpünktlich in ihr Set mit "All Hell Breaks Loose" einsteigen, interessiert sich kaum jemand dafür. Nur ein paar Hundert Metalheads lassen sich vom Geschehen auf der Bühne beeindrucken. Der Großteil verzieht sich, kaum dass er es in die Halle geschafft hat, sofort wieder in den schattigen (!) Außenbereich (es wurden wohl noch nie soviele Nichtraucher in diesem Bereich gesichtet wie heute Abend), oder an die Bar, um sich mit Flüssigkeit einzudecken. An diesem Bild ändert sich die nächsten 60 Minuten kaum etwas, so dass sich BLACK (THIN) STAR (LIZZY) RIDERS nahezu unbemerkt auf der Bühne austoben.
Zum finalen Dreierschlag ("The Boys Are Back in Town", "Kingdom of the Lost", "Bound for Glory") wird es dann urplötzlich voll in der Halle. Ob es letztendlich am prominentem Liedgut, oder an der "Angst", bei Priest keinen guten Platz zu haben lag, ist abschließend nicht aufzuklären.
Als BLACK STAR RIDERS anschließend von der Bühne gehen, bekommen sie von versammelter Mannschaft (ca 6000 Menschen) Applaus. Und das, obwohl kaum einer mehr als 10 Minuten vom Auftritt mitbekommen hat. Sachen gibt's.
Nach einer halbstündigen Umbaupause, in der sich die gefühlte Temperatur in der Halle von "tropischer Nacht", hin zu "ambitioniertem Saunagang" gesteigert hat, eröffnen JUDAS PRIEST passenderweise mit "Firepower". Doch damit nicht genug - auch optisch wird eingeheizt. Auf der überdimensionalen Videoinstallation, die anstelle eines Backdrop montiert wurde, lodern die Flammen meterhoch der Hallendecke entgegen.
Spätestens jetzt sehne ich Badeshorts, Tank-Top und Flip-Flops herbei. Sekunden später reißt mich "Grinder" aus meinem Baggerseetraum, in dem ich unter einem schattigen Baum liegend, die Füsse in eiskaltes Wasser getaucht, entspannt die untergehende Sonne am Horizont beobachte.
Wie sich wenige Momente später herausstellt, ist die "Sonne" aus meinem Tagtraum in Wirklichkeit die polierte Glatze von Rob Halford auf der Bühne, und meine Füsse sind leider auch nicht in eiskaltes Wasser getaucht, auch wenn es sich so anfühlt. Jemand hatte nur seinen vollen Bierbecher auf meinen Schuhen entsorgt. Von nun an wollte ich aufmerksamer sein und den Helden auf der Bühne endlich die Aufmerksamkeit entgegen bringen, die sie verdient haben. Es sollte sich lohnen!
Lange schon hat man Rob Halford nämlich nicht mehr so agil erlebt wie heute. Wohlgemerkt, der Mann ist inzwischen 67 Jahre alt, steckt aber von der Ausstrahlung her und stimmlich gesehen immer noch das gesamte Genre locker in die Tasche. Im Vergleich zur letzten Tour ist er inzwischen auch wieder besser zu Fuss unterwegs.
Die Frischzellkur mit Ritchie Faulkner steht den Priestern nach Anlaufschwierigkeiten nun ebenfalls gut zu Gesicht, auch wenn Downing und Tipton natürlich nicht vollwertig zu ersetzen sind. Wobei der an Parkinson erkrankte Tipton zumindest nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden ist: Beim Zugabenblock taucht er nämlich aus dem sprichwörtlichen Nichts auf. Spätestens jetzt rücken sämtliche (hitzebedingten) Begleitumstände bei allen in den Hintergrund und kollektives Gänsehaut-Feeling macht sich breit.
Gemeinsam, nun als Sextett, zocken JUDAS PRIEST "Metal Gods", "Breaking the Law" und "Living After Midnight" und schenken München damit einen jener Momente, an die man sich auch noch Jahre später gerne zurück erinnert. (JK)
Wenn die Metal Gods in der Stadt sind, dann pilgert die in schwarze Leibchen gehüllte Gefolgschaft in Massen zum Veranstaltungsort. Das war schon in den 1970er/-80er Jahren so, daran hat sich auch heutzutage nichts geändert. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass, ob des diesjährigen Rekord-Sommers, bereits die Anreise bei schwülen 33° Celcius an die Substanz geht. Der richtige Metal-Fan sorgt sowieso vor. Nicht nur, dass im Vorfeld des Konzerts schon das ein oder andere Hopfenkaltgetränk der Abkühlung halber gezischt wurde, nein, auch die Eintrittskarte wurde (in weiser Voraussicht) schon Wochen/Monate vorher besorgt.
Wer erst auf den letzten Drücker in die Puschen kommt hat Pech - "ausverkauft" prangert am Kassenhäuschen!
Wer es nach Warteschlange (in der prallen Sonne) und Einlasskontrolle (auch kein Zuckerschlecken für die Security, Tausende verschwitze Körper abzutasten) endlich in die abgedunkelte Halle geschafft hat und sich davon etwas Abkühlung versprach, der hatte die Rechnung ohne die Venue gemacht. Ist das Zenith doch seit jeher für zwei Dinge berühmt: Für seinen mittelmäßigen Sound und eine Lüftungsanlage, die den Namen nicht verdient.
Und so kommt es, wie es kommen muss: Als BLACK STAR RIDERS überpünktlich in ihr Set mit "All Hell Breaks Loose" einsteigen, interessiert sich kaum jemand dafür. Nur ein paar Hundert Metalheads lassen sich vom Geschehen auf der Bühne beeindrucken. Der Großteil verzieht sich, kaum dass er es in die Halle geschafft hat, sofort wieder in den schattigen (!) Außenbereich (es wurden wohl noch nie soviele Nichtraucher in diesem Bereich gesichtet wie heute Abend), oder an die Bar, um sich mit Flüssigkeit einzudecken. An diesem Bild ändert sich die nächsten 60 Minuten kaum etwas, so dass sich BLACK (THIN) STAR (LIZZY) RIDERS nahezu unbemerkt auf der Bühne austoben.
Zum finalen Dreierschlag ("The Boys Are Back in Town", "Kingdom of the Lost", "Bound for Glory") wird es dann urplötzlich voll in der Halle. Ob es letztendlich am prominentem Liedgut, oder an der "Angst", bei Priest keinen guten Platz zu haben lag, ist abschließend nicht aufzuklären.
Als BLACK STAR RIDERS anschließend von der Bühne gehen, bekommen sie von versammelter Mannschaft (ca 6000 Menschen) Applaus. Und das, obwohl kaum einer mehr als 10 Minuten vom Auftritt mitbekommen hat. Sachen gibt's.
Nach einer halbstündigen Umbaupause, in der sich die gefühlte Temperatur in der Halle von "tropischer Nacht", hin zu "ambitioniertem Saunagang" gesteigert hat, eröffnen JUDAS PRIEST passenderweise mit "Firepower". Doch damit nicht genug - auch optisch wird eingeheizt. Auf der überdimensionalen Videoinstallation, die anstelle eines Backdrop montiert wurde, lodern die Flammen meterhoch der Hallendecke entgegen.
Spätestens jetzt sehne ich Badeshorts, Tank-Top und Flip-Flops herbei. Sekunden später reißt mich "Grinder" aus meinem Baggerseetraum, in dem ich unter einem schattigen Baum liegend, die Füsse in eiskaltes Wasser getaucht, entspannt die untergehende Sonne am Horizont beobachte.
Wie sich wenige Momente später herausstellt, ist die "Sonne" aus meinem Tagtraum in Wirklichkeit die polierte Glatze von Rob Halford auf der Bühne, und meine Füsse sind leider auch nicht in eiskaltes Wasser getaucht, auch wenn es sich so anfühlt. Jemand hatte nur seinen vollen Bierbecher auf meinen Schuhen entsorgt. Von nun an wollte ich aufmerksamer sein und den Helden auf der Bühne endlich die Aufmerksamkeit entgegen bringen, die sie verdient haben. Es sollte sich lohnen!
Lange schon hat man Rob Halford nämlich nicht mehr so agil erlebt wie heute. Wohlgemerkt, der Mann ist inzwischen 67 Jahre alt, steckt aber von der Ausstrahlung her und stimmlich gesehen immer noch das gesamte Genre locker in die Tasche. Im Vergleich zur letzten Tour ist er inzwischen auch wieder besser zu Fuss unterwegs.
Die Frischzellkur mit Ritchie Faulkner steht den Priestern nach Anlaufschwierigkeiten nun ebenfalls gut zu Gesicht, auch wenn Downing und Tipton natürlich nicht vollwertig zu ersetzen sind. Wobei der an Parkinson erkrankte Tipton zumindest nicht gänzlich von der Bildfläche verschwunden ist: Beim Zugabenblock taucht er nämlich aus dem sprichwörtlichen Nichts auf. Spätestens jetzt rücken sämtliche (hitzebedingten) Begleitumstände bei allen in den Hintergrund und kollektives Gänsehaut-Feeling macht sich breit.
Gemeinsam, nun als Sextett, zocken JUDAS PRIEST "Metal Gods", "Breaking the Law" und "Living After Midnight" und schenken München damit einen jener Momente, an die man sich auch noch Jahre später gerne zurück erinnert. (JK)
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